Erstmals äußert sich Julian Reichelt ausführlich zur BILD-Berichterstattung 2015 ff

Reichelt bricht sein Schweigen: Wie der NIUS-Chef seine Refugees-Welcome-Rolle rechtfertigt

von Alexander Wallasch

Helena interviewt ihren Boss© Quelle: https://www.nius.de/unterhaltung/news/sobald-man-aufhoert-fuer-meinungsfreiheit-zu-kaempfen-stirbt-freiheit-julian-reichelt-inside-nius-mit-helena (screenshot)

Lange erwartet, nun geliefert: Julian Reichelt erklärt, warum er damals „Refugees Welcome“ mittrug – und warum er heute anders urteilt. Ein internes Interview, das Fragen aufwirft: Widersprüchlichkeit oder ehrliche Entwicklung? Lesen Sie selbst und urteilen Sie.

Erhofft, erwartet, sogar gefordert: Julian Reichelt, Chef von NIUS, hat sich jetzt erstmals umfassend zu seiner Rolle während der merkelschen illegalen Massenzuwanderung geäußert.

Auch alexander-wallasch.de hatte eins ums andere Mal darauf hingewiesen, dass Portale wie Tichys Einblick und Autoren wie Roland Tichy und auch meine Wenigkeit als Migrationsexperte des TE-Portals in dieser Zeit massiv unter Druck gerieten – nicht zuletzt auch wegen Kampagnenarbeit der BILD unter Kai Diekmann und Julian Reichelt.

Auch Welt-Herausgeber Ulf Poschardt hatte in seinem Buch „Shitbürger“ auf die verheerende Rolle der beiden Kollegen hingewiesen. Reichelt warb dennoch voller Enthusiasmus für „Shitbürger“ – womöglich hatte er es nicht genau genug gelesen.

Einmal hatte der NIUS-Chef in einem Leitartikel darauf hingewiesen, wie er sich wohl auch den Umgang mit seiner Rolle bei Refugees Welcome wünscht:

„Es bringt nichts, gegen alles und jeden, gegen jede kleinste verfehlte Äußerung zurückzuschlagen, alles nachzutragen, unerbittlich und unversöhnlich zu sein. Es gab Protagonisten und Mitläufer. (…) Für Mitläufer braucht es die Möglichkeit der gesichtswahrenden Rückkehr. Straflager-Phantasien sollten wir allein den Linken überlassen, sie haben genug davon.“

Nun also ein Interview, in welchem Julian Reichelt sich eine Frage zu dieser Zeit gefallen lässt. Reichelt lässt sich für dieses Experiment von einer seiner Mitarbeiterinnen befragen.

Kritisch kann man hier anmerken, dass es dieses ‚im eigenen Saft schmoren‘ ist, das auch die Neuen Medien und NIUS immer wieder am öffentlich-rechtlichen Fernsehen bemängeln, wenn sich der polit-mediale Komplex gegenseitig befragt.

Im Folgenden soll der Journalist und NIUS-Chef Julian Reichelt ungekürzt zu Wort kommen, so, wie er die Frage zu „Refugees Welcome“ beantwortet und für gut befunden hat.

Was an Reichelts Aussagen erstaunt, ist nicht das Ringen um jeden Meter Boden. Es ist eine gewisse Widersprüchlichkeit zwischen Rolle und Eigenwahrnehmung. Eine Kritik der Inhalte soll hier aber nicht explizit vorangestellt werden. Möge sich jeder Leser selbst ein Bild machen, was er glauben möchte, was nicht, was ihn überzeugt, was eher weniger.

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Das Format heißt „Inside NIUS mit Helena“. Hier kann die Sendung insgesamt nachgeschaut werden. Besagte Helena will von Julian Reichelt wissen:

Du warst ja Teil bei Bild von dieser ganzen „Wir helfen – Refugees Welcome“-Kampagne. Inzwischen üben wir fast täglich Kritik an der Massenmigration. Was ist denn in der Zeit dazwischen passiert? Von dem Standpunkt zu dem jetzigen?

Das ist nicht von dem Standpunkt zu dem. Es gibt zwei ganz wesentliche Punkte. Erstens: Refugees welcome. Dieser linke Antifa-Slogan war nie mein Slogan. Ja, ich war in der Zeit in Verantwortung bei Bild. Nicht in oberster Verantwortung, sondern Chefredakteur von Bild Digital.

Und ja, ich hätte bei diesem Antifa-Slogan vielleicht noch klarer widersprechen sollen. Ich habe intern gesagt, dass es ein Antifa-Slogan ist und dass dieser Slogan aus meiner Sicht falsch ist und zu weit geht. Aber die Debatte habe ich intern verloren.

Ich finde es dann auch legitim, sozusagen diese innere und interne Kritik nicht nach außen zu tragen. Und eine Alternative wäre natürlich gewesen zu sagen, das trage ich nicht mit. Dann gehe ich halt lieber. Ich glaube aber, dass, wenn man sich die folgenden Jahre anschaut bei Bild, ich schon in den Jahren 17/18/19 in maßgeblicher und dann führender Verantwortung bei Bild diesen Kurs komplett revidiert habe.

Es ist keine Revision jetzt bei Nius bei einer anderen Marke, sondern das habe ich schon damals gemacht, weil ich erkannt habe, dass an der Stelle zu hart war. Das war zu radikal, das war zu naiv. Das war zu blauäugig. An dem Punkt des Slogans hätte ich sicher noch klarer sagen können: Das mache ich nicht mit. Oder ich hätte die Entscheidung treffen können: Das mache ich nicht mit. Das hätte dann aber bedeutet, dass ich nicht in der Lage gewesen wäre, das wenige Jahre später massiv zu korrigieren und damit ja auch viel von dem, was sich seitdem politisch getan hat, mindestens zu begleiten. Aber ich würde auch sagen, in einer sehr breiten Bevölkerung dafür sozusagen medial den Weg zu bereiten. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt, das ist eigentlich der, den ich kritischer sehe. Also kurz zur Geschichte: Ich war ja in den Jahren vor der Flüchtlingskrise Reporter in Kriegs- und Krisengebieten, war damals drei Jahre glaube ich fast nur in Syrien unterwegs und habe dort diesen Krieg gegen die syrische Zivilbevölkerung am eigenen Leib miterlebt.

Also von den Bombardierungen in Aleppo, wo ich viel Zeit unter Assads Fassbomben und russischen Bombardierungen verbracht habe, zu den zerfetzten Kindern, die ich … ja …. (Stimme bricht leicht)… und mein Standpunkt war damals immer vollkommen klar und ist bis heute immer klar: Es gibt Zivilisationsbrüche und Verbrechen, bei denen gibt es eine übergeordnete Verpflichtung zum Beistand. Und meine Überzeugung war damals und ist bis heute: Wir hätten in Syrien intervenieren müssen.

Da kann man jetzt an vielen Punkten widersprechen. Aber in Libyen hat das auch nicht funktioniert. Und wenn der Westen interveniert, wird es meistens schlimmer. Und sind das nicht Islamisten? Es gibt ganz viele, ganz viele komplexe Argumente, die auch dagegen sprechen. Gar keine Frage. Nichtsdestotrotz glaube ich: Gerade ein Land wie Deutschland – aber jede Zivilisation, und das war damals auch eigentlich Mehrheitsmeinung und Common Sense – muss einschreiten, wenn Kinder vergast werden.

Und ja, Baschar al-Assad hat mit dem Kampfstoff Sarin, der von den Nationalsozialisten als Alternative zu Zyklon B entwickelt worden ist, Kinder vergast. Und ich habe die Angehörigen dieser Kinder getroffen. Ich war in den Stadtteilen, in denen das geschehen ist. Meine tiefe Überzeugung war: Wir müssen intervenieren. Wenn Giftgas eingesetzt wird gegen Zivilbevölkerung, muss der freie Westen intervenieren, zumindest im Sinne einer Flugverbotszone, um diese Angriffe zu verhindern. Das war meine Überzeugung. Die habe ich auch vollkommen offen und transparent damals in vielen Kommentaren kundgetan. Und ich habe gesagt: Wenn wir nicht intervenieren, werden zwei Dinge passieren: Flucht, massive Fluchtbewegungen zu uns und Radikalisierung. Beides ist genauso gekommen.

Radikalisierung habe ich auch mit eigenen Augen miterlebt: Ich war der erste in Deutschland, der geschrieben hat: Achtung, da wehen auf einmal an der NATO-Außengrenze Syrien-Türkei die schwarzen Flaggen von Al-Qaida – hieß damals noch Al-Qaida im Irak und noch nicht ISIS, waren aber dieselben Leute.

