Völkerrechtler wissen, was hier gerade passiert. Aber auch jedem klardenkenden Menschen ist heute Vormittag deutlich geworden, dass der amerikanische Angriff auf Venezuela samt Entführung des Präsidenten massiv gegen das Völkerrecht verstößt und droht, alles in Frage zu stellen, was die Völkergemeinschaft noch ausmacht.
Die bittere Lehre, welche die Weltgemeinschaft aus zwei verheerenden Weltkriegen gezogen hat, führte zu mannigfaltigen internationalen Verbindungen und diplomatischen Beziehungen samt eines festen Regulariums des friedlichen Umgangs miteinander.
Der marode Zustand der UN billigt und entschuldigt in keiner Weise das gangsterhafte Vorgehen der Amerikaner am heutigen Morgen (nach europäischer Zeit) in Venezuela.
Wenn Kritiker zum Einmarsch Putins in der Ukraine immer von einer umfassenden Vorgeschichte berichten, ist die Erzählung, die hin zur Entführung von Nicolás Maduro führte, geradezu fadenscheinig. Nichts kann rechtfertigen, was die Vereinigten Staaten heute getan haben. Es ist die ohnmächtig zurücklassende Macht des Stärkeren, der von sich behauptet, die Demokratie herbeibomben zu wollen und dabei schon auf die Ölreserven schielt.
Und mutmaßlich geht es hier auch um die Vorbereitung einer viel umfassenderen Interventionen im Iran, es geht um Schifffahrtswege und Lieferwege für Öl. Wenn es im Iran zur großen Schlacht kommt, sichern Venezuelas Vorräte den Bedarf des Westens – jetzt kontrolliert und bereitgestellt von einer zukünftigen Marionette Washingtons.
Diese verheerende Erosion des Völkerrechts wird weitere Nachahmer finden. Da reicht es nicht mehr, nur auf Taiwan und China zu verweisen. Es gibt weitere Konflikte, die im Schatten dieser Ungeheuerlichkeit der Entführung eines Staatsoberhauptes explodieren könnten, wenn die Gunst der Stunde zur Legitimation wird.
All jene, die regelmäßig gejubelt haben, Trump sei Präsident des Friedens, deuten diese völkerrechtswidrige Entführung eines Staatsoberhauptes jetzt bereits als eine Art chirurgische Nadelstich-Aktion, die einen Krieg verhindert habe.
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Aber Caracas ist nicht Mogadischu und der Sitz des Präsidenten Venezuelas ist nicht die Landshut – damals, als die Geiseln in einer waghalsigen Kommandoaktion der GSG 9 befreit wurden.
Immer wieder wird jetzt auf Maduro als steckbrieflich gesuchten Kriminellen verwiesen. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: Das auch diese Zuweisung amerikanischen Ursprungs ist, wird in dieser Argumentationslinie geflissentlich ignoriert. Hier geht es auch gar nicht mehr darum, was Maduro auf dem Kerbholz hat, was er seinem Volk antut, was seine Politik für Nachteile bewirkt.
So könnte man letztlich fast jedes Staatsoberhaupt der Welt für schlechte Politik entführen, verhaften, einkerkern oder gleich aufhängen lassen. Die amerikanischen Interventionen im Nahen Osten haben ja genau das bereits durchexerziert.
Zugespitzt könnte man sagen: Wenn Amerika Deutschland zu einem nicht mehr demokratischen Staat erklärt, die Presse die fehlende Pressefreiheit moniert, dann können sie übermorgen auch mit einem Kampfhubschrauber Bundeskanzler Friedrich Merz aus dem Kanzleramt abholen.
So jedenfalls und nicht anders muss man diesen feindlichen Akt von heute interpretieren. Und ich bin mir sicher, dass das Volk von Venezuela nicht einheitlich feiert, was Trump hier gemacht hat, sondern dass diese Entführung eines Staatsoberhauptes auch zu einer breiten Solidarisierung führt.
Amerika hat heute eine alte Bekannte vorgeführt: Die hässliche imperialistische Fratze der Macht. Die Operation verstößt massiv gegen das Völkerrecht – Verbot der Gewaltanwendung nach UN-Charta Art. 2 Abs. 4, Souveränität, Immunität von Staatsoberhäuptern. Es riecht nach Machtpolitik, Ölinteressen und einem Präzedenzfall für weitere Interventionen.
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Kommentar von Kurt Wührer
Eigentlich müßte man sich wünschen, Russland und China drohen der USA mit Krieg falls nicht..., . Was Trump veranstaltet ist das Spiegelbild fast alle seiner Vorgänger. Begonnen mit der Einverleibung große Teile von Mexiko völlig unprovozierter Angriff (1848).Der "Fake" Pearl Habour( 1941), Einmischung in den rein Europäische Krieg , zuvor schon der Fake "lusitania" .Die wirtschaftlichen Skeletierung des Reiches 1945.und endgültige Vernichtung den schärfsten Konkurenten Wer geeignet war, machte man zum guten Nazi.Und wäre Maduro ein "Guter Sozialist" und hätte seine Ölfelder US-Ölmagnaten überrlassen, wäre alles im Butter.. Mit Putin haben sich die USA die Zähne ausgebissen - gut so !.
