Der „Focus“ feiert eine französische Beobachtungsstudie (JAMA Network Open, Dez. 2025) als Beleg für starken Impfschutz und sogar weniger Krebstote. Tobias Ulbrich, Anwalt für Impfgeschädigte, sieht methodischen Selbstbetrug:
Die Studie schließt die ersten sechs Monate nach Impfung aus – genau die Phase mit den höchsten Risiken. So entstehen verzerrte Zahlen (z. B. 25 Prozent geringeres Sterberisiko), die als Tatsachen verkauft werden. Der Focus-Artikel enthält eklatante Fehler (falsche Todeszahlen) und ignoriert, dass die Impfstoffe nur für Covid zugelassen sind. Ulbrich warnt: Das treibt Menschen unnötig in weitere Spritzen – mit trügerischer Krebs-Präventions-Hoffnung.
Rechtsanwalt Tobias Ulbrich im Interview:
Der „Focus“ berichtet über eine neue Studie, wie gut Corona-Impfungen wirkten und welche Effekte sie noch hatten. Haben Sie sich das angeschaut?
Ja, das habe ich gesehen. Das war sehr reißerisch nach außen beworben worden. Aber es wurde ja auch verwiesen auf den wissenschaftlichen zugrundeliegenden Aufsatz, und den habe ich mir natürlich daraufhin auch angesehen.
Dieser Bericht basiert auf einer Studie aus Frankreich, beauftragt oder gemacht wurde sie von der französischen ANSM. Das ist eine fachliche Aufsichts- und Sicherheitsbehörde. Können Sie zu der Behörde etwas sagen?
Ja, ich würde sie ähnlich einstufen, vergleichbar wie bei uns eben das Paul-Ehrlich-Institut oder RKI. Es hat also ähnliche Funktionen in Frankreich.
Dazu vom „Focus“ bisher kein gesonderter Hinweis, dass der Studienmacher auch für die Sicherheit von Impfstoffen, für die Impfstofffreigabe, für die Nebenwirkungsmeldung usw. zuständig ist.
Man sollte schon sagen, dass da Behördenmitarbeiter an dieser Studie teilgenommen haben und man natürlich hinterfragen muss, warum das Studiensetting dann so gewählt worden ist, wie es eben gemacht worden ist, nämlich vor allem, dass in der Vergleichsgruppe, die sie ja beobachtet haben – nämlich Geimpfte und Ungeimpfte –, dass bei den Geimpften die ersten sechs Monate betrachtungsfrei geblieben sind, also gar nicht in die Daten und Beobachtung hineingeflossen sind. Und das halte ich ja schon für den Hauptfehler der Studie überhaupt.
Welche Wirkung bzw. Resonanz hat denn so eine Studie? Ist es eine besonders große Studie? Da ist ja von Langzeitstudie die Rede. Gibt es da Unterschiede?
Es ist zunächst einmal eine reine Beobachtungsstudie. Es ist also keine doppelt verblindete tatsächliche Zulassungsstudie, so wie man das eigentlich typischerweise dann im Rahmen von Zulassungen macht. Und diese Beobachtungsstudien werden dann auch noch in dem wissenschaftlichen Aufsatz ziemlich deutlich gemacht, wo dann eben Annahmen, Modellierungen und entsprechende Designs erklärt werden, die sie angewandt haben.
In der Studie selbst ist alles transparent niedergelegt. Man kann also genau nachvollziehen, welche Daten und welche Beobachtungsangaben tatsächlich analytisch eben Tatsachenangaben sind und welche eben Modellannahmen sind und welche dem Design geschuldet sind.
So werden zum Beispiel die Kohorten miteinander verglichen und wird festgestellt: Aha, in der geimpften Gruppe haben wir etwas ältere dabei. Also werden dann vom Design her diese Kohorten angepasst.
Diese Modellierungsdesigns, die sind für sich genommen auch immer schon fehleranfällig. Das ist der entscheidende Knackpunkt. Bei den Geimpften sind in den ersten sechs Monaten die meisten Todesfälle und schweren Verläufe zu beklagen gewesen. Wenn man also diesen Beobachtungszeitraum rausnimmt, dann hinkt der Vergleich natürlich von A bis Z und das ist hier in der Studie eben gemacht worden.
Eine politische Studie?
Die Studie ist eine typische Auftragsstudie, die darauf abzielt, effekthascherisch Prozentzahlen nach außen zu geben. Wobei diese Prozentzahlen in der Studie gar nicht genannt werden. Da wird also von 0,26 „Hazard“ gesprochen. „Hazard“ ist nicht „Risiko“. Schon gar nicht kann daraus im Umkehrschluss dann 74 Prozent Wirksamkeit geschlossen werden. Aber auch diese Methodik funktioniert nicht, weil ja auch nicht genannt wird, dass es hier um Schätzwerte geht, einer relativen Risikoreduktion und nicht um Tatsachen. Denn in dem Augenblick, wo man Modellierung und Annahmen mit Tatsachen mixt, bleiben es Schätzungen und Annahmen und nicht Tatsachen.
Sie sind der prominenteste Anwalt der Impfopfer. Was bedeuten solche Veröffentlichungen denn für Ihre Arbeit?
In den gerichtlichen Verfahren verwenden die Hersteller dann gerne diese Aufsätze, die sie entweder selbst in Auftrag gegeben haben oder eben die Stakeholder der Impfhersteller. Und das sieht man dann auch immer an den Sponsoren dieser Aufsätze. So war beispielsweise aus dem Aufsatz, diesem Modellierungsaufsatz in „The Lancet“, dass die Impfung Millionen von Toten gerettet habe, auch die Modellierungsannahme klar ersichtlich. Da wurde dann unterstellt, dass an und mit Covid-Verstorbene eben tatsächlich immer nur Covid-Verstorbene sind und diejenigen, die einen positiven PCR-Test haben, folgerichtig auch immer Infizierte gewesen seien.
Und dass dann eben die 95 Prozent relative Risikoreduktion eine tatsächliche Risikoreduktion sei. Und wenn ich natürlich solche unzutreffenden Annahmen als Tatsachen in einer solchen Modellierung unterstelle, dann komme ich natürlich auch zu den Wunschergebnissen, zu denen man gerne hinkommen möchte. Und genauso ist es hier auch in dieser französischen Studie geschehen. Auch dort ist der Knackpunkt, dass im ersten halben Jahr die Geimpften nicht in die Beobachtung mit eingeflossen sind, sondern erst erste Impfung, sechs Monate abwarten und ab dem sechsten Monat wurde dann weiter beobachtet, dann erst verglichen.
Und genau an diesen Modellierungen und Designmerkmalen, die die Studie offenlegt und die aber im „Focus“ nicht genannt werden, hapert es. Ich könnte auch jetzt wetten, dass der „Focus“ hier KI benutzt hat zur Auswertung. Denn es sind Übertragungsfehler passiert, die typischerweise eben nur bei einer KI passieren.
Da werden beispielsweise für die Atemrisiken, die im entsprechenden Vergleichsgruppen von den Zahlen her beschrieben und dort ist einfach in der Tabelle etwas falsch eingetragen worden. Die Zahlen stimmen einfach nicht, die dort per Drag & Drop übernommen worden sind oder die die KI da eingesetzt hat.
Beispiel: FOCUS schreibt beim „Atemsystem“ 282 vs. 367 Todesfälle pro Million – exakt dieselben Werte, die es in der Studie für Herz-Kreislauf (circulatory system) gibt. In der Studie stehen für respiratory system dagegen 60 vs. 95 pro Million.
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Haben Sie den "Focus" darauf hingewiesen?
Nein, ich habe noch nicht schriftlich darauf hingewiesen, aber es ist halt ein offenkundiger Übertragungsfehler aus dem Aufsatz. Im Aufsatz ist das so nicht zu entnehmen.
Jetzt hat das Auswirkungen, möglicherweise auch auf Ihre Arbeit, weil es sehr prominent veröffentlicht wurde. Noch ein Effekt wird sein: Diese Impfungen werden ja weiter beworben und ein Epidemiologe sagt dem „Focus“ gegenüber, diese Impfungen schützen weiter vor schweren Erkrankungen, Tod durch Covid usw. Jetzt wird solch ein Artikel weitere Menschen dazu bewegen, möglicherweise sich die nächste Impfspritze zu holen.
