Wiesendanger und Tichy – wie ein mutiger Wissenschaftler und ein ebensolcher Journalist dem Corona-Regime trotzten

Roland Tichy im Interview: Die Leugnung der Laborthese war eine Verschwörung von Wissenschaftlern im staatlichen Auftrag

von Alexander Wallasch

Wiesendanger wurde von jenen Medien, in denen auch Julian Reichelt Chefredakteur war, massiv angegriffen.© Quelle: Youtube/Tichys/Wallasch, Pixabay/leo2014, Montage: Wallasch

Warum hat Roland Tichy schon 2021 massiv auf die Laborthese gesetzt – obwohl fast alle anderen noch von der Fledermaus erzählten? Tichy spricht im Interview über den mutigen Prof. Roland Wiesendanger, die Telefonkonferenz mit Fauci, die Rolle von Christian Drosten und warum die Wahrheit für das System so gefährlich war.

Gestern veröffentlichte die scheidende US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard via X Material über den obersten US-Pandemieberater Anthony Fauci. Sie schrieb von unveröffentlichter Korrespondenz und Dokumenten, „die aufdecken, wie Dr. Fauci Millionen von US-Steuergeldern zur Finanzierung gefährlicher ‚Gain-of-Function‘-Forschung im Labor in Wuhan bereitstellte (und) mit politisierten Kräften innerhalb der Geheimdienstgemeinschaft zusammenarbeitete.“

Das brachte Julian Reichelt von Nius auf den Plan. Nius schrieb von „neuen Enthüllungen“ mit Bezug auf einen Artikel im "Lancet" und Reichelt selbst schrieb via X:

„Wir wissen seit heute, dass Christian Drosten gemeinsam mit einem Schwerstkriminellen, Dr. Fauci, ein Propagandaschreiben verfasst hat, das die wahre Ursache von Corona vertuschen sollte.“

Ohne die Verdienste des Reichelt-Projekts „Nius“ schmälern zu wollen, aber explizit diese Geschichte ist nicht erst seit „heute“ bekannt, sondern seit fünf Jahren. Und sie wurde umfassend publiziert und millionenfach gelesen. So etwas kann man recherchieren. Oder man eignet es sich einfach unredlich an.

Und es ist zusätzlich zu kritisieren, wenn derjenige, der es sich aneignet – Reichelt für Nius –, in der Zeit als Chefredakteur der „Bild“-Zeitung geständig als Propagandamedium des Corona-Regimes agierte. Ja, Reichelt hatte etwa im Interview gegenüber Givanna Winterfeld berichtet, dass Friede Springer die Anweisung gegeben hatte, Propaganda für das Corona-Regime zu machen.

Es ist keine Kleinigkeit, sich heute eine fünf Jahre alte spektakuläre Aufdeckung medial-unternehmerisch anzueignen und die Aufdecker wie Prof. Wiesendanger und den Blattmacher Roland Tichy dabei einfach unerwähnt zu lassen. Als Reichelt hochbezahlt und auf journalistisch tatsächlich verwerfliche Art und Weise Propaganda für Lockdowns und Impfungen machte, mussten sich Kritiker wie die Genannten einer massiven Diffamierungs- und Ausgrenzungskampagne aussetzen. Ihnen gebührt höchste Anerkennung. Sie zu ignorieren und sich ihre Verdienste anzueignen bestiehlt sie und grenzt sie ein weiteres Mal aus.

Der Versuch einer Wiedergutmachung: Ich habe heute Vormittag mit Roland Tichy telefoniert und ihn gebeten, den Lesern zu berichten, was vor fünf Jahren wirklich passierte.

Sie waren einer der Ersten, der nach der Veröffentlichung der Laborthese mit Prof. Wiesendanger ein Interview gemacht hat. Wie ist es dazu gekommen? Das war ja auf dem Höhepunkt des Corona-Regimes. Und für kritische Medien äußerst heikel.

Wiesendanger hat ja eine Studie angefertigt, in der er mit großer Wahrscheinlichkeit als Fazit festgestellt hat, dass das Corona-Virus aus dem Labor kommt. Und das ist damals insofern eine Riesensensation gewesen, weil es danach keine Naturkatastrophe war, sondern offensichtlich etwas Menschengemachtes. Und hier ist nach heutigem Stand naheliegend, dass Geheimdienste und deutsche Wissenschaftler wie Herr Drosten zumindest in Kenntnis waren.

Was bedeutet „Laborthese“? Diese sogenannte Versuchsreihe oder Modifikationsreihe, in der man solchen Viren neue Funktionen antrainiert oder anoperiert – das hat natürlich die Corona-Debatte auf den Kopf gestellt, weil plötzlich die Staaten die Verursacher waren! Denn hinter Wuhan steht die ganze wissenschaftliche Staatscommunity der USA und übrigens auch aus Deutschland.

