85 Jahre nach Barbarossa fabulieren deutsche Generäle und die Regierung Merz schon wieder vom „Feind, der nicht wartet“ – diesmal mit Deadline 2029

Präventivkriegslegende 2.0: Der Russe kommt!

von Alexander Wallasch

Mit leuchtenden Augen am Kartentisch – das große Sterben soll beginnen© Quelle: https://www.bundeswehr.de/de/mediathek, Screenshot

Via Volksempfänger 1941 verkündete Hitler den „Präventivschlag“ gegen die sprungbereite Sowjetunion. Heute warnt der Inspekteur des Heeres Christian Freuding vor einem russischen Angriff bis 2029 – und lässt ukrainische Ausbilder die Bundeswehr fit machen. Ist das nur Abschreckung oder die Neuauflage einer alten Legende?

Via Volksempfänger mussten die Deutschen am 22. Juni 1941 eine Rundfunkansprache Adolf Hitlers über sich ergehen lassen, die ihr Schicksal besiegeln sollte. Fast auf den Tag genau vier Jahre später kapitulierte Deutschland bedingungslos. Der alliierte Bombenteppich hatte die meisten deutschen Großstädte flächendeckend zerstört und Millionen Deutsche unter sich begraben.

Hitler erklärte in seiner Ansprache:

„Das bolschewistische Moskau ist im Begriff, dem nationalsozialistischen Deutschland in seinem Existenzkampf in den Rücken zu fallen. […] Die Sowjetunion ist mit ihren gesamten Streitkräften an der deutschen Grenze sprungbereit aufmarschiert.“

Dieses Zitat ging als „Präventivkriegslegende“ in die Geschichte ein. Wer noch mit Veteranen des Russlandfeldzugs sprechen konnte, kennt Erzählungen wie diese: „Wir fuhren kilometerweit ins Land hinein, ohne einen Russen zu Gesicht zu bekommen.“

Aus der Geschichte lernen – heißt das auch, einen möglichen Präventivkrieg gegen Russland zu hinterfragen, wenn deutsche Militärs ihn heute wieder thematisieren? Zuletzt tat das Christian Freuding, Inspekteur des deutschen Heeres.

In einem Reuters-Interview über ukrainische Ausbilder bei der Bundeswehr sagte er:

„Wir haben hohe Erwartungen. Das ukrainische Militär ist derzeit das einzige weltweit, das über Frontkampferfahrung gegen Russland verfügt.“

Darüber hinaus verwies Freuding auf Einschätzungen westlicher Geheimdienste, wonach Russland bis 2029 zu einem groß angelegten Angriff auf das NATO-Bündnis fähig sein könnte. Ist das bereits der Hinweis, dass es hier um die Vorbereitung eines Präventivkrieges geht?

Wer die Geschichte bemüht, muss auch erwähnen, dass Putins Russland bereits seit Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Aber reicht das als Beleg dafür, dass Russland auch Angriffspläne gegen Deutschland hat?

Diktator Stalin hatte im September 1939 Ostpolen überfallen und besetzt, während Hitler sich den westlichen Teil Polens unter den Nagel riss. Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 war ein Bündnis zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion. Das geheime Zusatzprotokoll regelte die Aufteilung Polens und Osteuropas. Er ermöglichte Hitler den Überfall auf Polen am 1. September 1939 ohne Zweifrontenkrieg. Am 17. September 1939 besetzte die Sowjetunion Ostpolen.

Anschließend zogen der deutsch-sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 die genaue Demarkationslinie – größtenteils entlang des Bugs. Deutsche und Sowjets feierten am 22. September 1939 in Brest-Litowsk eine gemeinsame Siegesparade. Die Beutepartnerschaft war besiegelt.

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Weniger bekannt: Güterzüge mit sowjetischen Rohstoffen – Öl, Getreide, Erze, Mangan – rollten nach Deutschland. Sie waren lebenswichtig für die deutsche Kriegsführung gegen den Westen. In der Propaganda sprachen beide Seiten von „Völkerfreundschaft“.

Zeitsprung März 2026. Der Chef des Heeres erklärt gegenüber einer Nachrichtenagentur mit Blick auf Russland:

„Wir haben keine Zeit – der Feind wartet nicht darauf, dass wir unsere Bereitschaft erklären. Deshalb müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um uns vorzubereiten.“

Weil Russland den Einmarsch in die Ukraine nicht angekündigt hatte, so die Argumentation westlicher Regierungen, könne man auch russischen Beteuerungen nicht trauen, das NATO-Gebiet oder Deutschland nicht anzugreifen. Was Putin tatsächlich in Deutschland will, bleiben Freuding und die Bundesregierung allerdings schuldig.

85 Jahre nach Beginn der Operation Barbarossa fabulieren deutsche Militärführer mit einer kriegswilligen Bundesregierung erneut von einem „Präventivkrieg“. Wieder deutet alles darauf hin, dass die Regierung Merz, Verteidigungsminister Pistorius und sein Flecktarn-Generalleutnant Christian Freuding eine neue „Präventivkriegslegende“ spinnen. Und beim Blick auf das Publikum vor den öffentlich-rechtlichen Empfangsgeräten steht zu befürchten, dass sie damit durchkommen.

Die Bundesregierung und ihr erster Krieger haben sogar schon den Termin für den großen Konflikt festgelegt: 2029 soll Russland Richtung Deutschland marschieren. Die Rüstungsindustrie und ihre Aktionäre sind begeistert. Die Aufrüstungsspirale folgt der Angst – jetzt wird richtig Geld verdient.

Verantwortlich für die Verbreitung der 2029-Warnung sind vor allem Verteidigungsminister Pistorius, die Führung der Bundeswehr mit General Breuer und Heereschef Freuding. Dahinter stehen NATO-Analysen, BND-Einschätzungen und internationale Studien.

Die Rüstungsindustrie hat nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung plötzlich volle Auftragsbücher und wirbt Fachkräfte sogar aus der Autoindustrie ab – während der Druck auf Steuerzahler und Sozialetats steigt.

Ist der Krieg nur ein Meister aus Russland? Die Präventivkriegslegende 2.0 ist jedenfalls in vollem Gange.

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