Medien schweigen: Antifa-Übergriffe gegen Journalisten

Interview: Boris Reitschuster in Kassel von Linksextremisten angegriffen

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Boris Reitschuster in Kassel von Linksextremisten angegriffen
Der Journalist Boris Reitschuster am Rande der großen Querdenken-Demonstration in Kassel von Linksextremisten angegriffen © Foto: Boris Reitschuster

Kaum waren die Übergriffe von Linksextremisten gegen den Journalisten Boris Reitschuster am Rande der großen Querdenken-Demonstration in Kassel passiert, meldete sich der Spiegel mit einer Geschichte über Angriffe auf Journalisten im Zusammenhang mit Querdenken-Demonstrationen. Das Hamburger Magazin titelte „Attacken auf Journalistinnen und Journalisten nehmen in Deutschland zu“ und nannte sogleich die Ursache dafür: Folge der Corona-Demos.

Wäre explizit Boris Reitschuster gemeint, könnte man das dahingehend erfreut zur Kenntnis nehmen, dass der Spiegel eine gemeine Attacke auf Reitschuster in Kassel zum Anlass genommen hat, Gewalt gegen Journalisten zu verurteilen und zu berichten. Aber weit gefehlt. Das Blatt nimmt lediglich eine Meldung des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit zum Anlass, über solche Angriffe gegen die per Grundgesetz besonders geschützte Vierte Gewalt zu berichten.

Und um hier gleich klarzustellen, um wen es sich handelt, wessen Mitteilung der Spiegel dafür berichtenswert hält, hier Gründer des genossenschaftlich organisierten Zentrums: Hans-Ulrich Jörges (Stern), Martin Schulz (SPD), Alexander Graff von Lambsdorff (FDP) und Elmar Brock (CDU).

Also allesamt nicht unbedingt politische Prominente, die in den vergangenen Jahren damit aufgefallen wären, sich für die Presse- und Medienfreiheit beispielsweise auch der neuen Medien einzusetzen. Sogar das Gegenteil könnte der Fall sein. Die Organisation listet in einer gerade veröffentlichten Analyse 69 tätliche Angriffe auf. Im Jahr 2019 wären das noch 19 Fälle gewesen. Unter Angriffen werden hier Schläge, Tritte, Spucken oder auch Angriffe mit Waffen gerechnet. 31 Fälle seien im rechten Spektrum verortet, fünf im Linken – diese Information wurde ans Ende des Artikels gestellt.

Im Video: Angriff auf Boris Reitschuster

Der Journalist Boris Reitschuster wird am Rande der großen Querdenken-Demonstration in Kassel angegriffen. (Quelle: Boris Reitschuster)

Aber es wird unanständiger, denn auch der Tagesspiegel hat sich des Themas angenommen: Das Blatt berichtet direkt von einem Übergriff in Kassel gegen Journalisten. Allerdings nicht über den Angriff auf Boris Reitschuster, sondern unter der Überschrift „Querdenker streckte Fotografen mit gezieltem Faustschlag nieder“ von einer Attacke gegen einen Kameramann des Hessischen Rundfunks (Dem Kollegen wünschen wir Besserung, der Täter ist zu verfolgen und hart zu bestrafen).

Überlegen wir mal: Was wäre die Überschrift dieser Zeitung beim Angriff gegen Reitschuster gewesen? Möglicherweise so: „Antifa attackiert und beschimpft Journalisten auf Querdenken-Demo“. Warum aber hat es diesen Artikel nie gegeben?

Diese Frage ist mindestens so interessant, wie die detailreiche Schilderung  des Übergriffes gegen den hessischen Kollegen in der genannten Zeitung: Der Mann, der sich dem Kamerateam von hinten genähert hätte, sei kein „schwarz vermummter Hooligan“ Vielmehr hätte er ausgesehen „wie ein Durchschnittsdeutscher beim Wanderurlaub in irgendeinem Mittelgebirge. Gelbe Regenjacke, blaue Mütze, buntes Tuch und auf dem Rücken ein Rucksack.“

Sagen wir es mit hierzu erforderlichem Galgenhumor: Mit so einem Zeitgenossen aus dem Harz hatte es Boris Reitschuster nicht zu tun, der Journalist wurde angegriffen mutmaßlich von gewalttätigen Antifa-Hooligans.

