Der Papst und sein großer Verehrer

Neujahr 2023 mit Matthias Matussek beim Streuselkuchenessen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 4)

„Ich glaube, dass die Pandemie tatsächlich zu Ende ist, dass sie endemisch ist und dass der Covid-Virus nichts anderes ist als vielleicht ein verschärfter Grippevirus.“© Quelle: Foto: privat

Matthias Matussek war viel gefragt in den letzten Stunden seit dem Tod des deutschen Papstes. Der katholische Journalist hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, wer sein Papst ist.

Mit Matthias verbindet mich eine lange Freundschaft. Der Star-Journalist des Spiegels lebt heute an der Ostseeküste. Und wenn Wallaschs verreisen, logieren wir seit Jahrzehnten ganz in der Nähe auf einem Bauernhof. Zu den verstörendsten Szenen mitten in diesem Urlaubsidyll gehören sicher gemeinsame Angelausflüge. Ich hoffe, wir schaffen es, auch wieder 2023 ein paar Plattfische an den Haken zu bekommen.

Alexander Wallasch: Matthias, Dein Silvestertag war überschattet vom Tod des Papstes …

Matthias Matussek: Hatte ich ja erwartet. Der Papst ist heimgekehrt. Er hat sich nach seinem Tod gesehnt und wollte seinem Schöpfer gegenübertreten. Er hat wohl ein bisschen Bammel gehabt. So wie alle, die katholisch sind und sich sündig fühlen. Der Papst hat in seinem Testament um die Güte und die Gnade des Herrn gebeten. Das war insofern nicht überraschend, kein Schlag ins Kontor.

Aber ich habe noch mal darüber nachgedacht, wie wir den Papst empfangen haben. Damals textete ja der Bildzeitungshaudegen Kai Diekmann „Wir sind Papst“. Es ist allerdings so, dass niemand so wenig Papst war als erstens Kai Diekmann und zweitens die Deutschen.

Die Deutschen legten ausgesprochen Wert darauf, nicht Papst zu sein, und haben den doch sehr fragilen Theologen gehetzt und beschimpft bis in den hintersten Winkel. Wenn es jemanden auf der Welt gibt, der nicht Papst war, dann die Deutschen,

Alexander Wallasch: Aber Kai Diekmann hat das ja als Anspielung an „Wir sind Weltmeister“ geschrieben. Und der deutschen Nationalmannschaft erging es ja nicht anders. Die waren Weltmeister und wurden danach trotzdem beschimpft ohne Ende …

Matthias Matussek: (lacht) Na ja, die haben es aber verdient. Die Nationalmannschaft hat ja auch gepredigt, aber schlecht gespielt. Die hätten sich eher auf das Spiel konzentrieren sollen als auf ihr LGTB-irgendwas-Zeugs.

Alexander Wallasch: Du sagst, der Papst hat sich gesehnt, zu seinem Herrgott zu kommen. Nun mag das ja für den Papst nichts Ungewöhnliches sein. Aber ich höre das auch von über 90-jährigen Verwandeten. Wenn ich an meine 94-jährige Tante denke, jedes Mal, wenn ich zu Besuch komme, höre ich immer: „Ich habe eigentlich bald keine Lust mehr.“ Da ist ja keine Sehnsucht in den Himmel zu kommen, sondern das ist ja eigentlich ein Verzweifeln an einem Leben, welches zunehmend von Verlust, Krankheit und Entbehrung geprägt ist im Alter.

Matthias Matussek: Das ist natürlich bei jedem anders grundiert. Meine Mutter hatte genau das gleiche. Die letzten zwei Jahre wollte sie eigentlich nicht mehr. Und da hat der liebe Gott gesagt: Nein, du bleibst noch. Und die letzten zwei Jahre waren für sie eine Tortur. Aber es gibt ja die Mode, dass man sagt: Ja, Alte, die keine Lust mehr haben, sollten die Möglichkeit haben, sich um die Ecke zu bringen. Und das halte ich für einen großen Fehler. Denn da wird dann der Druck auf die einzelnen Alten zu groß. Die Alten haben ja immer den Komplex, niemandem zur Last fallen zu wollen. Und das könnte den einen oder anderen dazu verführen zu sagen: Okay, ich bringe mich jetzt um.

