Die Fakten dazu waren aber schon Monate vorher öffentlich. Im Januar hatten wir die persönliche Verbindung beschrieben. Beim Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands Miesbach hatte Aigner über Merz gesagt:
„Ich darf wirklich sagen, dass wir gut befreundet sind – und das freut mich sehr.“
Wir schrieben damals:
„Während die Weimer-Staatsaffäre noch brodelt, schiebt Merz seine Tegernsee-Vertraute Ilse Aigner ins höchste Amt. Beim Neujahrsempfang am See sagt Aigner über ihren Nachbarn mit Haus am See: ‚Ich darf wirklich sagen, dass wir gut befreundet sind.‘ Na klar – und die Schlinge zieht sich enger.“
Dazu kamen die Verbindungen über Christiane Goetz-Weimer und den Ludwig-Erhard-Gipfel.
Im April haben wir die Story unter dem Titel „Kanzlers Tegernsee-Connection“ weiter berichtet. Darin hatten wir damalige „Bild“-Schlagzeile, Merz sei von Söders Vorstoß „kalt erwischt“ worden, klar als Inszenierung eingeordnet. Heute berichtigt „Bild“ die damalige Fehleinschätzung.
Wir schrieben vor Monaten:
„Tatsächlich aber sind Ilse Aigner und Friedrich Merz seit Jahren eng befreundet. Beide sind zentrale Figuren der Tegernsee-Connection. Merz hat ein Häuschen in Gmund am Tegernsee. Aigner ist dort die lokale CSU-Abgeordnete. Sie kennen sich seit fast dreißig Jahren, waren zusammen radeln, haben Zwiebeln fürs Gröstl geschnippelt, Merz war bei ihrem Neujahrsempfang in Miesbach – die beiden verstehen sich blendend.“
Frau Weimer und Aigner seien Duz-Freundinnen, Aigner regelmäßig und prominent auf dem Gipfel der Weimer Media Group.
Im Oktober folgte die Kritik an der monatelangen Berichterstattung der Leitmedien. Wir schrieben:
„Während die sogenannten Leitmedien monatelang von Merz’ Zögern, eigenen Kandidatinnen und Autoritätsverlust berichteten, lag die Grundlage der Personalie Ilse Aigner längst in der von uns umfassend dokumentierten Tegernsee-Connection. Die Chronologie zeigt ein klassisches Spiel aus Verzögerung und Ablenkung.“
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Die angebliche Distanz Merz’ und die Suche nach eigenen Kandidatinnen wirkten wie Theater, das die bereits dokumentierte persönliche Grundlage weitgehend ausblendete.
Der heutige „Bild“-Text klingt wie eine Zusammenfassung der Wallasch-Berichterstattung des letzten Jahres zum Thema. Er greift zentrale Punkte aus diesen früheren Berichten auf: das Januar-Treffen in Kaltenbrunn, die Freundschaft, das Ferienhaus am Ostufer, das August-Gespräch auf der Terrasse.
Was „Bild“ als neue Insider-Kenntnis präsentiert, stand als Grundgerüst schon seit Januar. BILD erwähnt die vorherige Dokumentation nicht. Das große Haus Springer zieht dem kleinen Haus Wallasch hinterher und liefert dabei weniger Kontext als die Texte, die seit Januar öffentlich waren.
Die Weimer-Verbindung und der Ludwig-Erhard-Gipfel, die in unseren Berichten von Anfang an die Grundlage der Connection bildeten, spielen bei BILD keine Rolle. Andere Medien berichteten am selben Tag über das August-Treffen und die lange Bekanntschaft. Auch sie ließen die seit Januar vorliegende Chronologie aus.
Die zeitliche Abfolge ist klar. Die wesentlichen Zusammenhänge lagen Monate vor dem „Bild“-Artikel vor und wurden dort erweitert. Was jetzt so pseudo-investigativ als detaillierte Kenntnis der Abläufe präsentiert wird, war in den Grundzügen bereits dokumentiert. Ob die Redaktion die früheren Texte kannte, bleibt offen. Dazu sagen wir nichts. Wer unsere Recherchen gelesen hatte, konnte die spätere Entwicklung viel früher einordnen.
Die Fakten zur Personalie Aigner und ihrer Verbindung zu Merz waren nicht erst heute zu haben, aber sie wurden über Monate liegengelassen und das Gegenteil berichtet.
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