Das hat die Verantwortung hin zu den Staaten geschoben. Und deswegen wurde Wiesendanger in einer unglaublichen Art und Weise angegriffen. Wir haben ihn dann interviewt und es war ein Interview, das auch seiner Rechtfertigung dient, was dann auch die Pfeile auf uns gelenkt hat. Aber geschenkt.

Wiesendanger ist ein sehr mutiger Mann. Eigentlich ein Beispiel für Deutschland. Ein unaufgeregter, zurückhaltender, bescheidener Wissenschaftler, der genau diesem Thema seine Wissenschaft bedingungslos widmet, in aller Genauigkeit und Präzision. Was passierte? Wiesendanger wurde von jenen Medien, in denen auch Julian Reichelt Chefredakteur war, massiv angegriffen. So nahm etwa die „Welt“ das Zitat einer Politikerin der Linken gleich mal als Schlagzeile: „Wiesendanger äußert sich anschlussfähig an Verschwörungsideologen“.

Aber es gab damals auch positive Momente, die einem ein Stück Glauben zurückgeben: Der damalige Präsident der Universität Hamburg verteidigte Prof. Wiesendanger. Es war damals bereits so, dass hier eine Cancel Culture gewirkt hat, in der man jeden Kritiker staatlicher Theorien sofort diffamierte und möglichst aus den Ämtern oder der Öffentlichkeit oder dem sozialen Umfeld entfernte.

Das hat damals die Universität Hamburg vermieden, und deswegen gebührt auch dem damaligen Präsidenten der Universität Anerkennung. In den darauffolgenden Jahren konnte dann Wiesendanger seine mit höchster Wahrscheinlichkeit versehene Erkenntnis immer weiter steigern, bis dahin, dass es heute nicht mehr umstritten ist, dass das Virus aus dem Labor kam. Heute weiß man übrigens, dass auch die Bundesregierung sehr frühzeitig über den Bundesnachrichtendienst über eine hohe Wahrscheinlichkeit der Laborthese informiert war und dass es sich bei Corona um ein menschengemachtes Ding handelt. Das ist der Verdienst von Professor Wiesendanger. Und dieser Verdienst ist fünf Jahre alt.

Und Sie haben damals umfassend berichtet. Jetzt gibt es ein besonderes Detail an dieser Aufdeckung: Prof. Wiesendanger erwähnte immer wieder explizit eine berühmt-berüchtigte Telefonkonferenz, die 2021 durch Medien wie Tichys Einblick überhaupt erst bekannt gemacht wurde: Es gab ganz zu Beginn der Pandemie eine Telefonkonferenz der bekanntesten Virologen der Welt, geleitet von Anthony Fauci, der als Chefberater des US-Corona-Regimes quasi das Pendant zu Christian Drosten in Deutschland war. Und auf dieser Telefonkonferenz – so erzählte es früh Roland Wiesendanger – wurde zunächst offen diskutiert, wo das Virus herkommt. Ist es ein Laborursprung oder eine Zoonose? Aber dann erschien wenig später ein Text im renommierten Wissenschaftsmagazin „Lancet“, der klar sagte: Die Laborthese ist eine Verschwörungstheorie. Prominente Unterzeichner waren unter anderem Fauci und Drosten.

Hier wird klar, dass es eine wirkliche Verschwörung von Wissenschaftlern war – die auch im staatlichen Auftrag gehandelt haben – gewissermaßen die Spuren ins Labor zu verwischen. Und da hat Anthony Fauci eine wichtige Rolle gespielt und auch Herr Drosten. Das sind die Tatsachen. Und mit Herrn Drosten auf deutscher Seite und Fauci auf amerikanischer Seite waren, wenn Sie so wollen, die obersten Staatswissenschaftler in die Verschwörung der Vertuschung verwickelt.
Dann gab es immer wieder unterschiedliche Gutachten und unterschiedliche Darstellungen. Aber in dem Augenblick, wo sich echte Wissenschaftler und nicht drostische Wissenschaftler um die Sache kümmern, kommt eben doch ein Stück mehr die Wahrheit heraus. Und die Wahrheit ist: Corona ist menschengemacht.

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Prof. Wiesendanger erklärt bei Tichys Einblick im Prinzip, dass Drosten ein Scharlatan ist, der frühzeitig seine Virologen-Kollegen samt Budgets, die sie auch in Wuhan verbraten haben, schützt und behauptet, es war nur eine Zoonose. War das unter dem Corona-Regime nicht auch brandgefährlich für Ihre Publikation?

Wir haben es natürlich gespürt, aber wir spüren den Druck ja auch aus anderen kritischen Positionen, die wir immer wieder vertreten, meinetwegen in der Migrationsfrage oder in der Volkswirtschaftsfrage. Und wir sind da, wenn man so will, menschengemacht gestählt. Wir haben keinen künstlichen Virus, aber wir haben uns selbst irgendwie eine dicke Haut zugelegt. Und tatsächlich gab es Anzeigenboykotts, Verleumdungen und Verschwörungen.

