Ein niedersächsisches Unternehmen lässt sich nicht vor den Kriegskarren spannen

Ottobock liefert Prothesen auch an kriegsversehrte Russen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 2)

Humanität vor Nationalität© Quelle: https://www.ottobock.com/de-de/prothesen/arm-und-handprothesen, Screenshot

Trotz anhaltender Kritik blieb Ottobock standhaft. Das Unternehmen betreibt weiterhin Standorte in Russland – reduziert auf vier.

Das Unternehmen Ottobock stellt Prothesen und orthopädische Hilfsmittel her, die Menschen helfen, deren Gliedmaßen durch Unfälle, Krankheiten oder Kriegsverletzungen amputiert werden mussten.

Ein gewinnorientiertes Unternehmen in diesem Bereich profitiert zwangsläufig auch von Konflikten – doch das ist keineswegs negativ zu bewerten. Die hochwertigen Produkte von Ottobock sind denen aus anderen Ländern oft überlegen und ermöglichen Betroffenen eine deutlich bessere Lebensqualität und mehr Selbstständigkeit.

Vor etwa einem Jahr geriet Ottobock in die Kritik, weil es Prothesen auch nach Russland lieferte. Das Unternehmen betonte daraufhin klar: Es versorgt grundsätzlich Zivilisten. Man muss sich das vorstellen: Ein Hersteller medizinischer Hilfsmittel sieht sich genötigt zu erklären, dass er keine Prothesen explizit an Soldaten oder das Militär liefert – als hätte ein verletzter Soldat weniger Anspruch auf ein würdevolles Leben nach der Amputation.

Ottobock initiierte sogar Friedens- und humanitäre Projekte, um seine Position zu untermauern. Ein Unternehmen, das einen der menschlichsten Zwecke verfolgt – Kriegsversehrten, Unfallopfern und Behinderten durch innovative Technik ein Stück Normalität zurückzugeben –, muss sich in einer verrückt gewordenen Welt vor politischen Vorwürfen rechtfertigen.

Es garantiert also keine Lieferungen an Militärkrankenhäuser oder das russische Verteidigungsministerium. Gleichzeitig kann es aber natürlich nicht ausschließen, dass ehemalige Soldaten im zivilen Leben mit seinen Prothesen versorgt werden. Denn ohne Beine ist es schwer, Krieg zu führen.
Trotz anhaltender Kritik blieb Ottobock standhaft. Das Unternehmen betreibt weiterhin Standorte in Russland – reduziert auf vier. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Duderstadt ist Weltmarktführer in der Prothetik und hält am Russland-Geschäft fest, während es gleichzeitig humanitär in der Ukraine engagiert ist.

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Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Ottobock im Kerngeschäft einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro – ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber 2024 (organisches Wachstum 10,6 Prozent). Die Profitabilität stieg deutlich. Das Unternehmen boomt mit Blick auf den Ukraine-Krieg, den Gaza-Konflikt und andere Kriege durch den gestiegenen Bedarf.

Und wirklich nur der Vollständigkeitshalber: Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Ottobock Konflikte aktiv befeuert, um Prothesen zu verkaufen. Stattdessen engagiert sich das Unternehmen auf beiden Seiten: Es produziert und liefert nicht nur in Russland, sondern auch in der Ukraine. Im Frühjahr 2026 fanden erneut Schulungen ukrainischer Fachkräfte in Duderstadt statt. Seit Kriegsbeginn hat Ottobock hunderte ukrainische Orthopädietechniker in Deutschland, Polen oder per E-Learning weitergebildet und unterstützt den Aufbau lokaler Versorgungsstrukturen.

In den Jahres- und Quartalsberichten wird das profitable Wachstum transparent dargestellt – inklusive Beiträgen aus der Ukraine-Versorgung, ohne das Russland-Geschäft zu verschweigen. Trotz medialer Kritik hält das Familienunternehmen Kurs. Das zeugt von wirtschaftlichem Erfolg gepaart mit humanitärer Standfestigkeit.

In einer polarisierten Welt ist es wertvoll, wenn ein globaler Marktführer nicht nach Nationalität sortiert, sondern nach menschlichem Bedarf. Ottobock zeigt, was viele fordern: Hilfe für Menschen, nicht für Politik. Das Unternehmen kann am wenigsten dafür, dass Menschen sich bekriegen und Gliedmaßen verlieren. Es trägt aber dazu bei, dass das Leid des Krieges etwas weniger dauerhaft ist und Betroffene – viele von ihnen – ein Leben in Würde führen können. Was soll daran nun falsch sein?

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