Was ist in den letzten neun Monaten im Querdenken-Gründer herangewachsen?

Michael Ballweg und die Klimakleber: Irritierende Nähe oder gewollte Provokation

von Alexander Wallasch (Kommentare: 25)

„Das wäre doch ganz toll, wenn wir da die Bewegungen überzeugen können, dass die Themen, die uns wichtig sind, auch ihre Themen sind.“© Quelle: privat / Youtube, Montage Alexander Wallasch

Kaum zurück in Freiheit, schon der nächste große Trubel um Querdenken-Gründer Michael Ballweg. Und es geht schon gar nicht mehr um die Frage, ob Ballweg nun ein politischer Gefangener ist oder nicht.

Medien melden, Michael Ballweg sympathisiere jetzt mit den Klimaklebern der Letzten Generation.

Die Berliner Zeitung titelt: „Querdenken-Gründer Ballweg will mit Letzter Generation zusammenarbeiten“.Die so angesprochenen Klimakleber distanzieren sich sofort. Sprecherin Carla Rochel erklärte auf Nachfrage gegenüber einer Zeitung:

„Wir haben keinen Brief von Michael Ballweg erhalten. Wir arbeiten selbstverständlich nicht mit der Querdenken-Bewegung zusammen, die rechten und verschwörungstheoretischen Kreisen zuzuordnen ist."

Im selben Atemzug wird vermeldet, die Querdenken-Bewegung selbst kritisiere nun ihren Gründer scharf. Alerxander-wallasch.de fragt Michael Ballweg in einem kurzen Interview, was da los war:

Alexander Wallasch: Das ging wirklich schnell: Nach über neun Monaten Gefängnis schon zwei Tage nach der Entlassung mittendrin in der tagespolitischen Debatte samt Schlagzeile, Michael Ballweg wolle es jetzt mit der „Letzten Generation“ versuchen. Was war da los?

Michael Ballweg: Die „BZ“ wollte offensichtlich vor Ostern nochmal einen reichweitenstarken Artikel haben und hat, ohne mit mir zu sprechen, Dinge aus dem Kontext gerissen und veröffentlicht.

Ich kann allen Menschen nur sagen, Geduld ist eine Übung, und der offene Brief von mir an die “Letzte Generation“ ist immer noch mit der Gefängnispost unterwegs, und er wird nächste Woche ankommen. Von daher können sich alle entspannen und ein schönes und tolles Osterwochenende genießen.

Alexander Wallasch: Das heißt, wenn dieser von Ihnen angekündigte längere Brief an die Klimakleber veröffentlicht wird, dann sind alle Fragen geklärt oder sind dann wieder neue offene Fragen da?

Michael Ballweg: Dann kann man endlich inhaltlich in die Debatte einsteigen. Vielleicht ist auch der „SWR“ bereit, vorher das gesamte Video mit mir zu veröffentlichen, aus dem die BZ zitiert hatte.

Denn entgegen dem, was wir sonst tun, konnte ich das Interview leider dieses Mal nicht mitfilmen, weil die Staatsanwaltschaft unser gesamtes Equipment beschlagnahmt hat.

Was man im Gefängnis lernt, ist Geduld. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir alle eine Menschheitsfamilie sind. Querdenken stand von Anfang an dafür, dass wir die Spaltung auch überwinden und mit allen reden wollen, die sich für Themen engagieren.

Ich habe vor allen Menschen Respekt, die sich auch politisch engagieren, egal welche Meinung sie haben. Sie müssen nicht meine Meinung haben, aber sie müssen für einen friedlichen und offenen Diskurs bereit sein.

Und das ist ja auch das, was die große Politik wieder lernen muss, stattdessen diffamiert man den politischen Gegner. Ich glaube, wir müssen viel mehr aufeinander zugehen und miteinander sprechen, um dann auch gute Lösungen zu finden.

