Ulf Poschardt feiert Palantir-CEO Alex Karp – während das Springer-Haus ein Netzwerk aus Medien, Rüstung und Politik spinnt.

Springer plant den Krieg und will mitverdienen: Der WELT-Sicherheitsgipfel 2026 läuft seit gestern

von Alexander Wallasch

Die Blutrünstigen© Quelle: Welt.de/Screenshot, Grok, Bearbeitung: Wallasch

Während der WELT-Sicherheitsgipfel läuft, feiert Ulf Poschardt Palantir-CEO Alex Karp. Springer verwebt Medienmacht mit CIA-naher Kriegstechnik, Döpfners Sohn kassiert 50 Millionen von Peter Thiel für Rüstungsfonds, Julian Röpcke wechselt vom BILD-Kriegsberichterstatter zum Drohnenhersteller, Poschardt trägt den Ukraine-Orden für Waffenpropaganda. Weimer war nur der kleine Fisch. Hier wird am Parlament vorbei Rüstungspolitik gemacht – und die Öffentlichkeit zahlt die Rechnung. Springer ist Weimer hoch zehn.  

Am 1. und 2. Juli 2026 findet im Axel-Springer-Neubau in Berlin der zweite WELT-Sicherheitsgipfel statt. Das Event bringt führende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sicherheitssektor zusammen, um über „Sicherheit neu denken in der Polykrise“ zu debattieren. Es findet unter Chatham-House-Rules statt – also vertraulich, ohne direkte Zitate oder namentliche Zuordnung in der Öffentlichkeit.

Gestern, am 1. Juli, begann der Gipfel mit ersten Panels. Es gab Diskussionen zu Cyber-Sicherheit, Drohnenabwehr und allgemeinen Sicherheitsfragen. Partner und Sponsoren wie Tytan Technologies (Drohnen), AMDT, BAT, Mercedes-Benz und weitere waren aktiv beteiligt. Politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger aus Deutschland und Europa waren vor Ort.

Auch Mediziner waren geladen, so warnte Charité-Chef Heyo Kroemer: „Bei der Sicherheit im Gesundheitsbereich hat Deutschland sehr deutliche Defizite“ Wer diesen Auftritt einordnen will: die Friede Springer gGmbH fördert den Aufbau und die Erforschung des Friede Springer – Cardiovascular Prevention Center an der Charité mit bis zu 70 Millionen Euro. Ebenso unterstützt die Stiftung den Aufbau des Charité Competence Center for Traditional and Integrative Medicine.

Aber die Charité ist nur eine dekorative Randerscheinung auf diesem Rüstungsgipfel. Man hat sie im Sack, also lässt man die Puppen tanzen. Heute, am 2. Juli, ging der Gipfel weiter – und genau heute postet noch oder Ex- WELT-Herausgeber Ulf Poschardt auf X:

„jeder satz ein treffer: Alex Karp beim Sicherheitsgipfel @welt“

Dazu ein Foto von Karp am Podium. Das ist dann der Moment, in dem alles zusammenkommt. Und welchen Treffer meint er? Den im Fadenkreuz?

Zur Erinnerung: Ulf Poschardt ist kein neutraler Gastgeber oder Beobachter. Ende 2022 verlieh die Ukraine ihm – zusammen mit damals leitenden BILD-Mitarbeitern Julian Röpcke und Paul Ronzheimer – den Verdienstorden dritter Klasse. Begründung: Ihre Berichterstattung habe maßgeblich dazu beigetragen, die deutsche Regierung zu Waffenlieferungen an die Ukraine zu bewegen. Die Dokumentation dazu hier und hier. Ronzheimer hatte den Orden übrigens liegen lassen, weiß Wikipedia, er wolle weiter Journalist bleiben. Poschardt trägt den Orden spazieren oder zeigt ihn im Interview den Ex-Pazifisten der „taz“. Er hat nie ernsthaft dazu Stellung bezogen. Der politische Aktivist und Ex-Journalist feiert sich selbst für den so schwer kontaminierenden Blechstern.

Und heute also lobt Poschardt ausgerechnet Alex Karp – den CEO von Palantir, dessen Software in der Ukraine als „Betriebssystem für den Krieg“ (Karp) eingesetzt wird und die unter anderem Targeting und Battlefield-Data (Zielerfassung und Gefechtsfelddaten) unterstützt. Karp traf Selenskyj schon im Juni 2022 als einer der ersten westlichen Tech-CEOs.

Was sich da beim milliardenschweren „Welt“-Rüstungstreffen an Giftsuppe zusammenbraut, hat System: Es entspringt direkt dem Springer-Palantir-Komplex. Stell dir vor, ein amerikanisches Tech-Unternehmen mit CIA-Wurzeln entscheidet mit, welche Nachrichten du liest, welche Waffen Deutschland kauft und wie Kriege in Zukunft geführt werden. Klingt nach Verschwörungstheorie? Leider nicht. Es ist der genannte Komplex – ein enges Geflecht aus Medienmacht, Rüstungsinteressen und Politik, das gerade in Deutschland immer sichtbarer wird:

