8:1-Urteil aus den USA öffnet Tür für „Heilungsversuche“ an schwulen Jugendlichen – Trump-Illusion endgültig beerdigt und AfD vor dem Lackmustest

Rückfall zum Mittelalter-Konservatismus: Supreme Court kippt Verbot von Konversionstherapien an Minderjährigen

von Alexander Wallasch

Wer Homosexualität als Krankheit, Sünde oder behandlungsbedürftige Störung betrachtet, der hat in einer modernen konservativen Partei nichts zu suchen.© Quelle: Instagram/sarahsepabossard, Screenshot

Wer bisher glaubte, mit Trump käme ein modernes konservatives Amerika, der irrt gewaltig. Das Supreme-Court-Urteil erlaubt wieder Therapien, die schwule Minderjährige „ändern“ sollen. Zeit für die AfD, klare Kante zu zeigen: Wer Homosexualität als Krankheit oder Sünde betrachtet, hat in einer modernen Volkspartei nichts zu suchen.

Wer sich bisher der Illusion hingegeben hat, mit Trump käme ein modernes, selbstbewusst konservatives Amerika, das auch Europa neue Impulse geben könnte, der kann diese Hoffnung jetzt wohl endgültig begraben.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat mit 8:1-Stimmen das Verbot von sogenannten Konversionstherapien im Bundesstaat Colorado für verfassungswidrig erklärt. Konkret ging es um das Verbot bestimmter Gesprächstherapien, in denen lizenzierte Berater – oft aus religiöser Überzeugung – versuchen, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität Minderjähriger zu beeinflussen.

Oder anders ausgedrückt: Ab sofort dürfen christliche oder konservative Berater Minderjährigen gegenüber wieder versuchen, ihre sexuelle Orientierung zu verändern – ohne dass der Staat das per Berufsrecht unter Strafe stellen kann. Das ist kein harmloser Sieg für die Redefreiheit. Das ist vor allem ein Freibrief für potenziellen seelischen und geistigen Schaden an Kindern und Jugendlichen, die sich in streng religiösen oder freikirchlichen Milieus ohnehin kaum wehren können.

Für minderjährige Jugendliche in diesen abgeschotteten Kreisen ändert sich damit wenig an der harten Realität, in der sie leben. Der progressive Staat darf nun nicht mehr einseitig nur die affirmative Sichtweise schützen – stattdessen ist der Weg frei für Ansätze, die genau das Gegenteil bewirken können.

Auch in Deutschland gilt seit 2020 ein Verbot solcher „Konversionstherapien“ – viel zu spät, wie manche sagen, oder viel zu früh, wie andere finden. Die Debatte ist ohnehin hochkomplex, weil sie längst nicht mehr nur um Homosexualität geht, sondern massiv um die explosive Zunahme von Trans- und Gender-Identitäten bei Jugendlichen, die oft sozial ansteckend wirkt und zu irreversiblen medizinischen Eingriffen führt.

Genau hier wird das Thema zum Lackmustest für die AfD. Kein anderes Feld trennt so klar Spreu von Weizen. Die sexuelle Orientierung von Parteichefin Alice Weidel hat eine gewisse Feigenblattwirkung – dafür kann sie nichts. Aber die Bundestagsfraktion und die Partei insgesamt müssen ein klares Signal in die Basis und die Wahlkreise senden: Wer Homosexualität als Krankheit, Sünde oder behandlungsbedürftige Störung betrachtet, der hat in einer modernen konservativen Partei nichts zu suchen.

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Hier könnte Tino Chrupalla Führung zeigen. Und hier müssen unangenehme Wahrheiten auf den Tisch: Ja, es gibt latente Homophobie in Teilen der Gesellschaft – und ja, sie ist in manchen AfD-Milieus besonders ungeniert spürbar. Stammtisch-Sprüche, bei denen Homosexuelle pauschal als potenzielle Kinderschänder durch den Kakao gezogen werden, sind nicht nur geschmacklos, sie sind politisch dumm. Die AfD sollte das nicht ignorieren, sondern aktiv mit klaren Worten dagegenhalten.

Es funktioniert übrigens nicht, Konversionstherapien pauschal zu verteidigen, nur weil sie angeblich gegen die links-woke Trans-Ideologie bei Minderjährigen helfen sollen. Wer die rasante Zunahme von Pubertätsblockern, Brustamputationen und medizinischen Geschlechtsumwandlungen bei Kindern kritisiert, braucht keine indoktrinierten Freikirchler als Verbündete. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen, wäre fataler Kollateralschaden.

Es reicht vollkommen, auf dem klassisch konservativen und liberalen Weg gegen die Zerstörung von Kinderseelen durch Gender-Ideologie vorzugehen – ohne gleichzeitig Homosexualität als etwas zu definieren, das man „heilen“ müsste. Wer das versucht, redet keiner modernen konservativen Gesellschaft das Wort, sondern träumt sich ins vorletzte Jahrhundert zurück.

Polemisch gefragt: Wie weit ist der Weg von der staatlich verbotenen Gesprächstherapie bis zu den Baukränen, an denen therapieunwillige Schwule aufgehängt werden? Gar nicht so weit, wie manche glauben – wenn man erst einmal anfängt, ganze Lebensweisen per Gesetz zu pathologisieren oder zu zensieren.

Die AfD steht in der Frage an einem Scheideweg. Als derzeit größte Oppositionspartei und potenzielle Volkspartei wäre es klug, genau dieses Thema zu ihrem Lackmustest zu machen. Wer hier ausweicht oder schönredet, verspielt langfristig Glaubwürdigkeit bei allen, die echte Freiheit und keine neuen Tabus wollen.

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