Trennungs- oder Phantomschmerz?

Markus Krall und die Werteunion – Chronologie einer Scheinehe

von Alexander Wallasch (Kommentare: 18)

Krall suggerierte eine Ehe, die nicht bestand, um dann ein Fremdgehen zu melden und die Scheidung einzureichen.© Quelle: Youtube / axinocapital, Screenshot

Ein paar persönliche Worte zu den heutigen Ereignissen rund um die Werteunion und den Rückzug von Markus Krall und Max Otte. Die Geschichte eines großen Missverständnisses und ein Sack voller enttäuschter Hoffnungen. Eine Analyse.

Beiden, sowohl Krall wie auch Otte, war schon länger klar, dass sie in einer Werteunion mit einem Hans-Georg Maaßen in der Mitte keine zentrale Rolle spielen werden. Otte sowieso nicht und Krall hatte es in den letzten Wochen verstehen müssen.

Was war gestern Abend die beinahe auf die Minute (das ist wichtig zu wissen!) synchronisierte Reaktion der beiden? Mit großem Getöse zogen sie sich aus einer Unternehmung zurück, von der sie längst wussten, dass dieser Zug ohne sie weiterfährt.

Exakt an dieser Stelle zeigt sich, wem es tatsächlich um Deutschland geht und wem um die eigene Stellung. Lassen wir Otte mal beiseite, denn hier war sowieso klar, dass er in einer Partei „Werteunion“ mit Maaßen an der Spitze keine Rolle spielen würde. Er wird in diesem seltsamen letzten Akt zu einer Art Adjutant von Markus Krall. Was an Kralls finaler Zündelei am meisten überrascht hat, war der Erfolg, den er mit seiner Kampagne in eigener Sache erzielt hat.

Diejenigen die diese „Trennung“ heute in den sozialen Medien wortstark bejammerten und von einem Ende der Werteunion fabulierten, haben offenbar vergessen, dass Markus Krall Mitte Januar bereits begriffen hatte, dass Maaßen nicht mehr mit ihm rechnet! Krall schrieb am 13. Januar:

„Zunächst die Frage meiner Rolle in der WerteUnion und damit verbunden die Frage, ob ich in den Vorstand der neuen Partei eintreten sollte. Hans-Georg hat das verneint, aber nicht, weil er es so entschieden hat, sondern weil wir beide uns darüber unterhalten haben und er meinen Wunsch respektiert, dass ich zwar einflussreich mitwirken will, aber eben nicht als Mitglied des Vorstandes.

Das war meine Entscheidung. Der Grund ist meine nicht ausreichende zeitliche Verfügbarkeit angesichts der bereits bestehenden Mehrfachbelastung durch den Aufbau des Unternehmens GoldRevolution, die Führung der Atlas-Initiative, meine umfangreiche publizistische Tätigkeit und meine politische Arbeit in Vorträgen, sozialen Medien und auch in der WerteUnion. Hans-Georg Maaßen hat insofern nur wiedergegeben, was zwischen uns lange besprochen und vereinbart war und was ich auch schon in einigen öffentlichen Statements auf X vorher verkündet hatte.“

Krall ist Unternehmer, er weiß, wie man solche prominenten Trennungen ohne Gesichtsverlust regelt. In diesem Fall wurde die Absage von Maaßen an Krall („Markus Krall schießt manchmal über das Ziel hinaus.“) für Krall dahingehend abgemildert, wie man es in seinen Kreisen seriös regelt, ohne das Gesicht zu verlieren.

Das Problem „Krall“ war Mitte Januar aber offenbar nicht gänzlich vom Tisch geräumt worden, der Bruch nicht endgültig und offen vollzogen. Markus Krall – das weiß man heute – ging weiter mit der Idee schwanger, dass er alleine den Wirtschaftsteil des Programms der Werteunion bestimmen könne. Er dachte wirklich, er habe Prokura, bis er leidvoll erkennen musste, dass andere sich durchgesetzt haben und seine Vorstellungen nicht umgesetzt wurden.

