Der BILD-Mitarbeiter und sporadische Ukraine-Berichterstatter Filipp Piatov hat gestern Nachmittag einen längeren X-Post veröffentlicht, in welchem er dem Leser erklären möchte, warum der Podcaster Ben Berndt schlecht arbeite und Springer-Kollege und Kumpel Paul Ronzheimer tolle Arbeit leiste.
Als Aufhänger nimmt Piatov den Vergleich zweier längerer Podcast-Gespräche. Ronzheimer sprach mit Außenminister Wadephul und Berndt mit dem russischen Botschafter Netschajew . Oder in deutlichen Zahlen: weniger als 80.000 Aufrufe bei Ronzheimer gegen 3,7 Millionen Aufrufe bei Ben Berndt. Hier mag die Grundempörung von Piatov besonders tief verankert sein. Was sie im Folgenden erfahren, ist also auch Teil einer Neiddebatte.
Um besser einordnen zu können, um was es geht, vorab etwas zur Person Filipp Piatov. Der ist seit knapp zehn Jahren bei Springer und mittlerweile stellvertretender Leiter des Politik-Ressorts bei BILD. Höflich ausgedrückt: Es wird hausintern Gründe geben, warum er noch keine Führungsposition hat und warum er den ereignislosen Stellvertreter-Titel trägt.
Um nicht zu ausführlich mit ihm zu werden, nur noch die Eckdaten: Piatov ist unter anderem seit 2023 Sidekick in einem weiteren Springer-Podcast von Kumpel Ronzheimer. Und Piatov, Ronzheimer und weitere Springer-Jungs wie Julian Röpcke, Ibrahim Naber und früher auch Julian Reichelt sind Teil so einer springereigenen Frontreporter-Truppe. Berichterstatter also wie jener tragisch-komische BBC-Kollege, der in Vollmontur einem Graben kauerte, während eine Oma mit Hund und Einkaufstasche vorbeikam.
Von der aktiven Truppe sind – plus Ulf Poschardt – alle außer Piatov mit dem ukrainischen Propagandaorden dritter Klasse von Selenskyj selbst für deutsche Waffen- und Milliardenlieferungen ausgezeichnet worden. Einzig Ronzheimer soll das Blech abgelehnt haben, ihm war offenbar klar, dass er sich anschließend noch weniger Journalist nennen darf. Dass er damit jene Kumpels kontaminiert, die ihn doch angenommen haben, war ihm wurscht, so intensiv ist die Freundschaft dann wohl doch nicht.
Piatov jetzt also mit dem Vergleich Berndt und Ronzheimer. Machen wir es der Reihe nach. Er schreibt via X:
„Zwei Interviews, die klarmachen, was den Unterschied zwischen kritischem Journalismus und unkritischer Abspielfläche ausmacht.“
Ronzheimer sei zwar „eindeutig pro-ukrainisch positioniert“, er hinterfrage aber die ebenfalls pro-ukrainischen Positionen des deutschen Außenministers. Das Resultat sei eine „nicht nur spannende, sondern durch den Widerspruch argumentativ geschärfte Debatte“.
Und Ben Berndt sei nur ein Podcaster, der gegenüber Sergej Netschajew die Rolle eines zustimmenden Stichwortgebers eingenommen hatte. Nun ist Ronzheimer allerdings auch in seiner Funktion als Podcaster mit Wadephul ins Gespräch gekommen. Ihn explizit als „Journalist“ vorzustellen soll gleich mal Berndt diskreditieren. Witz dabei nur: Ben Berndt ist Podcaster und will gar kein Journalist sein, wie er es nach dem Angriff der Landesmedienanstalt gegen ihn klargestellt hatte.
