Die entscheidende Frage von Lanz in laufender Sendung an FAZ-Gast: „Herr Bender, wo haben wir das her?

Skandal bei Lanz: Moderator und FAZ-Gast haben vor der Sendung Angriff gegen Siegmund abgesprochen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Absprachen hinter den Kulissen, wie man Siegmund im Interview vernichten kann.© Quelle: ZDF/Lanz, Mediathek, Screenshot

Markus Lanz hat sich selbst überführt. Vor laufender Kamera gab der ZDF-Moderator zu, dass er mit dem FAZ-Journalisten Justus Bender die Attacke gegen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Vorfeld abgesprochen hatte. Eine Grafik sollte Siegmund demontieren – geplant und koordiniert von Moderator und Gast. Der Skandal ist perfekt.

Gestern kurz vor Mitternacht strahlte das ZDF eine Markus-Lanz-Sendung aus mit dem AfD-Spitzenkandidaten und möglichen zukünftigen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Zu Gast waren ebenfalls die bei Holtzbrinck ausgebildete Journalistin Ursula Weidenfeld sowie der Journalist der „FAZ“, Justus Bender, der sich seit bald einem Jahrzehnt samt Buchveröffentlichung als AfD-Kritiker positioniert.

Und wer die Sendung geschaut hat, der muss sich einig sein, dass Siegmund sich hier gut verkauft hat. Tribunal-Situationen perlen an dem 35-jährigen gebürtigen Havelberger besser ab als früher an anderen AfD-Spitzen. Der Wind hat sich insgesamt gedreht, die Zuschauer sind besser sensibilisiert für solche öffentlich-rechtlich beauftragten Anti-AfD-Veranstaltungen.

Was die Sendung aber noch aus einem ganz anderen Blickwinkel interessant macht, ist ein ausgewachsener Skandal, der einen unverhofften Blick hinter den Vorhang der Lanz-Sendung wirft und da sieht es offenbar stockdüster aus. Denn wer bis hierher noch glaubte, Markus Lanz sei irgendwie noch anders als Illner, Miosga oder Maischberger, der kann diese Idee jetzt beerdigen. Möglicherweise ist bei ihm alles sogar noch viel schlimmer.

Was war passiert? Hier die Kurzfassung: Relativ früh in der Sendung und schon nach wenigen Minuten präsentiert Markus Lanz eine Grafik, die den Arbeitsweg des Vaters von Ulrich Siegmund zu einer Arbeitsstelle zeigt, und Siegmund soll nun bestätigen, dass der Vater wirklich hunderte Kilometer jeden Tag zur Arbeit fährt. Die Lanz-Redaktion hat sich überlegt, Siegmund über die alte Geschichte mit der Vetternwirtschaft zu demontieren. Wo sonst in solchen Sendungen über zehn Jahre hinweg immer die gleichen fünf Höcke-Gauland-Zitate herhalten mussten, soll es nun auf diesem Wege gegen den Gast Siegmund gehen.

Und jetzt passiert Folgendes, Lanz fragt Siegmund: „Es gibt eine schöne Grafik, kennen Sie die?“

Die allerdings ist noch gar nicht eingeblendet. „So eine Art Landkarte“ sei das, ergänzt Lanz und zeigt die Grafik immer noch nicht. Siegmund lacht amüsiert, weil es so nebulös angekündigt wird. Aber Justus Bender von der „FAZ“ lächelt schon wissend, zumindest kann man das rückblickend so deuten. „Das ist ein interessantes Ding“, so Lanz, der offenbar glaubt, hier die Lanze gegen Siegmund gefunden zu haben.

Sichtbar wird dann endlich eine Landkarte von Tangerhütte bis Zeitz, die den Arbeitsweg des Vaters von Siegmund (oben mit Foto eingeblendet) hin zum Büro des Abgeordneten Martin Reichardt in Zeitz zeigen soll.

Zunächst wird klar, dass die Grafik offenbar absichtsvoll dramatisierend falsch beschriftet ist, das fällt aber der Runde gar nicht auf. Da steht nämlich „täglich fünf Stunden Fahrt zum Arbeitsplatz“, es sind aber nur 2 Stunden und 20 Minuten.

Ulrich Siegmund versteht natürlich, um was es hier geht, und meint, dazu habe es doch schon Fragen und Antworten gegeben, es habe zudem nie ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis seines Vaters dort gegeben. Aber Lanz bleibt dabei, er betont noch, da mache sich jemand über die Vetternwirtschaft der AfD in Sachsen-Anhalt lustig.