Die anglo-sowjetische Invasion Irans im Zweiten Weltkrieg zeigte selbiges Profil. Ziel war die Sicherung der iranischen Ölfelder vor Hitlers Zugriff Der Zangenangriff im letzten Westfeldzug, nachdem Frankreich dem Reich den Kreig erklärt hatte, dieser mitunter über Belgien erfolgte war vökerrechtlich sträflich. nun ja aber nützlich. Selbiges mit Norwegen-,Griechenland,. der Afrikafeldzug alles nur Antworten auf.., Damals wie heute, geradeeben wie H. Trump es sich zurechlegte. "Was dem Einen recht ist, ist dem Anderen billig" nur mit dem Unterschied, Die Bösen sind stes Dikdatoren, wenn Demokraten selbiges tun - ja dann !!.
Es rentiert sich "Der Moloch" von Karlheinz Deschner.
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Kommentar von Pete
Danke Herr Wallasch für diesen ehrlichen Artikel.
Noch etwas. Trump hat diesen Einsatz nicht vor dem Kongress zur Abstimmung gebracht, wodurch diese illegale Aktion auch nicht der Verfassung in den USA entspricht. Denn diese Verfassung interessiert Herr Trump nicht.
Was mir auffällt ist das hier in den Kommentaren nur ein Schwarz Weiss denken herrscht welches beeinflusst durch die Main stream Medien ist.
Und was ist dann von der Leyen. Im Grunde eine EU Diktatorin. Nicht gewählt aber mit viel Macht ausgestattet.
Man sollte erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren und nicht über Länder Urteilen welche gewaltsam mit einem Regime Change, nach jahrelangen Sanktionen, eingenommen wird. Das Muster der USA ist immer gleich. Es gibt 64 bekannte Fälle welche von den USA nach dem gleichen Muster ausgeführt wurden.
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Kommentar von Carsten Lucke
Was ist denn nur los mit Ihnen, Wallasch ?!
Völlig verpeilt ? Zu viel Schnaps gefrühstückt ?
Da hilft ja kein Argument. Lesen Sie Ihr Machwerk selbst noch einmal ! Und dann schämen, schämen, schämen ...
Einzig Ihre Idee Merz betreffend ist originell.
Ansonsten : Kommentar von Karsten Pauksch wiederholt lesen !
Mann, Wallasch !!!
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Kommentar von HoNi
Bitte mal den Kommentar von RA Steinhöfel bei der Achse lesen. Kann ich voll und ganz unterschreiben.
Ich habe Diktaturerfahrung mit mehrmaliger Stasihaft gehabt und hätte (wer auch immer) Honecker & Co aus Wandlitz heraus verhaftet, dann hätten die Menschen vor Glück geheult. Ich bin überzeugt den Menschen im Iran gehts genauso gerade. Aber JA, das Völkerrecht! Danke für Nichts!
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Kommentar von Karsten Pauksch
Wer der Kriminelle ist sollte doch eindeutig sein, oder, Herr Wallasch? Maduro hat mindestens hunderttausende Tote zu verantworten. Außerdem Hungersnöte, extreme Armut, Drogenhandel etc. Er ist verantwortlich, das Millionen Menschen Venezuela verlassen. Ein Land in Armut trotz rießiger Bodenschätze. Obendrauf kommt dreiste Wahlfälschung, er ist ein nicht gewählter Diktator. Welches
"Völkerrecht" soll diesen Verbrecher schützen? Das "Völkerrecht" ist doch ohnehin ein überstrapazierter Begriff, den jeder nach seinem Gusto auslegt
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Kommentar von Joseph Conrad
Siehe mein Kommentar zum Thema unter dem folgenden Beitrag von RA Dirk Schmitz.
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Kommentar von Gerd Frei
Da kann man jeden Punkt unterschreiben. Nichts, aber auch gar nichts auf der Welt rechtfertigt dieses
völkerrechtswidrige vorgehen. Aber eigentlich auch nichts Neues, denn den Amerikanern ging es eigentlich bei allen
geführten Kriegen um Macht und geopolitische Interessen.
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Kommentar von Paul
Wenn die USA eines nicht benötigen, dann ist es Öl. Das haben sie selbst zur Genüge. Hier geht es, wie auch im Irak, um andere Dinge.
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Kommentar von Manfred Sonntag
Sabotage von Wahlen hat es nicht nur in Venezuela gegeben. Die EU (z.B.: Rumänien) und Deutschland (z.B.: Ludwigshafen) haben sich offensichtlich den „Sozialisten“ Maduro und seine mafiösen Machenschaften als Vorbild genommen. Kommen nun gerechtfertigte Sanktionen gegen die EU und Deutschland, Mr. Trump? Oder schnürt die EU jetzt solche Sanktionspakete gegen die USA, wie diese Brüsseler Clique es schon gegen Russland taten und tun?