Alexander Wallasch: Huch, das ist ja wie Soylent Green, diese frühe Dystopie aus Hollywood.

Matthias Matussek: Natürlich gibt es auch diese dystopischen Filme, die darauf hinauslaufen. Also was ich sage: Das Alter gehört zum Leben dazu. Schopenhauer sagte ja, ab siebzig ist sozusagen die Messe gelesen, sind die Schwierigkeiten vorbei. Vor allen Dingen der Trieb ist endlich vorbei, der einen unglücklich macht. Und Schopenhauer war ja nun kein Frauenheld, sondern eher das Gegenteil. Und er war froh, dass der Trieb weg ist (lacht). Ich glaube bei Dir, Alexander, ist da noch einiges an Lernprozessen …

Alexander Wallasch: Es gibt doch diesen Satz, Altern ist nichts für Feiglinge. Wie würdest du das für dich einsortieren, was ist denn der Mut des Alters?

Matthias Matussek: Total. Es ist ja eine Vorbereitungszeit auf das Ende. Du starrst ja nur noch auf eine dunkle Pforte. Du weißt nicht, was dahinter los ist. Das ist schon furchterregend. Und da schleicht sich so ein gewisser Grimm ein. Aber mein Vater ist im Alter von einer wundersamen Milde gewesen. Er war ja früher ein sehr strenger Vater und Erzieher. Und als er alt wurde, war er nur noch zum Umarmen. Er war so milde und so freundlich zu allen.

Alexander Wallasch: Wo ist das Geheimrezept dafür?

Matthias Matussek: Beim meinem Vater ganz sicher seine Frömmigkeit. Er hat ein inniges Verhältnis zu seinem Herrgott gehabt und hat viel gebetet. Bei ihm war es tatsächlich seine Religion, der katholische Glaube. Er ist bis zuletzt in die Messe gegangen in seinem Altersheim, Seniorenheim sagt man heutzutage.

Ich glaube, er hat gelernt, sich mit seinem Leben, seinem Herrgott zu versöhnen. Und er hat sich – ich habe ihn ja beschrieben in meiner Novelle "Die Apokalypse nach Richard" – eher lustig gemacht über seine erfolgsgeilen Söhne. Ich hatte den Eindruck, er war versöhnt.

Alexander Wallasch: Aber ist das nicht ein bisschen opportunistisch im Alter, wo man weiß, dass der Tod näher kommt, plötzlich zu Gott zu finden? Ist das nicht etwas billig eigentlich?

Matthias Matussek: Ob das billig ist, weiß ich nicht. Ich glaube, das ist eine ganz natürliche Reaktion. Nun war mein Vater ja nicht überraschend fromm.

Alexander Wallasch: Aber ist das nicht so eine Art Deal, dass man sagt: Jetzt werde ich bald sterben, da werde ich mal schnell noch fromm, kann ja nicht schaden auf der vermuteten anderen Seite?

Matthias Matussek: Ja, das ist durchaus möglich. Und Gaunern wie Dir ist das zuzutrauen, so zu denken. Also ich möchte Dich mal mit 85 erleben. Vielleicht besuche ich Dich dann in Deinem Heim mit der aufgeschlagenen Bibel in der Hand.

