Gestern hatten wir es gewagt, aktiv die Rolle von Donald Trump bzw. dessen Auftritt in Davos zu kritisieren, insbesondere mit Fokus auf sein Grönlandbegehren. Mittlerweile soll sich die Lage dahingehend ein Stück weit entspannt haben. Jedenfalls dann, wenn man davon ausgeht, dass Trump hier keine Honigfalle aufgestellt hat und seinen neuesten Ausführungen folgt, die die Grönlandfrage deeskalieren sollen.
Alexander-Wallasch.de wurde auch von den eigenen Lesern kritisiert, so als hätten wir uns selbst beschmutzt, weil wir Donald Trump für seinen Auftritt kritisiert haben. Aber zum einen betrachten wir so eine Kritik als journalistische Grundaufgabe. Und zum anderen sind wir keine politischen Aktivisten. So schützen wir auch unsere Leser, Freunde und Unterstützer, die immer damit rechnen dürfen, dass wir uns mit nichts gemein machen.
Natürlich haben meine Autoren, meine Gesprächspartner in Interviews und ich selbst zu den verschiedenen Themen eine explizite eigene Haltung, die vielfach auch unseren Lesern bekannt ist – auch das ist wichtiger Teil eines transparenten journalistischen Auftritts, der überwiegend mit Meinungsartikeln arbeitet. Oder kurz gesagt: Es geht darum, sich ehrlich zu machen, wo anderswo von öffentlich-rechtlicher Neutralität gefaselt und knallharter Regierungsjournalismus gemacht wird.
Zurück zu Trumps Auftritt in Davos. Ein Davos, das mittlerweile vom Chef von BlackRock mitgeführt wird. Es kann ja kaum kontaminierter sein – hier wundert allenfalls noch, wie offen diese Funktionen heutzutage präsentiert werden.
Zudem muss man wissen, dass BlackRock seine Unternehmungen in den USA in Milliardenhöhe versteuert. Fink und Trump kennen sich seit Jahrzehnten über die New Yorker Immobilien- und Finanzszene und intensiver seit ca. 2003. BlackRock soll während dessen erster Amtszeit zeitweise Teile von Trumps privaten Investments verwaltet haben. Das Verhältnis der beiden wandelte sich von Misstrauen zu Kooperation mit gegenseitigem Nutzen. Fink ist kein MAGA-Ideologe, aber aktuell ein wichtiger Player in Trumps Orbit.
Wenn wir gestern auf Alexander-Wallasch.de den Auftritt von Trump kritisiert haben, dann zunächst über die journalistische Selbstverständlichkeit hinaus aus dem einfachen Grund, dass wir das Eigene grundsätzlich über das Fremde stellen. Und so ist eine Kritik an Donald Trump eine Art Pflichtaufgabe als Deutscher und Europäer.
So ließe sich – keine Sorge: nur rein theoretisch – sogar jemanden wie Emmanuel Macron gegenüber Trump verteidigen, auch wenn einem Macrons politische Linie, seine Politik, seine europafeindliche Politik und damit letztlich auch seine deutschlandfeindliche Politik zuwider sind.
Wer hier ausnahmslos die US-Karte spielt, wie es inzwischen relevante Protagonisten auch der Neuen Medien machen, der riskiert am Ende die komplette Zerstörung des Eigenen und legt den Wiederaufbau ganz in fremde Hände. Dazu wird oft nostalgisch ein Bezug gesetzt zu 1945, als die Amerikaner den Laden geschmissen und Deutschland wieder in eine Demokratie überführt haben. Selbstlos und als Retter und Bewahrer der Demokratie und Meinungsfreiheit? Ein schöner Nebeneffekt?
Fakt bleibt, dass es das sogenannte Wirtschaftswunder auch in den USA gab, basierend auf Exporten nach und Produktionen in Deutschland. Der Nutzen war Teil eines breiteren Nachkriegsbooms in den USA, der durch den Marshall-Plan, den Wiederaufbau Europas und den wachsenden Handel angetrieben wurde.
Fakt ist weiter, dass in der Nachkriegszeit vielfach demokratische Werte von den USA mit Füßen getreten und je nach Bedarf demokratisch gewählte Führer entfernt und durch US-Marionetten ersetzt wurden. Auch das wird in der aktuellen Debatte gern unter den Tisch fallen gelassen. Hauptargument: Donald Trump sei anders als seine Vorgänger. Allerdings kann man den amtierenden US-Präsidenten nicht isoliert betrachten. Er bleibt nun Mal Nachfolger seiner Vorgänger, dieser Linie kann er nicht entfliehen. Auch wenn es für manche Kritiker den Anschein haben mag: Aber Trump ist nicht über die Welt gekommen wie ein Außerirdischer, der vom Himmel gefallen ist.
