Geburtshaus wehrt sich: Wir haben geimpfte Schwangere nicht diskriminiert!

Jetzt spricht die Hebamme aus Göttingen - Exklusiv im Interview

von Alexander Wallasch

Mit dem öffentlich-rechtlichen NDR und anderen Medien mag die geschäftsführende Hebamme aus dem Göttinger Geburtshaus nicht reden. Wir sprechen fast eine Stunde mit ihr auch darüber, warum so eine mediale Dampfwalze der Empörung über ihr friedliches Haus hinweggefegt ist.

Was war passiert? Ungeimpfte abzuweisen und ihnen die Teilnahme am öffentlichen Leben zu verweigern, empört scheinbar nur noch wenige. Aber auf einmal verdrehte Welt: Jetzt sollen vorbildlich geimpfte und geboosterte Schwangere in einem Geburtshaus abgewiesen worden sein.

Ein Skandal? Die verantwortliche Hebamme erzählt, was es bedeutet, während einer Pandemie Schwangeren dabei zu helfen, Kinder so natürlich wie möglich auf die Welt zu bringen:

„Als das losging damit, dass Schwangere von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt wurden, sich impfen zu lassen, sich spritzen zu lassen, da habe ich mich entschieden, dass ich mit der Haftpflicht und mit dem Haftungsrisiko, mit dem ich in jede Geburt reingehen muss, dass ich mich da gerne raushalten möchte.“

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Hier das Interview in voller Länge:

Alexander Wallasch: Zunächst mal eine Frage zum Berufsbild: Gibt es eigentlich keine männlichen Hebammen?

Claudia Ronsöhr: (lacht) Es gibt in Deutschland nur ein paar Entbindungspfleger. Da ist das Problem, dass die Hebamme mit den Frauen immer wieder bei der Geburt alleine ist und auch vaginal untersucht. Wenn eine männliche Person das tut, dann soll da immer noch jemand mit im Raum sein zum Schutz für beide.

Alexander Wallasch: Und gibt es heute noch Ammen?

Claudia Ronsöhr: Nein, so etwas gibt es nicht mehr. Ich bin ja schon dreißig Jahre Hebamme, ich habe in der DDR gelernt. Und da war es tatsächlich noch üblich, dass Frauen Milch gespendet haben, etwa so, wie auch Blutspenden gegeben wurden. Und das wurde dann in den Kinderkliniken verteilt, weil diese Muttermilch einfach sehr kostbar ist. Das ist aber heute, glaube ich, auch ein Hepatitis- und Aids-Thema, weswegen es nicht mehr gemacht wird.

Alexander Wallasch: Welche Eigenschaften sollte eine gute Hebamme idealerweise mitbringen?

Claudia Ronsöhr: Auf jeden Fall die Liebe zum Beruf. Eine außerklinische Hebamme, die in der Geburtshilfe tätig ist, sollte einen starken Charakter mitbringen, sie ist gefragt, auch in dringenden Situationen schnelle Entscheidungen zu treffen. Und sie braucht auf jeden Fall Geduld und Zurückhaltung, um dem natürlichen Prozess ihren Lauf zu lassen. Sie muss ruhig, besonnen, zügig und führend Entscheidungen treffen.

Alexander Wallasch: Waren sie von der Wucht der Pressemeldungen überrascht/erschrocken?

Claudia Ronsöhr: Wir waren auf jeden Fall erschrocken. Erschrocken insbesondere darüber, dass das eigentliche Thema gar nicht angesprochen wurde. Nämlich, dass die Hebamme hohe Qualitätsstandards in Deutschland erfüllt – insbesondere die Geburtshäuser. Wir sind seit achtzehn Jahren mit dem Geburtshaus in Göttingen tätig, ich leite es von Anbeginn an, seit 2004 arbeiten wir nach strengen Kriterien und Richtlinien.

Alexander Wallasch: Wer stellt diese Kriterien auf?

Claudia Ronsöhr: Das machen der Spitzenverband der Krankenkassen, Ärzte und Hebammen gemeinsam. Und sie gelten für jede Hebamme in Deutschland und speziell für die außerklinische Geburtshilfe. Jede Geburtshilfehebamme zahlt an die elftausend Euro im Jahr in die Haftpflichtversicherung. Damit sind dann Probleme in der Geburtshilfe bis zu zwölf Millionen Euro abgedeckt. Wichtig ist hier: Es gibt klare Ausschlusskriterien, an die wir gebunden sind. Wir sind angehalten, mit jeder Frau eine ausführliche Anamnese zu machen. Das hilft uns genau zu erfahren, wer sitzt da vor uns, gibt es beispielsweise Vorerkrankungen?

