Merz und seine Wanderfreundschaften: Er will Aigner

Merz und die Tegernsee-Connection: Jetzt soll Nachbarin Ilse Aigner Präsidentin werden

von Alexander Wallasch

Gute Freunde kann nichts trennen© Quelle: Grok

Am Tegernsee ist die eigentliche Heimat von Kanzler Merz. Man kann sich sein schlimmes Bauchweh gut vorstellen, als er mit Weimer seinen Tegernseer Wanderfreund ins Kanzleramt rief und ein Hochstapler am Schreibtisch Platz nahm. Vielleicht hofft er mit Ilse Aigner im Schloss Bellevue mehr Glück zu haben. Aber noch ist nicht einmal klar, ob sich die beiden Amtszeiten überhaupt noch überschneiden.

Großer Bahnhof für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner auf dem CSU-Parteitag in München: Die Kameras waren zur Stelle, als Kanzler Friedrich Merz Ilse Aigner mit Küsschen rechts und links begrüßte. Spontan erhoben sich die Delegierten und brachen in Jubel aus, als hätten sie gerade leibhaftig die Inthronisierung von Aigner zur nächsten Bundespräsidentin erlebt. Hier hätten wohl nur noch lachende Mädchen und Buben in niedlichen Trachten mit Blumensträußen gefehlt.

In seiner anschließenden Parteitagsrede erwähnte Merz die P-Frage – die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue – mit keinem Wort.„Küsschen für Aigner – aber keine Antwort auf die P-Frage“, titelte die „Zeit“.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder warb offen:

„Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde mir es von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner die nächste Bundespräsidentin werden würde. Das wäre eine tolle Sache.“

Die CSU steht wohl geschlossen hinter Aigner, die SPD und Teile der Grünen signalisieren Sympathie für eine Frau im Amt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sprachen sich in der ARD für eine mögliche Kandidatur aus.

Die Merz-CDU versuchte offenbar pro Forma eine Gegenkandidatin aufzustellen, manche munkeln, das sei Ines Claus, die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende, aber die ist definitiv nicht die „neue CDU-Favoritin“, sie soll allenfalls verschleiern, dass Merz’ Favoritin seine Busenfreundin – dazu gleich mehr – Ilse Aigner (CSU) ist.

Aigner selbst hält sich zurück und verweist auf die Parteivorderen:

„Der Parteitag wird aber nicht entscheiden über diese Frage. Das ist Aufgabe der Parteivorsitzenden.“

Aber um was geht es wirklich? Hinter dem Merz-Aigner-Küsschen-Moment steckt eine alt eingeschworene Tegernsee-Connection. Dieses Netzwerk haben wir im Fahrwasser der von Alexander-Wallasch.de aufgedeckten Weimer-Affäre hinreichend dokumentiert: „Skrupellos und unberührbar: Merz will Weimer-Freundin Ilse Aigner zur Bundespräsidentin machen“. Dort heißt es weiter:

„Jetzt soll mit der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) eine Vertraute von Christiane Goetz-Weimer im Gespräch für den Posten der Bundespräsidentin sein.“

Und über Aigner und die Ehefrau des Kulturstaatsministers Weimer:

„Am Tegernsee treffen sie sich nicht nur, weil sie Duz-Freundinnen sind. Sondern auch, weil Ilse Aigner hier ihren Stimmkreis hat und weil sie dem Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group schon seit Anfang an eng verbunden ist.“

Aigner selbst sagte beim Neujahrsempfang am See über Merz:

„Ich darf wirklich sagen, dass wir gut befreundet sind – und das freut mich sehr.“

Es ist der traditionelle Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands Miesbach auf Gut Kaltenbrunn in Gmund am Tegernsee. Und wer war dort der Festredner vor 800 Gästen? Bundeskanzler Friedrich Merz, der mit Ehefrau kam. Es ist derselbe Ort, an dem auch der Ludwig-Erhard-Gipfel von Wolfram Weimer stattfindet, dem Kulturstaatsminister und Tegernseer Wanderfreund von Friedrich Merz.

