Polizeigewerkschaftsboss Heiko Teggatz exklusiv mit einer ersten Einordnung

Mann aus Gaza-Stadt soll im Zug ein Blutbad angerichtet haben: Zwei Tote – Viele Verletzte

von Alexander Wallasch (Kommentare: 14)

Teggatz: „Wir müssen kontrolliert wissen, wer ins Land kommt. Aber das passiert seit Jahren leider nicht.“© Quelle: Youtube/ Tagesschau / privat, Montage Alexander Wallasch

Wieder sind Menschen mitten in Deutschland einem Messerattentat zum Opfer gefallen. Der Täter tötete zwei Personen, weitere sind teils schwer verletzt. Die ersten Politiker haben bereits die hier üblichen Beileidsbekundungen ausgesprochen.

Die schreckliche Vermutung vieler Deutscher, welche die Nachricht hören, bestätigt sich offenbar schnell: Erneut hat ein Gast dieses Landes, dem hier Schutz gewährt wird, das Messer gegen seine Gastgeber erhoben und ein Blutbad angerichtet.

Verschiedenen Medienberichten zu Folge passierte die Mordtat um kurz vor 15 Uhr im RE 7 von Kiel nach Hamburg auf Höhe der kleinen Ortschaft Brokstedt, ein Name, der wohl von nun an, immer wenn er genannt wird, automatisch mit den Morden in Verbindung gebracht werden wird.

Hieß es zunächst in der Bild-Zeitung, der Täter sei Syrer, erfährt alexander-wallasch.de exklusiv aus Polizeikreisen, der Täter sei in Gaza-Stadt geboren, also Palästinenser oder Staatenloser. Fast zeitgleich soll es ein weiteres Messerattentat an einem anderen Ort mit einer türkischen Frau als Opfer gegeben haben.

Nach Informationen der Bild-Zeitung soll der 33-jährige Mann erst vor sechs Tagen aus der U-Haft entlassen worden sein. Er sei bereits mehrfach wegen Gewalt- und Sexualdelikten aufgefallen, eine sofortige Ausweisung erfolgte nicht.

Um diesen Wahnsinn zunächst fachlich einzuordnen, sprechen wir mit Heiko Teggatz, dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) der Bundespolizei.

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Alexander Wallasch: Führen solche Taten bei Ihren Kollegen in Summe nicht irgendwann zu einer besonderen Vorsicht im Dienst, was Messerangriffe angeht? Verhält sich die Bundespolizei in Zügen mittlerweile anders?

Heiko Teggatz: Wir verhalten uns seit längerem schon sehr, sehr vorsichtig, wenn wir auf den Zügen drauf sind. Das Problem ist, dass die Bundespolizei gar nicht genug Personal hat, um alle Züge durchstreifen zu können. Also ich gehe davon aus, ohne das jetzt belegen zu können, dass auf dem Zug kein Bundespolizist im Rahmen seiner Streife an Bord war.

Alexander Wallasch: Wäre das eine Forderung von Ihnen, dass wir das einführen müssen in Zukunft?

Heiko Teggatz: Das habe ich schon zum Haushalt 2022 und zum Bundeshaushalt 2023 noch mal gefordert, nämlich den bahnpolizeilichen Bereich um mindestens 3.500 zusätzliche Stellen aufwachsen zu lassen, um eben genau auch zu dritt solche Präventiv-Streife fahren zu können. Das ist eine uralte Forderung von mir.

Alexander Wallasch: Was macht Sie sicher, dass dann solche Fälle unter Umständen verhindert oder reduziert werden können?

Heiko Teggatz: Prävention ist das Zauberwort. Immer dann, wenn uniformierte Kolleginnen und Kollegen in Zügen, Bussen, Straßenbahnen oder sonst wo sitzen, sinkt die Kriminalität. Ich glaube auch nicht, dass wenn dort tatsächlich Kollegen an Bord gewesen wären, dass es zu diesen Ausmaß gekommen wäre.

Alexander Wallasch: Jetzt kann man ja behaupten, dass es das in der Form vor 2015 in der brutalen Quantität nicht gegeben hat. Gibt es eine Spezialausbildung mittlerweile für Polizei, sich genau gegen solche Dinge zu erwehren? Ich kann mich erinnern, dass auf Anfrage zum Beispiel in Städten wie Braunschweig zuerst gesagt wurde, diese Messer-Attentate gäbe es statistisch gar nicht. Dann wurden Zählungen eingeführt, auch auf Bundesebene. Gibt es eine Spezialausbildung, wie man sich dieser Dinge erwehren kann, oder ist das automatisch in der Polizeiausbildung?

Heiko Teggatz: In der Polizeiausbildung sind solche Szenarien nicht. Jedenfalls nicht im Schwerpunkt trainiert. Aber jeder Kollege, der mit seiner Ausbildung fertig ist und in die Dienststellen rauskommt, hat mindestens einmal in fünf Wochen einen sogenannten Fortbildungstag, an dem auch Polizeitraining stattfindet, und das Polizeitraining sozusagen in der Fortbildung beinhaltet auch genau solche Situationen.

Alexander Wallasch: Wissen Sie davon, dass solche Trainings tatsächlich darauf abgestimmt wurden, oder ist das ein Automatismus, wenn so etwas passiert, dass man das auf die Tagesordnung setzt?

