„Sie brauchen einen bösen Rechten, um ihren antifaschistischen Widerstand zu rechtfertigen“

Martin Sellner spricht über sein Einreiseverbot nach Deutschland

von Alexander Wallasch (Kommentare: 9)

Über eine „neurotische Fixierung unserer politischen Eliten“© Quelle: Martin Sellner / Flickr

Spätestens seit der Correctiv-Affäre ist Martin Sellner der Schurke der Stunde. Die Bundesregierung greift zum letzten Mittel und verbietet dem rechten Aktivisten für drei Jahre die Einreise nach Deutschland. Aber um welche Gefahr und für wen abzuwehren?

Die repressiven Maßnahmen der Bundesregierung, die Kampagnen regierungsnaher Medien und solcher Aktivisten wie von Correctiv haben aktuell eine Person in den Mittelpunkt ihres Interesses gestellt: Martin Sellner.

Aber welches gesteigerte Interesse hat die deutsche Regierung am österreichischen Gründer der Identitären Bewegung? Eine Einstufung als „rechtsextrem“ durch den Verfassungsschutz ist das eine. Allein, es mangelt dafür an einer hinreichend tragfähigen Begründung. Die Frage, was ist eigentlich „deutsch“, kann es allein nicht sein. Denn sie gehört selbstverständlich zur Debatte um eine millionenfache Zuwanderung in sehr kurzer Zeit.

Nein, der Eindruck entsteht, dass Sellner zum Bösewicht gemacht werden soll, weil es diesen Bösewicht braucht, mit dem man beispielsweise über eine Kontaktschuld die AfD als Mitbewerber für die Europawahl, die kommenden Landtagswahlen und die Bundestagswahl 2025 kontaminieren bzw. ausschalten kann.

Nachdem Martin Sellner bereits in den Mittelpunkt der Correctiv-Affäre gestellt wurde, wurde jetzt ein dreijähriges Einreiseverbot ausgesprochen. Aber wer ist dieser immer lächelnde, brav frisierte gutaussehende Südländer (jedenfalls aus der deutschen geografischen Perspektive) wirklich?

Alexander-Wallasch.de redet nicht über, sondern mit Martin Sellner. Und wir fragen auch, wie sich das anfühlt, wenn man plötzlich sein Nachbarland nicht mehr betreten darf, in dem man viele Freunde hat. Das Problem: Es will sich einfach kein Gespräch mit dem Teufel einstellen. Martin Sellner umarmt seine Gesprächspartner mit Worten, mit Nettigkeiten, er nimmt einzelne Sätze des Gegenüber auf, er hört genau zu, er reflektiert, er ist im Gespräch der beste Kumpel und Schwiegermutters Liebling zugleich. Dabei lässt er immer wieder Wissen und Eloquenz durchblicken, ohne dass es angeberisch wirken würde. Ansteckend auch seine Begeisterungsfähigkeit. Hat der Wolf Kreide gefressen oder wird Sellner Unrecht getan und er ist so ein Pechvogel, der sich immer wieder die falschen Themen oder Freunde ausgesucht hat? Das Einreiseverbot erscheint – jedenfalls wenn man noch einigermaßen intakte Sensoren hat — auf eine Weise unverhältnismäßig, das alle Alarmglocken losgehen.

Druck braucht einen Grund. Was glauben Sie, fürchtet die Bundesregierung an Martin Sellner?

Ich glaube, sie befürchten, dass zu viele Leute mitbekommen, dass die Dinge, die ich anspreche, die Lösungen, die ich anbiete, genau das sind, worauf Millionen von Deutschen seit langem sehnsüchtig warten. Zumindest vermute ich das, weil ansonsten wäre nicht erklärbar, warum sie mit einer derartigen Vehemenz auf mich einschlagen.

Olaf Scholz hat heute eine Regierungserklärung abgegeben und erklärt, es funktioniert alles super, die Zahlen der Zuwanderung seien rückläufig ...

Das mag Scholz gesagt haben. Ich glaube, das Gefühl und die Erklärung von Scholz sind noch nicht angekommen in den deutschen Innenstädten, insbesondere den westdeutschen. Aber ich freue mich. Denn auch ein kleiner Schritt in Richtung „Remigration“ ist der richtige. Wenn Scholz lernen möchte, wie er es richtig macht, wie er die Zahlen wirklich runter kriegt und wie er vor allem die illegalen Ausreisepflichtigen nach Hause kriegt, dann kann er das in meinem Buch nachlesen.