Alexander Wallasch: Ich wäre ja froh, wenn ich mich selbst bei Verstand mit 85 erlebe. Da freue ich mich sehr drauf, wenn das so ist …

Matthias Matussek: (lacht)

Alexander Wallasch: Als ich vom Tod des Papstes hörte, sind mir auch die ganzen Alten wieder eingefallen, die in den letzten zwei Jahren in ihren Altenheimen unbesucht, von ihren Verwandten unter der Maske, Corona und den Impfungen einfach weggestorben sind. Das alles hat ja Dein Papst nicht erleben müssen. Ich denke an diese vielen Zehntausenden von alten Menschen, die ohne eine warme Hand von engen Verwandten einfach weggestorben sind. Was für furchtbare Schicksale sind uns da verborgen geblieben, weil sie einfach niemand wird nacherzählen können, ein Tal der Tränen und der Einsamkeit der sterbenden Alten …

Matthias Matussek: Es ist ein großes Verbrechen, was da geschehen ist. Und mir ist gerade hier beim Aufräumen meiner Schreibtischfestplatte wieder dieses Nikolaus-Blome-Zitat eingefallen. Der sagte, er hofft, dass alle Ungeimpften sozusagen geächtet werden von der Gesellschaft. Der also faktisch einen Bürgerkrieg erklärt hat im Namen der Corona-Bekämpfung gegen die Ungeimpften.

Alexander Wallasch: Aber wie kann man sich denn auch mit solchen Leuten wie Blome wieder versöhnen? Ich bewundere da Julian Reichelt, der auch ein ganz großer Verächter der Corona-Maßnahmenkritiker war. Denn Reichelt hat sich recht schnell mit sich versöhnt.

Matthias Matussek: Das habe ich nicht so verfolgt, was da vorher war bei ihm. Aber ich würde sagen, er macht aktuell so einen guten Job, dass ihm einiges verziehen ist. Er nennt ja auch die Schuldigen in seinen Sendungen.

Alexander Wallasch: Das macht er gut, ja. Aber er vergisst sich selbst da regelmäßig.

Matthias Matussek: Na ja, was die Kritik uns selber gegenüber angeht, sind wir alle irgendwie wahrscheinlich …

Alexander Wallasch: Unserer früherer Gesundheitsminister hatte gesagt, wir müssen wieder aufeinander zugehen …

Matthias Matussek: Das ist natürlich ein unglaublicher Zynismus. Er sagte ja: Wir müssen einander viel vergeben. Ich muss niemandem vergeben, der mir das Böse gewünscht hat. Ja, wünschte mir, dass all diejenigen, die anderen wünschten, dass die ganze Welt mit Fingern auf sie zeigt, dass diese Typen sich mit ihrem schändlichen Tun länger auseinandersetzen.

Alexander Wallasch: Ich bin heute früh schon um zehn draußen gewesen und mein Nachbar war im T-Shirt spazieren. Ist das nicht schön mit dem Klimawandel?

Matthias Matussek: Ja, ich habe ja kürzlich eine Geschichte gemacht über eine Immobilienfirma, die nennt sich The Rise, also der Anstieg, und die wendet sich an die, die so ein bisschen Spekulationstypen sind. Die bieten Grundstücke an in Meeresnähe, aber nicht direkt am Meeresrand, sondern ein bisschen weiter im Inland. Und da gibt es so einen Zeitraffer von 2022 bis 2070, der den Anstieg des Wasserpegels beobachtet. Und plötzlich liegen die Grundstücke oder die Häuser, die vorher im langweiligen Binnenland lagen, direkt am Meer und sind das Sahnefilet geworden …

Alexander Wallasch: Ja, das ist doch herrlich. Zum Beispiel hat der Archäologe Schliemann verzweifelt in der Türkei Troja gesucht, bis er kapiert hat, dass das Wasser schon weit zurückgegangen ist und Troja mitten im Inland zu finden ist, und er fand es auch.

Mein persönliches Altern ist aber gar kein so langsamer und schleichender Prozess. Ich meine, es kommt stoßartig. Ich merkte beispielsweise irgendwann, dass ich gefühlt von heute auf morgen das Fernsehprogramm in der Zeitung nicht mehr lesen konnte.

