Irgendwo in Deutschland in einem Privathaus mit Dachschaden – oder Rohrbruch

"Meine Wohnung, meine Regeln": Handwerker wird nach Hause geschickt, weil er keine Maske tragen will

von Alexander Wallasch (Kommentare: 7)

„Tut mir leid, ohne Maske lass ich sie nicht rein!“ Ich: „Das muss Ihnen nicht leid tun. Sie entscheiden das. Rechnung für die Anfahrt kommt. Schönen Tag!“© Quelle: Pixabay / jarmoluk, OrnaW

Diese Geschichte ist so schön doof, dass wir gerne zu ihrer Verbreitung beitragen möchten: Wir befinden uns irgendwo in Deutschland in einem Privathaus, ein Handwerker wurde bestellt, um irgendetwas zu reparieren.

Der Handwerker verzichtet auf einen Mundnasenschutz (MNS). Das passt seinem Kunden nicht. Der Handwerker zuckt gelangweilt mit den Schultern, packt seine Sachen und geht wieder.

So weit, so herrlich. Aber der Kunde lässt es nicht auf sich beruhen und twittert, was ihm ach so Furchtbares widerfahren ist, twittert diesen brutalen Angriff auf sein Leben und die Gesundheit der Seinen:

Okay, der Unterhaltungswert ist bis hierher schon gut. Noch besser wird es da, wo der – oder einer stellvertretend – Handwerker ihm antwortet:

„Vögel wie du sind mir die liebsten! Den Fall hatte ich auch mal. ‚Tut mir leid, ohne Maske lass ich sie nicht rein!‘ Ich: ‚Das muss ihnen nicht leidtun. Sie entscheiden das. Rechnung für die Anfahrt kommt. Schönen Tag!‘ Das Gesicht war unbezahlbar, selbst unterm Kaffeefilter“

Außerdem schreibt er:

„Ergänzung für den tobenden Mob. Wenn mich jemand höflich darum bittet, weil er Angst hat, dann bitte ich darum, Abstand zu halten und setze da, wo dies nicht möglich ist, eine Maske auf.“

Ein weiterer User biegt sich vor Lachen:

„Einen erschienenen Handwerker freiwillig gehen lassen, kannst du dir nicht ausdenken“

Ein weiterer Handwerker kommentiert:

„Ich arbeite bei so Trotteln gar nicht, habe genug zu tun, da gibt es gar keinen neuen Termin, meine Firma, meine Regeln“

Und eine Anita meint zu wissen:

„Der Handwerker braucht Sie als Kunden nicht! Das Schöne: die ‚Jungs‘ kennen sich untereinander…. viel Erfolg beim Suchen eines Ersatzhandwerkers.“

Userin Lottaa Viehler hat noch einen Tipp für den Hausbesitzer:

„Das Impfzertifikat hätte ich aber auch noch kontrolliert. Safety first. LG Lotta“

User Klaus_Barm denkt gleich den größeren Maßstab:

„Ihre Regeln. Und bitte schön: Ausschließlich in Ihrer Wohnung!“

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Bernd Lendeckel allerdings hält den Hausbesitzer für einen heimlichen Impfgegner:

„Der deutsche Maskenwahn ist das größte Misstrauensvotum gegen die Impfung. Denken Sie Mal drüber nach.“

Headi #deluxe reagiert sehr unhöflich und gegen die Netiquette:

„Handelt es sich bei Ihnen um einen großen Dachschaden? Regnet es rein?“

Susanne Baesseler denkt noch einmal über die Maske an sich nach und fragt dann:

„EINE Ihrer gehorteten 2 Milliarden FFP3-Masken für die nächsten 30 Pandemiejahre hätten Sie aber nicht abgeben wollen, oder? GEIZIG & dumm schafft definitiv evolutionäre Nachteile!“

Ein Handwerksunternehmer schaltet sich ein:

„Ich gehe einmal davon aus, dass der Handwerker nicht darauf angewiesen ist, in Ihrer Wohnung zu arbeiten. Meine Kunden dürfen gern eine Maske tragen, aber meinen Mitarbeitern mute ich dieses nicht zu. Schließlich muss ein Handwerker körperlich arbeiten.“

Prompt bekommt er folgende Antwort:

„Und wenn ihre Mitarbeiter einen Kunden anstecken und er sie darauf hin auf Schadensersatz verklagt, weil er Long COVID hat, was machen Sie denn? Vorbildliche Chefs statten ihre Mitarbeiter mit Masken aus. Ich wünsche Ihnen viel Glück in der Pleite!“

Dann taucht noch eine Maßnahmen-Gläubige auf, liest die vielen Kommentare und bittet sogleich um Cancel Culture:

„Kann man ja getrost komplett blocken, was sich hier so ansammelt.“

User Kirsche erklärt:

„Das haben mir meine Eltern schon gelernt, das sind Menschen, die ich brauche, weil ich etwas nicht kann, die bekommen Cafe, Brötchen und ein dickes Danke von mir...“

Und Andreas Peschke denkt wieder nur an seinen Vorteil:

„Prima. Ich wünsche mir mehr Menschen mit dieser Einstellung. Dann bekomme ich leichter einen Handwerkertermin.“

Ein weiterer Handwerker erklärt dem Hausbesitzer mal, wie es sonst so im Handwerk aussieht:

„Ich bin Handwerker. Kurz zu ihrer Situation, sie meinen wirklich, wir säßen auf der Couch und warten bis sie anrufen und sind dann so glücklich, dass wir ausgerechnet bei ihnen arbeiten dürfen. Mal zur Klarstellung, wir haben Aufträge für 1 Jahr im Vorlauf, also drauf geschissen.“

Noch jemand lacht laut auf und schreibt:

„Fatal. Jetzt musst du das Bild selbst aufhängen. Spoiler: Sicherheitshandschuhe nicht vergessen.“

Ein weiterer Handwerker hat weniger Humor als seine Vorgänger und ist richtig sauer auf den Hausbesitzer, der jetzt Heimwerker geworden ist:

„Wer Corona hat, kuriert sich im Bett aus, aber holt sich sicher nicht Handwerker ins Haus um diese dann anzustecken. Etwas mehr Solidarität und Eigenverantwortung bitte.“

Noch ein User kommentiert:

„In der DDR mußten Sie auch Ihren Trabant gewaschen zur Werkstatt bringen, sonst wurden Sie weggeschickt. Da war der Mangel ähnlich. Gewöhnen Sie sich daran, oder bleiben Sie auf den Arbeiten sitzen. Die Zeiten, in denen der Kunde König war, sind vorbei. Auch wegen Corona.“

So viel zu diesem erheiternden Twitter-Tweet. Allerdings findet diese Debatte nicht nur auf Twitter statt. Deutschlandfunk Nova hat sich mit dem Thema schon Anfang des Jahres auseinandergesetzt und zunächst klargestellt, dass es für das Maskentragen für Handwerker keine einheitlichen Regeln gibt.

Aber der Sender hat eine Hörerin aus Saarbrücken gefunden, die sich gern öffentlich empört:

"Ich habe ihn dann nur irritiert angeguckt, und dann hat er gesagt, dass er mit der Maske schlecht Luft bekommt und jetzt keine tragen wird. Dann ist er bei mir vorbei ans Fenster und hat angefangen zu arbeiten. Mich hat das so geärgert, weil das für mich ein absolutes No-Go ist."

So etwas kann man nicht erfinden. Der Handwerker erklärt sich, aber die Auftraggeberin hört ihm offensichtlich gar nicht zu.

Der Sender beschreibt die rechtliche Situation so (hier die Zeugin der Anklage schon beim Vornamen nennend):

„Doch wie hätte Stephanie argumentieren können, und was wären ihre Rechte gewesen? Antworten darauf gibt es zum einen in der bundesweiten Corona-Arbeitsschutzverordnung. Diese sieht vor, dass Beschäftigte in Risiko-Situationen eine Maske tragen müssen. Die Gefährdungsbeurteilung allerdings muss vom Arbeitgeber vorgenommen werden und ist deshalb nicht einheitlich geregelt.“

Und weiter:

„Laut der Handwerkskammer des Saarlandes bestehe ‚keine unmittelbare, gesetzliche Maskenpflicht‘.“

Aber der Sender hat – ganz im Sinne eines konstruktiven Journalismus – noch einen versöhnlichen Tipp parat, wie auch der eingangs erwähnte, dann so belächelte Hausherr aus dem Tweet seinen Stress hätte vermeiden können.

Dafür befragt der Sender Markus Pfeifer aus der Rechtsabteilung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Der rät dazu – Überraschung! – alles Wichtige bereits in einem Telefongespräch vorab zu klären.

Und er sagt auch gleich, wie man bei diesen uneinsichtigen tätowierten Jungs vom Handwerk den richtigen kumpelhaften Ton anschlägt, wenn man was erreichen will:

"Also ruhig schon am Telefon sagen: 'Hey, könnt ihr bitte bei mir in der Bude eine Maske tragen'."

Hey, Alter, Mann, Maske bei mir inne Bude, okay Digga?

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