Reichelt: „Alle Kriege, aller Terror, also alle "Destabilisierung" der letzten anderthalb Jahrzehnte hatte ihre geistigen und operativen Väter in Teheran“

Julian Reichelt allein gegen die AfD

von Alexander Wallasch

Julian Reichelt via X© Quelle: X/Julian Reichelt, Screenshot

Ex-Bild-Chef und Nius-Gründer Julian Reichelt hat sich am frühen Nachmittag hingesetzt und seiner schrillen Empörung eine fundierte Kritik am AfD-Statement über den Angriff gegen den Iran folgen lassen.

Man muss Reichelts Haltung nicht teilen. Man sollte es vielleicht auch nicht. Man kann eine Fixierung auf Trump kritisieren ebenso wie eine Geschichtsvergessenheit mit Blick auf die USA. Man sollte zudem darauf verweisen, dass Reichelt schon panisch alles verteufelt, das ihm nur ansatzweise nach linker oder grüner Dialektik klingt. Damit verengt er sich freiwillig immer wieder selbst den Horizont und ist noch stolz drauf – fast bockig.

Wenn Reichelt der AfD attestiert, sie mache „Frieden mit dem Islamismus“, dann ist das polemisch und vollkommener Unsinn. Und Reichelt weiß das. Denn wenn etwas Frieden mit dem Islamismus gemacht hat, dann Reichelts „Welcome Refugees“-Kampagne für „Bild“.

Natürlich kommt der einmal CDU-nahe Reichelt hier auch seinem ständigen Unbehagen gegenüber der AfD nach, wenn er so massiv unsinnige Sätze schreibt wie jenen, die AfD zeige die außenpolitische Rhetorik der Sowjetunion und der chinesischen KP. Das ist „Bild“-Niveau, drei Etagen unter dem Gully.Aber als Diskussionsbeitrag in einer aufgeheizten Debatte ist das ein Text, über den man nachdenken kann. Ein Text, weit davon entfernt, nur marktschreierisch zu sein.

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Julian Reichelt via X:

„Der zentrale Satz im Statement der AfD zum Krieg gegen die Mullahs lautet: "Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.“

Es ist vollkommen legitim und auch schlüssig, dass die AfD den Krieg gegen die Mullahs allein aus der deutschen Perspektive betrachtet. Allein, ihre Analyse und ihre Schlussfolgerung ist falsch und auf erstaunliche Weise getrieben vom (bereits 1989) gescheiterten Sprach- und Gedankenmief aus Friedensbewegung, frühen Pazifisten-Grünen, Kirchentag, DDR-Anti-Imperialismus und SED/Linkspartei/Wagenknecht. Hier sind die Argumente:

1. Die "Destabilisierung des Nahen Ostens" beruht zum überwältigenden Anteil auf der Macht der Mullahs. Fast jedes arabische Land, besonders die wirtschaftlich erfolgreichen, hat den Enthauptungsschlag gegen die Mullah seit Jahren herbeigesehnt, um endlich ungestört von islamistischen Endzeitfanatikern eine Boom-Region der Rohstoffe schaffen zu können. Alle Kriege, aller Terror, also alle "Destabilisierung" der letzten anderthalb Jahrzehnte hatte ihre geistigen und operativen Väter in Teheran.

2. Es ist ein realpolitischer (ja, zynischer) Unterschied, ob weltliche Diktatoren (wie Hussein, Mubarak, Gaddafi) stürzen und durch Islamisten ersetzt werden oder eben umgekehrt. Der Islamismus muss bekämpft werden, wo immer er herrscht, weil seine Wirkmacht global ist. Je weniger Islamisten, desto stabiler die Welt, weil Islamisten nicht rational im Diesseits herrschen, sondern mit messianischem Wahnsinn auf das Jenseits hinarbeiten. Wenn die AfD ihren Frieden mit dem Islamismus macht, ist ihre Anti-Migrations-Weltanschauung wenig glaubhaft.

3. Die AfD hat offenkundig nicht verstanden, dass hinter diesem gefährlichen Mischwesen aus illegaler Migration, Terrorismus und Organisierter Kriminalität oft genug das iranische Regime steht, das von Schlepperei und Menschenhandel über Drogenhandel bis Waffenhandel, oft genug Irans Revolutionsgarden stehen, die sich aus all dem finanzieren, was die AfD beenden will.

4. Die Parallelgesellschaften, die die AfD in Deutschland beklagt, haben sich in Jahrzehnten nicht einfach organisch und zufällig gebildet, sondern sind kontrolliert und unterwandert von Hisbollah und IRGC, die tief in deutsche Großstädte hinein wirken. Es ist zum Schutz von Leib und Leben deutscher Staatsbürger überragend wichtig, ihre Kommandostrukturen zu zerschlagen.

5. Die AfD stellt sich mit ihrer eigenen Version außenpolitischer Rechtsdeutschtümelei gegen die mega-erfolgreichen Rechtsphänomene unserer Zeit, von Meloni bis Trump, die es schaffen, nationale Interessen und internationale Verantwortung sowie strategische, freiheitlich-westliche Klarsichtigkeit zu vereinbaren, während die AfD die außenpolitische Rhetorik der Sowjetunion und der chinesischen KP wählt.

6. Hamas und ISIS waren Geschöpfe der iranischen Terror-Machtpolitik, die auch Deutsche das Leben gekostet hat. Terrorismus mit aller Macht und überall auf der Welt zu bekämpfen, ist sehr wohl im deutschen Interesse.

 

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