Die verreckenden Russen und das Kölnisch Wasser von Michael Martens Nazi-Opa

Martens’ Frage und Himmlers Antwort

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Michael Martens will möglichst viele Russen killen© Quelle: Bundesarchiv, Bild 116-168-618 / CC-BY-SA 3.0, FAZ, Montage: Wallasch

Eine einzige Frage eines FAZ-Journalisten in Belgrad hat historische Abgründe aufgerissen. Zwischen Kölnisch Wasser, einem Nazi-Großvater und Heinrich Himmlers Posener Rede zeigt sich, wie dünn die Grenze zwischen Realpolitik und Vernichtungsfantasien werden kann.

Am 8. August 2026 sorgte der FAZ-Korrespondent Michael Martens auf einer Pressekonferenz in Belgrad mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und dem serbischen Staatschef Vučić für einen medialen Eklat, als er fragte, was die Europäer konkret tun könnten, um der Ukraine zu helfen, „mehr Russen zu töten“ – und nachschob: „russische Soldaten natürlich“.

Die Formulierung löste scharfe Kritik und historische Vergleiche aus und wurde von Martens selbst auf X und in Interviews verteidigt, indem er sie als notwendige Realpolitik im Krieg gegen Russland darstellte. Die FAZ berichtete über den Besuch, distanzierte sich jedoch nicht von der Aussage ihres Korrespondenten – und bis heute haben auch kritische Medien aus dem konservativen Spektrum den Vorfall weitgehend ausgespart.

Um die ganze Tragweite der Aussage Martens’ zu begreifen, ist es hilfreich, in die tiefsten Abgründe der menschlichen Niederungen abzutauchen – dorthin, wo das ultimative Böse sich Bahn gebrochen hat, hin zu Heinrich Himmler, einem der mächtigsten und brutalsten Funktionäre des nationalsozialistischen Regimes. Und hier speziell zu einer Rede des Reichsführers SS bei der SS-Gruppenführertagung in Posen am 4. Oktober 1943. Diese sogenannte Posener Rede macht deutlich, in welche Höllen der Mensch sich verlieren kann, wenn niemand mehr da ist, der Widerstand leistet. Himmler schaut hier auf den Russlandfeldzug. Stalingrad ist bereits verloren.

Damit soll nichts gleichgesetzt, sondern allenfalls hilfreich verglichen werden. Aber zuvor noch ein paar Worte, die geeignet sein können, die Massentötungsfantasien des FAZ-Journalisten besser zu verstehen. Und Michael Martens macht es einem hier leicht, weil er selbst umfangreich und immer mal wieder in der FAZ über seinen Seelenzustand referiert hatte. So auch im Oktober 2024, als er zunächst berichtete, sein Großvater sei „der Held meiner Kindheit“ gewesen:

„Nach seinem Tod 1988 hatte ich jahrelang denselben Traum: Er ist gar nicht gestorben, lebt noch immer in Celle, wir hatten nur den Kontakt verloren, nun telefonieren wir und verabreden ein Wiedersehen. Manchmal habe ich diese Träume noch heute. Es sind glückliche Träume, weil ich darin wieder das Kind bin, das außer sowjetischen Atombomben und saurem Regen nichts fürchten muss.“

Als der Großvater starb, war Martens 14 Jahre alt. Von da an begann die Beschäftigung mit seinem Helden der Kindheit noch lange bevor der „Spiegel“ fragte: War dein Opa ein Nazi?

Martens recherchierte, wer Großvater wirklich war:

„Später erst lernte ich, dass er Mitglied in der SA und der NSDAP war und 1936 von Hitler zum Staatsanwalt ernannt wurde. Die Ernennungsurkunde mit Hitlers Originalunterschrift haben wir noch, weit unten in einem Stapel mit Familiendokumenten. Von 1941 an war er Offizier im Wehrmachtsführungsstab. Daran erinnert ein Kerzenständer mit den eingravierten Daten seiner Dienstzeit, den er zu seiner Verabschiedung aus dem Stab geschenkt bekam.“

Mehrfach sei Großvater Martens am Mittagstisch mit Hitler gesessen. Opa hat all das aufgeschrieben und dem Enkel hinterlassen. Der Held der Kindheit hatte als Jurist im Krieg Todesurteile über Deserteure gefällt, auch das hat Martens über Opa erfahren.