Davon ungerührt diskreditiert Piatov den Podcaster Berndt, indem er ihn als den ratlos Fragenden darstellt, der immer nur „Warum?“ gefragt habe, als sei „Warum?“ eine unzulässige oder irgendwie dämliche Frage.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Grundsätzlich fehlt Piatov Haltung: Der Haltungsjournalist im Kreise seiner Springer-Ordensbrüder vermisst bei Ben Berndt schmerzlich so etwas wie eine dem Leser das eigene Denken ersparende Transzendenz. Nein, Piatov ist kein Journalist mehr, er ist ein politischer Agitator im Gewande eines Reporters.
Wenn er eingangs erwähnt, Ronzheimer sei „pro-ukrainisch“, dann ist ihm schon klar, dass das mehr als eine Haltung ist, sondern Antrieb der mit einem ukrainischen Propagandaorden ausgezeichneten gesamten Berichterstattung bei Springer.
Piatov markiert Ben Berndt wie folgt: „Ein Podcaster, der sich gegenüber der Ukraine eher kritisch positionierte“. Das ist schon deshalb kurios, weil Ben Berndt zuletzt den Ex-„WELT“-Herausgeber Poschardt zu Gast hatte – den stolzen Träger des ukrainischen Propagandaordens. Aber dieses Gespräch in den Vergleich zu nehmen, hat sich Piatov nicht getraut.
Abschließend erklärt der in seiner Springer-Kriegsrunde nicht ordensausgezeichnete Filipp Piatov, dass Berndts Podcast „wegen des fehlenden Nachrichtenwerts medial ignoriert“ worden sei. Das, so weiter, bestärke den Podcaster dann darin, „wegen seines vermeintlichen Tabubruchs von den Medien abgestraft zu werden.“
Wie nennt man so jemanden? Eine Giftschleuder? Denn was Piatov hier bewusst unterschlägt, ist, dass Ben Berndt für seine Arbeit – und die damit einhergehende schwere Verletzung der Brandmauer (Höcke-Gespräch) – durchaus massiv abgestraft wird, wenn er aktuell von den Landesmedienanstalten verfolgt wird. Und wenn ich als Springer-Schreibknecht nicht berichte – dann soll das ein Argument gegen die Arbeit von Ben Berndt sein? Wohl nur, wenn man schweren Drehschwindel hat-
Das Finale zum Schluss des Piatov-Posts ist eine weitere Kuriosität. In Klammern setzt er hinten dran: „Ja, gut aufgepasst, ich bin befangen!“ Hier also noch das klare Eingeständnis, dass er nicht anders darf und kann, außer parteiisch zu sein. Und er ahnt dann immerhin noch, wie man seinen schmutzigen Haltungspost einordnen kann. Weiter bei Piatov: Na und? Scheiß auf Journalismus! Auf wenn zu sch … ist, dürfte in der Sache allerdings längst klar sein.
Aber die Ursachen liegen alle auf dem Tisch: Wenn der Springer-Konzern inzwischen einen erheblichen Teil seines Geschäfts damit macht, Politiker, Industrielle und Lobbyisten zusammenzubringen – zuletzt etwa auf dem Rüstungsgipfel, wo Drohnenhersteller mit den politischen Kontakten vernetzt wurden und Springer an der Vermittlung solcher Deals fette Rolle verdient –, dann ist die Richtung ziemlich eindeutig.
Und sie reicht bis tief hinein in diesen mörderischen Springer-Palantir-Komplex: Peter Thiel erhält den Axel-Springer-Award, Döpfners Sohn war Chief of Staff bei Thiel, der in der Ukraine ausgezeichnete Röpcke ist inzwischen Propagandachef eines Drohnenherstellers, der ehemalige BILD-Chef Boie bekleidet eine vergleichbare Funktion bei einem anderen Drohnenbauer – und die Döpfner-Familie ist über von Thiel bereitgestellte 50 Millionen Euro unmittelbar in diese Drohnengeschäfte involviert.
Spätestens an diesem Punkt muss man sich über die Rolle Piatovs nicht mehr wundern. Eine Dreckschleuder schützt seinen Arbeitgeber und seine ordensausgezeichnete Propagandatruppe.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung