Eine neue Staats-Studie als Angriff auf die Familie

Oma & Opa machen Kinder krank? Propaganda für Staatserziehung nach DDR-Rezept

von Alexander Wallasch (Kommentare: 3)

Mach Sport Opa! Vorlesen ist gesundheitsschädlich© Quelle: Pixabay/franz26

Eine von Steuergeldern und der Ravensburger-Stiftung finanzierte Untersuchung „beweist“, was jeder weiß: Großeltern entlasten Eltern und verwöhnen Enkel. Plötzlich ist das ein Gesundheitsrisiko. Willkommen in der Kita-Propaganda 2026 – wo familiäre Liebe als Bedrohung gilt und Struktur nur vom Staat kommt.

Das kann man sich nicht ausdenken: Eine Studie, finanziert von der Stiftung Ravensburger Verlag und durchgeführt vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, beschäftigte sich mit der Rolle von Großeltern in Deutschland, die häufig ihre Enkelkinder zu Gast haben.

Bevor es zur Studie selbst geht, hier ein Blick in die etablierten Medien und was diese aus den Informationen der Studienmacher gebastelt haben. Etwa die „Zeit“ titelt:

„Kinder, die von Oma und Opa betreut werden, sind weniger gesund“.

Und weiter heißt es da:

„Wenn Enkel oft bei ihren Großeltern sind, ist das nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit der Kinder. Das sagt eine neue Studie. Dafür gehe es den Eltern besser.“

Die Studie „The Generational Gift: The Effects of Grandparental Care on the Next Generations' Health and Well-Being“ wurde also finanziert von einer privaten Stiftung, die zuletzt etwa Mütter mit Zuwanderungsgeschichte näher betrachtet hat und durchgeführt von zwei Instituten, die vom Bund und den Ländern, also grundsätzlich von Steuergeldern finanziert werden.

Oder kürzer: Die private Stiftung finanziert die staatliche Studie, solche Partnerschaften erlauben es, Themen anzugehen, die für die Politik relevant sind, ohne dass es zu direkt nach Einflussnahme auf die Ergebnisse aussieht.

Das ist die Vorgeschichte. Nun zur Studie selbst. Hier fragt man sich schon, welche Ergebnisse die staatstragende Wissenschaft erwartet hat, wenn man der Frage nachgeht, wie es den einzelnen Familienmitgliedern geht, wenn Oma und Opa bei der Kinderbetreuung helfen. Der gesunde Menschenverstand beantwortet die wenig komplizierte und millionenfach in der Feldstudie beantwortete Frage binnen Sekunden:

Die Eltern sind entlastet, die Kinder fühlen sich gut aufgehoben und die Großeltern gebraucht. Diese Antwort kostet maximal 10 Cent, wenn man einen so simplen Gedankengang unbedingt kostenpflichtig machen möchte.

Und tatsächlich hat auch diese Studie nicht anders herausgefunden. Die Eltern – und hier insbesondere die Mütter – haben etwas mehr Zeit für sich, die Kinder sind dort, wo sie uneingeschränkt geliebt werden. Oder doch: Die Studie hat via Elternbefragung herausgefunden, dass Oma und Opa eine Keksdose haben und auch mal Zuckerlimo auf den Tisch stellen und eher weniger in der Sporthalle sitzen und mit den Enkeln Leibesübungen veranstalten.

Also wozu dieser ganze akademische Quatsch, der auch noch in so einer boomer-bashenden (Boomer sind ja die Großeltern von heute) Schlagzeile endet, wie sie die „Zeit“ formuliert hat?

Diese Studie zeigt exemplarisch, wie komplexe Methoden und umfangreiche Literaturübersichten für Ergebnisse sorgen, die intuitiv oder mit gesundem Menschenverstand in wenigen Sätzen erklärt werden könnten. Der Kern der Erkenntnisse – Großelternbetreuung entlastet Eltern emotional, schadet aber möglicherweise der Kindergesundheit – könnte so zusammengefasst werden:

Großeltern helfen Eltern bei der Work-Life-Balance, aber Kinder könnten durch weniger strukturierte Aktivitäten (z. B. mehr TV statt Sport) gesundheitlich leiden, was besonders bei Jungen und Schulkindern auffällt.

Das reicht für den Laien; der Rest der Studie ist eine Aufblähung durch akademische Rituale. Der Text quillt zudem über vor redundanten Formulierungen. Zum Beispiel im „Abstract“:

„We exploit geographic distance to grandparents as a source of arguably exogenous variation and use representative German panel data for families with children under the age of 11.“

Das bedeutet schlicht: Die Großeltern wohnen woanders. Wau! Punkt.

Solche Studien kosten Zeit und Geld, liefern aber null bahnbrechenden Mehrwert. Jedenfalls nicht entlang der Fragestellung. In Ermangelung einer Erklärung, die über akademische Selbstzweckforschung hinausgeht, warum nicht mal vom Ergebnis her fragen? Geht es etwa darum, die traditionelle deutsche Familie zu diskreditieren?

Und soll, indem die Kita-Erziehung über die Großelternerziehung gestellt wird, einem traditionell autonomen wie werteorientierten konservativen Grundrauschen in Familien entgegengewirkt werden?

Und noch eine These, die zur Erklärung dieser erkenntnisfreien Studie herangezogen werden könnte: Geht es darum, den Mehrwert einer Familienbetreuung schlechtzureden, um das Gefälle zu jenen Kindern zu verringern, die eben keine Großeltern zu Hause haben, weil diese beispielsweise über den Familiennachzug noch nicht angekommen sind oder in der Heimat bleiben?