Aber was ergibt sich für Martens daraus? Er erklärte es vor knapp zwei Jahren in der FAZ:

„Aus den kindlichen Erinnerungen an einen wunderbaren Großvater und diesen späteren Einsichten ergab sich ein innerer Zwiespalt, der sich nicht mehr auflösen lassen wird. Ich habe sozusagen Hitler lebenslänglich bekommen, mitsamt einem unstillbaren Interesse an allem, was die Deutschen der Generation meines Großvaters angerichtet haben.“

Aber die Geschichte von Martens, die er der FAZ erzählt, ist noch aus einer anderen Perspektive interessant. Denn im Wesentlichen geht es darum, dass der Nazi-Enkel der FAZ in Breslau zu einem jüdischen Fest eingeladen wurde und hinfährt. Und als er von dort wiederkommt, endet sein Bericht mit folgender Szene:

„Am nächsten Tag verlasse ich Breslau, bereichert von der eindrucksvollen Zeremonie in der Synagoge, verwirrt von den Gesprächen danach. Wieder zu Hause in Wien entdecke ich zufällig eine Parfümerie, die Kölnisch Wasser führt. Dabei dachte ich, es werde längst nicht mehr hergestellt. Ich kaufe ein Flakon, öffne es gleich vor dem Geschäft und rieche daran. Ich fühle mich jung.“

Da ist das Parfüm des Nazi-Großvaters, an das sich Martens eingangs seines Textes erinnert hatte. Nach der Bar-Mizwa in Breslau in der Synagoge ‚Zum Weißen Storch‘ kehrt Michael Martens also olfaktorisch in den Schoß seiner Familie zurück, da, wo es nach Kölnisch Wasser riecht und der Opa nach dem Mittagstisch mit dem Führer reihenweise Deserteure an die Wand stellen ließ.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Nicht in Breslau, sondern in Belgrad stand nun vor wenigen Tagen der FAZ-Redakteur Michael Martens im klimatisierten Palace of Serbia – ob er dabei nach Kölnisch Wasser duftete, ist nicht überliefert. Dokumentiert ist allerdings, was Martens den ukrainischen Präsidenten fragte. Und diese Frage findet sich trotz massiver Beschwerden auch im Artikel, den Martens aus Belgrad mitbrachte und der von der FAZ auch ohne mit der Wimper zu zucken abgedruckt wurde. Dort schreibt Martens über seine Frage an Selenskyj:

„Die beiden Präsidenten äußerten sich auch zu einer weiteren Frage der F.A.Z. (…) Auf die eigentlich an Selenskyj gerichtete Frage, was die Europäer tun könnten, um die Ukraine dabei zu unterstützen, mehr russische Soldaten zu töten, und ob eine Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik Teil seiner Gespräche in Serbien gewesen sei, antwortete Vučić: „Wir haben über keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen heute und zum jetzigen Zeitpunkt.““

Und jetzt lässt es sich nicht weiter hinauszögern, sich mit der Posener Rede des Parteigenossen von Martens’ Opa, Heinrich Himmler, zu beschäftigen. Durchaus im Bereich des Möglichen liegt übrigens, dass Opa beim Mittagstisch bei Hitler auch den Reichsführer SS getroffen haben könnte.

Wo können wir helfen, russische Soldaten zu töten?

Himmler in seiner Posener Rede über den Kampf gegen den Russen:

„(Beim Russen) macht es nur die Masse, und diese Masse muss eben zertreten und abgestochen, abgeschlachtet werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird und allmählich ausbluten muss. Ohne Zweifel hat der Russe seine Armee noch einmal um 1 Million Menschen verstärkt durch die Übernahme von Hilfskräften, also vor allem von Frauen und Jungens in die Trosse …“

Und Himmler gibt hier in seiner Posener Rede 1:1 die ganz große Vorlage für die Kölnischwasser-Kartentischfantasien des FAZ-Autors, der ein Ende des Krieges sieht, wenn nur genügend Russen verreckt sind. Himmler:

„Endlos ist überhaupt nichts auf der Erde, endlos ist auch das Potential der Russen nicht.“

Und die Bestie Himmler wusste sehr wohl, dass es sich leichter tötet, wenn der Gegenüber zur Bestie erklärt wird:

„Genau so wahr (ist), dass der Russe, hoch oder niedrig, zu den perversesten Dingen neigt, bis zum Auffressen seines Kameraden und bis zum Aufbewahren der Leber seines Nachbarn in seinem Brotbeutel.“

Und wo es endet, auch darüber machte Himmler in seiner Posener Rede kein großes Gewese:

„Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“

Michael Martens ist selbstverständlich kein zweiter Himmler, der war in allererster Linie Vertreter einer rassenideologischen Vernichtungspolitik, Martens ist Redakteur der FAZ. Aber was genau ist der nach Kölnisch Wasser duftender Martens in dem Moment, wo er den Präsidenten der Ukraine im Kontext der Idee eines Abnutzungskrieges fragt?

„Can you tell us Europeans what can we concretely do to help you to kill more Russians? – mit der raschen Ergänzung „more Russian soldiers, of course“.

(Können Sie uns Europäern sagen, was wir konkret tun können, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? … natürlich mehr russische Soldaten?)

 

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Kommentare