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte Aigner zur P-Debatte um ihre Person:

„Es gibt schlimmere Schicksale. Es ist ja ein Kompliment, wenn man überhaupt in Erwägung gezogen wird.“

Merz und Weimer besitzen Häuser in Gmund am Tegernsee. In unserem Bericht „Kanzlers Tegernsee-Connection: Erst Weimer und Reiche ins Kabinett – jetzt Aigner als Bundespräsidentin“ heißt es:

„Tatsächlich aber sind Ilse Aigner und Friedrich Merz seit Jahren eng befreundet. Beide sind zentrale Figuren der Tegernsee-Connection. Merz hat ein Häuschen in Gmund am Tegernsee. Aigner ist dort die lokale CSU-Abgeordnete. Sie kennen sich seit fast dreißig Jahren, haben zusammen geradelt, haben Zwiebeln fürs Gröstl geschnippelt, Merz war bei ihrem Neujahrsempfang in Miesbach – die beiden verstehen sich blendend.“

Und weiter:

„Frau Weimer und Ilse Aigner sind Duz-Freundinnen. Aigner tritt seit Jahren regelmäßig beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee auf – oft prominent, inklusive Preisverleihungen und Selfies mit dem Verleger-Ehepaar.“

Söder: „Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung.“

Wolfram Weimer selbst hat Aigner öffentlich als mögliche Bundespräsidentin gelobt: „präsidiales und ausgleichendes Naturell“.

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Das Netzwerk reicht aber noch weiter. In „Das Tegernsee-Netzwerk: Weimer muss auf Teufel komm raus gehalten werden“ haben wir den Ludwig-Erhard-Gipfel als „exklusiven Gipfel, auf dem seit einem Jahrzehnt der nächste Machtblock zusammengeschweißt wird“ und als „Kaderschmiede ‚Machterhalt‘ im Halbverborgenen“ beschrieben.

Am Rande erwähnenswert: Hierbei handelt es sich um einen Gipfel des Hochstaplers Wolfram Weimer, der mit seinem Medienmüllimperium „Weimer Media Group“ prominente Politiker und Unternehmergeld angelockt hatte, wie Strandverkäufer mit „echten“ Rolex, nur dass die Preise am Tegernsee-Strand jenen der Originale entsprechen.

Beteiligt sind auch Ministerpräsident Markus Söder und Vizekanzler Lars Klingbeil, der zum Schummel-Gipfel ebenfalls immer wieder am Tegernsee präsent ist, ebenso wie die Tegernseer Wirtschaftsministerin Katharina Reiche und Thorsten Frei. Oder wie wir es zusammengefasst haben:

„700.000 Euro bayerische Fördergelder, nachträglich geschönte Bilanzen, massenweise gelöschte Artikel, ein Treuhänder als Warteschleife für künftige Gewinne und ein exklusiver Gipfel, auf dem Söder, Klingbeil und die Wirtschaftsministerin seit einem Jahrzehnt den nächsten Machtblock zusammenschweißen.“

Weimer sieht im Gipfel so etwas wie sein Vermächtnis. Aus der Hochstapler-Familie soll eine Weimer-Dynastie der Königsmacher werden. Die persönliche und institutionelle Nähe zu Aigner ist mehrfach belegt.

In „Die Weimers: Nicht ohne meine Söhne“ schrieben wir:

„Schirmherrin der Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung ist Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags und Tegernsee-Duz-Freundin von Christiane Götz-Weimer, die jüngst den Verfassungsorden des Landtags für ihre verlegerischen Fähigkeiten und die Organisation des Ludwig-Erhard-Gipfels bekommen sollte. Eine Verleihung, die von Frau Götz-Weimer unter dem Eindruck der Weimer-Affäre jetzt kurzfristig abgesagt wurde. Der Wahlkreis von Ilse Aigner liegt nahe dem Tegernsee“

Das Seeseiten-Magazin titelte 2022 „Gipfeltreffen starker Frauen: Ilse Aigner und Christiane Goetz-Weimer“.

