Die Drogen, die Menschen und das Öl

Make Venezuela Chevron und Exxon again!

von Alexander Wallasch (Kommentare: 5)

Nach der nächtlichen Entführung Maduros kündigt Trump an, das Land mit den weltgrößten Ölreserven bis zu einem „sicheren Übergang“ zu führen. Experten warnen vor jahrelanger Besatzung, während die Regierung Ölkonzernen Investitionen und Entschädigungen zusichert. Ein historischer Bruch – oder der Beginn eines neuen Wirtschaftswunders?

US-Präsident Donald Trump erklärte gestern auf der Pressekonferenz zum Kidnapping des Präsidenten Venezuelas, was jetzt passieren wird (übersetzt):

„Wir werden das Land so lange regieren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und vernünftigen Übergang gewährleisten können. (…) Wir können nicht riskieren, dass jemand anderes die Macht in Venezuela übernimmt, der nicht die Interessen der Venezolaner im Blick hat.“

Außerdem meinte Trump, jetzt zögen wieder große US-Ölkonzerne nach Venezuela, das über die weltweit größten Ölreserven verfügt, und sanieren die stark heruntergekommene Ölinfrastruktur, was Experten zufolge Jahre dauern könnte.

Die „New York Times“ hat zuletzt ausführlich berichtet, wie die Entführung von Präsidenten Maduro geplant wurde. Danach habe ein geheimes Team von CIA-Beamten in Venezuela konzentriert Informationen über Nicolás Maduro und seine täglichen Gewohnheiten gesammelt (übersetzt):

„Die gesammelten Informationen über die täglichen Bewegungen des venezolanischen Staatschefs – in Kombination mit einer ihm nahestehenden menschlichen Quelle und einer Flotte von heimlich fliegenden Stealth-Drohnen – ermöglichten es der Behörde, seine Routinen bis ins kleinste Detail zu kartieren.“

Interessant ist auch eine Bemerkung der Times, die darauf hinweist, wie solche CIA-Operationen normalerweise durchgeführt werden:

„Es war eine äußerst gefährliche Mission. Da die US-Botschaft geschlossen war, konnten die CIA-Beamten nicht unter diplomatischer Deckung operieren.“

Der britische „The Guardian“ zitiert aus der Pressekonferenz des US-Präsidenten (übersetzt):

„Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne, die größten weltweit, beauftragen, Milliarden von Dollar zu investieren, die stark beschädigte Infrastruktur, die Ölinfrastruktur, zu reparieren und damit Geld für das Land zu verdienen, und wir sind bereit, einen zweiten und viel größeren Angriff zu starten, wenn dies erforderlich sein sollte.“

Trump äußerte sich auch zu den Kosten, wenn US-Bodentruppen zum Einsatz kommen müssten: Eine US-Besetzung „würde uns keinen Cent kosten“, da die USA durch das „Geld aus dem Boden“ entschädigt würden, sagte der Präsident  und bezog sich dabei auf die Ölreserven Venezuelas.

Die 2021 von Axel Springer erworbene „Politico“ titelte : „Trump admin sends tough private message to oil companies on Venezuela“ (Die Trump-Regierung sendet eine harte private Botschaft an Ölkonzerne bezüglich Venezuela).

Weiter heißt es dort, die US-Regierung habe den großen US-Ölkonzernen ein Ultimatum von zehn Tagen gestellt: Wer in Venezuela Öl fördern und Gewinne machen will, der muss zunächst investieren, dann werde es obendrauf Entschädigungen geben, beispielsweise für die unter Maduros Vorgänger Chávez beschlagnahmten Ölförderanlagen:

„They’re saying, ‘you gotta go in if you want to play and get reimbursed’“ („Sie müssen einsteigen, wenn Sie mitspielen und eine Rückerstattung erhalten wollen“), so wird ein Vertreter der Ölbranche von „Politico“ zitiert.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Wieder die „New York Times“ zitiert Trump, der schon 2023 bei einem Auftritt in North Carolina beklagt hatte, dass man nicht längst Kontrolle über Venezuela erlangt habe (übersetzt):

„Wir hätten das ganze Öl bekommen (…) Es wäre direkt nebenan gewesen.“

Gegenüber Reportern erklärte Trump auf besagter Pressekonferenz:

„We’re going to be taking out a tremendous amount of wealth out of the ground.“

(Wir werden enorme Reichtümer aus dem Boden holen).

Schon vor einem Monat hatte Trump mit Blick auf Venezuela erklärt:

„If you remember, they took all of our energy rights; they took all of our oil from not that long ago. We want it back“

(Wenn Sie sich erinnern, haben sie uns alle unsere Energierechte genommen; sie haben uns vor nicht allzu langer Zeit unser gesamtes Öl weggenommen. Wir wollen es zurück.)

Und Trump hatte es auch schon vor zehn Jahren gegenüber der „New York Times“ nicht anders formuliert, als auf die Frage, was er im Mittleren Osten anders als Obama machen würde, antwortete, er nehme das Öl:

„I’ve been saying it for years. Take the oil“.

Der positive Moment für die Trump-Regierung ist jetzt, dass das Land ausgehungert von Misswirtschaft, aber auch von den jahrzehntelangen Sanktionen dermaßen am Boden liegt, dass auch die Brosamen, welche die US-Unternehmen aus ihren Ölförderungen bereit sein werden, dem Volk von Venezuela zu überlassen, immer mehr sein werden als gar nichts.

Nein, es wird keine ernstzunehmende Souveränität oder Unabhängigkeit für Venezuela geben. Aber ein kommender Wohlstand könnte dennoch an eine Art Wirtschaftswunder erinnern, wie es die Bundesrepublik in der Nachkriegszeit erfahren hat. Wie es auf der anderen Seite aussehen kann, dafür stand immer die DDR als mahnendes Beispiel. Mit einem Unterschied: Deutschland hatte keine Rohstoffe, die man wie pures Gold gegen eine kleine Bonus-Zahlung einfach hätte außer Landes bringen können.

Und noch etwas spricht für den perfekten Zeitpunkt des Kidnappings des Präsidenten von Venezuela: Über den Krieg in der Ukraine fallen Russland und Putin als Schirmherr und mögliche Schutzmacht Venezuelas schlicht aus. Trump konnte vor der Operation sicher sein, dass es hier keine Konfrontation oder Zuspitzung geben würde.

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Kommentare