Zwischen Kriegstreiberei und Friedenspose: Kiesewetter teilt aus, Varwick schlägt zurück – und bleibt trotzdem zwischen den Stühlen

Kiesewetter nennt Vad und Varwick „Komplizen des Massenmords an der Ukraine“ und „Einflussagenten Moskaus“

von Alexander Wallasch

Ein ungeheurer Vorgang: die DNA einer Offiziersfamilie, die permanente Eskalation gegen Russland als Normalzustand betrachtet© Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=_i6vJuZ3Jmc/https://www.youtube.com/watch?v=t_LHW44f81U/ Screenshots

Roderich Kiesewetter hat Johannes Varwick und u.a. Erich Vad im Deutschlandfunk (21. September 2026) als „Einflussagenten Moskaus“ und „Komplizen des Massenmords an der Ukraine“ bezeichnet.

Varwick hat daraufhin Anzeige erstattet und Kiesewetter – den er seit Jahren kennt – persönlich mitgeteilt:

„Lieber Roderich, erst jetzt sehe ich, dass Du mich und u.a. Erich Vad im Deutschlandfunk (21.9.26) als ‚Einflussagent Moskaus‘ und als ‚Komplize des Massenmords an der Ukraine‘ bezeichnet hast. Das ist empörend und wie Du ganz genau weißt auch inhaltlich vollkommen abwegig. Es ist traurig zu sehen, wie tief Du gesunken bist. Ich werde rechtlich klären lassen, ob das zulässig ist und habe deshalb Anzeige gegen Dich erstattet – und werde dies auch öffentlich machen. Beste Grüße, Johannes / Varwick.“

Das ist der Kern dieses ungeheuren Vorgangs. Zwischen scharfer Kritik an einer Position und dem Vorwurf, jemand betreibe als Agent das Geschäft einer fremden Macht und sei Komplize eines Massenmords, liegt ein düsterer Abgrund. Wer das behauptet, muss es belegen – oder die Grenze der politischen Auseinandersetzung verlassen.

Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker und Oberst a.D. aus einer Soldaten- und Offizierfamilie, fordert seit Jahren maximalen militärischen Druck, um Putin in die bedingungslose Kapitulation zu treiben. Am 5. Oktober warb er im Deutschlandfunk erneut für „volle Härte und Konsequenz“: mehr Waffen, Taurus, Freigabe eingefrorener Vermögen, kein Zaudern. Wer nachfragt, wie der Krieg enden soll, welche Ziele realistisch sind oder welche Eskalationsrisiken (einschließlich nuklearer) entstehen, gilt bei ihm schnell als Feind oder Schlimmeres.

Das ist Kriegstreiberei mit moralischem Überbau. Mit Strategie hat das nichts zu tun. Dieser Hass von Kiesewetter kommt aus der DNA dieser Offiziersfamilie, die permanente Eskalation gegen Russland als Normalzustand betrachtet.

Und die eigene Methode lässt sich spiegeln: Kiesewetter vertritt Positionen, die sich deckungsgleich mit ukrainischen Maximalforderungen und transatlantischen Vorgaben überschneiden. Nach derselben Logik, mit der er Varwick zum Moskauer Agenten erklärt, wäre er selbst der Erfüllungsgehilfe einer Agenda, die auf die möglichst umfassende Niederlage Russlands zielt – ohne belastbare Antwort auf die Frage, was danach kommt und welche Risiken Deutschland dabei trägt.

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Varwick, Professor in Halle-Wittenberg, präsentiert sich als Stimme der Diplomatie und arbeitete an der BSW-Grundwertekommission mit. Er tritt bei Friedensdemos auf und hält vor der russischen Botschaft Statements gegen den Krieg und kritisiert Putin – offenbar, um die eigene spätere Haltung schon im Vorfeld einzuhegen und abzufedern.

Bei Veranstaltungen mit Sevim Dagdelen und dem russischen Botschafter nervt er mit ellenlangen Tiraden, bis Zuhörer die Geduld verlieren. Inhaltlich gestellt wirkt er oft rückgratlos und unbestimmt: ein ängstlicher Typ, der nicht klar sagt, welche Kompromisse er der Ukraine zumutet, welche Sicherheitsgarantien er für tragfähig hält und wie ein Verhandlungsergebnis den nächsten Krieg verhindern soll.

Der Mann bleibt hoffnungslos zwischen den Stühlen hängen zwischen unabhängiger Wissenschaft, politischer Mahnung und Aktivismus. Und das ohne eigene wirklich belastbare Position. Die Anzeige gegen Kiesewetter ändert daran leider nichts.

Kiesewetters Agentenvorwurf ist kein Ersatz für eine Strategie, die den Krieg tatsächlich beendet. Varwicks Anzeige und Friedenspose sind kein Ersatz für eine Antwort auf die Frage, wie Frieden konkret aussehen soll.

Die Debatte braucht weder moralische Denunziation noch vages Ausweichen. Sie braucht Antworten darauf, welche Politik die Gewalt beenden kann – und welche Risiken beide Seiten in Kauf nehmen.

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