Scholz spricht von einer Reduzierung der irregulären/illegalen Migration, möglicherweise liegt es ja daran, dass bestimmte Formen der illegalen Migration per Gesetz legalisiert wurden. Damit wäre die Zuwanderung ebenfalls reduziert ...

Das ist auch eine Möglichkeit. So kann man auch das unangenehme Problem der Straftaten im migrantischen Milieu loswerden, indem man einfach den Migrationshintergrund nicht mehr erhebt. Ja, solche Zahlenspiele und Begriffsdefinitionen und Spiele sind natürlich auch eine gute Möglichkeit.

Das Erstaunliche scheint ja, dass die irreguläre Migration offenbar tatsächlich zurückgeht, aber die Zuwanderung weiter ansteigt durch eine Vielzahl von Legalisierungsmaßnahmen ...

Am Ende ist es eh der Plan dieser Leute, legale Fluchtrouten zu schaffen und die illegale Einwanderung komplett zu legalisieren. Die Wirtschaftsweisen behaupten ja, dass wir, ich glaube, über eine Million Zuwanderer pro Jahr brauchen, um unsere Renten zu bezahlen. Also man merkt genau, in welche Richtung das geht.

Kann man an einem bestimmten Punkt sagen, dass Zuwanderungskritik auch Kapitalismuskritik ist?

Auf eine gewisse Art und Weise ist Zuwanderungskritik glasklar auch eine soziale Frage. Es geht doch darum, dass wir unsere Arbeitskräfte, unseren Arbeitsmarkt schützen. Der Lastwagenfahrer aus Indien macht eine ähnliche Arbeit in Deutschland, verdient aber einen Bruchteil davon. Wenn man diese Leute importiert, mit den Lohnvorstellungen – das wusste schon Karl Marx in Bezug auf die irischen Arbeitsmigranten – dann unterminiert es die Stellung der einheimischen Arbeiter.

Wie war die Reaktion der Freunde und Mitstreiter auf das Einreiseverbot?

Ich konnte bis jetzt noch nicht alle Reaktionen überschauen. Was mich aber gefreut hat – ich kann noch keine Namen nennen –, dass auch aus dem liberal-konservativen Lager einige den Ernst der Lage erkannt haben und diese Eskalation der Repression tatsächlich als solche kritisiert haben.

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Sie werden hier wider Willen zum Popstar aufgebaut. Wie kann man sich denn selbst gegen Größenwahn schützen? Eine Verführung für Sie?

Überhaupt nicht! Denn es ist vollkommen klar, dass es hier darum geht, über die Bande billardkugelartig politischen Parteien zu schaden. Mir ist auch vollkommen klar, dass der Grund dafür weniger meine Gefährlichkeit und Größe ist als diese neurotische Fixierung unserer politischen Eliten. Sie brauchen quasi immer einen bösen Rechten, um ihre eigene, ihren nachholenden antifaschistischen Widerstand rechtfertigen zu können. Das Problem: Ich eigne mich überhaupt nicht als Projektionsfläche und ich eigne mich gar nicht für diese Rolle. Daran werden sie scheitern. Aber ich überschätze meine Bedeutung dahingehend nicht, weil ich weiß, dass das ganze tiefenpsychologische Hintergründe hat.

Hat sich Elon Musk schon persönlich bei Ihnen gemeldet? Gab es schon diese eine gigantische Spende, über die man noch in zehn Jahren raunend erzählen wird?

(Lacht) Nein, die gab es nicht, kann er aber machen. Auch gerne via Bitcoin. Aber bisher hat sich Musk nicht gemeldet. Ich finde allerdings auch dieses Getue um einen einzigen Musk-Tweet von drei Wörtern Länge – „Is this legal?“ – das finde ich schon krass. Da wird behauptet, Musk inszeniere sich. Aber sie inszenieren Musk. Dabei hat er nur eine Frage gestellt und zahlreiche Antworten bekommen. Das ist vollkommen legitim. Und natürlich ist das, was man hier gesehen hat, diese Stürmung einer völlig friedlichen Veranstaltung, etwas, was bei jedem neutralen Beobachter dazu führt, dass der sich fragt: Darf man so etwas?

