Nun sind sie weg, heißt es in den Medien und von der spanischen Regierung selbst. Aus der EU kommt die Meldung, zwei Dutzend Mitgliedstaaten, inklusive Deutschland, hätten Ministerpräsident Pedro Sánchez die Pistole auf die Brust gesetzt, dass Spanien die Grenze zu sichern habe.
Italien hatte sogar vorübergehend die Schengen-Vereinbarungen mit Spanien aufgekündigt. Hier muss man sich vergegenwärtigen, um welche spanisch-italienische Grenze es überhaupt geht. Denn es gibt keine italienisch-spanische Landesgrenze. Es gibt lediglich eine Seegrenze.
Gestern dann Bilder direkt aus Ceuta. Die Berichterstatter sind aber nicht das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Spiegel, Stern, Focus oder wer auch immer. Die regierungsnahen Medien sind vor Ort nicht sichtbar und berichten allenfalls aus der Konserve.
In Ceuta unterwegs sind tatsächlich der Aktivist Martin Sellner und Journalisten von Tichys Einblick und Nius. Und die schauen nach, ob tatsächlich, wie von Spanien behauptet, die 50.000-60.000 Marokkaner, die Ceuta gestürmt hatten, in einer Pushback-Aktion von Polizei und Militär zurückgedrängt wurden – Einsatzkräfte, die Spanien massiv aufgestockt haben will, wie der Ministerpräsident hatte mitteilen lassen.
Die Bilder der Erstürmung – der Invasion, wie immer man es nennen will – wurden in den sozialen Medien verbreitet und etwa von Elon Musk verglichen mit dem Sturm der Zombies in World War Z, dem populären Hollywoodfilm mit Brad Pitt, in dem die hohen Mauern Jerusalems von einer Horde Zombies – Tausende, Zehntausende, Hunderttausende – erstürmt werden. Tatsächlich zeigten die Aufnahmen direkt um den Zaun herum, der Ceuta von Marokko trennt, ähnlich geballte und ähnlich verdichtete Menschenmassen, die eben an diese Filmszenen erinnern.
Hier im Übrigen auch die Fragestellung, warum die 57 gezählten Toten kaum thematisiert wurden. Wo werden sie beerdigt? Wurden sie schon nach Marokko zurückgeschickt? Auch das ein Drama sondergleichen. Stattdessen sah man am Tag der Invasion freudige junge Marokkaner, die durch Ceuta gestürmt sind und von denen einige dann offenbar sehr schnell aggressiv, übergriffig und landgreifend wurden. Beachtenswert an der Stelle, dass hier nicht ein Schwarzafrikaner dabei war, die sonst zur häufigen Klientel der Grenzgänger zählen, sondern dass es sich durchweg um junge nordafrikanische Männer handelte.
Die sollen nun also zurückgedrängt worden sein. „Tichys Einblick“ ist eines der wenigen, wenn nicht das einzige Medium, welches längere Sequenzen von dieser Zurückdrängung gefilmt, geliefert und veröffentlicht hat. So eine Meldung des Zurückdrängens der Invasion ist in bestimmten Kreisen nicht so populär, dass merkt Roland Tichy sehr schnell.
Gestern dann Martin Sellner und „Nius“ ebenfalls vom Ort des Geschehens. Und Sellner wie „Nius“ filmen eine Gruppe von Jugendlichen bzw. jungen nordafrikanisch gelesenen Männern, die sich dort allerdings nach wie vor aufhalten. 50.000 bis 60.000 waren gekommen. Die Gruppe, die hier gefilmt wird und „Allahu Akbar“ rufend durch Ceuta stürmte, ist in Zahlen schwer zu beziffern. Es können 250 gewesen sein, aber deutlich weniger als 1.000. Fakt ist: Das war zweifellos nur ein geringer Rest jener Männer, die hier tatsächlich eingedrungen waren.