Alexander Wallasch: Um wie viele Frauen geht es hier eigentlich?

Claudia Ronsöhr: Um 16.000 Frauen, die außerklinisch ihre Kinder bekommen. Und es werden jährlich mehr. Da kommen manchmal Frauen zu uns mit der Vorstellung: Da ist es ja ganz nett und gemütlich, da möchte ich mein Kind zur Welt bringen. Aber da braucht es erst einmal zwei, drei Gespräche, bevor beide Seiten – Hebamme, Frau, Paar – sich über ihre Erwartungen ausgetauscht haben. Aber eben auch, um besagte Ausschlusskataloge durchzugehen: Beckenendlage des Kindes, Zwillinge, zu niedrige Eisenwerte, zu hohe Zuckerwerte, Vorerkrankungen, chronische Erkrankungen, Medikamente, OPs an der Gebärmutter mit Zysten, was immer. Da kommen wir leider nicht zusammen. Und es gibt weitere Ausschlusskriterien mit einem gewissen Ermessensspielraum für die Hebammen.

Alexander Wallasch: Es gibt also Schwangere, die sie gar nicht begleiten dürfen oder können?

Claudia Ronsöhr: Genau. Das werden automatisch klinische Fälle. Die dürfen wir nicht annehmen, die Hebamme ist laut Hebammen-Verordnung in Deutschland befugt und berechtigt, gesunde Schwangere, gesunde Gebärende, gesunde Wöchnerinnen zu begleiten. Wenn es irgendwelche Besonderheiten im Verlauf gibt, sind wir angehalten – und das ist richtig so – an die medizinische Betreuung abzugeben, was dann beim Arzt und in den Krankenhäusern stattfindet.

Alexander Wallasch: Das hört sich nun gar nicht nach Esoterik und Gitarrenspielen während der Geburt an …

Claudia Ronsöhr: (lacht)

Alexander Wallasch: Aber zum Hauptvorwurf: Haben Sie geimpfte Schwangere abgewiesen?

Claudia Ronsöhr: Die Beantwortung ist sehr komplex. Wenn sich eine Schwangere entscheidet, dass sie sich in der Schwangerschaft den mRNA-Impfstoff spritzen lässt, dann muss man dazu wissen: Das ist ein neuer Impfstoff, der noch in einer Art Studie läuft. Vorsichtig formuliert, sind die Nebenwirkungen noch nicht klar. Jede, die das bekommt oder sich dafür entscheidet, unterschreibt, dass sie aufgeklärt worden ist und dass sie selbst dafür in Haftung geht. Es haftet nicht der Arzt, nicht die Pharmaindustrie, es haftet diejenige, die sagt: Ja, ich möchte das haben. Als das losging damit, dass Schwangere von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt wurden, sich impfen zu lassen, sich spritzen zu lassen, da habe ich mich entschieden, dass ich mit der Haftpflicht und mit dem Haftungsrisiko, mit dem ich in jede Geburt reingehen muss, dass ich mich da gerne raushalten möchte. Geimpfte Schwangere – also wenn sie vor der Schwangerschaft geimpft sind – die zu uns kommen, nehmen wir gern auf, wenn alle Kriterien erfüllt sind. Wir fragen die Betreffende dann, ob es in Ordnung ist, Blutwerte abzunehmen, um uns die Blutgerinnung anzuschauen. Es ist für mich verantwortungsvoll und einfach nur richtig, so mein Haftungsrisiko zu minimieren.

Alexander Wallasch: Wird nicht routinemäßig wegen des höheren Thromboserisikos bei Schwangeren die Blutgerinnung überprüft?

Claudia Ronsöhr: Wir nehmen grundsätzlich während der Betreuung der Schwangerschaft Blut ab. Da werden hauptsächlich Antikörper im Blut kontrolliert, ob gegen die Blutgruppe des Kindes vielleicht Unverträglichkeiten vorliegen.

Alexander Wallasch: Aber nicht der Blutgerinnungsfaktor wegen Thrombosen?

