Du sollst keine Holztiere quälen

Tierschützer fordern Verbot der Karussellpferde

von Alexander Wallasch (Kommentare: 13)

Das Karussell gehört zum festen Repertoire der Jahrmärkte.© Quelle: Pixabay / JessicaChristian

Die radikalen Tierschützer von Peta sind immer für eine Provokation gut. Aber haben sie es dieses Mal mit einer Forderung überreizt? Die Karussellfiguren in Tiergestalt sollen verschwinden. Es wäre angeblich eine Erziehung zum Quälen von Tieren.

Jedes unserer Kinder hatte sein Lieblingstier. Als Figur oder als Stofftier und manchmal auch spielerisch in der Selbstdarstellung, wenn der Löwe im Kinderzimmer brüllte. Und es gibt dieses Foto, dass mich jedes Mal aufs Neue anrührt, wenn ich es anschaue:

Meine Frau mit den beiden Jüngsten auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt, die zum ersten Mal vor dem hell beleuchteten Karussell stehen und zunächst noch ganz schüchtern den anderen Kindern zuschauen, der Feuerwehr, dem Polizeiauto, dem Pferd und dem Elefanten. Die Tiere haben Griffe im Nacken, damit die Kinder nicht herunterfallen können.

Unsere Jungs saßen später mit riesigen Augen nebeneinander in der Feuerwehr. Während der dritten Runde klingelten sie schon wie wild die große Messingglocke. Ein Glücksmoment für Dreimarkundfünfzig.

Die Kinder sind längst groß, aber das Erstaunliche: Dieses Karussell steht immer noch den Dezember lang auf dem Weihnachtsmarkt und ist fast immer voll besetzt, die Faszination bleibt ungebrochen. Und die Feuerwehr bleibt das beliebteste Fahrzeug auf dieser Kreisbahn. Lustig auch anzusehen, wie verkrampft und ehrfürchtig die Kinder weiterhin ihre Plastikfahrchips in den Händen halten, bis sie ihnen vom „Junger Mann zum Mitreisen gesucht!“ abgenommen werden.

Aber damit soll jetzt Schluss sein. Die Tierschutz-Organisation Peta fordert ein Ende des Karussellpferds. Denn nicht die Feuerwehr, sondern das Pferd ist der absolute Klassiker im Fahrgeschäft. Warum will Peta den Kindern die Freude vermiesen?

Bei lebenden Ponys, die immer nur im Kreis laufen müssen mit Kindern auf dem Rücken, die jauchzen und schreien, das kann man verstehen und darauf hatte Peta schon 2021 hingewiesen. Aber was soll falsch daran sein, auf einem alten bunt angemalten Holzpferd zu sitzen und sich an einer künstlichen Mähne festzuhalten?

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Wie emotional das Thema aufgeladen ist, zeigt die hohe Resonanz in den Medien. Kaum eine Zeitung, die sich nicht mit der Peta-Provokation beschäftigt. Offenbar haben auch andere Redakteure emotionale Bilder abgespeichert und die Meldung der radikalen Tierschützer aufgenommen.

Nein, Holztieren kann man kein Leid zufügen. Peta geht hier einen Schritt weiter: Sie wollen schon die Kleinsten im Umgang mit Tieren erziehen. Laut Peta entsteht durch diese Karussells ein zweifelhaftes Bild davon, wie Menschen mit lebenden Tieren umgehen sollten. Über die Karusselltiere entstehe der Eindruck, die Nutzung der Tiere als Transportmittel und zur Unterhaltung sei normal.

Aber ist es das nicht? Das mag man – das muss man vielleicht auch – negativ finden. So mancher überladene Esel in südlichen Ländern bietet ein Bild des Elends, allerdings kann man das von seinen Besitzern oft auch noch sagen. Schön ist das alles nicht, aber der Bogen von der kindlichen Liebe zum Karussell hinüber zur gequälten Kreatur ist ein gewagter Umweg. Übrigens auch deshalb, weil er dem Kind vollkommen abspricht, auch ohne Verbot des Holzpferds eine Empathie für seine Mitgeschöpfe zu entwickeln.

Sind diese Aktivisten alle kinderlos, dass sie nicht begreifen, dass gerade der spielerische Umgang mit der Tierfigur Übungsfläche für diese natürliche Empathie ist?

Offenbar haben die Tierschützer noch nie erlebt, wie liebevoll Kinder mit ihren Stofftieren oder Holzfiguren umgehen können. Ein Verbot auch dieser Figuren wäre dann ja die logische Folge des Verbots der Karusselltiere. Die Argumente sind 1:1 übertragbar.

Die Kinderzimmer sähen dann allerdings sehr leer aus. Und das gendergerechte schrille rosa Trans-Einhorn wäre dann auch verschwunden. Oder darf es ausnahmsweise bleiben? Gleich mal Peta eine E-Mail schicken und nachfragen.

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