Ja, wie lustig ist das denn? Natürlich nicht, aber mit Blick auf das Opfer staatlicher Willkür dann doch wieder: Es erwischte nämlich Jan Fleischhauer, diese opportunistische, rechtsverkleidete Wundertüte, der jetzt in einem Podcast die AfD-Jugend nazifizierte und dafür die Staatsmacht an den Hacken bekam.
Konkret hatte der Ex-Spiegel-Kolumnist in einem Podcast im Dezember die neue AfD-Jugend mit der Nazikeule gestreichelt – natürlich alles ironisch –, als er die Selbstbezeichnung der Jugendorganisation der AfD „Generation Deutschland“ zu „Generation Deutschland erwache“ machte.
Ob nun eindeutig ironisch oder nicht, es bleibt idiotisch und gehört zweifelsfrei zu diesem peinlichen, regelmäßigen Greenwashing Fleischhauers dazu, der sich über Jahre hinweg einer AfD-nahen Leserschaft angedient hatte und darüber regelmäßig Bauchschmerzen bekam.
Da geht es ihm nicht anders als etwa „Nius“ und anderen Portalen der Neuen Medien, die allesamt eine hohe Zahl an AfD-Wählern hinter sich vereinen. Und die nun von Zeit zu Zeit meinen, hier ein paar reinigende Worte sprechen zu müssen: Man tobt sich im Puff aus, betont aber gebetsmühlenartig, dass man Prostitution zu verurteilen habe oder so ähnlich.
Jan Fleischhauer ist diese Strampelei nun auf die Füße gefallen, man munkelt, Jürgen Elsässer habe mit der Serie „Jan“ schon eine zweite Garnitur Bademäntel aufgelegt, dieses Mal nicht in Schwarz, sondern in angenehmen Toscana-Pastelltönen. Oder wie vielleicht Anabel Schunke sagen würde: Das ist doch kein richtiger Mann!
Focus beschreibt den Polizeibesuch bei Autor Fleischhauer via Facebook wie folgt:
„Bei Jan Fleischhauer stand die Polizei vor der Tür. ‚Die Staatsmacht hat mich aufgefordert, mich zu erklären. Wenn meine Erklärungen nicht zufriedenstellend ausfallen, drohen mir bis zu drei Jahre Gefängnis, ersatzweise Geldstrafe. Was habe ich mir zu Schulden kommen lassen?‘ Mehr dazu verrät er in seiner Kolumne.“
Er sollte sich erklären? Das klingt ja fast nach Gefährderansprache. Natürlich ist das alles haltlos. Und selbst ein Anwalt, der seinen Beruf so ernst nimmt wie Fleischhauer den seinen, kann keine Probleme bekommen, den Verdacht der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§ 86a StGB) in den Boden zu stampfen.
Aber ist das wirklich der Skandal? Viel skandalöser ist doch, dass von „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt bis hin zu „Nius“-Chef Julian Reichelt ein Schockmoment für echte Aufregung gesorgt hat, der nun auch bei Jan Fleischhauer angekommen ist nach dem Motto: Wir haben doch nur gespielt. Nur gespielt mit dem Gedanken, dass die AfD die einzig verbliebene Oppositionspartei im Deutschen Bundestag ist.
Was zwar stimmt, aber mit dem faktischen Wegfall der AfD-Verbotsdebatte nach der Einstufung als „gesichert rechtsextrem“ hatte die AfD noch einmal einen Schub bekommen, der ihr mit Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt einen ersten Ministerpräsidenten bescheren könnte. Da wurde den Genannten plötzlich richtig mulmig.
Jan Fleischhauer schrieb schon Ende 2024 über die AfD:
„Aber ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass der eigentliche Grund für eine große Zahl von Anhängern die Enthemmung ist. Sich keinen Zwang mehr antun müssen, darin liegt der große Reiz.“
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Enthemmt sind nicht die Messerstecher, sondern jene, die sie kritisieren? Ältere erinnern sich: Der Journalist war lange beim „Spiegel“ und hatte sich dort gemütlich grinsend in der Rolle des kleinen Stänkerers eingerichtet. Fleischhauer beschwerte sich in schöner Regelmäßigkeit, er wolle nicht mit den linken Wölfen heulen, um dann allerdings genau das zu tun.
Aus dem Leben: Jans Papa arbeitete beim NDR und war später Geschäftsführer der Fernsehlotterie, Mama engagierte sich in der SPD, man wohnte standesgemäß in Hamburg-Wellingsbüttel. Nun war auch Klein-Jan so renitent, wie man eben ist, wenn man die Butter zu dick auf die Stulle bekommt: Man quengelt und man insistiert. Aber immer die große Sorge mit im Tornister, dass dieses Leben Brüche bekommen könnte, also bloß nicht zu viel stänkern.
Fleischhauers großer Coup war sein Buch „Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Da schaffte es der mittlerweile beim Spiegel angekommene Wellingsbütteler, erfolgreich zu stänkern, aber auch wieder nur so ein bisschen. Bloß nichts riskieren, was die lichtdurchflutete Frühstückswelt des weißen Riesen gefährden oder infrage stellen könnte.
Das Schicksal unseres Journalistenhelden: Nichts ist real, nichts ist so richtig hundertprozentig, niemals geht es ans Eingemachte, alles ist immer nur der kleine Scherz, der kleine Schmerz.
Jan Fleischhauer hat mal wieder die Reißleine gezogen. Er wollte ja nur spielen, als er seinen Kolumnenlesern wöchentlich aufschrieb, dass ihm etwas an Land und Leuten liegt. Aber plötzlich bekommt er dafür einen Tritt in die Eier aus einer vollkommen unerwarteten Ecke: Die Staatsmacht klopft an die Tür und macht eine Art Gefährderansprache beim Wort-Lümmel.
Jan Fleischhauer wäre so gern Ulf Poschardt, der traut sich, Ferrari zu fahren. Nebeneinander schaukeln auf Augenhöhe über den Dächern der Stadt – das muss sich anfühlen wie gemeinsam masturbieren im Gefechtslärm, wie Fleischhauers Ex-Kollege Georg Diez einmal ganz aufgeregt in kurzer Hose mit Holzgewehr den Big Point des Lebens der anderen beschrieb.
Fleischhauer spürte jetzt dieses Leben der anderen ganz furchtbar bedrohlich zu ihm hochschwappen. Und dann machte er halt, was er immer macht in so einer Situation: Er geht husch-husch auf Distanz und flüchtet zurück in seine geliebte Hängematte.
Bloß nicht als AfD-Freund missverstanden werden, bloß nicht den imaginären Speckgürtel gefährden, man hat gerade so viel mit sich selbst zu tun, ach, das Alter, die Liebe, die Traurigkeit und obendrauf diese ewige Sehnsucht nach dem großen Wattebausch.
Fleischhauer kritisiert in diesem Moment nicht die Ampelpolitik, nicht die zehn Jahre andauernde illegale Massenmigration, nicht diesen Dauerangriff auf die Demokratie, nicht die jahrelange und permanente Ausgrenzung und Diffamierung der AfD, nicht die Kriegstreiberei, nicht die fehlende Aufarbeitung der Corona-Jahre. Fleischhauer sorgt sich um Fleischhauer – irgendwann ist er morgens aufgewacht und hatte plötzlich zittrige Knie: Könnte jemand denken, ich sei AfD-nah?