Claudia Ronsöhr: Nein, das ist nicht mit drin. Aber es stimmt, dass das Thromboserisiko in der Schwangerschaft erhöht ist. Schwangerschaft kennt viele Faktoren, die eine Thrombose begünstigen können. Und um konkret auf die mRNA-Impfung zu sprechen zu kommen: Das kann ja keiner wegreden, dass dieses Mittel eine Notfallzulassung hat. Es hat acht rote Handbriefe und mRNA-Impfstoffe sind für Kinder unter fünf Jahren nicht zugelassen. Also in meiner Betrachtungsweise ist das Kind im Bauch der Mutter unter fünf Jahre alt.

Alexander Wallasch: Untersuchungen haben ergeben, dass Babys von geimpften Müttern Antikörper haben.

Claudia Ronsöhr: Eben.

Alexander Wallasch: Sind werdende Mütter und Väter unsicherer, aufgeregter oder gar hysterischer geworden rund um das Thema Geburt und speziell in Hinblick auf Impffragen?

Claudia Ronsöhr: Ich würde es so formulieren: Daran, dass sich Frauen für eine alternativen Geburtsart wie die Hausgeburt oder das Geburtshaus entscheiden, kann man ablesen, dass sie sich viele Gedanken machen und für sich einen individuelleren Geburtsort suchen als die große Masse. Wir sprechen hier von ungefähr vier Prozent der Kinder, die in Deutschland außerklinisch auf die Welt kommen. Eigentlich eine sehr kleine Zahl. Diese Frauen haben sich schon von der Masse wegbewegt, wenn sie schauen wollen: Was gibt es eigentlich noch? Das sind Menschen, die sich auch mit den medizinischen Themen noch einmal anders auseinandersetzen. Deswegen finden wir die in unserem Spektrum verstärkt. Um auf die Impfung zurückzukommen: Sportlern wurde schon empfohlen, nachdem sie eine Impfung bekommen haben, eine Trainingspause einzulegen, sich zurückzunehmen und keine Höchstleistungen von ihrem Körper abzufordern. Und wenn eine Frau sich in der Schwangerschaft impfen lässt, kurz vor der Geburt, dann denke ich, so eine Geburt ist auch eine Höchstleistung für den weiblichen Körper und auch für das Kind. Wir haben in der Plazenta-Phase, wenn die Nachgeburt kommt, immer auch ein Blutungsrisiko neben dem in der Schwangerschaft bekannten Thromboserisiko. Das bedeutet, dass ich mit einer natürlichen gesunden Geburtsbegleitung bei einer Frau ohne Impfung schon genug in die Haftung reingehe und mich bewusst entscheide: Das Haftungsrisiko kann ich einschätzen, das ist mir seit dreißig Jahren als Hebamme bekannt. Ich war schon kritisch mit der Keuchhusten-Impfung, die Schwangeren gegeben wurde. Früher hieß es, Schwangere dürften überhaupt nicht geimpft werden. Das wird eigentlich immer noch so gelehrt – aber nicht gemacht.

Alexander Wallasch: Wie viele geimpfte Schwangere betreuen Sie?

Claudia Ronsöhr: Wir haben auf jeden Fall Frauen, die sich vor der Schwangerschaft haben impfen lassen, auch die betreuen wir. Da schauen wir aber wie gesagt auf die Blutgerinnung, um das Haftungsrisiko zu minimieren. Und wir sind besonders kritisch mit der Auffrischung der Impfung in der Schwangerschaft, weil das für mich aus medizinischer Sicht nicht beurteilbar und kalkulierbar ist. Da möchte ich aus der Haftung herausbleiben. Aus meiner Sicht ist diese Impfung ein invasiver medizinischer Eingriff, vorgenommen von ärztlicher Seite. Da sollten dann auch Weiterbetreuung und Geburt in einem Krankenhaus und mit Arztbegleitung stattfinden. Das ist nichts mehr für den außerklinischen Bereich, wo wir sagen würden, wir betreuen ganz gesunde Natürlich-Geburten und die Frau darf keine OP und keine Vorerkrankungen und keine regelmäßige Medikamenteneinnahme vorweisen, keine zu hohen Blutzuckerwerte. Diese ganzen Ausschlußkriterien, die wir beachten und beachten müssen – das ist für mich eben neu mit dieser Impfung. Ich kann nicht kalkulieren, was verändert sich denn jetzt, was hat das für Langzeitwirkungen. Und deswegen halte ich mich da raus aus diesem Haftungsthema.

Alexander Wallasch: Sie sind ja keine staatliche Stelle, sei haben viele Ausschlußkriterien. Und Sie müssen auch nicht jede Schwangere aufnehmen. Das gegenseitige Vertrauen muss auch erst einmal vorhanden sein.