Noch unangenehmer zuzuschauen wird es da, wo Lanz die Sache mit seinem Finger im Mund wie ein Investigativermittler des Verfassungsschutzes extra in die Länge zieht, als säße er mit der Grafik auf einer Goldmine. Von wem die Grafik sei, Siegmund soll erstmal schätzen:

„Was denken Sie? Es kommt aus Ihren eigenen Reihen, es zirkuliert in Ihrer Partei.“

Antwort Siegmund: „Kalter Kaffee“, er sei zum ersten Mal bei Lanz, bisher sei nur über ihn geredet worden in früheren Sendungen, es gebe doch wichtige Probleme, über die zu reden sei. Und Siegmund lässt nicht locker. Weiter Richtung Lanz:

„Klären Sie nun noch auf, von wem es ist?“

Antwort Lanz:

„Ich kann Ihnen das nicht sagen. Das ist ähnlich wie die Sache mit den Ministerien.“

Zuvor hatte Siegmund gesagt, er wolle noch keine Details über die Besetzung der Ministerien öffentlich machen. Und da lacht Lanz direkt Richtung „FAZ“-Bender, die Runde freut sich über diese – aus Lanz’ Sicht – lustige Retourkutsche.

Aber Ulrich Siegmund lässt immer noch nicht locker, fragt ernst weiter:

„Wird das jetzt noch aufgeklärt oder nicht?“

Lanz eher feststellend zögerlich: „Sie wüssten das gern. Quellenschutz.“

Und dann wendet sich Lanz mit einem Ruck an den „FAZ“-Journalisten:

„Herr Bender, wo haben WIR das her?“

Bender:

„Das kursiert in der Partei. Das habe ich in der Partei zugespielt bekommen.“

Alles, was danach kommt in dieser etwa einstündigen Sendung, ist in genau diesem Moment unwichtig geworden. Der Skandal könnte kaum größer sein! Hier hat eine ungeheuerliche Zäsur stattgefunden: Der Moderator einer Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat vor laufender Kamera eingestanden, dass er sich im Vorfeld mit einem Gast gegen einen anderen vorbereitet hat.

Konkret: Mit einem Mainstream-Journalisten der „FAZ“ wurde im Vorfeld gemeinsam mit Lanz und Redaktion konspirativ beratschlagt, wie man den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gemeinsam vorführen, fertigmachen und bloßstellen kann.

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Nur Lanz kann an der Stelle erklären, wie ihm dieser – aus seiner Sicht – unglaubliche Schnitzer passieren konnte. Und wieder könnte man tatsächlich sagen, ist eine Verschwörungstheorie wahr geworden – und nicht irgendeine.

Um diese Ungeheuerlichkeit kritisch zu hinterfragen, sprechen wir mit einem intimen Kenner des ZDF und einem Juristen. Der langjährige ZDF-Mitarbeiter Achim Winter sagt dazu auf Anfrage gegenüber Alexander-Wallasch.de:

„Es geht hier offenbar um eine Herabwürdigung der AfD. Eine konzertierte Aktion. Das ist das Ziel dieser unjournalistischen Aktion. Für mich ist das der absolute Medienskandal der letzten Jahre.“

Und Winter beschreibt weiter, wie so etwas seiner Kenntnis nach üblicherweise gemacht wird. Der Moderator von „Winters Woche“ wundert sich vor allem aber, dass sich Lanz so entlarvend verplappert hat:

„Das kommt aber daher, dass man sich bei Lanz mit Gästen als Team gegen die AfD fühlt. Eine Übersprungshandlung von Markus Lanz aus einer Art Mannschaftsgeist heraus.“

Rechtsanwalt Dirk Schmitz will jetzt konkret von Markus Lanz wissen:

„Bei welchen Ihrer Interviewrunden finden generell Vorgespräche statt? Und finden spezielle Vorgespräche nur mit bestimmten Teilnehmern statt, in denen besprochen wird, wie man einen anderen Teilnehmergast angreifen bzw. desavouieren kann.“

Und Schmitz ordnet noch einmal explizit ein und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, was von Lanz zu halten ist:

„Was Lanz hier macht, ist Ratten-Journalismus. Der hat beim Aufstehen die Hose verloren. Es ist das rausgekommen, was jeder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstellt, nämlich eine böse parteiische Absprache zu Lasten Dritter, zu Lasten der AfD. Erst werden dramatisch weniger AfD-Politiker eingeladen als von anderen Parteien. Und dann gibt es hinter den Kulissen Absprachen, wie man sie rhetorisch im Interview vernichten kann.“

Ein Moderator, der praktisch live zugibt, dass er mit einem Gast die Munition gegen den AfD-Gast vorbereitet hat. Und dann noch der Versuch, es als „Quellenschutz“ zu kaschieren. Das Schlimme ist nicht mal der einzelne Moment, sondern dass es wie die Regel wirkt, nicht die Ausnahme. Viele Zuschauer haben genau das Gefühl: Die Sendung ist kein offenes Gespräch, sondern ein abgestimmtes Tribunal.

Markus Lanz 2. Juli 2026

ZDF/ Markus Lanz, Ausschnitt

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