„Während die Bundeswehr Palantir bisher noch ablehnt, weil sie ihre Daten nicht mit dem umstrittenen Konzern teilen will, fährt das Springer-Haus eine massive Pro-Palantir-Offensive. Alex Karp war 2018–2020 Mitglied des Aufsichtsrats von Axel Springer. Peter Thiel investierte 50 Millionen Dollar in den Fonds von Mathias Döpfners Sohn Moritz. Springer-Journalisten wie Filipp Piatov schreiben unkritisch über Karp, ohne die alten Verbindungen offenzulegen.“

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In „Alles für den Endsieg“ schrieb ich Mitte Mai 2026:

„Die Nato setzt KI-Software der US-Firma Palantir ein. Die Bundeswehr schließt das aus – weil sie ihre Daten nicht mit dem umstrittenen Konzern teilen will. Gleichzeitig betreibt Springer eine massive Pro-Palantir-Offensive.“

Dass Medienhäuser mit Politiker-Zugang Geld verdienen, ist kein neues Phänomen. In „Alle verkaufen Politiker-Zugang – nur Weimer ist zu blöd, es zu verbergen“ hatte ich gezeigt, wie Springer (über „Media Impact“) seit Jahrzehnten hunderte Millionen mit exklusiven Events verdient:

„Der Springer-eigene Vermarkter Media Impact organisiert viele dieser Events – laut Online-Enzyklopädie generiert die Springer-Funke-Tochter mit ihren Unternehmungen eine halbe Milliarde Euro jährlich. […] ‚exklusiver Zugang zur Politik nur für CEOs‘, ‚Willkommen am Tisch der Zukunft‘, ‚Erleben Sie ein intensives Austauschformat für Top-Entscheider aus Politik und Wirtschaft.‘“

Weimer ist dagegen der dilettantische Kleinhändler. Springer das gut geölte System: Sponsoring-Pakete, Anzeigen, exklusive Dinners, Networking auf Augenhöhe – alles elegant verpackt als „Diskussionsforum“. Die Gegenleistung: positive Narrative und Einfluss auf die öffentliche Meinung zu Themen wie Rüstung und Sicherheit.

Ein weiteres Puzzleteil ist Julian Röpcke, langjähriger BILD-Militärexperte und lauter Pro-Ukraine-Stimmengeber („Lagezentrum“), der die Redaktion verlässt und zu einem deutsch-ukrainischen Drohnenhersteller wechselt, der die Ukraine beliefert: Aus der angeblich unabhängigen Berichterstattung direkt in die Rüstungsindustrie.

Noch drastischer wird es, wenn man die familiären und finanziellen Verstrickungen betrachtet. Mathias Döpfner, der starke Mann hinter Springer, hält enge Kontakte zur Politik – er geht offenbar bei Kanzler Merz ein und aus. Sein Sohn Moritz Döpfner war früher Chief of Staff bei Peter Thiel und hat von diesem 50 Millionen Dollar für seinen eigenen Risikokapitalfonds erhalten. Dieser Fonds investiert wiederum in Rüstungs- und Drohnenfirmen. Gleichzeitig verlässt ein langjähriger BILD-Militärexperte wie Julian Röpcke die Redaktion und wechselt direkt zu einem Drohnenhersteller, der die Ukraine beliefert. Aus der angeblich unabhängigen Berichterstattung wird so die fünfte Kolonne der Rüstungslobby. Die vierte Gewalt als Kriegsgewinnler. .

Warum kritische Berichterstattung oft ausbleibt? Alternative Medien wie „Nius“ berichten nicht. Nius-Chef Julian Reichelt ist eng mit Teilen dieses Milieus verbunden, Röpcke kam aus BILD, er ist Reichelts Ziehsohn. Solche Netzwerke wirken und reichen tief. Die etablierten Medien schweigen weitgehend oder machen einfach mit – die Funke Mediengruppe war lange Partner von Springer bei Media Impact. Jeder kann hier mit jedem, der Weg ist nur anderswo gepflastert mit Leichen, hier rollt der Rubel.

Was hier läuft, ist mehr als eine politische Medienkrake. Es ist ein Schattennetzwerk, das Narrative formt, Zugang zu Politikern verkauft und Einfluss auf Rüstungspolitik nimmt – weitgehend am Parlament und der breiten Öffentlichkeit vorbei.

Während der Bundestag über Milliarden für Verteidigung debattiert, laufen im Axel-Springer-Haus vertrauliche Treffen mit Rüstungs- und Tech-Konzernen. Palantir wird trotz Bedenken gepusht. Journalisten wechseln in die Branche. Sponsoren aus der Industrie finanzieren die Bühne.

Heute, am 2. Juli 2026, mit dem laufenden Gipfel und Poschardts öffentlichem Lob für Karp, wird es wieder sichtbar. Es geht um den rasanten Verlust der Unabhängigkeit der Medien, um demokratische Kontrolle über Rüstungspolitik und um die Frage, wer in diesem Land wirklich die Narrative und die Richtung vorgibt.

Das System läuft weiter. Es wird teurer, undurchsichtiger und gefährlicher für eine offene Demokratie. Und Poschardt steckt mittendrin. Er verdient über Springer mit.

(Bild. X/https://x.com/ulfposh/status/2072691011059417203?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Etweet)

Poschardts Ukraineorden

www.facebook.com/ulf.poschardt

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