Der gute Nachbar vom Tegernsee: Verdienstblech aus der Hand des Noch-Kulturstaatsministers

Maria Furtwängler erhält Bundesverdienstkreuz vom Hochstapler von nebenan

von Alexander Wallasch

Die Tegernsee-Nachbarn rücken noch ungenierter zusammen© Quelle: Youtube/ZDF, Bundesregierung, screenshots, Montage: Wallasch

Maria Furtwängler erhält das Bundesverdienstkreuz erster Klasse – verliehen von keinem Geringeren als ihrem direkten Nachbarn Wolfram Weimer. Nur wenige Kilometer Luftlinie trennen die beiden am Tegernsee. Während Weimer als Kulturstaatsminister trotz laufender Affäre um seine Weimer Media Group Orden verteilt, wird die beliebte Schauspielerin für ihren Einsatz für Frauen und Mädchen geehrt.

Es fällt tatsächlich nicht leicht, eine Kritik zu üben im Kontext mit Maria Furtwängler. Denn die in der Rolle der Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm bekannt gewordene deutsche Schauspielerin gehört zu den beliebtesten Fernsehgesichtern des Landes. 2019 wurde sie gar zur beliebtesten Schauspielerin Deutschlands gewählt.

Sie meinen, es sei nur folgerichtig, dass die ausgebildete Ärztin und Ehefrau von Großverleger Hubert Burda auch das Bundesverdienstkreuz bekommt? Nun ist diese höchste Verdienstauszeichnung des Landes nicht der goldene Bravo-Otto, es muss also andere Gründe geben.

Bereits im November 2025 erhielt Maria Furtwängler den Bayerischen Verdienstorden. Ausgezeichnet wurde sie von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Die soll nach dem Willen von Kumpel Kanzler Merz die Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue werden – das wiederum legte die Tegernsee-Connection von Merz offen, die sich rund um die Gipfelveranstaltungen des Hochstaplers und Merz-Freund Wolfram Weimer zusammengekocht hatte: Ilse Aigner ist Urgestein auf Weimers Ludwig-Erhard-Schummel-Gipfel.

Ehefrau Weimer sollte im Bayerischen Landtag gemeinsam mit Maria Furtwängler ausgezeichnet werden, musste dann aber nach medialer Empörung rund um diese Tegernsee-Connection die Verleihung absagen.

Kommen wir vom Bayerischen Verdienstorden für Maria Furtwängler zum vor wenigen Tagen verliehenen Bundesverdienstorden. Und hier rückt Wolfram Weimer in seiner Funktion als Noch-Kulturstaatsminister in den Mittelpunkt der Verleihung. Denn er war sowohl für die Auswahl der Kandidaten als auch für die Verleihung selbst verantwortlich.

Weimer verlieh sieben Verdienstorden für „außergewöhnliche Leistungen in Kultur und Kunst“ und einmal den Verdienstorden erster Klasse für genannte Maria Furtwängler, die auf besondere Weise ein „wichtiges Vorbild für den Zusammenhalt in unserem Land“ sei.

Furtwängler ebenso wie Weimer wohnen Luftlinie fünf Kilometer entfernt voneinander am Tegernsee. Weimer selbst war von Herbst 2009 bis Juli 2011 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Focus“ beim Burda-Verlag (Hubert Burda Media). Damals sollte Weimer das Haus des legendären Chefredakteurs Helmut Markwort neu sortieren. Nach einem Jahr schrieb etwa die „Süddeutsche Zeitung“ (https://www.sueddeutsche.de/medien/focus-wolfram-weimer-er-kam-und-verlor-1.1124995) über diesen Versuch: „Focus-Chefredakteur Weimer gibt auf – Er kam, sah und verlor“.

Aber Weimer schlich sich nicht einfach davon, er blähte die Backen auf beim Gehen, wie Autor Marc Felix Serrao ihm damals hinterherrief: „Bleibt Imperialisten des Geistes“, wünschte Wolfram Weimer der Redaktion des "Focus".

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In Folge der von Alexander-Wallasch.de aufgedeckten Weimer-Affäre und eines sich immer weiter zuspitzenden Skandals wollte Wolfram Weimer eine Reihe von Terminen nicht mehr wahrnehmen, so auch jenen als Redner beim Korbinians-Kolleg des Hoteliers und Unternehmers Korbinian Kohler am 23. Januar 2026.

Weimer sollte im Festsaal des Spa & Resort Bachmair Weissach in Rottach-Egern am Tegernsee über die Medien als Fundament der Demokratie sprechen. Aber damit war selbst dem notorischen Hochstapler Weimer die Latte zu hoch gelegt: Sein Müllimperium „Weimer Media Group“ war enttarnt, was Branchenkenner wie Burda und Co längst wussten, wusste nun die ganze Republik.

Aber offenbar bleiben Optionen auf Win-Win-Situationen, die immer wieder den Mantel des Schweigens über den grotesken Saftladen des Aufschneiders Weimer legten. Als Weimer absagte, sprang halt Nachbarin Maria Furtwängler ein. Die wurde jetzt im Kanzleramt, dort, wo Weimer immer noch residiert, mit dem Verdienstorden erster Klasse ausgezeichnet.

Das Hochstapler-Genie Weimer ist tatsächlich in einer Position angekommen, wo er Orden verteilen kann. Und er macht ungeniert Gebrauch davon. Es gehört allerdings ganz in das Reich der Küchenpsychologie, diese Ordensverleihung als eine wie auch immer geartete Retourkutsche gegen den ehemaligen Arbeitgeber Hubert Burda zu begreifen, der seit ein paar Jahren von seiner Frau getrennt lebt.

Nach dem Bayerischen Verdienstorden aus der Tegernsee-Connection nun den Verdienstorden der Bundesrepublik erster Klasse: Von einem Hochstapler für eine beliebte Schauspielerin. Weimer hätte das Blech auch bei einem Spaziergang zu Hause vorbeibringen können. Hat er? Auf dem offiziellen Foto im Anschluß an die Verleihung war die Schauspielerin jedenfalls nicht zu sehen.

 

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