„Lügenfritz“-Urteil spaltet die Meinung – Deutsche wollen § 188 mehrheitlich abschaffen

INSA-Umfrage: relative Mehrheit will Politiker-Beleidigungsparagrafen streichen – Stern/RTL/Forsa behaupten das Gegenteil

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

INSA-Befragung© Quelle: INSA, Screenshot

„Stern“ und RTL vermelden eine klare Mehrheit für den Erhalt des Beleidigungsparagrafen. Eine zeitgleich veröffentlichte INSA-Umfrage kommt zum genau gegenteiligen Ergebnis. Wie haben INSA und Forsa gefragt?

„Stern“ und „RTL“ haben eine Forsa-Umfrage zur Abschaffung von § 188 StGB (Politikerbeleidigung) in Auftrag gegeben. Der „Stern“ fasst das Ergebnis in seiner Schlagzeile so zusammen:

„Forsa-Umfrage – Mehrheit der Deutschen will Gesetz zur Politiker-Beleidigung beibehalten“

Allerdings nennen weder der „Stern“ noch Forsa die genaue Fragestellung. Eine Presseanfrage dazu wurde bei Forsa gestellt – sobald die Antwort eintrifft, wird sie hier nachgereicht.

Laut „Stern“ ergab die Umfrage: 58 Prozent der Deutschen wollen an der gesetzlichen Regelung festhalten, 38 Prozent wollen sie abschaffen, 4 Prozent antworteten mit „weiß nicht“.

Deutlich anders sieht es beim INSA-Meinungstrend aus. INSA-Chef Hermann Binkert veröffentlichte heute auf YouTube https://www.youtube.com/watch?v=KhjBjuzk8Dc die Ergebnisse.

Hier spricht sich eine relative Mehrheit für die Abschaffung des § 188 aus:

43 Prozent für Abschaffung, 32 Prozent für Erhalt, der Rest hat keine Meinung.
 
Warum die großen Unterschiede? Entscheidend ist die Fragestellung. Die von INSA liegt bereits vor, die von Forsa steht noch aus.

Die INSA-Frage lautete:
 
„§ 188 StGB stellt die Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung von Personen des politischen Lebens unter Strafe, wenn diese geeignet ist, ihr öffentliches Wirken erheblich zu erschweren. Aktuell gibt es in Deutschland viele Anklagen und Verurteilungen in Bezug auf Beleidigungen des Bundeskanzlers Friedrich Merz. Zuletzt wurde die Bezeichnung ‚Lügenfritz‘ mit einer Geldstrafe geahndet. Sollte Ihrer Meinung nach der § 188 StGB erhalten bleiben oder abgeschafft werden?“

Weitere INSA-Ergebnisse:

Ein Viertel der Befragten hatte keine oder keine klare Meinung.
Frauen waren bei „Erhalt“ und „Abschaffung“ etwas zurückhaltender und bei „weiß nicht/keine Angabe“ überrepräsentiert.
Nur bei den über 70-Jährigen gibt es eine relative Mehrheit für den Erhalt des Paragrafen.
Ostdeutsche sind mit 45 % etwas stärker für die Abschaffung als Westdeutsche.
Nach Parteineigung: AfD- und FDP-Anhänger liegen mit jeweils über 65 % klar vorne bei der Forderung nach Abschaffung (FDP sogar noch vor der AfD).

Sobald der exakte Fragenkatalog von Forsa vorliegt, ergänze ich die Gegenüberstellung hier.

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