Der Tagesspiegel hat richtig Schiss vor Döpfner

Springer ehrt Thiel – und sich selbst als Kriegstreiber

von Alexander Wallasch

Journalistischer Offenbarungseid?© Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/dpa-umstrittener-unternehmer-bekommt-springer-award-in-berlin-16085784.html, Screenshot

Am 24. September bekommt Peter Thiel den Springer-Preis. Döpfner nennt ihn den einflussreichsten Deutschen und Palantir eine Schutzmacht. Der Tagesspiegel liefert den Beipackzettel. Hurenjournalismus oder nur Schlechtleistung? Die Hauptsache bleibt draußen: Der Sohn des Verlegers arbeitete für Thiel, Thiel gilt als Geldgeber im Familienfonds, derselbe Kreis steckt in Kampfdrohnen, Karp saß im Aufsichtsrat, Journalisten wechseln zu Defence-Tech, Sicherheitsgipfel laufen geheim im Hochhaus. Keine Ideenehrung. Das Haus zeichnet das eigene Netzwerk aus.

Morgen ehrt Axel Springer Peter Thiel im eigenen Haus, und der Tagesspiegel liefert dazu den Beipackzettel: umstrittener Libertärer, Paypal, Facebook, Palantir, Trump. Döpfner darf Thiel dann den einflussreichsten Deutschen unserer Zeit nennen und Palantir mal eben zur Schutzmacht der Demokratie erklären.

Der Springer-Award für Thiel wird beim „Tagesspiegel“ zur gefällig-flachen Debatte über einen Denker. Die Geschäftsbilanz bleibt einfach draußen.

Wir haben indes über Monate hinweg recherchiert: Döpfner-Sohn, Döpfner-Fonds, Tätigkeit bei Thiel, Drohnen, Journalistenwechsel, Aufsichtsrat, Gipfelgeschäft.

Was der Tagesspiegel nicht wissen wollte oder was ihm zu unbequem war: Moritz Döpfner, Sohn des Verlegers, war Chief of Staff bei Thiel Capital. Ende 2024 legte er in Delaware den Doepfner Capital Fund I auf. Laut Manager Magazin soll Thiel als Ankerinvestor rund fünfzig Millionen Dollar gegeben haben. Der Fonds zielte zuerst auf fünfundsiebzig Millionen und lag später höher. Thiel und Döpfner junior äußerten sich nicht.

Nein, Thiel ist nicht nur Gesprächspartner des Hauses Springer. Er ist Kapitalgeber im familiären Umfeld Döpfner. Derselbe Thiel, derselbe Sohn, dieselben Firmen. Und der Fonds gilt als Einstieg beim Drohnenhersteller Stark Defence. Thiel steckt selbst tief in Stark. Stark baut die Kamikaze-Drohne Virtus. Nach zunächst politischem Zögern wegen Thiel kam dann – begleitet von massiver Propaganda bei Springer – doch der große Bundeswehr-Auftrag, mit der sedierenden Zusage, Thiel habe ja keine operative Kontrolle.

Eine entschärfte Virtus-Kampfdrohne stand dann in der Axel Springer Academy plus zwei Stark-Leute als Aufsicht. Parallel wächst Quantum Systems, Helsing liefert KI-Kampfdrohnen und Springer-Journalisten die Seite: Julian Röpcke von Bild in die Drohnenkommunikation, Johannes Boie zu Helsing. Was für eine Drehtür!

Und weiter gehts: Alex Karp, Palantir-Chef, saß von 2018 bis 2020 im Springer-Aufsichtsrat. Palantir-Software läuft bei deutschen Polizeien, in der Ukraine, bei NATO-Partnern. Aber nicht nur dort: Springer selbst arbeitet aktiv mit Systemen von Palantir. Der Medienkonzern nutzt die Big-Data-Plattform Palantir Foundry, um datengetriebene Prozesse in seinen Redaktionen und Geschäftsbereichen zu optimieren.

Karp nannte Palantir ein Betriebssystem für den Krieg. 2026 bekommt der Mitgründer Thiel den Hauspreis, während Döpfner Palantir öffentlich zur Schutzmacht erklärt.

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Springer steht hier nicht für Meinung gegen Meinung – hier wird massiv vernetzt: Das Haus mit der Software, dem Kapital und der Kriegstechnik.

Dazu kommt das, was der Tagesspiegel ebenfalls nicht anfasst: die Springer-Gipfel, wie den WELT-Sicherheitsgipfel im Springer-Hochhaus mit Chatham-House-Regeln (Geheimtreffen), eingeladenen Ministern, internen Ausschüssen, Diensten, Defence-Tech, Wirtschaftspartnern und teuren Tickets. Media Impact verkauft den Zugang.

Das Drehbuch für die Notwendigkeit von Kriegsproduktion kommt ebenfalls von Springer: Ukraine-Verdienstorden für Propaganda an Springer-Leute wie Ulf Poschardt, Julian Röpcke, Ibrahim Naber und andere.

Der Tagesspiegel will nur die Oberfläche: einen gefälligen Meinungsstreit. Die einen finden Thiel halt irgendwie undemokratisch, Döpfner findet ihn mutig und darf darüber beim Tagesspiegel schwätzen – nachgefragt wird nicht.

t-online hatte den Sohn-Job irgendwann wenigstens in einem Satz untergebracht. Der Tagesspiegel streicht auch den. Aber wer den Preis für Thiel als ideelle Ehrung für einen streitbaren Geist verkauft, hintergeht seine Leser.

Vierte Gewalt als Schutzmacht der Demokratie? Bei Springer ist es die Schutzmacht des Portfolios. In Wahrheit ist es der Springer-Palantir-Komplex: Kriegsgewinn, eingefärbte Berichterstattung, fünfte Kolonne.

Ein Text über „Bild umgarnt Thiel“, der den Fonds des Sohnes, den Job bei Thiel, die Drohnenlinie, Karp im Aufsichtsrat und die bezahlten Gipfel im Haus nicht nennt, erklärt nicht den Preisträger. Er schützt die Veranstaltung.

Am 24. September soll Thiel Fragen beantworten. Die naheliegenden stehen hier, nicht im Tagesspiegel. Wie unabhängig ist eine Ehrung, wenn der Geehrte den Fonds des Verleger-Sohns anschiebt? Was ist Palantir als Schutzmacht, wenn Karp im Aufsichtsrat saß? Was ist ein geheimer Sicherheitsgipfel im Medienhaus – Journalismus oder Vertrieb? Wer das nicht fragt, schreibt kein Porträt. Er schreibt den Ablaufplan.

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