Und weil Krall und Otte jetzt mehrfach von „Sex mit der Ex“ sprachen, bezogen auf Maaßens Ambitionen Richtung CDU/CSU, kann man folgendermaßen im Bild bleiben: Markus Krall hatte sich auf dem Sofa bequem gemacht, als man ihm das Ehebett verweigerte, und musste jetzt erkennen, dass nicht einmal mehr sein Namensschild an der Tür hing.

Und exakt an der Stelle wird es höchste Zeit, einmal zurück zu schauen und sich zu fragen: Wo habe ich die Situation falsch eingeschätzt?

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Es war Markus Krall, der unentwegt von einer Parteigründung twitterte, und nicht Hans-Georg Maaßen. Erfolgreich hatte Krall diese vermeintliche Partnerschaft immer wieder annonciert, aber dabei verpasst, hier eine öffentliche Bestätigung von Maaßen einzuholen. Der sah wohl keine Veranlassung hier, die Ambitionen von Krall immer wieder neu zu dementieren.

Zugegeben: Dafür hatte sich Krall auch nicht eindeutig genug positioniert, seine X-Beiträge hatten durchgehend etwas Raunendes und ein Hauptziel: Nämlich anzeigen, dass Markus Krall im Mittelpunkt kommender Ereignisse stehen würde.

Damit war Krall gegenüber seinen zahlreichen Followern tatsächlich erfolgreich. Das war marketingtechnisch und psychologisch eine reife Leistung von Krall. Er suggerierte eine Ehe, die nicht bestand, um dann ein Fremdgehen zu melden und die Scheidung einzureichen. Aber so etwas gehört auf die Bühne des Berliner Ensembles und kann nicht der letzte Akt sein zur Rettung des Landes vor einem rot-grünen Ausverkauf.

Woher kamen die Ambitionen von Krall, in die Politik zu gehen? Unbestätigt ist, dass Krall selbst eine Parteigründung plante, die zunächst mit der Werteunion nicht unmittelbar zu tun hatte. Sogar prominentere AfD-Aussteiger sollen hier in die engere Wahl gekommen sein. Hans-Georg Maaßen soll ebenfalls zur Teilnahme aufgefordert und umworben worden sein. Inwieweit Maaßen hier Signale setzte oder falsch verstanden wurde, ist nicht bekannt.

Aber Dr. Maaßen trug sich da schon mit dem Gedanken, die Werteunion zur Partei zu machen. An der Stelle muss sich bei Krall die Idee festgefressen haben, dass Maaßen irgendwie an ihn und seine exzellente Expertise in Wirtschaftsfragen gebunden sei. Krall schuf damit unfreiwillig eine verhängnisvolle Schröder-Lafontaine-Situation.

Den Reaktionen der Werteunion und der von Hans-Georg Maaßen kann man die Erleichterung anmerken. Was man Krall ohne weiteres zugestehen muss: Seine Kampagne in eigener Sache war zumindest insofern erfolgreich, dass vielfach davon die Rede ist, dass die Partei „Werteunion“ nun Geschichte sei bzw. es jetzt große Streitereien und Trennungen gäbe.

Markus Krall nimmt hier bewusst in Kauf, dass die etablierten Medien diese Mär einer gewichtigen Rolle von Krall in der Werteunion, die nun geplatzt sei, verbreiten, aber diese Rolle gab es insbesondere in der Vorstellung von Markus Krall.

Maaßen muss schon sehr früh klar gewesen zu sein, dass er besser ohne Markus Krall Partei werden will. Der Rest ist bekannt: Der so Weggestoßene kam gestern Abend mit dem Benzinkanister zurück und hatte noch einen Kumpel im Gepäck, der als Verstärker diente, aber niemals eine ernsthafte Chance hatte, auch nur die Fähnchen auf den Tischen der neuen Partei aufstellen zu dürfen.

PS: Das Fatale an der Geschichte – Markus Krall ist ein sympathischer, ein freundlicher und kluger Mensch. Wie konnte er sich selbst in so eine Situation bringen?

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