Sonderzug mit Springer-Rüstungsdelegation, Drohnentreffer auf die Nordbrücke

Merz sagt der Ukraine in Kiew weitere Milliarden zu

von Alexander Wallasch

Zwei ukrainische Präsidenten?© Quelle: YouTube/TAgesschau, Screenshot

Neben rund 1,35 Milliarden Euro frischer Hilfe stehen Industrievereinbarungen von 6,5 bis 8,5 Milliarden Euro. Abfangdrohnen, IRIS-T und Netztechnik sollen in Aufträge an deutsche Firmen münden. Ob das Gegenleistung ist oder teure Umleitung bei schwachen Umfragen, bleibt offen.

Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit, zu einem – wohl aus Sicherheitsgründen – unangekündigten Besuch in Kiew eingetroffen. Er reiste mit einem Sonderzug, begleitet von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und rund zehn Unternehmern aus Rüstung und Energie.

Russland hatte zuvor vor Reisen in die Ukraine gewarnt. Bei der Ankunft sagte Merz: „Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns.“ Und: „Ich werde Präsident Selenskyj heute sagen: Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.“

Wenige Stunden nach der Ankunft schlug eine russische Drohne in die Fahrbahn der Nordbrücke ein. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete den Treffer. Zwei Menschen wurden verletzt. Primärquellen sprechen von einem Drohnenangriff, nicht eindeutig von einem Marschflugkörper.

Am Montagmorgen, dem 5. Oktober, reiste auch Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) nach. Die Züge kreuzten sich. Merz und Prien begegneten sich nicht. Am Zentralbahnhof sagte sie der dpa: „Uns ist es wichtig, in der gesamten Bandbreite unsere Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck zu bringen.“ Und: „Es ist wichtig gerade in dieser Situation, nicht zurückzuschrecken, keine Angst zu zeigen, sondern sehr klar zu sein. Wir stehen als Bundesrepublik Deutschland fest zur Ukraine.“ Schwerpunkt ihrer Reise: Kinder und Jugendliche, Zivilgesellschaft, Gespräche mit ukrainischen Ministern. Der Aufenthalt ist auf zwei Tage angelegt.

Merz kündigte ein frisches Hilfspaket an: rund eine Milliarde Euro Militärhilfe aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln und etwa 350 Millionen Euro für Generatoren, Umspannwerke und Reparaturen am Stromnetz. Im Mittelpunkt stehen Abfangdrohnen gegen schnelle russische Jet-Drohnen, weitreichende Waffen und Satellitentechnik. Regierungskreise sprachen von mehr als 15.000 Abfangdrohnen.

Parallel unterzeichneten deutsche und ukrainische Firmen sowie das ukrainische Verteidigungsministerium 14 bis 15 Vereinbarungen und Absichtserklärungen. Die Bundesregierung bezifferte das Volumen mit rund 6,5 bis 6,6 Milliarden Euro, Präsident Wolodymyr Selenskyj mit bis zu 8,5 Milliarden Euro. Das sind überwiegend Industrieaufträge und Kooperationspapiere.

Konkret vereinbart wurden die Lieferung Tausender IRIS-T-Luftabwehrraketen und weiterer Abschusseinrichtungen durch Diehl Defence, Satelliten- und Radartechnik von Hensoldt sowie die Weiterentwicklung und Produktion von Abfangdrohnen durch Quantum Systems. Diese sollen in der Ukraine gebaut werden und im Winter 2026/27 verfügbar sein.

Merz ließ sich die Systeme vor Ort von Quantum-CEO Sven Kruck zeigen. Quantum Systems teilte später mit, Deutschland finanziere im Rahmen des Militärhilfepakets für den Winter 2026/27 mehrere Zehntausend Abfangdrohnen, gefertigt in der Ukraine.

Kruck sagte:

„Ukraine needs interceptor drones at industrial scale. By expanding production in Ukraine, we can respond faster to the immediate threat while building an industrial capability that will also strengthen Germany and its allies.“

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Siemens Energy (Chef Christian Bruch), 50Hertz und Amprion unterzeichneten Kooperationen zur Ertüchtigung des Stromnetzes. ARX Robotics schloss in Anwesenheit von Merz und Selenskyj eine Technologiepartnerschaft mit dem ukrainischen Unternehmen Roboneers zu unbemannten Landfahrzeugen.

Auch der Drohnenhersteller Helsing wird in Agenturberichten unter den vertretenen Firmen genannt.

Namentlich bestätigt in der Wirtschaftsdelegation sind Sven Kruck (Quantum Systems), Oliver Dörre (Hensoldt) und Christian Bruch (Siemens Energy). Die Süddeutsche Zeitung nannte diese drei ausdrücklich. Tagesschau sprach von zehn Unternehmern aus Rüstung und Energie plus Reiche.

Paul Ronzheimer, Vize-Chefredakteur der „Bild“, berichtete aus dem Presse-Tross und lieferte die Reportage „Warum Merz unbedingt nach Kiew wollte“.

Merz wiederholte die Formel, die Partnerschaft sei „keine Einbahnstraße“. „Deutsche und ukrainische Unternehmen entwickeln gemeinsam Technologien, von denen beide Länder profitieren. Das macht uns sicherer und stärker.“

Selenskyj sagte, nicht nur Deutschland helfe der Ukraine, die Ukraine teile Wissen, Erfahrung und Aufträge: „These are jobs for Germany.“

Öffentliche Mittel und ukrainische Bestellungen fließen damit in Aufträge an Diehl, Hensoldt, Quantum, Siemens Energy und andere. Welcher Anteil der 6,5 bis 8,5 Milliarden aus dem frischen deutschen Haushalt, aus schon bewilligten Mitteln, aus ukrainischem Budget oder aus EU-Krediten stammt, weisen die vorliegenden Meldungen nicht im Einzelnen aus.

Neu freigegeben wurde das Paket von rund 1,35 Milliarden Euro, nicht die gesamte Vertragssumme.

Der Besuch fiel in eine innenpolitisch angespannte Lage. Eine INSA-Umfrage für die Bild am Sonntag, erhoben vom 28. September bis 2. Oktober 2026, sah die Union bei 18 Prozent und die AfD bei 30 Prozent. Parallel mahnte Merz Union und SPD, Reformen bis Jahresende zu liefern: „Ganz Europa hängt an der Stabilität in Deutschland.“

Die neue Milliarde ist in Abfangdrohnen, IRIS-T, Satellitentechnik und Energie ausgewiesen. Damit steht der Ablauf fest: Sonntag Merz, Reiche und die Rüstungs- und Energiedelegation mit Industrievereinbarungen im mittleren einstelligen Milliardenbereich und einem frischen Hilfspaket von rund 1,35 Milliarden Euro. Montag Prien mit dem zivilen Schwerpunkt Kinder, Jugend und Zivilgesellschaft.

Ob die Verknüpfung von Militärhilfe und Industrieaufträgen eine Gegenleistung mit heimischer Wertschöpfung ist oder eine teure Umleitung bei schwachen Umfragen, bleibt die politische Streitfrage.

Eine ausführlichere Würdigung folgt hier, wenn wir aus dem Kanzleramt die vollständige Liste der Mitreisenden aus Industrie und Medien bekommen haben. Klar ist bereits: Der Springer-Palantir-Komplex bzw. der polit-medial-militärische Komplex reiste mit nach Kiew und Selenskyj besaß zu dem die Unverschämtheit, dem deutschen Kanzler zu erklären, der Ausverkauf des deutschen Vermögens nach Kiew nutze den Deutschen ebenso.

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.