Aufschlussreich sind die Aufnahmen von Sellner wie von „Nius“ auch mit Blick auf die Arbeit der Polizei und des Militärs, welche die Randalierer offenbar gewähren lassen und sie vom Strand aus, wo sie gelagert hatten – Sellner hatte auch das zuvor aufgenommen und es nach dem Roman von Raspail „Heerlager der Heiligen“ genannt – in den Ort hineinziehen lassen.
Aber warum wird hier nicht sofort eingegriffen und zurückgedrängt? Ist die Masse doch zu groß? Was wiederum für eine höhere Zahl sprechen könnte? Oder will man hier deeskalieren? Gab es Anweisungen von oben? Die Aufnahmen dieses Teilmengen-Sturms fast gestellt, wie nach einem Drehbuch. Aber das liegt allenfalls daran, dass die jungen Marokkaner selbst nicht genau wissen, wohin sie eigentlich gerade stürmen.
Ein X-Influencer, der ebenfalls vor Ort ist, berichtet wie „Tichys Einklick“ vom Abzug der Sechzigtausend. Meldungen zufolge, die noch verifiziert werden müssen, sollen unter den 50.000 mittlerweile auch Geheimdienstler des marokkanischen Geheimdienstes identifiziert worden sein, die das Ganze orchestriert hätten.
Wir hatten gestern unter anderem recherchiert, dass die immer gleichen Schwimmringe verwendet wurden, auffällige Schwimmringe mit Autoreifen-Design, die am Strand von Ceuta zurückgelassen wurden. Diese Auffälligkeit weist darauf hin, dass es hier entweder nur einen Händler gab oder die Menschen entsprechend orchestriert damit ausgestattet wurden.
Das führt dann zu der Frage: Wie weit war denn nun eigentlich die Strecke, und wo sind diese 50 bis 70 Menschen gestorben? Wenn es tatsächlich nur ein paar hundert Meter um den Zaun herum ging – um diesen Wellenbrecher –, dann mag es sich an der Stelle um ein bewegtes Meer handeln, aber dann bleiben es trotzdem doch nur ein paar hundert Meter und eben kein stundenlanges kräftezerrendes Schwimmen, wie es von einigen etablierten Medien berichtet wurde.
Denkbar ist auch, dass diese Falschinformation vom zweiten Standort Melilla herrührt, einer weiteren Exklave der Spanier, wo es auch – aber zu viel geringeren – Anlandungen gekommen sein soll. Spannend bleibt es auch dahingehend, was tatsächlich aus den siebentausend Jugendlichen – oder angeblichen Jugendlichen – geworden ist. Das erinnert wieder an alte Diskussionen aus der illegalen Massenzuwanderung nach Deutschland ab 2015:
Sind es Jugendliche oder junge Männer? Wie stellt man hier das Alter fest? Soll man wieder Handgelenke röntgen? Die Schwimmer haben ihre Papiere nicht dabeigehabt. Was also ist aus diesen 7.000 geworden? Wie sind sie transportiert worden? Wohin sind sie transportiert worden? Es sind demnach auch keine 60.000 zurückgedrängt worden, sondern abzüglich besagter 7.000. Aber niemand hat eine Selektion gefilmt, wo wurden die aussortiert, da muss es doch dramatische Szenen gegeben haben.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Sind diese Jugendlichen bereits auf dem spanischen Festland, auf der iberischen Halbinsel, oder halten sie sich weiterhin in Ceuta auf? Und war dieser Sturm, den Sellner gefilmt hatte und „Nius“, eine Teilmenge dieser 7.000, die sich dort noch weiterhin aufhalten? Martin Sellner hatte auch besagte Gruppen am Strand gefilmt.
Eine Problemstellung für „Nius“ als auch für Sellner war, dass sich die Bilder der „Invasion“ der Sechzigtausend in die Köpfe der Zuschauer eingebrannt haben und dass jede geringe Zahl, jede kleinere Gruppe wie eine deutliche Reduzierung gelesen wird. Aber angenommen, es hätte diese 60.000 nicht gegeben, dann wäre zweifellos, was Martin Sellner dort gefilmt hat und was „Nius“ gefilmt hat, selbstredend ebenfalls ein überfallartiges Eindringen einer größeren Gruppe gewesen, eine Übergriffigkeit, ein Umgehen der Sicherheitsvorkehrungen und der Grenzsicherung.