Zur Ordensverleihung berichtete der „Merkur“, Christiane Goetz-Weimer erhalte den Bayerischen Verfassungsorden „insbesondere für ihre bedeutenden Beiträge im Verlagswesen und ihre Rolle als Initiatorin und Organisatorin des Ludwig-Erhard-Gipfels“.

Die Tegernseerin Maria Furtwängler erhält ihn für künstlerisches Schaffen und Engagement. Die Auszeichnung erfolgte ebenfalls durch Ilse Aigner.

Aber nach unseren Enthüllungen zur Weimer-Affäre verzichtete Christiane Goetz-Weimer auf den Bayerischen Verfassungsorden von Duz-Freundin Ilse:

„Ich empfinde es als große Ehre, dass mich der Ordensbeirat des Bayerischen Landtags für den Verfassungsorden 2025 vorgeschlagen hat. Diese hohe Auszeichnung hätte ich gerne am 4. Dezember entgegengenommen.“

Sie wolle die Aufmerksamkeit der Gipfel-Diskussion nicht auf sich ziehen.

Die in Bad Wiessee, direkt am Tegernsee lebende Furtwängler erhielt obendrauf noch vom Nachbarn Weimer das Bundesverdienstkreuz erster Klasse im Kanzleramt. Wir titelten dazu: „Maria Furtwängler erhält Bundesverdienstkreuz vom Hochstapler von nebenan“.

Aigner wird also jetzt nach dem Willen von Tegernsee-Kumpel Kanzler Merz als Steinmeier-Nachfolgerin gehandelt. Die Tegernsee-Connection liegt offen da. Aigner sagte selbst zur Weimer-Bekanntschaft:

„Ich kenne das Ehepaar Weimer seit vielen Jahren – und mittlerweile auch sehr gut. Schließlich sind beide erfolgreiche Unternehmer in meinem Stimmkreis.“

Der Tagesspiegel dokumentiert den eingangs erwähnten Parteitag als „große Ilse-Aigner-Show“ mit den Küsschen und dem Jubel, während Merz zur eigentlichen Frage schwieg.

Was hier einmal mehr offenbar wird, ist ein dichtes Netz aus persönlicher Freundschaft, lokaler Verankerung am Tegernsee, regelmäßigen Gipfel-Auftritten, Stiftungs-Schirmherrschaft und gegenseitigen Auszeichnungen. Merz schützt Weimer öffentlich („alle Vorwürfe … falsch“), hält den Hochstapler im Amt und positioniert über Söder und die CSU die Freundin und Weimer-Vertraute Aigner für das höchste Amt.

Das sagt auch viel über Merz: Wie ein alternder nervöser Monarch und gleichsam wie ein in die Jahre gekommener Revolutionsführer installiert er ein System von dankbaren Freunden und freundlichen Beratern in den wichtigen Ämtern des Staates. Und so, wie Merz sich konsequent weigerte, einen überführten Hochstapler zu entlassen, so weigert er sich auch, selbst endlich den Weg für eine Sanierung Deutschlands freizumachen.

Die Verwerfungen der Großstädte, der rapide schwindende Wohlstand der Deutschen und eine wachsende Kriegsangst sind am Tegernsee immer gleich wie weggewischt. Hier im Kreise seiner Treuesten ist die eigentliche Heimat von Kanzler Merz.

Man kann sich sein schlimmes Bauchweh lebhaft vorstellen, als er mit Weimer seinen Tegernseer Wanderfreund ins Kanzleramt rief und ein Hochstapler am Schreibtisch Platz nahm. Vielleicht hofft er mit Ilse Aigner im Schloss Bellevue mehr Glück zu haben. Aber noch ist nicht einmal klar, ob sich die beiden Amtszeiten überhaupt noch überschneiden.

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