Eine Pressesprecherin der Behörden in Potsdam berichtete, es gab in 2024 bereits zwei weitere Einreiseverbote, über die man aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes aber nicht sprechen darf. Da mag es sich um Zuwanderungsfälle handeln oder wissen Sie mehr?

Von denen weiß ich gar nichts. Aber ich glaube, dass es durchaus auch andere Fälle geben könnte. Es gibt ja auch Ausweisungen. Nur im Unterschied zu mir finden die normalerweise nach schweren Straftaten statt, bei echter Terrorgefahr und bei wirklich langen massiven, intensiven Schädigungen des Sozialstaates.

Ich weiß nicht, wer es gesagt hat von der RAF, aber ein Ziel war es immer, so sehr zu provozieren, dass man den Herrschenden die Maske vom Gesicht reißt. Kann man das übertragen auf Ihr Einreiseverbot?

Absolut. Ich sage immer gern: Sie werden zur Kenntlichkeit entstellt, diese Mechanismen. Denn diese Diskrepanz, nämlich über 127.000 illegale Einreisen im Jahr 2023 – kein Problem, wird durchgewunken, kein Stress, alles Normalität oder sogar legalisiert über Scholz – und dann ein einziger österreichischer Autor, der einreisen will und dann ist die Hölle los. Das kann man einem normalen Menschen ja nicht mehr erklären.

Auch Götz Kubitschek sprach gestern im Interview mit Alexander-Wallasch.de von einer „Entstellung bis zur Kenntlichkeit“, wer hat da die Worte von wem geliehen?

Wenn ich mich dunkel entsinne, könnte das von Ernst Bloch stammen. Oder von einem anderen Denker. Ich glaube es war ein Marxist, muss ich zur Schande gestehen (lacht).

Die umgekehrte DDR. Jetzt schließen die Länder um Österreich herum die Einreise aus. Der antifaschistische Schutzwall einmal umgedreht. Am Ende werden Sie vielleicht noch in eine DDR-Situation kommen, ohne dass Österreich irgendetwas aktiv dafür tun muss. Sie können nicht mehr raus. Der antifaschistische Schutzwall in Umkehrung ...

Genau das habe ich auch schon mehrfach gesagt. Es ist eine umgekehrte DDR. Aber Gott sei dank – Ich glaube, Tschechien, Ungarn und Slowakei bleiben stabil. Und ich füge dann immer als Witz hinzu: Nur Österreich kam mich nicht ausweisen, obwohl einige in Österreich das sicher auch gerne täten.

Haben Sie denn Druck aus Österreich zu erwarten? Kann es denn jetzt in Österreich auch noch zu einer Verschärfung kommen?

Ich rechne täglich mit Razzien. In Österreich haben wir das Superwahljahr, Europawahl, einige Landeswahlen und dann vor allem die Nationalratswahlen im Herbst. Ich glaube, wir werden von der ÖVP noch ganz massiv in den Wahlkampf hineingezogen werden. Schon jetzt sagt Nehammer, Kickl sei rechtsextrem und bezieht sich dabei auch auf die Identitäre Bewegung. Ich vermute, dass man hier noch irgendwelche Verfahren, irgendwelche Skandale inszenieren wird. Also insofern gehe ich davon aus, dass es noch irgendwie scheppern wird in der Alpenrepublik.

Als Deutscher hat man da vielleicht einen blinden Fleck: Um was muss man denn besonders traurig sein, wenn man Deutschland nicht mehr betreten darf?

Guter Punkt. Ich könnte natürlich die großartige Deutsche Küche aufführen, den hervorragenden deutschen Humor (lacht). Nein, am meisten trauere ich natürlich um die vielen großartigen Freunde, die ich in Deutschland habe, die ich vorerst nicht mehr besuchen kann, Hochzeiten, zu denen man eingeladen ist, Akademien, die man nicht sehen kann. Und natürlich am verlockendsten die Passauer Caféhaus-Szene, die werde ich am allermeisten vermissen.

Danke für das Gespräch!

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