Und wenn dann noch vielfach „Allahu Akbar“-Rufe dazukommen, ist das ein berichtenswerter Angriff auf Europa. Das brauchten Sellner und „Nius“ an keiner Stelle dramatisieren. Zur Verdeutlichung: Es ist so wie mit den Zahlen der Schuldenaufnahme: Am Ende waren es bei Merz eine Billion Euro. Aber man hatte sich an diese fortwährende Eskalation gewöhnt. Früher wurde um jede Million gestritten.
Bedeutet: Es ist bereits ein Umweg, darüber nachzudenken, was schon diese 7000 Jugendlichen für Kosten verursachen. Wenn man sagt: Die bleiben alle in Europa – und sagt gleichzeitig: Ich habe die Invasion der 60.000 abgewehrt –, so habe ich dennoch 7.000 Jugendliche oder junge Männer, die hier versorgt werden müssen. Die kosten dann über einen langen Zeitraum hinweg etliche Millionen Euro Versorgungskosten. Und die werden hier auch nicht in kürzester Zeit integriert werden können, die Erfahrungen haben wir längst – mit allen Verwerfungen, die man kennt: etwa einer überproportionalen Kriminalität, gerade auch von der nordafrikanischen Klientel. Das wissen wir übrigens spätestens seit Silvester 2015/16 auf der Domplatte, da waren viele Vergewaltiger darunter, die schon über Jahre hier alimentiert werden.
Und zum Schluss, was hier noch gar nicht debattiert wurde, ist da noch der Besuch des deutschen Außenministers, der sich fast zeitgleich mit dieser Invasion in Marokko aufhielt und dort über „Fachkräfte“ verhandelte, die hier legal nach Deutschland eingeflogen werden sollen. Ein Fachkräfteabkommen mit Marokko in einer Situation, in der Menschen in einer Invasion nach Europa eindringen, die in die deutschen Sozialsysteme wollen und nicht in den deutschen Arbeitsmarkt – das ist das Versprechen, das man ihnen hier offensichtlich an irgendeiner Stelle gegeben hat.
Wir hatten vorgestern bereits über die Interessenlage der USA und Israels berichtet. Marokko, Israel und die USA bilden längst ein vertrautes Trio, wo es etwa um eine militärische Zusammenarbeit geht. Hier gibt es große Drohnen-Ausbildungszentren. Hier wird auf der militärischen Ebene zusammengearbeitet. Hier gibt es wirtschaftliche Vereinbarungen.
Die Amerikaner eskalieren nicht ohne Grund in Richtung Spanien. Das alles kann als ein Angriff auf den Verteidigungs- und Wirtschaftsraum Europa gelesen werden. Und auch Israels Interessen an Europa sind deutlich geringer – selbstverständlich – als das Interesse an der israelischen Sicherheitsarchitektur. Die spanische Israel-Politik bietet zudem allen Grund, Sanchez hier einen vor den Latz zu hauen. Auch das ist Teil dieses Konstrukts. Zudem muss man hier aufpassen, dass man nicht einen der vielen Player vergisst, die alle dazugehören.
Es bleibt also spannend. Die Berichterstatter vor Ort sollten noch ein paar Tage bleiben, um weiter zu berichten. Die öffentlich-rechtlichen und die regierungsnahen Leitmedien haben hier auf voller Linie versagt – oder sie sind entsprechend instruiert worden. Das geht relativ schnell. Da ist sich die Meute sicher und einig. Da ist man im vorauseilenden Gehorsam halt einfach nicht hingefahren. Dafür braucht es keine Stallorder. Man tut, was man glaubt, was richtig ist.
„Tichys Einblick“, Nius“, und Martin Sellner – Journalisten und ein Aktivist – haben sich verdient gemacht und berichtet, was eben zu berichten war.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung