Die Berliner Zeitung hat sich heute an einer Debatte beteiligt, die seit Jahren zu den ganz heißen Eisen gehört und an deren Bruchlinien Verfassungsschutz und Antifa-Komplex gleichermaßen darauf lauern, jene wegzufischen, die es wagen, eine ehrliche Auseinandersetzung zu führen.
Es geht um nicht weniger als die Frage nach dem Volk im Staat, sprich den Deutschen mit parallel verlaufenden Familiengeschichten versus den Masseneinbürgerungen von Menschen vornehmlich aus dem muslimisch geprägten Ausland.
Dazu gehört zunächst mal Mut. Und die Berliner Zeitung kommt hier nicht mit irgendwem um die Ecke, sondern mit dem in Berlin lebenden Thomas Fasbender, Jg. 1957, Leiter des Ressorts Debatte, der zuvor viele Jahre in Russland lebte und dessen Putin-Biografie man zu den herausragenden Werken über den russischen Präsidenten zählen muss.
Zunächst einmal fallen eine schwer fassbare Kälte und Distanz zum Eigenen auf, die Thomas Fasbender hier für die Berliner Zeitung unter der Schlagzeile „Bruchlinien auf der Rechten: Die Suche nach Alternativen zur völkischen Sackgasse“ einnimmt. Denn wer als Deutscher über das Deutschsein referiert, bei dem kann man schon mal eine parteiische Befangenheit attestieren. Fasbender ist ganz frei davon. Tatsächlich findet sich in seiner umfassenden Erörterung kein persönliches Bekenntnis zum Eigenen, kein Sterbenswörtchen über seine eigene deutsche Identität oder die seiner Vorfahren, diese Bezugsgröße scheint für den Autor schlicht nicht existent. Etwa eine Befangenheit muss er somit auch nicht erklären.
Fasbender denkt die Welt nicht in Völkern, schon gar nicht entlang des Eigenen. Der Autor denkt in politischen Systemen, in Ideologien: Hier der liberale Kapitalismus und dort der Kommunismus – jedenfalls bis zur „Kapitulation des sozialistischen Lagers um 1990“, wie es Fasbender als intimer Kenner der Sowjetunion und ihrer Nachfolger beschreibt.
Fasbender tastet sich zunächst vorsichtig voran, er trippelt und referiert im Gestus eines Welterklärers:
„Die Bilder gleichen sich quer durch die westliche Welt, auch in den immer noch wachstumsvitalen USA. Die industrielle Wertschöpfung sinkt, die Staatsausgaben für Renten und Soziales steigen.“
Und Absatz für Absatz wird so deutlicher, dass der Autor sich hoch oben in den luftigen Höhen seines Oberstübchens viel sicherer fühlt als dort unten in den deutschen Gassen, wo man schwarz-rot-goldene Farbe bekennen muss. Wo die existenziellen Gefechte um das Eigene von jenen Leuten geführt werden, die in Bielefeld geboren wurden, in Bielefeld geblieben sind und die in Bielefeld sterben werden. Oder in Hoyerswerda oder sonst irgendwo im deutschen Nirgendwo, wo der Hammer der großen Politik auf den Amboss der Fläche trifft.
Und Thomas Fasbender tappt in die Falle. Denn dort oben in der Höhe des intellektuellen Glühens ist die Luft erfahrungsgemäß dünner. Mitunter kann sie einem auch ganz ausgehen, der Ballon stürzt in die Tiefe und landet in einer Binse:
„Die Ränder stehen vor nicht geringeren Herausforderungen. Populismus, egal ob von links oder rechts, ist immer für Wählerprozente gut, aber um Mehrheiten zu sammeln, braucht es stringente Konzepte.“
Fasbenders Ränder sind die AfD, die Linkspartei und das BSW. Aber vom Rand kann man schon deshalb nicht mehr sprechen, weil die AfD mittlerweile die größte deutsche Volkspartei ist, die vor allem eines zu bieten hat: ein über ein Jahrzehnt hinweg ziemlich stringentes Konzept. Wer hier mit Blick auf die AfD von Populismus spricht, der soll einmal die „stringenten Konzepte“ der Politik einer Regierung Merz erklären. Diese Unions-Mischung aus Populismus und Verachtung des Eigenen ist 2026 besonders toxisch.
Die Produktivitätszuwächse hätten sich über die Kanzlerschaft Merkel hinweg verändert, referiert Fasbender. An die illegale Massenzuwanderung, das merkelsche Corona-Regime und den Ukrainekrieg wagt sich Fasbender nicht heran. Er schreibt stattdessen:
„Was den Linken dabei in die Hände spielt, ist, dass niemand eine Rückkehr des Kommunismus, des Gulag, der massenhaften Enteignung und der zentralen Planwirtschaft für möglich erachtet. Das sieht im Verhältnis zum rechten Rand schon anders aus. Ob man sie für legitim hält oder nicht, die Angst vor einer Wiederholung der demokratischen Machtübernahme durch Rechtsextreme wie 1933 treibt Millionen um. Zugleich hat die Rechte etwas zu bieten; ansonsten hinge nicht der AfD ein Viertel der Wählerschaft an.“
Wie kommt man dazu, noch 2026 so ein verblichen-anachronistisches Bild aus dem Vergessen ans Licht zu zerren? Die Ängste von immer mehr Deutschen sind doch ganz konkrete und haben viel mit dem woken Kontrollterror und einer Überfremdung zu tun, die eben nicht Folge einer gottgegebenen Naturkatastrophe, sondern politisch gewollt ist von Merkel über Scholz bis Merz.
