Wer den Krieg nicht hasst, hat entweder nie richtig hingeschaut oder etwas Entscheidendes im Herzen verloren.

Sofakrieger gegen ukrainische Flüchtlinge: Ab zum Verrecken im Schützengraben!

von Alexander Wallasch (Kommentare: 12)

Tichys Einblick druckt Opitz' Sozialneid pur: Wohlhabende Ukrainer im Geländewagen statt Kugelfang© Quelle: X/@SororInimicorum, Screenshot

Während ukrainische Männer im Schlamm verrecken, sitzt Olaf Opitz bei Streuselkuchen und Bohnenkaffee und jammert über „lukratives Bürgergeld“ und teure SUVs. Opitz serviert Landser-Romantik und AfD-Propaganda: Fahnenflüchtige Ukrainer raus aus Deutschland – zurück an die Front! Ein eiskalter Akt der Verachtung, getarnt als „klare Kante“. Und die geheimen „Unity Hubs“ in Berlin? Darüber schweigen AfD und Neuen Medien lieber. Empörung garantiert.

Ich bin gerade voller Bewunderung für den Journalisten Roland Tichy. Heute hat der Blattmacher sich selbst übertroffen: Tichy veröffentlichte einen eiskalten wie sozialneidischen Artikel über ukrainische Wehrpflichtige.

Das kann ja von Tichy nur ein selbstloser Akt einer maximal ausgeschöpften Presse- und Meinungsfreiheit zugunsten des Leipziger Autors Olaf Opitz sein, anders ist nicht zu erklären, dass dieser die Gnade des Verlegers gefunden hat.

Zunächst liest man die Überschrift zum ‚Ukraine-Krieg‘ und denkt sich: Okay, gut so: „Deutschland liefert keine Wehrpflichtigen aus“.

Aber schnell wird klar, dass Opitz es anklagend meint. Er bedauert den Schutzraum Deutschland für ukrainische Kriegsdienstverweigerer, die nicht im Zweifel in wenigen Stunden oder Tagen in der ostukrainischen Hölle verrecken wollen!

„Sie dürfen hier bleiben, während ihre Kameraden an der Front kämpfen“, beschwert sich der 66-jährige Autor bei Streuselkuchen und Bohnenkaffee über seinem Laptop gebeugt im mollig-warmen Wohnzimmer. Keine Sorge, der Sozialneid schlägt gleich noch brutal zu.

In den Neuen Medien ist die Haltung zum Ukrainekrieg die große verschleierte Unbekannte. Man weiß um die Anti-Krieg-Grundhaltung der gemeinsamen Leser: Wer sich in den vergangenen Kriegsjahren für deutsche Waffenlieferungen aussprach, der musste mit massivem Schwund an Lesern rechnen. Ex-Journalist Ulf Poschardt hat an der Stelle mit seinem Ukraine-Verdienstorden für Propaganda die engsten Schnittmengen zu den neuen Medien und ihren Vertretern.

Tichys Einblick traut sich jetzt immerhin mit der Menschenverachtung von Opitz aus der Deckung. Aber was die „Unity Hubs“, diese getarnten geheimen ukrainischen Feldjäger-Behörden auf deutschem Boden angeht, hat bisher niemand der Neuen Medien berichtet – dieses Thema überlässt man lieber Alexander-Wallasch.de, wo beim Weimer nur so der Lefzensabber floss.

Landserheft-Romantik pur bei Olaf Opitz:

„Noch verteidigen ukrainische Soldaten tapfer ihre Heimat im tiefsten Winter in kalten Schützengräben gegen die russische Interventionsarmee. Doch die Reihen lichten sich.“

Die jahrelange Verweigerung jedweder Bemühungen um diplomatische Lösungen und der Wunsch nach einem Ende des Verreckens findet hier einfach nicht statt. Stattdessen ein gäriges Grauen bei Opitz, wie ein schmuddeliges Zitat aus der Bahnhofskneipe 1959, wo sich die Wehrmachtshelden in der hinteren Ecke unter den Gleisen ihre alten Geschichten aufwärmten:

„„Wenn es hart auf hart kommt, halten Soldaten eben zusammen“, heißt es an der Front. Aber das gilt längst nicht für potenzielle Kameraden in der Etappe. Immer mehr wehrpflichtige Männer an der Heimatfront fliehen ins europäische Ausland, weil sie nicht in diesem Krieg sterben möchten.“

Entschuldigung, ich muss mich übergeben. Junge ukrainische Männer fliehen in Massen vor dem finalen Kopf-, Bauch- und Rückenschuss, vor der von Drohnen fallengelassenen Granate.

Wer wirklich hinschaut, sieht die verängstigten Männer im Alltag. Das sind jene stillen Typen, die immer nach unten schauen, die im Supermarkt schnell durch die Gänge huschen, immer eng am Regal lang, und eben nicht jene Südländer, die mit lauter Stimme den Gang versperren, während sie ihre Rachenlaute in die Handys brüllen.

Ungerührt von allem schreibt der Sofakrieger Opitz bei Tichys Einblick:

„Viele suchen auch ihr Heil in Deutschland, weil hier das lukrative Bürgergeld lockt, selbst wenn es ab 1. Juli dieses Jahres dann ‚Grundsicherungsgeld‘ heißt.“

Allerdings: Nicht Afghanistan und nicht Syrien grenzen an die europäische Gemeinschaft, es ist die Ukraine! Und gleich hinter Polen kommt Deutschland. Und Polen hat weniger als halb so viele Einwohner als Deutschland, aber noch deutlich mehr Ukrainer im Land.

