(Der gebürtige Berliner Jan Mainka lebt seit 1988 in Budapest. Er ist Chefredakteur und Herausgeber der „Budapester Zeitung“ )
Heute großer Abschluss des Prozesses Maja T. in Budapest. Sie waren vor Ort.
Heute war hier der 17. Verhandlungstag oder der 16., je nachdem, ob man die Vorverhandlungen dazu zählt. Und es begann im Gerichtssaal mit einem Plädoyer des Verteidigers. Das ging ungefähr eine Stunde.
Danach hat dann Maja T. das Recht des letzten Wortes gehabt und ein Plädoyer vorgelesen. Mein Eindruck: Das waren vier Seiten Tränendrüse pur. Da waren Sprüche drin wie „Der Kampf gegen den Faschismus und die Tyrannei.“ Aber Maja T. würde dabei nie zur Gewalt greifen. Die Gewalt sei nicht sein Wesen.
Weiter hieß es: „Ich wurde entführt aus Deutschland“, dabei war es eine rechtsstaatliche Ausweisung, bei der lediglich das Timing ungünstig für den Angeklagten gelaufen war. Dennoch: Er sei entführt und in Einzelhaft gesteckt worden. "Menschen brauchen doch Sonne", erklärte Maja T. dem Gericht unter anderem. So weinerlich ging das über weite Strecken. Zum Abschluss gab es dafür besagten anhaltenden Applaus von über mehr als zehn Minuten.
Der sonst sehr streng auftretende Richter hat das nicht unterbrochen. Maja T. konnte sich feiern lassen. Ein Flügel des Zuschauerraumes, etwa dreißig Personen, war komplett mit Antifa-Leuten besetzt.
Deutsche Antifa?
Deutsche, ja. Und die Eltern waren auch da.
Was sind Ihre emotionalen Eindrücke? Was konnte man in den Gesichtern lesen?
Bei der Urteilsverkündung war das unspektakulär – auch durch die ganze Übersetzung. Und es war alles sehr langatmig von der Begründung her. Das Urteil wurde nicht verkündet im Sinne von: Hier sind die acht Jahre, Hammer und Knast. Deswegen war da wenig Dramatik drin, kein spontaner Applaus, kein entspanntes Gesicht oder Erleichterung.
Nun sind acht Jahre auch kein Pappenstiel.
Die Verteidigung hatte heute am Tag der Beweisaufnahme auf Freispruch plädiert. Aber im Raum schwebten immerhin 24 Jahre. Ob das begründet war oder nicht oder ob das einfach nur eine theoretische Annahme war ... Acht Jahre klingt ganz anders als 24 Jahre. Acht Jahre ohne vorzeitige Entlassung.
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Geht die Verteidigung in Berufung, noch mal Revision?
Bei so einem Urteil würde ich lieber meine Klappe halten. Ich glaube, da passiert nichts mehr.
Nach den Plädoyers der Verteidigung und dem weinerlichen Vortrag von Maja T. war eine halbe Stunde Pause, da hatte sich das Gericht zurückgezogen zur Urteilsfindung. Und dann kamen wir um 13:40 Uhr zurück, wir mussten uns alle erheben und das Urteil wurde vorgelesen. Oder präziser: die Urteile. Denn es ging nicht nur um Maja T., sondern in Abwesenheit noch um weitere Antifa-Schläger, die auch ihren Urteilsspruch bekommen haben. Zwei Frauen, Anna-Christina M. (Deutsche) und Gabriele M. (Italienerin).
Bei früheren Verhandlungen gab es auch Demonstrationen. Wie sah das heute aus?
Extreme Polizeipräsenz, Straßen waren abgesperrt. Der kleine Straßenabschnitt vor dem Gericht war voll mit 15-20 Polizeiautos. Sehr viele weitere Polizisten waren in den umliegenden Straßen unterwegs. Im November war die Antifa hier noch massiv vertreten mit Lautsprechern samt Wohnmobil. Aber davon war heute nichts zu sehen. Stattdessen standen da rechte Gruppen mit meterlangem Banner.
Nimmt die ungarische Bevölkerung Anteil am Prozess?
Der Prozess wurde schon wahrgenommen. Aber am meisten nehmen es natürlich jene wahr, deren Freunde oder Bekannte da halb totgeschlagen wurden. Das ist schon ein großes Thema, dass hier irgendwelche deutschen Kriminellen ihr Unwesen treiben und auf diese Weise den ungarischen Rechtsstaat herausfordern.
War von Opferseite heute jemand anwesend?
Nein. Niemand. Nur einige wenige Personen in schwarzen T-Shirts, auf denen unter anderem "Anti-Antifa" stand, so etwas.
Danke für das Gespräch!