Exklusiv: Ein Crew-Mitglied will Umweltfrevel der „Seenotretter“ beobachtet haben

Seemann erzählt: NGO-Schiff versenkt Flüchtlingsboot im Mittelmeer

von Alexander Wallasch

„Die Schlauchboote wurden von unserem Kapitän aufgeschnitten und im Mittelmeer treiben gelassen. Die Außenbordmotoren durften wir auch nicht mitnehmen.“© Quelle: Youtube / faz I Bildmontage Alexander Wallasch

Vor wenigen Tagen erreichte mich ein Kommentar via Telegram von einem ehemaligen Crew-Mitglied auf einem dieser sogenannten „Seenotretter“ vor der Küste Libyens.

Der Seemann hatte meinen Artikel über die Aktivitäten dieser Antifa-zur-See gelesen und spontan seine Erfahrungen an Bord eines dieser Schiffe aufgeschrieben:

„Ich war für 6 Wochen auf der Alan Kurdi und habe zwei Fahrten zur Lybischen Küste mitgemacht. Sea-Eye Regensburg hatte mich als XXXXXX angeheuert. Auf der zweiten Reise ereignete sich so ein Rennen mit der libyschen Küstenwache. Es war aber ein ungleiches Rennen zwischen der Alan Kurdi und dem Schnellboot der Küstenwache. Die Afrikaner wurden letztendlich nicht von uns aufgenommen, aber ein Schiff einer anderen Organisation war vor der Küstenwache vor Ort. Das Flugzeug, was sie erwähnten, das sind Schweizer. Die orten die Schlauchboote und melden die Position an die Schiffe. Die Schlauchboote sind nagelneu und meistens mit zwei neuen Außenbordmotoren versehen. Wir haben zweimal Personen aufgenommen und nach Malta gebracht. Die Schlauchboote wurden von unserem Kapitän aufgeschnitten und im Mittelmeer treiben gelassen. Wir sprechen hier von einem Schlauchboot für 60 Personen. Die Außenbordmotoren durften wir auch nicht mitnehmen. Auch die liegen jetzt auf dem Grund des Mittelmeeres. Umweltschutz in diesem Fall: Fehlanzeige. Die Gutmenschen lassen da einfach quadratmeterweise Gummi im Mittelmeer treiben. Die Motoren mit ihrem Getriebeöl spielen da auch keine Rolle.“

So weit, so mutig und offen, uns gegenüber darüber zu berichten. In einer persönlichen Mail erreichte mich eine weitere Botschaft, in welcher der Seemann uns seine private Situation erzählte und wie es zur Anheuerung auf der Alan Kurdi kam.

Gemessen am eigentlichen Skandal dieser missbräuchlich „Seenotrettung“ genannten, im Geschäftsmodell der Schlepper zwingend notwendigen Fährverbindungen von Nordafrika nach Europa ist so ein Umweltfrevel eine vermeintliche Randnotiz, aber doch keine unerhebliche.

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Wenn es tatsächlich um die Rettung von sich in Seenot befindlichen Menschen ginge, dann wären diese Umweltsünden nebensächlich. Aber hier stellt sich auch die Frage, wozu ein Kapitän ein Schlauchboot samt Motor(en) versenken lässt, aus dem er gerade Menschen aus „Seenot“ gerettet hat. Wie lässt sich das vernünftig begründen?

Dazu passt eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung aus 2019. Darin wollte die AfD-Fraktion wissen, wie sich die Tonnen von Co2-Emissionen der NGO-Schiffe rechtfertigen lassen.

Die Merkel-Regierung antwortete damals mit Empörung folgendermaßen:

„Die Bundesregierung weist entschieden die der vorliegenden Anfrage zugrunde liegende Idee zurück, die Rettung von Menschenleben aus Seenot gegen Maßnahmen des Klima- und Umweltschutzes zu verrechnen.“

Interessant noch eine Ergänzung der Bundesregierung:

„Der Klimaschutz im internationalen Seeverkehr unterliegt nicht dem deutschen Klimaschutzplan.“

Aber noch etwas ist interessant: Zuletzt waren Fälle bekannt geworden, wo Schlepper ein Schlauchboot ihrer Kunden mit einem weiteren Boot aufs offene Meer begleitet und die Motoren dann mitgenommen haben, um sie wieder zu verwenden.