Im Windschatten der neuen Trump-Administration war es zunächst der damalige Trump-Vertraute Elon Musk, der bei deutschen Konservativen und Rechten Hoffnungen weckte, als er sich aktiv für die Meinungsfreiheit in Deutschland einsetzte und sogar Partei für die AfD ergriff. Musks Auftritt ist hier auf Augenhöhe mit jenem von JD Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz, als Vance Demokratiedefizite in Deutschland und Europa offen ansprangerte.
Natürlich gab es Anlass zur Hoffnung. Aber es wäre fahrlässig, den Antrieb nicht auch im Kontext mit „Make America Great Again“ zu betrachten und nach den Interessenlagen dahinter zu forschen. Wenn Trump und JD Vance Demokratiedefizite in Europa markieren, dann wollen sie sich für den Moment wieder als selbstlose Weltpolizei gerieren. Aber wie kompatibel ist das mit der eigenen Klientel in den USA, die verlangen können, dass die Interessen der USA immer an erster Stelle stehen? Denn dafür wurde Trump schließlich mit Mehrheit ins Amt gewählt.
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Das alles muss erwähnt werden, wenn im selben Atemzug immer wieder so getan wird, als wären Trump und die USA die alleinigen Verteidiger des Werte-Westens, in dem sie sich hier in die Belange Europas einmischen ebenso wie bei Demokratiedefiziten in Deutschland, die es zweifellos gibt, wir schreiben seit Jahren darüber! Aber als kritische Journalisten verweigern wir uns niemals der Frage, welche Interessenlagen hier verfolgt werden.
Hier heißt es, genau zu überlegen, welche Konsequenzen denn so eine massive Kritik der USA und damit eine Einmischung in fremde Belange hat. Geht es auch um Destabilisierung? Ist das ein erwünschter Nebeneffekt? Das kommt einem schwer über die Lippen, wenn man bereits die Politik der EU und Deutschlands als gesteuerte Destabilisierung betrachtet. Aber destabilisiert von wem? Von BlackRock und Co, die heute durchaus eine Nähe zu Trump gefunden haben?
Wer Europa als Wirtschaftsmacht und Mitbewerber fürchtet, mag per se an einer Destabilisierung interessiert sein.
Aber noch wichtiger: Was man hierbei nicht vergessen darf, ist, dass das amerikanische Engagement der letzten Jahrzehnte die Verwerfungen in Deutschland und Europa in besonderem Maße mitproduziert hat! Das beginnt mit der illegalen Massenmigration nach den US-Kriegen im Nahen Osten. Und das endet lange nicht mit dem Ukrainekrieg mit all seinen Kosten, der einem jahrzehntelangen konfrontativen US-Engagement in der Ukraine folgte.
Die US-Interessenlagen sind umfassend und unbestritten. Und sie haben nichts damit zu tun, dass die USA hier selbstlos die westlichen Werte expandieren lassen wollten. Nun macht all das Trumps Attraktivität für viele Konservative und Rechte in Deutschland nicht geringer. Diese Fakten sollten aber zumindest mit erzählt werden! Ansonsten landet man irgendwann da, wo der AfD-Bundestagsabgeordnete und ehemalige EU-Abgeordnete Dr. Maximilian Krah landete, als er die Rede von Donald Trump in Davos mit folgenden Worten via X begleitete:
„Wer danach als Rechter noch Anti-Trump ist, sollte über seine Komplexe reflektieren. Dieser Mann verändert allein die Welt und räumt alles ab, was wir jahrzehntelang erfolglos bekämpft haben und öffnet uns zudem ungeahnte Möglichkeiten.“
Das ist auf besondere Weise beschämend und unreflektiert. Das wirft alles über den Haufen, was es grundsätzlich an Agreements zwischen den Völkern und Staaten gibt. Das wirft alles über den Haufen, was noch mit der Errungenschaft einer verlässlichen Diplomatie zu tun hat. Und das hat vor allem einen totalitären Gestus, den man als AfD angetreten war zu bekämpfen.
Die wohlüberlegten Statements der AfD-Spitze zu Venezuela und Grönland samt einer sehr moderaten Kritik an Donald Trump sind hier positiv hervorzuheben: Alice Weidel und Tino Chrupalla haben in der Sache alles richtig gemacht.