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Hier das Interview mit Boris Reitschuster zum Angriff gegen ihn in Kassel:

Alexander Wallasch: Du wurdest in Kassel Opfer körperlicher Gewalt und weiterer Delikte...

Boris Reitschuster: Ich war im Live-Stream und lief gerade um den Platz herum, auf dem die Demo stattfand.

Alexander Wallasch: War die Querdenker-Demonstration dort angemeldet?

Boris Reitschuster: Der Hintergrund ist hier, dass die 15.000 oder 20.000 Teilnehmer angemeldet haben. Man hat ihnen aber nur einen Platz für – ich glaube – 5000 erlaubt. Aber es waren erwartungsgemäß viel mehr Leute unterwegs und man wusste also von vorneherein, dass die Leute ja irgendwo hinmüssen. Also auf gut Deutsch: Da sollte etwas offensichtlich provoziert werden.

Alexander Wallasch: Du wurdest mitten in Deinem Live-Stream angegriffen, wo war da die Polizei, ich habe in der Szene keinen Polizisten gesehen.

Boris Reitschuster: Das hat mich massiv irritiert an diesem Samstag in Kassel. In Berlin ist das ja immer so: Die Berliner Polizei ist zwar sehr ruppig, aber sie ist immer da, wo Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinandertreffen oder treffen könnten. Da, wo es brenzlig wird, sichern, bzw. trennen die Berliner Beamten zügig. Das ist in Kassel überhaupt nicht passiert. Ich bin auch nach dieser Attacke auf die Polizei zugegangen, hab denen die Situation geschildert und die machten trotzdem keinerlei Anstalten, zügig aktiv zu werden. Sie meinten nur, ich könne ja nachher eine Anzeige aufgeben. Ich sagte zwar, jetzt sei doch die Situation brenzlig, aber es blieb bei der Aufforderung an mich, später eine Anzeige aufzugeben. Ich bat dann noch darum, den Vorfall der Einsatzleitung weiterzugeben. Aber auch das ist meines Wissen nach nicht passiert.

Alexander Wallasch: Hätte die Polizei den Angreifern – nicht zuletzt auch wegen deines Bildmaterials – nicht sofort nachstellen und dieser ergreifen können?

Boris Reitschuster: Sie hätten es zumindest in meinen Augen versuchen müssen. Sie haben leider nicht den geringsten Ermittlungseifer an den Tag gelegt. Hier könnte man schon grundsätzlich einmal hinterfragen, was ist denn das, dass die Polizei nicht mal so tut, als ob sie versuchen würde, hier erstens aufzuklären und zweitens Straftaten zu verhindern.

Alexander Wallasch: War denn niemand da von deinen Zuschauern, der hätte zur Hilfe eilen können?

Boris Reitschuster: Das war am Rande des Geschehens, da waren überhaupt wenig Leute da.

Alexander Wallasch: Was meinst Du denn, was diese mutmaßliche Antifa-Truppe da überhaupt verloren hatte? Die sahen in Deinem Live-Stream schon ziemlich merkwürdig drapiert und unschlüssig aus, als hätten sie ihr eigentliches Vorhaben – was immer das gewesen sein mag – vergessen.

Boris Reitschuster: Also die wirkten exakt wie Antifa bzw. Antifa nah. Und derjenige, der sich anschließend noch so zynisch lustig gemacht hatte über mich, der kam mir sogar bekannt vor. Aber leider kann ich die Person nicht mehr genau zuordnen. Da kann man sich auch irren mit solchen Ähnlichkeiten. Nein, ich würde es nicht beschwören wollen.