Aber umso mehr freue ich mich, dass gewissermaßen halbstaatliche Medien jetzt auch draufkommen, dass es so einfach eben nicht war, dass es irgendeine Fledermaus war, die einen kleinen chinesischen Markthändler gebissen hat, sondern dass es eine Verschwörung der Staatswissenschaft war.

Ich muss doch noch mal darauf zurückkommen. Ich hatte ja die Ehre, dass ich zu der Zeit auch bei Ihnen im Haus geschrieben habe. Und ich kann mich erinnern, dass ich in dem Moment dachte: Warum macht Roland Tichy das? Warum ist er so überzeugt von Prof. Wiesendanger? Woher weiß Roland Tichy, dass er auf der richtigen Fährte ist?

Weil Prof. Wiesendanger einfach eine solide Arbeit hingelegt hat. Nun bin ich kein Virologe und habe lange gebraucht, bis ich den zentralen Begriff der Furinspalte für mich erschlossen habe. Aber so etwas muss publiziert werden. So etwas muss übrigens auch publiziert werden, ohne dass man hundertprozentig weiß, ob es stimmt. Denn auch wir sind keine Götter, die das Wissen gepachtet haben. Aber wir können solche Debatten in die Öffentlichkeit ziehen.

Und ich glaube nach wie vor, dass die öffentliche Debatte die Funktion der Wahrheitsfindung hat. Wahrheit entsteht ja nicht – wie man es in Deutschland versucht neuerdings – dadurch, dass eine staatliche Stelle etwas dekretiert, sondern Wahrheit entsteht aus der Diskussion. Das bessere Argument setzt sich durch. Und das gilt in der politischen Debatte wie in der wissenschaftlichen. Und Wiesendanger hat die wissenschaftliche Debatte geführt, und er hat sie einfach für sich entschieden, nach dem, was wir heute wissen.

Man kann es mal ansprechen: Der Corona-Regime-Kritiker Boris Reitschuster kommt von Tichys Einblick. Der ehemalige Focus-Journalist hatte sich genau in dem Moment, wo es mit Corona losging, selbstständig gemacht. Das heißt, Sie hatten schon genau den richtigen Mann an der richtigen Stelle. Warum haben Sie Reitschuster damals gehen lassen?

Ich glaube, dass im Journalismus eines ganz wichtig ist: Es gibt keine Fußfessel. Und ich freue mich zum Beispiel, dass Alexander Wallasch – auch wenn er nicht mehr direkt bei uns schreibt – Tichys Einblick so verbunden geblieben ist. Und ein kleiner Hinweis: Tatsächlich ist Tichys Einblick offensichtlich eine Art Verschwörerbude (lacht), ein Nest, in dem immer neue Kritiker herangezüchtet werden. Und das ist auch gut so.

Ich stelle mal meine These auf. Eigentlich hat Drosten mit seiner Verweigerung, die Laborthese anzuerkennen, auch eine Dramatik aus der Pandemie genommen. Denn dadurch, dass er „nur“ die Zoonose behauptete und die Laborthese verleugnete, war es für Maßnahmenkritiker noch einfacher, Corona „nur“ als grippeartige Erkrankung zu lesen. Jetzt die These: Wenn man von Anfang an die Laborthese veröffentlicht hätte, wäre da nicht die Dramatik in der Bevölkerung größer gewesen, weil man es für ein militärisches Projekt gehalten hätte?

Selbstverständlich. Denn wenn ich erst in der Lage bin, derartige Manipulationen prinzipiell zu tätigen, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich eben aus einem vergleichsweise wenig gefährlichen Virus ein unbedingt mörderisches Virus gestalte. Das hat ja auch Prof. Wiesendanger damals schon sehr früh erkannt und formuliert. Er hat ein weltweites Verbot dieser Gain-of-Function-Forschung verlangt, weil er der Meinung war, dass das, was wir mit Corona erlebt haben, gewissermaßen nur eine Vorstufe, eine Übung ist, die mit unbekannter Steigerungspotenz versehen ist.

Das ist insofern spannend, weil Corona-Maßnahmen-Kritiker immer gesagt haben, Corona sei nur eine Erkältung. Und die sind – ich lese es unter jedem unserer Artikel über Prof. Wiesendanger – sehr kritisch, was die Laborthese angeht. Da heißt es dann, die Laborthese unterstütze doch das System, sie unterstütze das Coronaregime.

Vielleicht ist die Wahrheit dramatischer, als man denkt. Es bedeutet ja zweierlei: Wir sind global potenziell grauenhaften Pandemien ausgesetzt, die gezielt eingesetzt werden. Und zweitens: Es gibt keine Guten und keine Bösen, sondern nur Böse. Denn Wuhan liegt ja bekanntlich in China und ist finanziert mit amerikanischem Geld. Gibt es eine noch schrecklichere Vorstellung?

Danke für das Gespräch!

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