Selbstverständlich darf man – und sollte man als Deutscher vielleicht sogar –mit der Präsidentschaft von Donald Trump große Hoffnungen verbinden. Das mag in unserem gestrigen Text zu kurz gekommen sein. Deshalb ganz klar: Trump ist zur Gefahr für jene Kreise geworden, die in Deutschland und Europa die Entdemokratisierung vorantreiben, die gegen die Meinungsfreiheit agieren und die Pressefreiheit massiv einschränken.
Alexander-Wallasch.de hat hier auf besondere Weise negative Erfahrungen gemacht und muss sich hier mit großem Aufwand verteidigen. Wir sind damit automatisch Nutznießer der Trump-Kritik. Aber wir dürfen bitte nicht den Fehler machen, deswegen alles, was Trump sagt, macht und tut, auf eine Weise zu verherrlichen, dass wir am Ende das Eigene verlieren und in die nächste Falle tappen
Deutsche Konservative und Rechte dürfen sich nicht zu nützlichen Idioten einer Destabilisierungs-Kampagne der USA gegen Deutschland und Europa machen lassen. Deutschland war vor der Massenzuwanderung in den 2000er und 2010er Jahren auf einem guten Weg, wirtschaftlich seinen erfolgreichen Weg in der Welt noch weiter auszubauen. Dann ging es nur noch bergab.
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Kommentar von Detlef Piel
Warum zeigt sich der Einsatz für das Eigene am Beistand für 50k Grönländer, die weder geografisch, kulturell, noch ökonomisch zu Europa gehören?
Wir verlieren gerade komplette Industriezweige an China, subventionieren aus Steuermitteln dem Umzug von Produktionsstätten nach Polen oder Ungarn, retten die Wirtschaft der Froschfresser, verkaufen Agrarflächen an die Holländer, wenn sie nicht gerade einbetoniert werden, werden vom Balkan, Afrika und dem Nahen Osten überrannt, Chinesen machen sich auch zunehmend breit, die Großstädte werden in wenigen Jahren von einer fremden Bevölkerungsmehrheit dominiert, auf deutsch verständigen kann man sich dort eh kaum mehr, aber der Beistand für dänische Besitzungen aus Kolonialzeiten soll Deutschlands Selbstbewußtsein stärken.
Eure Sorgen möchte ich haben.
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Kommentar von Ostdeutsche
Zweifelsohne haben die USA (allerdings nicht Trump) in der Ukraine herumgezündelt und damit indirekt auch zum Krieg beigetragen, aber ich schließe mich einem Vorredner an: Niemand hat uns gezwungen, allen Orientalen, woher sie auch kommen mögen, Zutritt zum Sozialstaat zu gewähren und jedem Ukrainer sofort Bürgergeld zu offerieren, wobei offenbar noch nicht einmal nachgeprüft wurde, ob derjenige überhaupt aus einem vom Krieg betroffenen Gebiet kommt. Nein, die Massenmigration wird von deutschhassenden Deutschen befördert.
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Kommentar von Bernhard Kopp von Brackel
Es muß angenommen werden, dass die große Mehrheit der Deutschen die MAGA-Trump-Vance gut finden, bewundern und anbeten, weder die Person Trump seit 30-40 Jahren kennen und verstehen, und, dass sie noch weniger von der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, der US-Verfassung und der Entwicklung der amerikanischen Republik seit 1789 wissen und verstehen. Man muß die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, und die staatsrechtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der USA seitdem mindestens in groben Zügen kennen und verstehen. Nur dann kann man eine sinnvolle Position zum Heute haben. Zu Trump konnte man kürzlich erfahren, dass er in 1986 eine Casino-Lizenz in Sydney/Australien beantragt hat, die aber aus Mangel an charakterlich-moralischer Verläßlichkeit abgeleht wurde. Trump war damals ca. 40 und hat sich seitdem kein Jota verändert. Politisch ist anzumerken, dass er sich selbst als gewählten Diktator sieht, der mit Immunität über jedem Recht steht, wie er gerade kürzlich in einem Interview mit der New York Times explizit bestätigte. Wer ihn also bewundert, der bewundert einen hochgradig faschistoiden, egomanen Machtmenschen und macht sich mehr oder weniger verdächtig, dass er auch bei uns den liberalen, demokratischen Rechtsstaat ( -der zweifelsohne von innen erheblich beschädigt, deformiert und reformbedürftig ist ) sehr weitgehend abschaffen, und durch eine autoritäre Führerherrschaft ersetzen will. Letzteres trifft ganz besonders die AfD, die m.E. nicht weiß was sie tut, wenn sie nach Osten Putin und nach Westen Trump anbetet. Sie kann zwar noch Wählerstimmen dazugewinnen, sie wird aber mit diesen Positionen nie koalitionsfähig sein - was m.E. sehr schade ist, weil wir eine starke, national-konservative Partei für eine bürgerliche Mehrheit gegen das links-grüne Gesocke gebrauchen könnten.