Zwischenzeitlich im Interview wird Reitschuster – der im Moment mit dem Fahrrad unterwegs ist – freundlich von einem Passanten angesprochen, der erfreut berichtet, ihn und seine Sendung zu kennen.

Alexander Wallasch: Kannst Du den Angriff nochmal schildern bitte?

Boris Reitschuster: Also da ist dieser Platz vor dem Museum. Und um den Platz herum ist so eine Art breiter Gehsteig, vielleicht zwanzig oder dreißig Meter breit. Und ich laufe einfach da entlang, bin im Livestream, rede, mir ist irgendetwas Bedrohliches nicht bewusst. Ich laufe also, ohne etwas zu bemerken direkt in diese Antifa-Gruppe hinein. Ich merkte es erst, als die Rufe laut wurden, wie „Verpiss Dich!“, aber das sieht man ja alles im Stream. Ich frage Richtung Schreier zurück, was denn los sei, fordere dazu auf, zu reden, aber es kommt nur weiter, „Verpiss Dich!“ und „Keine Aufnahmen!“. Und ehe ich mich versehe, kommt einer von denen auf mich zu und schlägt mich. Er schlägt mir gegen die Hand. Und zwar so fest, dass mein Smartphone für den Stream runterknallt, so fest, dass auch die Hand weh tut.

Alexander Wallasch: Das war also die Abwehr der Kamera vom Angreifer…

Boris Reitschuster: Zunächst das, dabei aber absichtlich Körperverletzung und Schaden zufügend. Ich habe zu den Antifa-Leuten gesagt, dass ich das jetzt im Film hätte und wir zur Polizei gehen würden. Ich sprach dann wie vorhin schon erwähnt, noch mit einem, der nur völlig zynisch meinte, ich sei ja gestolpert. Es war aber gottseidank ein Zeuge da, der hatte alles gesehen und kam auch mit zur Polizei vor Ort 500 Meter entfernt. Aber die meinten nichts machen zu können, ich sollte halt später Anzeige erstatten. Ich habe Online Anzeige erstattet wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung, Beleidigung, Nötigung und Verhinderung der Presse.  

Alexander Wallasch: Was macht so ein Übergriff mit einem Journalisten? Was für unmittelbare Folgen hat das für Deine Arbeit? Das ist ja auch nicht der erste Übergriff, ich erinnere mich an den Flaschenwurf an Deinen Kopf usw.

Boris Reitschuster: Ich bin jetzt kein ängstlicher Typ, weil ich in meiner Laufbahn als Journalist schon im Krieg war und viel erlebt habe. Drum bin ich so, dass ich sage, ich gehe da trotzdem rein, aber ich glaube, dass die meisten Kollegen da nicht mehr reingehen. Die würden einfach aufhören nach so einem Übergriff – und wer hätte dafür kein Verständnis? Wenn ich jetzt über eine Demonstration von Linken oder der Antifa berichte, könnte ich das eigentlich nur noch mit Polizeischutz. Das ich beleidigt werde, ist dabei das Geringste und regelmäßig der Fall.

Alexander Wallasch: Das ist ja auch strafbar…

Boris Reitschuster: Ja, das habe ich ja erlebt auf diesem Schweigemarsch in Berlin, dass mich da einer der Gegendemonstranten anschreit mit „Verpiss Dich!“ und beleidigt mich und ein Polizist steht dazwischen. Der sagt aber zu mir: „Gehen Sie weg!“ Ich erinnere den Polizisten daran, dass ich beleidigt wurde - umsonst. So etwas allerdings kann so nicht sein, dass muss man sich einmal vorstellen. Das Signal, das da nach außen geht, wie sich die Polizei verhält, und dadurch, wie sich die Medienkollegen verhalten – da sind doch Journalisten, die nicht auf Regierungsline sind bald Vogelfreie. Und das wiederum ist gleichzeitig eine Kapitulationserklärung der Polizei.

Alexander Wallasch: Danke für das Gespräch. Glück auf.

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