Söder „überrumpelt“ Merz mit Ilse Aigner – und Bild spielt das Theater brav mit

Kanzlers Tegernsee-Connection: Erst Weimer und Reiche ins Kabinett – jetzt Aigner als Bundespräsidentin

von Alexander Wallasch

Eine durchschaubare Tegernsee-Inszenierung© Quelle: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Steffen Leiprecht“

Während Kanzler Merz noch im Hilton auf Zypern schläft, schiebt Markus Söder plötzlich seine langjährige Tegernsee-Freundin Ilse Aigner als Bundespräsidentin nach vorne. Überraschung? Von wegen. Es ist das altbekannte Union-Kabarett: erst gestelltes Gerangel, dann die einvernehmliche Lösung – und das Volk soll wieder einmal für dumm verkauft werden.

In welcher 1960er-Jahre Parallelwelt sind Bundeskanzler und Union-Kumpel Markus Söder hängengeblieben? Damals, als es noch kein Internet gab und der gemeine Deutsche noch von dieser volkstümlichen Naivität beseelt war, welche es der Politik so behaglich machte?

Die beiden Trickser Bundeskanzler Merz (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Söder wollen Deutschland gerade einen mächtigen Bären aufbinden. Es geht um die Platzierung der bayrischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Nachfolgerin des Bundespräsidenten Steinmeier.

Und Springers „Bild“ macht die Volksverarsche willfährig mit. Die Schlagzeile am späten Vormittag: „Merz von Söders Aigner-Vorstoß kalt erwischt“. Dazu das Bild eines gestressten hemdsärmeligen Kanzlers auf der Landebahn in Zypern. Frei nach dem Motto: Gerade angekommen und schon macht der Söder zu Hause was er will.

„Bild“ weiter: Merz sei nach einer kurzen Nacht im „palmenumsäumten Hilton-Hotel am Rand von Nikosia“ mit der Nachricht aus Bayern „aufgeweckt“ worden. Überraschung? Sicher nicht. Denn im digitalen Zeitalter sind die kurzen Dienstwege nur mehr einen Klick weit entfernt. Was hier passiert, ist eine Inszenierung. Bevor das Volk darüber nachdenkt, ob Aigner die geeignete Person für das höchste Amt im Staat ist, will sich Merz von Söder überreden lassen.

Ein Stellvertretergefecht und eine klassische Union-Inszenierung: Die Öffentlichkeit wird mal wieder für dumm verkauft. Söder im Interview mit Münchner Merkur und tz:

„Die Union wird nach dem Sommer einen Vorschlag machen. Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung.“

Tatsächlich aber sind Ilse Aigner und Friedrich Merz seit Jahren eng befreundet. Beide sind zentrale Figuren der Tegernsee-Connection. Merz hat ein Häuschen in Gmund am Tegernsee. Aigner ist dort die lokale CSU-Abgeordnete. Sie kennen sich seit fast dreißig Jahren, waren zusammen radeln, haben Zwiebeln fürs Gröstl geschnippelt, Merz war bei ihrem Neujahrsempfang in Miesbach – die beiden verstehen sich blendend.

Hinzu kommt die enge Freundschaft von Christiane Goetz-Weimer, der Ehefrau von Merz-Kumpel Wolfram Weimer, dem Noch-Kulturstaatsminister im Kabinett Merz.

Frau Weimer und Ilse Aigner sind Duz-Freundinnen. Aigner tritt seit Jahren regelmäßig beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee auf – oft prominent, inklusive Preisverleihungen und Selfies mit dem Verleger-Ehepaar. Wolfram Weimer selbst hat Aigner öffentlich als mögliche Bundespräsidentin gelobt: „präsidiales und ausgleichendes Naturell“ .

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Nach den umfangreichen Enthüllungen von Alexander-Wallasch.de zu Interessenkonflikten, Textdiebstahl-Vorwürfen und der Geschäftspraxis rund um den Gipfel verweigerte Weimer den Rücktritt als Kulturstaatsminister – trotz massiver Kritik und Konsequenzen wie dem Ausstieg Söders als Schirmherr.

Die enge Vernetzung bleibt aber bestehen. Söder schiebt nun Ilse Aigner als eine zentrale Figur des Tegernsee-Netzwerks nach vorne. Wenn das nicht nach koordinierter Nummer aussieht, was dann? Eine Farce, bei der alle Beteiligten lächeln und die Medien die „Überraschung“ feiern.

Früher hieß es intern, Söder sehe eine Präsidentin Aigner kritisch – zwei starke Bayern an der Spitze – Söder als Ministerpräsident und Aigner als Bundespräsidentin - wären unrealistisch und würden seine Optionen verbauen. Jetzt der plötzliche Schwenk. Echter Sinneswandel oder gut getimte Team-Performance?  

Die Bundesversammlung wählt voraussichtlich am 30. Januar 2027 den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier – erstmals soll eine Frau das Amt übernehmen. Aigner (61) gilt vielen in der Union als sympathisch, erfahren und überparteilich, mit Zuspruch sogar aus der SPD. Kurz gesagt: Hier handelt es sich um kein echtes Machtgerangel, sondern eine durchschaubare Posse im Tegernsee-Milieu.

Die Union spielt Politik wie ein Kabarettstück aus den 1960er Jahren – und die Zuschauer sollen klatschen, wenn sich Söder und Merz letztlich auf Aigner einigen. Indem Merz hier Söder den Vortritt lässt, will er den Fokus von seiner Tegernsee-Connection samt umstrittenen Ludwig-Erhard-Gipfel ablenken. Nichts ist hier wirklich spontan und dramatisch. Am Stammtisch in Oberbayern würde man „abgewichst“ sagen zu dieser abgesprochene Inszenierung, die das Publikum für dumm verkauft.

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