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Alexander Wallasch: Schaut man auf die Geschwindigkeit der Veränderung auf politischer Ebene – von der Massenzuwanderung über das Corona-Regime und den Ukrainekrieg – da hat man schon den Eindruck, da wird in Hochgeschwindigkeit immer gleich die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

Diesen ICE-Veränderungen nun „Geduld“ entgegenzusetzen, das hat schon etwas sehr Flüchtiges, was Sie da jetzt anbieten. Müsste man hier nicht gerade mit doppelter Geschwindigkeit reagieren?

Michael Ballweg: Nein, weil die Menschen nur bereit sind, sich in einer gewissen Geschwindigkeit zu verändern. Das haben wir ja bei Corona erlebt, oder das erleben wir jetzt auch in unserer Bewegung, wenn es darum geht, neue Dinge auszuprobieren, egal, ob es das Freiheitshandy ist, der Bitcoin oder meinetwegen die solidarische Landwirtschaft.

Meine Firma war früher – ich habe für viele Großkonzerne gearbeitet – meine Firma war ein Schnellboot, und da habe ich immer gesagt, das dauert Jahre, bis man so einen Großkonzern mal beeinflusst, dass der mal ein bisschen schneller wird. Und jetzt wollen wir ein ganzes Land verändern, dass auch ein Riesentanker ist, der sich nur ganz langsam bewegen kann …

Alexander Wallasch: Aber der Staat selbst und die Mächtigen forcieren Veränderungen gerade in Überschallgeschwindigkeit. Die setzen nicht auf Geduld, die treiben die Menschen brutal vor sich her. Das ist doch der Eindruck, den der Bürger aktuell hat, und wo immer mehr Entnervte wünschen, hier müsste deutlicher etwas entgegengesetzt werden.

Michael Ballweg: Ja, aber die Realität ist eben eine andere. Veränderungsprozesse dauern so lange, wie sie brauchen. Und wir können entweder dort mit Geduld und mit Ausdauer rangehen, oder wir können uns verausgaben in Aktionen und Aktionismus.

Ich hatte 2020 noch diese Vision, dass wir es 2020 schaffen, die Coronamaßnahmen zu beenden. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet dafür und habe mich total verausgabt. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass es nichts bringt, dass die Veränderungsprozesse eben länger dauern, und jeder auf seine Energien achten muss.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn es schneller geht. Aber das Feedback auf besagten Artikel jetzt zeigt ja auch, dass viele Menschen noch Veränderungen brauchen. Anstatt sich zu echauffieren in den Medien und andere von der Menschheitsfamilie auszuschließen, kann man auch die Zeit damit verbringen, Veränderungen zu machen, indem man direkt an neuen Dingen arbeitet.

Alexander Wallasch: Das erstaunt mich ein bisschen. Denn viele von den Corona-Maßnahmen-Kritiker sind heute durchaus davon überzeugt, dass Ballwegs Querdenken-Bewegung auch dazu geführt hat, dass es ohne diesen Protest noch viel länger gedauert hätte, die Maßnahmen und das mRNA-Regime zu beenden.

Michael Ballweg: Na klar, in Sachen Corona waren wir natürlich erfolgreich. Aber wir sind wie gesagt damals auch davon ausgegangen, dass wir das noch 2020 schaffen. Jetzt hat es doch drei Jahre gedauert. Da sieht man mal, wie viel Geduld es braucht. Es ist eben gerade nicht in wenigen Monaten erledigt worden.

Alexander Wallasch: „Letzte Generation“ und Klimakleber sind Teil des linken Mainstreams und also Teil der Ampelregierung. Hier von Ihnen eine vermeintliche Solidaritätsadresse zu hören, das hat natürlich viele verstört …

Michael Ballweg: Ich würde gern mal ein paar Dinge vom Wording her richtigstellen. Die Klimabewegung ist keine linke Bewegung, sondern es ist eine woke Bewegung. Das müssen wir ganz klar unterscheiden. Wir müssen die Begriffe „links-rechts“ mal wieder mit Inhalten füllen …

Alexander Wallasch: Damit sind Sie ja nah dran an Dr. Maaßen, der auch oft von der „woken“ Bewegung spricht und weniger von einer linken.

Michael Ballweg: Genau, da müssen wir aufpassen und einfach mal die Begriffe definieren.

Alexander Wallasch: Wie wäre es mit „Öko-Sozialismus“, auch ein Begriff von Dr. Maaßen …

Michael Ballweg: Ja, wir könnten es aber auch „Bio-Faschismus“ oder „Öko-Faschismus“ nennen. ]Das ist wichtig, dass wir die Begriffe da nochmal neu denken.

Und natürlich weiß ich auch, dass da staatliche Akteure dahinterstecken. Aber es gibt eben auch jene Leute, die es ausführen, es gibt Freiwillige und Ehrenamtliche. Die muss man überzeugen.

Genauso wie “Fridays for Future”. Es wäre doch toll, wenn die Kinder jetzt heimkommen würden aus der Schule und den Eltern erzählen würden: „Du, Papa, ich habe jetzt verstanden, dass Abrüstung und Frieden auch der Umwelt hilft, und ‚Fridays for Future‘ demonstriert jetzt auch für Frieden in der Welt.“ Das wäre doch ganz toll, wenn wir da die Bewegungen überzeugen können, dass die Themen, die uns wichtig sind, auch ihre Themen sind.

Und überspitzt könnte man ja sagen, fast zynisch und apokalyptisch: Wenn die Welt durch einen Atomkrieg zerstört wird, brauchen wir uns um die Klimafrage auch nicht mehr kümmern.

Alexander Wallasch: Aber da spiegelt sich was. Denn wenn jemand glaubt, die Welt geht in ein paar Jahren unter, weil wir nichts gegen eine behauptete Klimaapokalypse tun, bräuchte ich mich auch nicht um einen Atomkrieg sorgen, wenn eh alles kaputt geht. Dieser Klimaaktivisten-Logik folgend ist es unerheblich, ob sich die Leute vor dem vermeintlichen Klimatod schnell noch mit Waffen totschießen …

Michael Ballweg: Ich habe Respekt vor Menschen, die für ihre Sache auf die Straße gehen. Sie werden von der Regierung auch mit Strafmaßnahmen belegt, mit hohen Bußgeldern, mit Haftstrafen. Das ist einfach nicht, wie eine Demokratie funktioniert. Eine Demokratie muss diese Meinungen aushalten, es gibt Grundrechte.

Alexander Wallasch: Ja, aber die Unterstellung ist doch, dass diese „Letzte Generation“ als Kampftruppe losgeschickt wurde, und jetzt, wo die woke Bewegung sie nicht mehr braucht, weil sie alle Macht in den Händen halten, sollen sie entsorgt werden …

Michael Ballweg: Man könnte hier einen bösen Vergleich machen und sagen, es ist wie mit der „PKK“ (Red..: Arbeiterpartei Kurdistan): Erst hat die „CIA“ sie aufgerüstet und gegen den Islamischen Staat kämpfen lassen. Und als es erledigt war, hat man sie zur Terrororganisation erklärt. Ich glaube, da werden viele Menschen instrumentalisiert.

Es wird sicherlich bei der „Letzten Generation“ eine Kerngruppe geben, die bezahlt sind und die eine gewisse Agenda oder gewisse Thinktank-Sachen verfolgen. Aber es gibt auch viele Menschen, die einfach sagen: Mir ist das Thema „Klima“ oder „Umweltschutz“ oder wie auch immer man es nennen will, so wichtig, dass ich mich da anschließe. Und wenn wir diese Menschen für die Friedenssache gewinnen, dann ist schon viel erreicht.

Alexander Wallasch: Können wir als Fazit sagen, Sie sind selbst überrascht, wie schnell Ballweg back ist? Jedenfalls in der medialen Aufmerksamkeit. Es scheint so, dass man Sie immer noch fürchtet.

Michael Ballweg: Vor allem auch, wie schnell ich schon wieder gelöscht wurde auf Youtube, mein Interview mit Ralf Schuler. Und der ist ja fast Mainstream.

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