Mehrere Nachfragen, abschlägige Antwort – und zehn Firmen, zu denen das BPA nichts weiter sagen wollte

Merz’ Kiew-Reise: Die vollständige Firmenliste – und was das BPA nicht beantworten wollte

von Alexander Wallasch

„Sehr geehrter Herr Wallasch, wir haben unserer Antwort nichts hinzuzufügen.“© Quelle: Youtube/Tagesschau, Screenshot

Während regierungsnahe Medien von Solidarität und notwendiger Hilfe sprachen, zeigt die offizielle Wirtschaftsdelegation vor allem Rüstungs- und Defense-Tech-Firmen, die von deutschen Steuermitteln profitieren können. Ukrainische Quellen listen konkrete Memoranden und Letters of Intent – überwiegend zu Luftabwehr, Drohnen und Energie. Einer der zehn Namen bleibt dabei besonders still: Currenta. Die genauen Zahlen und Ergebnisse wollte das BPA nicht liefern.

Es dauerte mehrere Tage und mehrere Nachfragen, bis das Bundespresseamt überhaupt die vollständige Liste der Wirtschaftsdelegation nannte, die Bundeskanzler Friedrich Merz am 4. Oktober 2026 nach Kiew begleitete.

Auf die konkrete Nachfrage, welche der zehn Unternehmen bereits von staatlich finanzierten Ukraine-Aufträgen profitieren, in welcher Größenordnung und welche neuen Geschäfte am 4. Oktober tatsächlich abgeschlossen wurden, kam am 14. Oktober die abschlägige Antwort.

Eine Regierungssprecherin teilte mit: Man habe der vorherigen Auskunft nichts hinzuzufügen. Darüber hinaus müsse man sich bitte an die Unternehmen selbst wenden.

Die Unternehmen sind allerdings nicht auskunftspflichtig gegenüber der Presse – das BPA schon. Genau das macht die Zurückhaltung bemerkenswert.

Die offizielle Liste laut eines Regierungssprechers gegenüber Alexander-Wallasch.de:

Siemens Energy, Hensoldt, Currenta, 50Herz (50Hertz), Quantum Systems, Amprion, Alpha Robotics, Diehl Defence, Helsing und ARX Robotics.

Medienbegleitung: dpa, dpa-Foto, Handelsblatt, Reuters, Süddeutsche Zeitung und ZDF – ausgewählt nach „sachlichen Kriterien“ und Kapazitätsgrenzen, heißt es weiter.

Während regierungsnahe Medien den Besuch vor allem als starkes Solidaritätssignal und notwendige Unterstützung vor dem fünften Kriegswinter rahmten, zeigt die Zusammensetzung der Delegation und die ukrainischen Angaben zu den unterzeichneten Dokumenten ein völlig anderes Bild:

Es handelt sich überwiegend um Rüstungs- und Defense-Tech-Firmen sowie Energie-Player, die von deutschen Haushaltsmitteln profitieren oder profitieren können.

Ukrainische Quellen (Büro des Präsidenten, Regierungsportal, Innenministerium) sprechen von 15 Dokumenten und Vereinbarungen im Volumen von mehr als 8,5 Milliarden Euro; deutsche Kreise nannten rund 6,5–6,6 Milliarden. Parallel dazu kam ein deutsches Hilfspaket von rund 1,3 Milliarden Euro (1 Mrd. Militär aus bereits bewilligten Mitteln plus 350 Mio. für Energie).

Aus der ukrainischen Auflistung der Vereinbarungen:

Mehrere MoUs (Absichtserklärungen) mit Diehl Defence zu IRIS-T-Raketen und Startgeräten plus Präzisionsmunition, MoU mit Hensoldt zu Radaren, Letter of Intent mit Quantum Systems zu Interzeptor-Drohnen (Produktion in der Ukraine, deutsche Finanzierung von Zehntausenden Stück angekündigt), Vertrag zur Lokalisierung ukrainischer Drohnenproduktion in Deutschland (Nationalgarde + Quantum Systems), MoU des ukrainischen Staatlichen Notfalldienstes (DSNS) mit Alpha Robotics Germany zu robotischen Systemen für Feuerwehr und Rettung; MoU ARX Robotics mit Roboneers zu unbemannten Bodenfahrzeugen, Letter of Intent Helsing mit Culver Aerospace, MoUs Siemens Energy mit Energieministerium und Naftogaz (u. a. Prüfung von Gasturbinen für dezentrale Erzeugung), Vereinbarung 50Hertz und Amprion mit Ukrenergo.

Der stille Name bleibt Currenta. Der Chempark-Betreiber (Leverkusen, Dormagen, Krefeld, im Besitz von Macquarie-Fonds) taucht in den öffentlichen Listen der unterzeichneten Dokumente nicht auf.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Während die anderen Firmen konkrete Rüstungs-, Drohnen- oder Netz-Bezüge vorweisen können, bleibt Currentas konkrete Rolle undurchsichtig – trotz Mitreise im Kanzler-Tross.

Die Mainstream-Erzählung betont Solidarität und deutsche Verantwortung. Aus ukrainischer Sicht wird stärker betont, dass Kiew nicht nur Hilfe empfängt, sondern Aufträge an die deutsche Industrie vergibt und Co-Produktion aufbaut.

Aus kritischer deutscher Perspektive sieht das anders aus: Deutsche Steuerzahler finanzieren über Hilfspakete und Haushaltsmittel die Aufträge und den Kapazitätsausbau ausgewählter deutscher Firmen. Joint Ventures und Produktion in der Ukraine liefern Erfahrungen direkt aus den blutigen Schützengräben.

Die Auswahl der Firmen und Medien war nicht transparent. Die größten Profiteure sind die mitgereisten Rüstungsunternehmen. Die  dringenden Nachfrage nach konkreten Zahlen zu bereits laufenden staatlichen Aufträgen und zu dem, was am 4. Oktober tatsächlich abgeschlossen wurde, beantwortete das BPA nicht.

Was Merz und seine Begleiter da ausgesendet haben, war kein reines Solidaritäts-Signal. Es ist die Fortsetzung einer Politik, die deutsche Steuergelder und industrielle Interessen mit dem Krieg in der Ukraine verbindet – und bei der die genauen Ergebnisse und Kosten für den deutschen Steuerzahler weiterhin nur scheibchenweise und auf Nachfrage ans Licht kommen. Der Krege geht weiter. Und er eskaliert dank deutscher Gelder und zunehmend deutscher Rüstungsindustrie.

Übrigens, nach unserer Nachfrage:

„Aber die Unternehmen sind hier nicht auskunftspflichtig gegenüber der Presse, Sie schon. Ich bitte also um Beantwortung, vielen Dank!“

Kam folgende Antwort:

„Sehr geehrter Herr Wallasch, wir haben unserer Antwort nichts hinzuzufügen.“

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.