Drei Kinder aus Leihmutterschaft: „Die Kinder sind glücklich, wir sind es und die Mütter sind es auch“

Medienanwalt Ralf Höcker mit einem sehr persönlichen Kommentar zur Leihmutterschaft

von Alexander Wallasch (Kommentare: 3)

Ralf Höcker, mit einem Mann verheiratet, drei Kinder aus US-Leihmutterschaft.© Quelle: X, Ralf Höcker, Screenshot

Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke haben einen Jungen per Leihmutterschaft gegen Honorar aus den USA geholt. Als es bekannt wurde, empörten sich viele darüber, dass hier ein Fraktionsvorsitzender der CDU deutsche Gesetze umgeht. Ich hatte dazu geschrieben. Jetzt hat sich der renommierte Anwalt Ralf Höcker zu Wort gemeldet. Hier sein Kommentar zur  Causa Spahn und Leihmutterschaft:

Von Medienanwalt Ralf Höcker

Jens Spahn, Daniel Funke und ihr Kind aus Leihmutterschaft

Jens Spahn und sein Mann werden heftig dafür kritisiert, dass sie in den USA einem Jungen per Leihmutterschaft das Leben geschenkt haben. Da auch ich drei Kinder aus US-Leihmutterschaft habe, erlaube ich mir die häufigsten Argumente gegen Leihmutterschaft zu kommentieren:

1. „Leihmutterschaft ist ´Kinderkauf´“
Nein. Ein Kind ist schon keine Sache. Man kann es nicht kaufen. Vor allem aber gehört es niemandem. Man kann kein Eigentum an einem Menschen haben. Auch deshalb kann man einen Menschen nicht kaufen. Wer behauptet, dass Leihmutterschaft „Kinderkauf“ sei, muss schon Ross und Reiter nennen: Wem „gehört“ denn das angeblich gekaufte Kind? Wer ist also der „Eigentümer“? Im Regelfall läuft es bei schwulen Wunscheltern so, dass sie sich Eizellen spenden lassen. Einer der beiden stellt sein Sperma zur Verfügung. Damit wird die zuvor gespendete Eizelle befruchtet. Ein Embryo entsteht. Von wessen Kind sprechen wir in diesem Moment? Erst dann kommt die Leihmutter ins Spiel, die nicht die Eizellspenderin ist und die nicht biologisch mit dem Kind verwandt ist. Sie trägt das für sie fremde Kind aus. Der biologische Vater und sein Mann nehmen es nach der Geburt wieder zurück. Leihmutter und Wunscheltern halten anschließend Kontakt. Ein solches Konzept als „Kinderkauf“ zu bezeichnen, ist unsinnig. Wer von Kinderkauf redet, setzt voraus, dass die Leihmutter, der ein Wunschvater sein Kind einpflanzen lässt, dadurch zur Eigentümerin dieses fremden Kindes wird und es dem biologischen Vater „zurück verkauft“, wenn sie es ihm nach der Geburt wieder zurückgibt. Das ergibt schlicht keinen Sinn. „Kinderkauf“ ist ein demagogischer Kampfbegriff mit reichlich menschenverachtendem Anklang. Bezahlt wird kein Kind, sondern medizinische und rechtliche Dienstleistungen.

2. „Leihmutterschaft ist Menschenhandel“
Menschenhandel setzt Zwang oder Ausbeutung voraus. Rechtmäßig organisierte Leihmutterschaft beruht auf freiwilligen Entscheidungen und Verträgen.

3. „Leihmütter werden zum Objekt gemacht“
Befürworter betonen die Selbstbestimmung erwachsener Frauen über ihren eigenen Körper.

4. „Die Leihmütter werden ausgenutzt und ausgebeutet“
In den USA wird darauf geachtet, dass die Leihmütter finanziell unabhängig sind, ihre eigene Familienplanung bereits abgeschlossen haben und über ein geordnetes Familienumfeld verfügen. Sie werden sorgfältig medizinisch und psychologisch untersucht und vor, während und nach der Geburt begleitet. Sie stimmen der Leihmutterschaft freiwillig zu und werden zu nichts gezwungen.