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Kommentar von Paul
Ich kann schlecht Satz für Satz kommentieren, weil der Text dann unendlich lang wird. Also greife ich mal zwei Zitate als Beispiele, weshalb ich in dieser Beziehung (USA wollen Europa destabilisieren) mit Herrn Wallasch nicht konform gehe, heraus:
Wallasch: "Wenn Trump und JD Vance Demokratiedefizite in Europa markieren, dann wollen sie sich für den Moment wieder als selbstlose Weltpolizei gerieren."
Woher weiß der Autor das? Ich sehe an dieser Stelle, und diese steht stellvertretend für andere im Beitrag, lediglich eine Behauptung.
Wallasch: "Was man hierbei nicht vergessen darf, ist, dass das amerikanische Engagement der letzten Jahrzehnte die Verwerfungen in Deutschland und Europa in besonderem Maße mitproduziert hat! Das beginnt mit der illegalen Massenmigration nach den US-Kriegen im Nahen Osten. Und das endet lange nicht mit dem Ukrainekrieg mit all seinen Kosten, der einem jahrzehntelangen konfrontativen US-Engagement in der Ukraine folgte."
Nein, nichts wurde "mitproduziert". Denn: Niemand, auch nicht die USA, besonders nicht jene unter Trump, hat uns gezwungen, die europäischen Grenzen weit zu öffnen. Und niemand hat uns gezwungen, Geld in die Ukraine zu pumpen. Das sind Entscheidungen, die die europäische und deutsche Politik selbst getroffen haben.
Mir fällt an dieser Stelle ein, daß es Trump ist, und zwar als einziger Politiker von globaler Bedeutung, der sich für eine Beendigung des Ukrainekrieges einsetzt. Es ist ebenfalls Trump, der unser Land und die EU - wie viele Male eigentlich schon? - vor den Folgen unserer Einwanderung- und Energiepolitik gewarnt hat.
Ich finde, daß Herr Wallasch auf der Ebene der Verantwortlichkeiten einiges durcheinanderbringt und zum Thema USA und Trump gerne Dinge behauptet, anstatt zu argumentieren, wie es sonst in seinen Artikeln der Fall ist.
Antwort von Alexander Wallasch
Danke für Ihren Kommentar.
Zu 1. Woher ich das weiß? Das ist eine logische Schlussfolgerung der Argumentation insgesamt. Wenn Sie so wollen ein Zwischenfazit.
Zu 2. Das ist etwas kindisch. Natürlich spricht dass Ursache und Wirkung Prinzip nicht den Verursacher frei, wo kämen wir da hin bitte?
Ihre Empfindungen zum Schluß in allen Ehren: Aber bemühen Sie sich doch bitte darum, nicht alles und jeden auf Ihre politische Agenda im Kopf runterzubrechen – erst das ist wahrhaftiges freies Denken.
danke!
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Kommentar von HoNi
Es ist zu entschuldigen, dass nach fast 30 Jahren ansteigender Umkremplung einer vorher weitgehendst funktionierenden Gesellschaft, in eine EU zentralistisch sozialistische Vergewaltigung, viele Leute ( und ich schließe mich da ein ) über Trumps ,,Erscheinen" überzogene Hoffnungen haben und darüber hinaus Ihre durschaus berechtigte Kritik an ihm nicht sehen wollen.
Viele werden das dennoch richtig einordnen und mit dem - wohl oder übel - leben können, Hauptsache eine
Veränderung tritt ein. Es wird allerhöchste Zeit!
Herr Wallasch: Sein Sie gnädig mit denen, die einer durschaus angebrachten Differenzierung skeptisch gegenüber stehen. Ich kann dass nachvollziehen.
Beste Grüße!
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Kommentar von Karsten Strauß
Aus meiner Sicht haben Sie völlig recht, Herr Wallasch. Nicht immer, aber diesmal wieder einmal. Ich finde eine Mauer im Kopf erschwert das Leben, auch, wenn es scheinbar leichter wird: alles diesseits der Mauer ist gut und richtig, alles jenseits kann nur Mist sein. Die Respektkurve und auch die Lernkurve sinken dadurch. Das wäre schade. Auch die Anderen sind nicht blöd. Ich wage sogar zu behaupten, daß selbst Frau Baerbock irgendwo irgendwann etwas richtiges und/oder sinnvolles gesagt hat.