Olaf Opitz orientiert sich hier blind – Faulheit oder AfD-Einvernehmen? – an einer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag, die den schlimmen Titel trägt: „Fahnenflucht ukrainischer Staatsangehöriger – Rückführungsfähigkeit durch deutsche Behörden“.

Die von Weidel und Chrupalla unterzeichnete Anfrage der AfD befindet in einem den Fragen vorangestellten erklärenden Text:

„Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist eine hohe Zahl ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter nach Deutschland eingereist. Angesichts der in der Ukraine geltenden allgemeinen Wehrpflicht und Mobilmachung besteht der begründete Verdacht, dass sich unter diesen Personen auch Männer befinden könnten, die fahnenflüchtig sind.“

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Autor Olaf Opitz hinterfragt nicht – kein Bock – und macht sich lieber mit der Aussage des von ihm befragten „AfD-Sicherheitsexperten Zerbin“ gemein, als wäre, was der zur Sache äußert, hinreichend zur Einordnung. Zerbin kommentiert für Opitz die schlechten Chancen einer Rückführung von „fahnenflüchtigen“ Ukrainern:

„Das muss sich nach meiner Überzeugung ändern. Entsprechend fordere ich die Bundesregierung auf, die rechtlichen Möglichkeiten nochmals zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.“

So in etwa bei Opitz und Zerbin: Wehrfähige Ukrainer? Kann weg, ab in den Schützengraben als Kugelfang. Jeder tote Wehrpflichtige ist ein potenzieller Bürgergeldschnorrer weniger.

Weil Opitz nun weiß, was er sich da zusammenschießt, heuchelt er noch ein bisschen Verständnis, sicher könne man es jungen Ukrainern nicht verdenken, „sich nicht für den selbst in der Heimat inzwischen umstrittenen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj trotz russischer Bedrohung zu opfern.“ Aber das war vorgeschoben:

„Dennoch lassen Hunderttausende wehrpflichtige Männer im europäischen Ausland auch Zweifel am Verteidigungswillen von Teilen der ukrainischen Bevölkerung aufkommen.“

Und zuletzt muss dann der ganze auf dem Sofa aufgestaute Sozialneid noch mal rausgedrückt werden. Olaf Opitz endet, wie er angefangen hat:

„Vor allem wohlhabende junge Männer im wehrpflichtigen Alter fallen hierzulande vielen deutschen Bürgern mit ihren teuren und großen Geländewagen immer mehr auf. Das schadet der Solidarität mit der angegriffenen Ukraine.“

Das sagt alles über eine so eiskalt daherkommende Neiddebatte aus der deutschen Wohlstandsblase, die schwindelig macht. Neben den Landserfantasien von Kameradschaft und Schützengraben-Weihnachten, wie es der Opa dem Opitz erzählt haben mag, ist nichts geblieben. Hat nichts stattgefunden.

Der weggeschossene Schädel ist immer der Schädel der anderen. Blut, Angst, Urin und Scheiße – das große Verrecken zweier Weltkriege, zweier Zeitenwenden, die sich so tief in die Geschichte und Kultur der Deutschen gerammt haben, müssen vor der Wohnzimmertür der Opitz’ dieser Republik kehrtgemacht haben, hier kann man mit keinem Mitleid rechnen. Zurück an die Front zum Verrecken!

Und die AfD muss sich fragen, was die Drucksache 21/2923 vom 26. November 2025 für eine verstörende Kleine Anfrage sein soll, wenn es da heißt:

„Fahnenflucht ist in der Ukraine während des Kriegszustands strafbar und kann mit mehrjährigen Freiheitsstrafen geahndet werden; auch in Deutschland stellen Fahnenflucht (§ 16 des Wehrstrafgesetzes) sowie eigenmächtige Abwesenheit vom Dienst (§ 15 des Wehrstrafgesetzes) Straftatbestände dar, was die besondere Bedeutung rechtsstaatlicher Handhabung solcher Fälle unterstreicht.“

Sozialneid ist der beste Wahlhelfer? Zum Aufbau einer geheimen ukrainischen Behörde in Berlin (Unity Hub) mutmaßlich zur Verfolgung der ukrainischen Wehrpflichtigen hingegen kein Wort. Alexander-Wallasch.de hat dazu seit Anfang 2025 regelmäßig berichtet.

Es ist so grauselig, dass einem schwindelig wird vor Wut und Schmerz und Mitgefühl mit diesen von allen Seiten verlassenen Hunderttausenden ukrainischen Männern, die nicht nach ihren Müttern schreiend elend im Dreck verrecken wollen.

Die AfD steht in der Sache nahe am Abgrund, fern jeder Menschlichkeit. Autor Olaf Opitz ist schon mal vorausgesprungen zwischen – Sie wissen schon: – Streuselkuchen und Käffchen. Die AfD in ihrer kleinen Anfrage:

„Gleichzeitig stellt sich in Deutschland die Frage, ob und in welchem Umfang deutsche Behörden – insbesondere die Bundeswehr, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Ausländerbehörden oder die Polizei – in der Lage sind, solche Fälle zu erkennen, zu dokumentieren oder entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“

Und als wahrhafter letzter Held bleibt dann einzig Verleger Roland Tichy übrig. Diesen Opitz abzudrucken, dafür muss man Eier haben. Dafür muss man die Presse- und Meinungsfreiheit mit der Muttermilch aufgesogen haben. Gewissermaßen als Magenbitter gegen diesen alltäglichen verachtenswerten Wahnsinn.

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