5. „Das Kind wird seiner Mutter weggenommen“
Eizellspenderin und Leihmutter sind nicht identisch. Die Eizellspenderin stellt ihre Eizellen zur Verfügung. Eine zweite Frau – die Leihmutter - trägt anschließend ein biologisch fremdes Kind aus und hat wie die Eizellspenderin von Anfang an nicht die Absicht, selbst Mutter zu werden.

6. „Das Kind lernt seine Mutter nie kennen“
Kinder haben ein Recht darauf, zu erfahren, woher sie kommen. Deshalb unterstützen Leihmutteragenturen, dass nach der Geburt der Kontakt sowohl zur genetischen Mutter als auch zur Leihmutter fortbesteht.

7. „Leihmutterschaft widerspricht der Menschenwürde“
Andere sehen gerade in der freiwilligen Hilfe für ungewollt Kinderlose einen Ausdruck menschlicher Würde und Selbstbestimmung.

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8. „Leihmutterschaft ist unnatürlich“
Viele andere Formen der Reproduktionsmedizin – und nicht nur der Reproduktionsmedizin - wären nach diesem Maßstab ebenfalls abzulehnen.

9. „Das Kind leidet psychisch“
Laut der bisherigen Forschung sind keine generellen Nachteile erkennbar. Entscheidend sind stabile familiäre Verhältnisse. Auf diese achten die Leihmutteragenturen.

10. „Homosexuelle umgehen damit die Natur“
Der Wunsch nach Elternschaft ist nicht auf heterosexuelle Paare beschränkt. Entscheidend ist das Kindeswohl.

11. „Leihmütter bereuen manchmal ihre Entscheidung“
Diese Einzelfälle gibt es, deshalb sind psychologische Eignungsprüfungen, Beratung und engmaschige Begleitung wichtig.

12. „Es gibt kein Recht auf ein Kind“
In einem Rechtsstaat ist erst einmal alles erlaubt, was nicht ausnahmsweise verboten ist. In Diktaturen mag das andersherum sein: Dort ist womöglich alles verboten, wenn es nicht ausnahmsweise erlaubt ist. Grundsätzlich gibt es also sehr wohl ein Recht darauf, Kinder zu haben und die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin in Anspruch zu nehmen. Nur wenn sehr gute Gründe dafür sprechen, dieses Grundrecht einzuschränken, sind ein Verbot oder eine strenge Regulierung zulässig.

Mein Fazit
Letztlich ist also entscheidend: Sind die Nachteile von Leihmutterschaft so gravierend, dass die Grundrechte von Wunscheltern und Leihmüttern eingeschränkt werden müssen? Muss man erwachsenen Menschen wirklich verbieten, dass auf diese Weise menschliches Leben, Liebe und familiäres Glück entstehen? Ich meine, nein. Die Nachteile, die Leihmutterschaft mit sich bringt, kann man nicht leugnen. Sie lassen sich durch gesetzliche Regulierung jedoch beseitigen oder jedenfalls stark abmildern. Die Nachteile überwiegen also die Vorteile der Leihmutterschaft nicht. Ich bin sehr froh, dass mein Mann und ich in den USA Eltern dreier wundervoller, innig geliebter Kinder werden konnten.

Die Kinder sind glücklich, wir sind es und die Mütter sind es auch. Auch für die Gesellschaft ist es demographisch von Vorteil, wenn Kinder geboren werden und in einem stabilen familiären Umfeld aufwachsen. Unglücklich sind nur einige Beobachter von außen. Viele lehnen unseren Weg aus religiösen Gründen ab. Das ist in Ordnung. Religion ist jedoch etwas Höchstpersönliches. Man darf anderen nicht die eigenen religiösen Vorstellungen aufzwingen. Andere empfinden sich in einer Ordnungsvorstellung gestört. Natürlichkeit geht ihnen über alles. Doch die Natur stellt keinen Wert an sich dar. Sie kann nicht denken und nicht fühlen und sie stellt auch kein moralisches Regelwerk auf, an das wir uns zu halten hätten. Wäre das anders, dürfte es auch keine künstlichen Hüftgelenke und keine Herzschrittmacher mehr geben.

Ich wünsche Jens Spahn und Daniel Funke mit ihrem Sohn Georg von ganzem Herzen alles Gute und bin überzeugt, dass sie großartige, glückliche, liebende Eltern sein und unser Land mit einem wunderbaren Menschen bereichern werden!

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