Der rechte Aktivist und Autor Martin Sellner – er wurde zuletzt von „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt in einem „Zeit“-Interview als „interessanter Autor“ empfohlen – war gestern am Ostersonntag mit seinem Sohn und Freunden wandern, wie viele Väter und Familien ebenso, die einen sonnigen Tag nutzten um in der freien Natur unterwegs zu sein.
Mit einem Unterschied: Martin Sellner wurde erkannt und beschimpft. Was dann passierte, hat Sellner aufgeschrieben und veröffentlicht. Hier sein Text ungekürzt:
Ich war heute wandern mit meinem Sohn und Freunden. Auf der Hütte angelangt, setzten wir uns zu kühlen Getränken, als ich vom Nachbartisch von einem anderen Familienvater ziemlich primitiv beschimpft wurde. Er war selbst mit seinen Kindern da - dennoch es brach nur so aus ihm heraus.
Ich reagierte verbal - überwand dann aber den kurzen Impuls, einfach nur zurückzuschimpfen, schluckte meinen Ärger runter und setzte mich einfach, gegen seinen Willen, neben ihn. Heraus kam ein halbstündiges Gespräch.
Es wäre interessant, weil es mir wichtig ist, auch diese Menschen zu verstehen. Sie sind Teil unserer Gesellschaft und unseres Volkes und werden nicht verschwinden, egal wie sehr man sich das von rechter Seite wünschen mag.
Es kam dabei heraus, dass er keine Ahnung hat, wofür ich wirklich stehe. Kein einziges Zitat oder irgendeinen Punkt dafür bringen konnte, dass ich ein böser Extremist sei und einfach nur Mainstream-Medien verfolgt. Immer wieder betonte er aber, dass ich ein Manipulateur sei und die Dinge, die ich wirklich meine, gar nicht sagen würde.
Witzig war, als er meinte, ich solle doch mal in einem ORF-Interview sagen, dass wir nur für gewaltfreien Aktivismus einstehen und dass unsere Feinde keine anderen Menschen, sondern die Politiker und ihre Politik sind. Die laden mich halt nicht ein, und servierten ihm seit Jahren nur zusammengeschnittene Hit-Pieces, die er sichtlich radikalisiert hatte.
Besonders interessant war: immer wieder brach ein aggressiver, ehrlich Zorn aus ihm heraus: Leute wie Kickl und Ich würden „die Gesellschaft spalten“, Leute „aufhetzen" und ein Klima schaffen, in dem das Zusammenleben nicht funktionieren kann.
Ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt. Viele Linke merken, dass die Multikulti-Utopie außerhalb ihrer kleinen Blase am Ende ist. (Er kam aus dem guten Mittelstand, hatte viele ausländische Freunde, die mutmaßlich ebenfalls aus dem gehobenen Mittelstand kamen und fuhr ein gutes Auto - das sah ich, als wir uns nach dem Abstieg wieder begegneten.)
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Um mit dieser katastrophalen Tatsache fertig zu werden, geben Linke oft die Schuld für das Scheitern ihrer Utopie den „bösen Rechten“. Es findet hier statt, was man auch in kleinen chiliastischen Fanatikergruppen erleben kann: wenn das ersehnte Ziel ausbleibt, ist es die Schuld irgendwelcher „Ungläubiger“ die die Gemeinschaft sabotieren, weil sie nicht „mitglauben“.
Der Glaube der Linken ist wohl, dass, wenn nur einen Tag lang alle Einheimischen intensiv an die „bunte und friedliche Gesellschaft“ glauben und ihren „Hass und ihre Spaltung aufgeben“, in einer politischen Theophanie der Gott von Multikulti herabsteigen und alle Probleme unserer kaputten Gesellschaft lösen würde. So kam es mir zumindest vor.
Ich versuchte dennoch, ein sinnvolles Gespräch zu führen. Mein entscheidender Punkt: wir können uns gern in der Sphäre des Politischen bei Demos im Parlament oder bei Debatten angehen oder anschreiend. Es sollte aber einen privaten Raum geben, wo man sich nicht sinnlos, vor allem nicht vor den eigenen Kindern, beflegelt. Da sah er auch ein und entschuldigte sich nachher für seine Beleidigungen - ohne natürlich meine Meinung zu übernehmen. Let's agree to disagree.
Insgesamt war er ein durchaus sympathischer Typ, scheinbar auch ein liebevoller und hart arbeitender Vater. Mir war auch wichtig, ihm klar zu machen, dass wir und unsere Bewegung keine Bedrohung für ihn und seine Familie darstellen, wie scheinbar wirklich dachte. (Er hatte eine ausländische Frau, die übrigens gar nicht feindlich war und die ganze Runde am Ende auf einen Obstler eingeladen hat.)
In jedem Fall ist es wichtig, mit Menschen wie ihm zu reden. Sie bleiben ein (mächtiger) Teil unserer Gesellschaft und werden nicht verschwinden. Wir dürfen nicht in unseren eigenen Echokammern verloren gehen, sondern immer wieder müssen die moralische Auseinandersetzung suchen.
In jedem Fall wollte ich das Ostersonntagerlebnis mit euch teilen. Ich empfehle übrigens allen Rechten, die dabei scheitern, mit Linken zu reden, die Lektüre von Jonathan Haidt. https://t.me/martinsellnerIB/26077
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