Genau daran setzt ja Ziffer 14 Pressekodex an, dass keine effekthascherischen Publikationen zu medizinischen Themen veröffentlicht werden. Das heißt, das, was die Studie als solche gar nicht hergibt, darf sich nicht im „Focus“ wiederfinden und dann mit Prozentzahlen und konkreten Angaben mitgeteilt werden, dass es auf einmal eine überragende Wirksamkeit als Tatsache gegeben habe, die selbst im Aufsatz überhaupt als solche nur als Annahme wage umrissen wird. Der Aufsatz macht diese Schlussfolgerungen überhaupt nicht und sie sind auch diesem Aufsatz nicht zu entnehmen.
Die Studie wurde im Fachmagazin „JAMA Network Open“ veröffentlicht.
Ich weiß nicht, wie bei denen das Peer-Review-Verfahren tatsächlich läuft. Auf jeden Fall wären kritische Anmerkungen angezeigt, weil dieser Mix aus Modelldesign, aus Annahmen und Beobachtungsdaten immer dazu führt, dass die Kombination von allem immer Schätzung und Modellierung bleiben. Und das geht eben weder in der Klarheit aus diesem Artikel hervor, noch eben aus dem „Focus“-Beitrag, der auf einmal diese Schätzungen und Design-Beobachtungsdaten zu Tatsachen erhebt.
Ich bin medizinischer Laie. Der „Focus“-Artikel hat bei mir die Information hinterlassen, dass die Covid-Impfung auch ein geringeres Krebsrisiko verspricht.
Ich finde es deshalb schon brandgefährlich, weil das tatsächliche Anwendungsgebiet vom Hersteller klar umrissen wird in seinen Fachinformationen. Und dort steht bis heute uneingeschränkt drin in Ziffer 4.1 – all diese Fachinformationen haben die immer gleiche Ziffer –, dass dieser Stoff zur aktiven Immunisierung und zur Prävention vor Covid-19 zu dienen bestimmt sei. Und darunter verstand bisher jedenfalls jeder unter einer Schutzimpfung einen Infektionsschutz und Übertragungsschutz und nicht irgendetwas anderes.
Wenn also ein Off-Label-Use auf einmal propagiert wird, dass es gegen etwas anderes helfe und damit vor allem Ältere oder diejenigen, die meinen, eine Krebsgefahr zu haben, nun in eine Impfung treibt mit einem ganz anderen Gedanken, so ist es durch nichts in irgendeiner Weise mit Tatsachen belegt.
Nun kommen die Covid-Impfstoffe etwa bei Biontech aus der Krebsforschung.
Da muss man unterscheiden, dass die Produkte auch alle untereinander unterschiedlich sind. Die Pfizer Inc. hat beispielsweise aus der Krebsforschung ihr Plasmid dazu abgegeben, daraus die Covid-Impfstoffe zu bauen. Und es stammt aus der Gentechnik und aus der Krebsforschung. Und da ist ein Stoff enthalten. Der nennt sich SV40, der für sich genommen schon bereits ein Onkogen ist.
Und zu behaupten, dass für Comirnaty in Verbindung mit dem verwendeten Onkogen weniger Krebsgefahr bestünde als vorher, ist extrem kühn, weil die Daten, die wir tatsächlich vorliegen haben, genau das Gegenteil belegen, nämlich, dass das Krebsrisiko eben deutlich gestiegen ist. Und das sehen wir eben auch an den Mandanten, die hier an Krebs leiden.
Wenn meine 89-jährige Mutter jetzt den „Focus“-Artikel gelesen hat und sagt okay, dann hole ich mir jetzt doch die von meinem Hausarzt empfohlene fünfte Covid-Impfung, wie können Sie ihr das mit einem Satz ausreden? Oder wollen Sie es gar nicht ausreden?
Man muss deutlich machen, dass der tatsächliche Aufsatz nur auf Annahmen und Schätzungen beruht und keine validen Tatsachengrundlagen bietet. Und Sie könnten im Grunde genommen jeden anderen Trickfilm vorspielen. Wenn Menschen dann eben diesen Trick-Vorstellungen glauben, dann kann ich es kaum ändern, weil sie es vielleicht vom Verstand her nicht erfasst haben, dass ihnen dort eine Fata Morgana vorgemacht worden ist, die in der Realität keine Entsprechung finden muss.
Danke für das Gespräch!