Wir müssen da was … da passiert etwas Schreckliches, da rollt etwas Schreckliches auf uns zu. Wir müssen dort etwas … was später auch geschehen ist. Wir haben ja später gegen ISIS dann interveniert. Das habe ich alles – ich weiß nicht, wann, es war 2012 oder 2013 oder so …

Dann kam die Flüchtlingskrise. Und meine Überzeugung war tatsächlich – und ist es auch bis heute – dass man aus dem Versagen vor Ort durchaus eine moralische Verpflichtung ableiten kann, den Kriegsflüchtlingen aus Syrien zu helfen. In einer geordneten – logischerweise geordneten – Form aber ihnen zu helfen.

Die Verpflichtung gab es genauso meiner Meinung nach, wie es sie beim Jugoslawienkrieg gegeben hat. Da sind ja auch Leute nach Deutschland gekommen, die vorher durch andere Länder gegangen sind. Trotzdem gibt es diese Situation. Auch dazu stehe ich bis heute.

Was ich mir nicht hätte vorstellen können – da mag man mich naiv nennen und da habe ich mit Sicherheit in der maßgeblichen Position als Journalist, der ich war, nicht genug hinterfragt. Das wird mir eine Lehre sein und ist mir bis heute eine Lehre – was ich mir niemals hätte vorstellen können, ist, dass die Bundesregierung allen Ernstes schriftlich erlässt – schriftlich! –, dass jeder, der sich als Syrer ausgibt, ein Syrer ist!

Und mit diesem Merkelbefehl – de-Maizière-Befehl – schriftlicher Natur die deutschen Grenzen für ein Jahrzehnt öffnet und nicht mehr nach Papieren fragt. Ich muss sagen, das hätte ich mir nicht vorstellen können. Hinterher ist man immer schlauer.

Wenn man mir gesagt hätte, okay, unsere Policy ist jetzt zehn Jahre jeden reinzulassen, hätte ich schon damals an der Stelle sehr, sehr, sehr energisch widersprochen, weil ich ja auch aus zehn Jahren Erfahrung in diesen Regionen wusste, dass das islamistische Potenzial, was da zu uns kommt – wenn man nicht guckt, wer kommt denn da – enorm ist.
Da war ich als Journalist nicht kritisch genug, weil es auch ehrlicherweise meine Vorstellungskraft überstiegen hat, dass ein Staat, der ein Schutzversprechen gibt, der Grenzen hat – man lebt ja auch in den Umständen, in denen man sozialisiert ist – dass Deutschland einfach komplett die Grenzen verschenkt für den Islam.

Das war in meiner Vorstellung nicht vorhanden, dass Angela Merkel dazu fähig ist, dass das offizielle Politik sein würde, dass man sagen würde, wir verzichten auf Ausweispapiere und ersetzen das dadurch, dass Menschen einfach erklären, wer sie sind und woher sie kommen.

Das macht mich bis heute fassungslos. Und. Aber an der Stelle hätte ich mit Sicherheit kritischer sein können. Ich kann nur sagen, ich habe meine Lehren daraus gezogen. Und meine Lehre daraus ist mit Sicherheit auch – die ist vielleicht sogar zu sehr wieder in die andere Richtung – einfach gar nichts mehr – also gar nichts mehr! – auch nur ansatzweise zu glauben, was mir jemals wieder jemand aus der Politik über z. B. Migrationspolitik erzählen würde.

Es gibt nichts mehr, was ich da glauben würde. Damals habe ich auch nicht viel geglaubt, aber zu viel. Es gibt nichts mehr, was ich nicht acht Mal verifizieren würde, auch noch mit eigenen Augen, weil sie einen auf eine Weise … Man muss ja auch sagen, es ist ja auch eine atemberaubende Vorstellung, dass eine Bundesregierung bereit ist, einen auf so zerstörerische Weise komplett zu täuschen und zu belügen.

Also dass man sagt, wir belügen jetzt alle Deutsche, um eine islamistische Invasion zu ermöglichen. Ja, ist schon überwältigend. Hätte ich mir nicht vorstellen können. Jetzt kann ich es mir vorstellen.

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