Heiko Teggatz: Das ist ein Automatismus, der wurde schon trainiert zu meiner Zeit in den 1990er Jahren, als ich noch im aktiven Dienst war und Anfang der 2000er Jahre. Ich würde sagen, das hat jetzt konkret nichts mit dem Jahr 2015 zu tun. Also die Bundespolizei passt ihre Fortbildung sowieso immer lageangemessen an und ich kann Ihnen versichern, dass solche Situationen regelmäßig in der Fortbildung auch trainiert werden, auch andere Situationen, also alles Wichtige.

Alexander Wallasch: Die Polizei darf nicht mehr von „Nafris" (Nortdafrikanische Intensivtäter) sprechen. Sie darf nicht den „südländischen Typ“ benennen und noch weniger darf die Polizei dann solche Phänotypen kontrollieren nach Messern. Warum sind diese Messer überhaupt immer noch am Mann? Das müssen ordentliche Kaliber sein. Das irritiert ja viele Bürger. Gibt es Messerkontrollen, sind solche Kontrollen bei einem bestimmten Phänotyp gestattet, der ja denen der meisten Täter entspricht?

Heiko Teggatz: Wir haben ein Waffengesetz und das Waffengesetz regelt, welche Messer erlaubt und welche verboten sind und welche mitgeführt werden und welche nur zu Hause sein dürfen.

Aber wie gesagt, das steht alles am Waffengesetz. Ich kann Ihnen aber jetzt nicht sagen, mit was für einer Art Waffe der Täter da unterwegs war. Und ich kann Ihnen auch nicht sagen, ob es jetzt generell Waffen-, Waffenverbotszonen gibt. Ich weiß von Hamburg am Hauptbahnhof zum Beispiel, so Szeneviertel, da gibt es Verbotszonen. Das wird auch regelmäßig von der Polizei kontrolliert oder auch mit empfindlichen Bußgeldern belegt, wenn man dagegen verstößt.

Aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob das jetzt auch für alle Züge gilt. Bei der Bahn haben wir eben das Problem, dass beim Betreten des Bahnhofs oder Besteigen der Züge keine Sicherheitschecks wie auf dem Flughafen durchgeführt werden.

Alexander Wallasch: Haben sich die Deutschen zu wenig um die Integration bemüht, dass so was immer wieder passiert?

Heiko Teggatz: Ich weiß nicht, ob das jetzt zwangsläufig wieder mit der Integration zu tun hat. Wir hatten auch mal eine Zeit, da haben sich irgendwelche Wildgewordenen mit Baseballschlägern bewaffnet. Ich will’s nicht abtun, um Gotteswillen. Aber ich stochere jetzt nur im Nebel, weil ich diese konkreten Umstände nicht kenne. Ich weiß auch nicht, ist der jetzt psychisch krank? War das ein Amoklauf? War das …

Alexander Wallasch: Müssen wir das wirklich jedes Mal erörtern? Müssen wir jedes Mal überlegen, was kann der Mensch für eine Schwierigkeit gehabt haben? Man kann doch hier bei diesen jahrelangen Serien nicht mehr von Einzeltätern sprechen, oder?

Heiko Teggatz: Nein, man kann jedem Menschen nur bis vor die Stirn gucken, niemals in den Kopf. So, und das ist eben das große Risiko …

Alexander Wallasch: Aber wenn ich in 99 Prozent der Fälle vorher schon weiß, dass mir als nächstes ein Syrer und ein Afghane präsentiert wird, dann kann doch irgendwas nicht stimmen, dann ist doch irgendwas faul, dann muss es doch an irgendeiner Stelle eine Art Unterlassung geben politisch, oder?

Heiko Teggatz: Ich würde mal viel mehr auf die Sicherheitsüberprüfung setzen. Also das Problem ist ja, wenn Sie sich erinnern, meine Forderung war ja immer, Grenzkontrollen einzuführen. Nicht um irgendwelche Leute zu ärgern, sondern zum einen, um diejenigen, die hier nichts verloren haben, direkt an der Grenze zurückweisen zu können. Und zum anderen aber auch zu wissen, wer ins Land kommt. Also kontrolliert zu wissen, wer ins Land kommt. Und das passiert ja nun seit Jahren leider nicht …

Alexander Wallasch: Aber selbst, wenn das passieren würde, wenn die Sicherheitsüberprüfung dann ergibt, das ist ein Syrer und Afghane, die kommen aus archaischen Gesellschaften, die sind mit unseren Werten nicht kompatibel, die haben einen muslimischen Hintergrund und die würden im Zweifel ausflippen und ihre Messer ziehen. Was soll man denn dann tun?

Heiko Teggatz: Nein, so werden Sie nie jemand überprüfen können. Mir geht es schon darum, dass, wenn schon bekannt ist, dass die Geheimdienste schon was rausgefunden haben zu einigen Personen, dass die irgendwelche Anschläge planen, dass wir das feststellen können. Aber nicht mal das können wir zu 100 Prozent lückenlos feststellen.

Alexander Wallasch: Das ist ja oft noch so, dass die teilweise schon vorbestraft sind oder mehrfach vorbestraft sind, die sogenannten Intensivtäter. So was meinen Sie wahrscheinlich dann auch …

Heiko Teggatz: Richtig.

Alexander Wallasch: Danke für den schnellen Versuch einer ersten Einordnung, danke für das Gespräch!

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