Sollte der Kapitän der Alan Kurdi hier tatsächlich ein Schlauchboot samt Motoren versenkt haben, dann könnte man meinen, dass das im Rahmen seines NGO-Geschäftsmodells kontraproduktiv wäre und eher der libyschen Küstenwache zuzutrauen wäre, die damit weitere Versuche vereiteln will, über eine fingierte Seenot zu den europäischen NGO-Schiffen zu gelangen.

Es bietet sich aber noch eine weitere Erklärung an, die allerdings über sieben Jahre zurückliegt:

Damals fuhr die Deutsche Marine im Rahmen der Operation „European Union Naval Force – Mediterranean“, besser bekannt unter dem Namen „Operation Sophia“, im Mittelmeer mit dem Auftrag, Schlepper dingfest zu machen und an ihrer Arbeit zu hindern.

Diese Operation war im Übrigen zu keinen Zeitpunkt eine Seenotoperation; Seenotrettung muss nicht extra beauftragt werden, sie ist verbindlicher Teil der Seefahrt.

Anfang 2016 befand ein Bericht des britischen Parlaments, dass die Operation ein völliger Fehlschlag sei und sich zum Magneten für Migranten entwickelt habe und Schmugglern das Geschäft erleichtere. Daran anschließende Frage: Warum sollte das bezogen auf die vielen Schiffe der NGOs anders sein?

Interessant ist hier aber etwas anders: Im Mai 2015 meldete der Deutschlandfunk, dass die Fregatte „Hessen“ und das Versorgungsschiff „Berlin“ vor der libyschen Küste Flüchtlingsboote aus Holz nach Bergung der illegalen Migranten versenken und Schlauchboote anzünden würden.

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Der echte oder vermeintliche Skandal wurde von Fregattenkapitän Alexander Gottschalk, dem Sprecher des Deutschen Marineverbandes, gegenüber der Bild am Sonntag so begründet:

„Die Flüchtlingsschiffe stellen sonst auf dem offenen Meer ein Hindernis für andere Boote dar. Zum anderen könnte es sein, dass wir ein leeres Boot aus der Luft irrtümlich als ein in Seenot befindliches Boot wahrnehmen und hinfahren, um es zu retten.“

Vorausgesetzt, die Aussage des Seemanns uns gegenüber stimmt, war das dann ebenfalls der Beweggrund des Kapitäns der Alan Kurdi?

Alexander-wallasch.de fragte telefonisch bei der Organisation Sea-Eye nach, die für die Alan Kurdi verantwortlich ist. Wir baten die Organisation um eine Stellungnahme, man wollte sich zurückmelden. Sollte hier noch eine Erklärung folgen, werden wir sie nachreichen.

Ein paar offene Fragen konnten so tatsächlich gelöst und die Aussage des Crew-Mitgliedes – gegenüber alexander-wallasch.de konnte der Mann seine Heuer auf der Alan Kurdi glaubwürdig machen – in einen Kontext gestellt werden.

Es bleibt bei einer ganzen Reihe fragwürdiger Praktiken und Vorgehensweisen der „Seenotretter“. Die Organisationen stellen sich vielfach nicht mehr der Diskussion, ob es sich um echte Seenot handelt, mittlerweile verweist man auf „Folterlager“ in Libyen, die quasi jede Form der Fahrt über das Meer hin zu den NGO-Schiffen rechtfertigen würden.

Aber auch hier scheint etwas in Bewegung zu kommen. Denn unter anderem der UNHCR und andere internationale und europäische Hilfsorganisationen gewinnen an Einfluss in Libyen, wie Berichte des UNHCR nahelegen, alexander-wallasch.de hat dazu ausführlich berichtet.

Und um zuletzt noch einmal auf die echten oder vermeintlichen Versenkungen von Flüchtlingsbooten durch den Kapitän der Alan Kurdi zurückzukommen:

Angenommen, die Argumente der Marine gelten auch für die Alan Kurdi, warum aber wurden Motoren und die luftleeren Schläuche nicht einfach an Bord geholt und bei der nächsten Anlandung vernünftig entsorgt? Fehlte hier schlicht der Platz, weil zu viele Passagiere aus den Schlepperbooten an Bord waren? Sollten dazu noch Antworten der Organisation kommen, werden diese hier nachgereicht.

Der Dank gilt dem Kommentarschreiber, der damit eine wichtige überfällige Diskussion angestoßen hat.

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