Claudia Ronsöhr: Wir sind sogar behördlich verpflichtet, genau hinzugucken, wen wir nehmen. Und das ist das Missverständnis der Medien, die jetzt über unser Haus berichtet haben: Es geht überhaupt nicht um Diskriminierung von Menschen. Es geht darum, medizinisch einzuschätzen: Kann ich als Hebamme dieser Frau, wenn sie zu mir kommt und mich bittet, sie möchte gerne außerklinisch ihr Kind gebären, kann ich sagen, ja, machen wir, die Frau ist gesund. Oder eben nicht, dann ist die Klinik der bessere Ort. Das hat ja auch was mit Kompetenz zu tun. Was ich jetzt für eine Meinung zur Impfung habe oder zum Medikament, das kann ich als Hebamme nicht sagen, ich gucke mir diese Substanzen nicht an. Der eine sagt dies, der andere sagt das, ich kann es nicht einschätzen, ich weiß nur, es ist etwas Neues. Und es wird für gesunde Kinder unter fünf Jahren nicht empfohlen. Hochleistungssportler sollen eine Leistungskarenz einhalten und diese Frau hat ein Baby im Bauch und erbringt bei der Geburt Höchstleistungen und ich weiß nicht, was für Konsequenzen im Langzeitmodus auf mich als Hebamme zukommen. Aber wenn dieser Frau in der Geburt irgendwas passiert, wenn die einen Schlaganfall bekommt, einen Herzinfarkt oder wenn sie verstärkte Blutungen hat, dann stehe ich in der Haftung und kein anderer sonst.

Alexander Wallasch: Eine Frau hatte den Medien berichtet, sie hätten impfkritische Literatur ausgelegt. Was hat es damit auf sich?

Claudia Ronsöhr: Sie haben vorhin das Kinderimpfthema angesprochen. Ich kann jetzt nur für unser Haus sprechen: Wir stellen eine Alternative dar zu den regulären schulmedizinischen Betreuungs- und Behandlungsabläufen. Und Hebammen sind – ich will da niemandem auf den Schlips treten – eine Berufsgruppe, die bestimmte Routinemaßnahmen auch mal kritischer betrachtet. Schwangere zu bestärken, Dinge auch einmal zu hinterfragen, gehört dazu. Aber die Frauen sind nur für sich und ihr Baby in der Entscheidung, was sie machen sollen.

Alexander Wallasch: Wie sieht es bei Ihnen mit dem verpflichtenden Hygienekonzept aus?

Claudia Ronsöhr: Wir haben feste Qualitätsstandards. Letztes Jahr hatten wir das letzte Audit. Und wir haben einen Hygieneplan, wo festgeschrieben steht, wie wir jeden Igelball desinfizieren sollen, wie der Geburtsraum behandelt wird nach einer Geburt, welches Desinfektionsmittel da eingesetzt wird – das muss alles gelistet sein. Und wir sind auch mit dem Gesundheitsamt in regelmäßigem Kontakt. Ein Hygienekonzept ist Standard in jedem Geburtshaus. Und das wurde auch erneuert um die Corona-Maßnahmen. Da haben wir alles, was gefordert ist, auch getan.

Alexander Wallasch: Muss ein Hygienekonzept nicht ein Kernstück der Hebammentätigkeit sein?

Claudia Ronsöhr: Auf jeden Fall. Wir haben nahen Kontakt zu den Schwangeren. Wir sind während der Geburt mit Fruchtwasser, Blut, mit allen Ausscheidungen, mit Urin, Stuhlgang und Erbrechen konfrontiert. Damit gehen wir routinemäßig um. Und da wissen wir, wie wir uns schützen. Auch wie wir danach die Räume, die Möbel und die Blutdruckmessgeräte usw. sterilisieren, welche Mittel wir nehmen müssen. All das ist Standard. Das ist für uns überhaupt nichts Neues. Mir ist auch wichtig zu sagen: Wir sind keine öffentliche Anlaufstelle, wo jede, die kommt, automatisch auch versorgt werden muss. Geburtshäuser in Deutschland sind sehr gefragt. Wir sollen, müssen und dürfen genau hingucken: Wen können wir annehmen und wen nicht? Es geht dabei um das, um was es immer geht: Den sichersten Betreuungsrahmen für Mutter und Kind in der Geburt zu finden.

Alexander Wallasch: Vielen Dank für das Gespräch.

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