Alles dünne Luft. In dieser Windbeutel-Studie heißt es etwa zur Vorgehensweise:

„Die erste Hypothese geht davon aus, dass die Betreuung durch Großeltern sich negativ auf die Gesundheit eines Kindes auswirken kann. (…) Die gegenteilige Hypothese besagt, dass die Betreuung durch Großeltern positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes haben könnte. Diese Hypothese basiert auf der Vorstellung, dass Großeltern möglicherweise mehr Zeit haben, sich ausschließlich dem Kind zu widmen und ihm gezielte Aufmerksamkeit und Fürsorge zukommen zu lassen.“

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Das ist Wissenschaft in Deutschland 2026. Und nicht einmal originell: Ein Wiedergänger! Denn die „Bild“ titelte schon 2018 mit Blick auf eine Studie der Pariser Universität Sorbonne: „Wenig Bewegung und Naschen – Wie ungesund ist es für Kinder bei Oma und Opa?“.

Die Pariser Studie war zudem wesentlich umfassender auch in ihren Methoden. So wurden mehr als tausend Kinder über acht Jahre hinweg begleitet. Und ein Jahr zuvor hatte sich bereits die Universität Glasgow mit dem Thema befasst.

Aber auch hier überwogen die positiven Effekte, jedenfalls dann, wenn man sie entsprechend gewichtet. In Paris stellte man heraus, dass Großeltern Stabilität vermitteln oder in Notsituationen einen Ausgleich bieten. Zudem vermitteln Oma und Opa neben Bodenständigkeit, Ruhe und Gelassenheit auch Geborgenheit: Omas kochen und backen, Opas reparieren immer irgendetwas oder haben feste TV-Rituale.

Oder wie es ein Psychologe der „Bild“ damals in einfachen Worten erklärte:

„In die hektikfreie Welt der Großeltern einzutauchen, macht glücklich. Großeltern sind Vorbilder.“

Aber auch für die renommierte Sorbonne galt: Was dort herausgefunden wurde, war keine Überraschung. Es bestätigte nur, was zum Erfahrungsschatz fast aller Gesellschaften gehört.

Wie banal das alles ist, was die Stiftung finanziert und die Staatsinstitute ermittelt haben, beweist eindrucksvoll die von der „Zeit“ befragte Elena Ziege vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB):

„Wir sehen, dass Kinder, die häufiger bei den Großeltern sind, seltener den Ganztag in der Schule oder in der Kita nutzen. Dort steht am Nachmittag häufig Sport auf dem Plan oder die Kinder spielen stundenlang draußen. Keine Sachen, die man typischerweise mit den Großeltern macht.“

Natürlich ist auch das nicht falsch. Aber es muss doch darum gehen, solche vermeintlichen Defizite mit dem Mehrwert der familiären Zuwendung abzugleichen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man der Familie grundsätzlich einen Mehrwert zumisst und sie nicht als Verhinderer staatlich kontrollierter und gelenkter Erziehung begreift.

Im „Zeit“-Interview bemängelt Frau Ziege unter anderem eine „fehlende Struktur“ bei den Großeltern, die stattdessen in den Kitas gegeben sei. Wie weit muss jemand seinen Kompass weggeworfen haben, der eine liebevolle Zuwendung von Großeltern mit der Betreuung in einer Kita aufwiegen will?

Ach, am besten gleich den ganzen Tag in der staatlichen Kita, findet Frau Ziege:

„Kinder, die von ihren Großeltern abgeholt werden, erleben häufiger Wechsel in der Betreuung: Morgens die Eltern, dann die Lehrer, dann die Erzieher, dann die Großeltern, dann wieder die Eltern. Aus der Forschung weiß man, dass sich viele Wechsel und Instabilität auf die mentale Gesundheit auswirken können.“

Und weil das alles schon so doof ist, kommt noch ein Gender-Bashing dazu. Die „Zeit“ fragt:

„Der schlechte Einfluss großelterlicher Betreuung auf die Kindergesundheit, den Sie nahelegen, findet sich eigentlich nur bei Jungen. Worauf führen Sie das zurück?“

Frau Ziege antwortet:

„Aus der Forschung wissen wir, dass Jungs stärker auf Instabilität und Stressfaktoren reagieren. Mädchen stecken das – im Schnitt – besser weg. Das könnte eine Erklärung sein.“

Aber am Ende rutscht der jungen Studienmacherin dann doch etwas heraus, was ansatzweise an gesunden Menschenverstand erinnert:

„Insgesamt profitiert die Elternzufriedenheit jedenfalls etwas stärker von der Großelternbetreuung, als die Kindergesundheit leidet.“

Was für eine epochale Erkenntnis: Die Eltern freuen sich über Omas Hilfe. Die Kinder haben zwar Bauchschmerzen von Cola und Schokolade, aber Muttis Bauchwehtee, der frisch gepresste Bio-Möhrensaft und die Bachblüten-Notfalltropfen machen das schnell wieder wett.

Die „Zeit“ fragt zum Schluss nochmal nach, was denn nun die Erkenntnis und die Empfehlung sei. Frau Ziege empfiehlt – und man sieht ihr angestrengtes Nachdenken leibhaftig vor sich:

„Wenn die Großeltern etwas mehr Aktivitäten fördern würden, schadet das zumindest nicht.“

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