Matthias Matussek: Aber das ist doch eine Art göttlicher Fügung, eine Vorsehung, dass Du das Fernsehprogramm nicht mehr lesen kannst (lacht). Da läuft ja nur Unsinn. Da wirst Du doch vor diesem öffentlich-rechtlichen Quatsch bewahrt. Es sei denn, Du verpasst deswegen diese Florian-Silbereisen-Sendungen mit der Volksmusik. Da weiß ich, das hast Du Dir mit Filzstift immer angekreuzt. Aber Du hast ja dann meist vergessen einzuschalten (lacht).

Alexander Wallasch: Sag mal, Matthias, was ist denn deine Prognose für 2023? Jetzt haben wir diese Menschen, die uns zwei Jahre lang den Corona-Weltuntergang prophezeit haben, die das große Sterben der Ungeimpften prophezeit haben. Und wieder andere, die jetzt das große Sterben der Geimpften voraussagen. Was ist denn Deine Prognose für 2023?

Matthias Matussek: Ich glaube, dass die Pandemie tatsächlich zu Ende ist, dass sie endemisch ist und dass der Covid-Virus nichts anderes ist als vielleicht ein verschärfter Grippevirus. An der Front sehe ich alles ruhig. Spannend wird jetzt sein, was in China passiert. Denn die zentralistische oder autoritäre Politik in China, die am Anfang gelobt wurde für das entschlossene Durchgreifen, dass sie Wuhan und andere Millionenstädte abgeriegelt haben, das hat sich ja jetzt als Bumerang erwiesen.

Die Leute, die jetzt aus der Quarantäne auftauchen, haben natürlich nicht diese Immunabwehr, die wir allmählich herangebildet haben.

Alexander Wallasch: Also Du willst sagen, dass da mehr als nur ein Sack Reis umfällt?

Matthias Matussek: Ja, das glaube ich schon. Ich glaube, dass China auch noch sein blaues Wunder erleben wird.

Alexander Wallasch: Aber jetzt lass mal China beiseite. Ist denn Deutschland noch zu retten? Bei dem, was wir im letzten Jahr politisch alles erlebt haben, sehe ich schwarz, gerade was die explodierende illegale Massenzuwanderung angeht. Ich weiß, da schneiden wir schon wieder das nächste Thema an. Aber ich habe das Gefühl, dass es Jahrzehnte braucht, um das wieder in irgendeiner Form zu reparieren, wenn überhaupt noch jemand willens dazu ist.

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Matthias Matussek: Das Entscheidende ist doch, ob es überhaupt jemand reparieren will. Wie sagte dieser Hamburger Abgeordnete? Liebe Ausländer, lasst uns nicht mit den Deutschen alleine.

Bei den Grünen, bei den Linken gibt es einen derartigen Deutschland-Hass und eine Sehnsucht danach. Ich erinnere an Deniz Yücel, der über die demografische Katastrophe in Deutschland gesagt hat, dass sei doch Völkersterben von der schönsten Seite.

Alexander Wallasch: Aber wir haben doch unsere Annalena Baerbock, die hat doch gesagt, sie komme vom Völkerrecht her, glaube ich. Oder Menschenrecht?

Matthias Matussek: Nein, die kommt vom Trampolinspringen her und ist jetzt zurückgepfiffen worden, weil ihr Strategiepapier für die Münchener Sicherheitskonferenz so unausgegoren war, dass es eine Peinlichkeit gewesen wäre, das vorzulegen.

Ich nehme an, dass sie vorgeschlagen hat, mit allen möglichen Waffen den Russen niederzuzwingen und vor allen Dingen mit einem Sonderbataillon von Trampolinspringern an der Front die Russen in die Knie zu zwingen.

Alexander Wallasch: Aber sag mal, wie kann ich abschließend unseren Lesern deutlich machen, dass Du Trampolin immer auf dem -i- betonst statt auf dem -a-? Soll ich dann einen Strich drunter machen?

Matthias Matussek: Ja, gern.

Alexander Wallasch: Dann wünsche ich Dir ein ganz frohes, neues Jahr und ein schönes 2023, danke für das Gespräch!

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