Vom Baerbock-Fanboy zum AfD-Basher: Wie Ulf Poschardt im Ferrari von Stuhl zu Stuhl eilt – und das Völkerrecht dabei opfert

Poschardt und das Völkerrecht: Gestern Porno-geil, heute Dorfdenken

von Alexander Wallasch

The same procedure as every year …© Quelle: Youtube/Welt, Screenshot, Wikipedia/Dinner for One - Der 90. Geburtstag (2).png,. Montage Wallasch

2022 jubelte Ulf Poschardt Baerbock und Habeck zu, weil sie den russischen Angriff als „Bruch des Völkerrechts“ brandmarkten. 2026 schimpft derselbe Poschardt Alice Weidel als „neue Heidi Reichinnek“, weil sie genau dasselbe tut – nur diesmal beim US-israelischen Angriff auf den Iran. The same procedure as every year? Eine Abrechnung mit dem Butler James der Springer-Chefetage.

Die „Tagesschau“ am 24. Februar 2022: „Der Westen verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine einhellig als Bruch des Völkerrechts.“

Zur Erinnerung: Putin wurde nicht etwa beschimpft, weil eine Diktatur eine Demokratie angegriffen hat, sondern es wurde immer direkt und unmittelbar mit dem Bruch des Völkerrechts argumentiert.

Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, jene, die mit Blick auf den Ukrainekrieg einen Bruch des Völkerrechts anprangern, als linke oder grüne Spinner zu verunglimpfen, wie es jetzt beispielsweise Ulf Poschardt, Herausgeber der Welt, getan hat:

„Dass Alice Weidel, Heidi Reichinnek und Annalena Baerbock nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran nahezu dieselben Völkerrechtsversatzstücke bemühten, um den amerikanisch-israelischen Einsatz zu kritisieren und damit nolens volens den Mullahs und ihren russischen und chinesischen Freunden zur Seite zu springen, konnte nur diejenigen überraschen, die nicht so genau hinsahen in den vergangenen Jahren.“

Völkerrechtsversatzstücke? Jene, mit denen „einhellig“ der Angriff auf die Ukraine als „Bruch des Völkerrechts“ gebrandmarkt worden war? Was damals als universeller Wert galt, gilt ein paar Jahre später nicht mehr?

Wieder die Tagesschau erklärte 2022 mit der gebotenen heiligen Inbrunst der Stunde:

„Der wichtigste Grundsatz ist das Gewaltverbot. Die Staaten unterlassen jede Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Das ist jetzt alles wertlos, hinfällig, ersatzlos gestrichen? Etwa weil die Ukraine die westlichen Werte repräsentierte und der Mullah-Staat ein Folter-Regime?

Bei Poschardt ist das Völkerrecht nunmehr nur noch ein Auslaufmodell für die „strukturschwachen Regionen“ mit der AfD als „Putin-Witztruppe oder als Nationalprovinzler-Sammelbecken“.

Der selbe Poschardt, der noch am 28. Februar 2022 in „Welt“-TV erklärte:

„Ich glaube die Regierungserklärung von Olaf Scholz, aber auch – und das möchte ich in dem Fall betonen – die Reaktionen der beiden grünen Minister, Vizekanzler Habeck und Außenministerin Baerbock haben deutlich gemacht, wir erkennen die Realität so wie sie ist an.“

Baerbocks Völkerrecht ist das Gleiche geblieben. Poschardts begeisterter Blick auf Baerbock hat sich über die Ukraine bis zum Iran um 180 Grad gewandelt.

Warum? Zwischenzeitlich erfolgte bei Poschardt eine wilde Twitter-Löschorgie und er schrieb ein Buch „Shitbürger“, das ihm, wie er der „taz“ stolz erzählte, einen weiteren Ferrari bescherte.

Die parallel zum Buch von Poschardt so hoch gehandelten rechten Denker wie Benedikt Kaiser und Martin Sellner werden von ihm ebenso wie Schnellroda als Ganzes in das Herz der Finsternis zurückgestoßen, sie passen ausgerechnet mit ihrer von Poschardt jetzt behaupteten Nähe zu Baerbocks Völkerrecht nicht mehr zum laufenden Iran-Feldzug.

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Aber welche Haltung hat eigentlich Ulf Poschardt? Der Begriff Trump-Knecht ist noch nicht erfunden, klingt auch komisch, dafür ist Trump noch nicht teuflisch genug. Wenn also Poschardt in seiner neuesten Kolumne titelt: „Alice Weidel ist die neue Heidi Reichinnek“, was ist dann Poschardt?

Poschardt ist nichts! Der Mann ohne Haltung und mit ein paar komischen. Eigenschaften. Pochardt ist Butler James aus Dinner for One. Jener James, der von Miss Sophie (Mathias Döpfner) immer wieder gezwungen wird, von Stuhl zu Stuhl zu eilen, die Haken zusammenzuknallen, als wäre er auf der Reise nach Jerusalem, um am Ende wieder nicht der unweigerlichen Penetration entkommen zu können: „The same procedure as every year!“

In „Welt“-Artikeln wurde der russische Angriff über Jahre hinweg in schöner Regelmäßigkeit als völkerrechtswidrig klassifiziert. Poschardt war Chefredakteur. Springer-Chef Mathias Döpfner erklärte im Frühjahr 2025 die Leitlinie des Hauses, der sich auch Butler James zu fügen hatte:

Vor weniger als einem Jahr ging es um einen zwischen Trump und Putin ausgehandelten „Friedensplan“ über den Springer-Boss Mathias Döpfner sagte:

„Wer zu diesem Plan JA sagt, versündigt sich für immer an jeder Art von Völkerrecht und territorialer Integrität.“

Das alles hat jetzt für Springer und die Genannten keine Bedeutung mehr. Und Ulf Poschardt hat längst alle seine Kommentare auf Twitter gelöscht.

Weil das aber nicht ausreicht, flüchtet Poschardt in seiner neuen Kolumne in Tiraden aus Beschimpfungen gegen die AfD-Spitze. Weidel und Chrupalla hatten aber nichts anderes gemacht hatte, als mit Blick auf den Iran das zu tun, was im Hause Springer von 2022 bis zum Angriff auf den Iran Anfang 2026 Springer-Staatsräson war: Die Unantastbarkeit des Völkerrechts!

Oder wie es die Tagesschau eingangs erklärte: „Der Westen verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine einhellig als Bruch des Völkerrechts.“

Mit Blick auf den Iran ist dieser Bruch des Völkerrechts allenfalls ein Dilemma (Merz). Oder um es mit den leuchtenden Augen der Poschardt-Verehrerin Anabel Schunke (mit „Shitbürger“-Basecap) mit Blick auf einen US-amerikanischen Tarnkappenbomber zu sagen: „Ist wie ein Porno“.

Döpfners Völkerrecht ist 2026 nicht mehr Porno-geil. Um es mit den Worten von Ulf Poschardt zu sagen: Baerbocks und Weidels Völkerrecht kommt heute „aus einem antiwestlichen Dorfdenken und ihrem reaktionären Volksromantizismus“.

Waren Poschardts Helden vorgestern noch Baerbock und Habeck, waren es gestern Sellner und Kaiser und sind es heute nach Selbstbekunden Dieter Stein und Max Mannhardt. Das ist die wilde Reise nach Jerusalem im Ferrari. Und am Steuer sitzt ein schwer betrunkener Butler.

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