Und wo Thomas Fasbender dann endlich in den Niederungen einer Debatte um Deutschland und die Deutschen angekommen ist, befindet er, der größte gemeinsame Nenner der AfD-Anhänger liege in einer „Sehnsucht nach Normalität, nach einem Leben in Übereinstimmung mit den Werten und Gepflogenheiten der weißen, heterosexuellen Mehrheitsbevölkerung“ begründet.
Kann man sich noch prompter in links-grün-woken Narrativen verheddern? Nein, es geht nicht um Rassismus, wie es Fasbender hier insinuiert, sondern viel basischer um die Werte und Gepflogenheiten der Deutschen, von Generation zu Generation weitergetragen und lebendig gehalten, sich gegenseitig versichernd und eben abgesichert durch das Grundgesetz der Deutschen.
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Fasbender sieht die Linke deshalb im Vorteil, weil sie den „Verlust ihrer kollektiven Identität, der sozialen Klasse“ bereits überwunden habe. Und die Rechte den „Verlust ihrer kollektiven Identität, der ethnisch definierten Nation, nicht ansatzweise verdaut“ habe.
Der Autor attestiert der Rechten also einen Verlust des Deutschseins (kollektive Identität) durch eine illegale Massenzuwanderung von Millionen, schafft es aber nicht einmal, diese ursächlich zu benennen! Bei Fasbender ist es ein Naturereignis, wie ein Wetterphänomen oder ein schöner Regenbogen, wie der faule Zahn der Zeit oder die unweigerliche Entwicklung weg von den Völkern hin zu der einen Weltbevölkerung.
Die Rechte, so Fasbender weiter, weigere sich, „das Offensichtliche anzuerkennen: Deutschland als Land der Deutschen ist als Staatsidee so tot wie Deutschland als Land der Arbeiter und Bauern.“
Das ist eine Kapitulation ohne Bedauern und eigene Anteilnahme. Immerhin ist die Position des Autors hier im letzten Drittel seines Artikels eindeutig: Thomas Fasbender versteht nicht einmal, warum man um das Eigene kämpfen sollte. Das Bestürzende an diesem Debattenbeitrag ist nicht, dass die Analyse, warum das so sein soll, von Fasbender irgendwie schlecht oder mangelhaft ist. Er hat schlicht keine vorgenommen!
Aber wo war Thomas Fasbender von 2015 bis 2020, als eine Bundesregierung unter Angela Merkel gezielt eine illegale Massenzuwanderung von Millionen Muslimen befördert hat, welche zu so einer Herausforderung für unsere Art zu leben, unsere Werte und die Deutschen als Volk von Menschen mit parallelen Familiengeschichten geworden ist?
Wo war Thomas Fasbender, als Katrin Göring-Eckardt sich 2015 auf das Ende des Deutschen Volkes, wie wir es kennen, freute, Dieter Zetsche als Chef von Mercedes von einem neuen deutschen Wirtschaftswunder fabulierte oder Kai Dieckmann für die „Bild“ die Refugees-Welcome-Kampagne erdachte?
Dieser Text des erfahrenen 69-jährigen Autors gibt da Rätsel auf, wo er in der Rezeption der jüngeren deutschen Geschichte so klaffende Leerstellen hat.
Richtiggehend ärgerlich wird es da, wo Fasbender im Zentrum der Debatte unter Rechten den Österreicher Martin Sellner und den in Sachsen geborenen Maximilian Krah, Bundestagsabgeordneter für die AfD, sieht.
Ja, die beiden mögen aktuell mit konträren Haltungen auffallen. Aber diese Debatte ist alles andere als eine nur intellektuelle, sie wird dort befeuert und lebendig, wo die Deutschen leben: In ihren Städten, auf ihren öffentlichen Plätzen, auf den Bahnhöfen und überall dort, wo die Sicherheitsarchitektur zusammenbricht und wo der Wohlstand der Deutschen durch eine massenhafte Alimentierung und Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme zerstört wird. Sellner geht dort übrigens hin, wo sich Krah und noch mehr Fasbender lieber wegducken.
Autor Fasbender schreibt:
„Sellner und seine Anhänger behaupten, Deutschland sei durch die kulturferne Zuwanderung in einem Maß gefährdet, dass letztlich ein Verfassungsbruch mit dem Ziel forcierter Abschiebungen – Remigration – legitim erscheint.“
Auch an dieser Stelle bleibt Thomas Fasbender dem Leser eine Erklärung schuldig, die er wenigstens hier aber zwingend bringen muss. Fasbender wirkt gezielt unsauber, wo er Sellner unterstellt, der wolle bewusst einen Verfassungsbruch. Aber wo ist die Quelle dafür? Das klingt bald so, als wären dem Autor nicht nur die Jahre 2015–2020 untergegangen, sondern als habe er noch nie davon gehört, dass Staatsrechtler Prof. Ulrich Vosgerau dutzende Prozesse führen musste, um auf jene medialen Falschbehauptungen zu reagieren, die hunderttausende Menschen auf Basis von bewussten Falschdarstellungen auf die Straße getrieben hatten.
Fasbender endet damit, zu beschreiben, dass Krahs Ideal eines Staates seine Bürger nicht zu irgendetwas „machen“ wolle, „weder zu Deutschen noch, wie er es ausdrückt, zu Regenbogenmenschen.“
Aber was beide – sowohl Krah wie jetzt auch Fasbender als Bürger von Wolkenkuckucksheim vergessen: Die Menschen in Bielefeld und Hoyerswerda sind bereits Deutsche. Und überwiegend schauen diese Menschen auf parallel verlaufende Familiengeschichten. Und das ist ihnen vielfach Trost, Genugtuung und Auftrag für die Zukunft.
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