30.000 Euro von Elbit Systems reichen, um die Grundsätze der Universität auszuhebeln

TU Dresden forscht für israelische Kampf-Drohne – trotz Ethik-Veto

von Alexander Wallasch

Drohnen sind zum Töten konstruiert© Quelle: Wikipedia/ilborneOne - http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Hermes450.jpg

Während die TU Dresden sich in ihrer Grundordnung zu „hohen ethischen Standards“ und einer „friedlichen Welt“ verpflichtet, arbeitet sie heimlich am Antrieb der israelischen Hermes-900-Kampfdrohne. Die eigene Ethikkommission stimmte dagegen – das Rektorat ignorierte das Votum, löste die Kommission auf und erstattete Anzeige gegen Whistleblower.

Angesichts von 370 Millionen Euro Drittmittelforschung wohl eher ein symbolischer Akt, wenn die TU Dresden vom israelischen Rüstungsunternehmen Elbit Systems 30.000 Euro für Forschungsarbeiten nimmt.

Dazu muss man vorab wissen: Deutsche Universitäten erhalten ihre Grundfinanzierung hauptsächlich aus dem Landeshaushalt des jeweiligen Bundeslandes. Diese Mittel decken Professorengehälter, Grundausstattung, Verwaltung und einen Teil der Lehre ab. Für konkrete Forschungsprojekte reicht das oft nicht aus – hier kommen Drittmittel ins Spiel. Und zwar nicht zu knapp. Und mit ihnen steigt auch der politische Einfluss.

Der einflussreiche Wissenschaftsrat formulierte schon im Januar 2023, dass das aktuelle System der Forschungsfinanzierung, in dem Drittmittel ein ähnliches Gewicht gewonnen haben wie Grundmittel für Forschung, an seine Grenzen gelangt sei. Die Forderung damals: Drittmittel sollen wieder Ergänzung statt Ersatz der Grundausstattung sein.

In Dresden wurde also jetzt ein Kleinauftrag eines israelischen Rüstungskonzerns bekannt. Konkret geht es um Forschung am Antrieb der israelischen Hermes 900-Drohne. Die Drohne kann sowohl zur Aufklärung als auch für militärische Operationen verwendet werden. Und diese Drohne, so berichtet es unter anderem die „taz“ und andere linke Medien, sei auch in Gaza eingesetzt worden, allerdings sei der Motor zu schwer, was zu unzuverlässigem Flugverhalten bis hin zu Abstürzen geführt habe.

Etwa die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, MdB Nicole Gohlke, empörte sich vor wenigen Tagen über die Forschung in Dresden via X:

„Während Israel Gaza und den Libanon zerstört, findet die Uni Dresden offenbar, dass die Beteiligung an diesen Verbrechen eine gute Idee ist.“

Was dann passierte fasst Gohlke für ihre Follower zusammen und es entspricht so den Ereignissen an der TU Dresden:

„Wie jetzt rauskam, unterschrieb der Kanzler der Uni im Oktober 2025 eine Verschwiegenheitserklärung, damit niemand davon erfährt. Die eigene Ethikkommission stimmte fast einstimmig dagegen. Das Rektorat ignorierte das Votum und machte weiter. Als ein Whistleblower die internen Dokumente leakte, wurde die Kommission aufgelöst und Anzeige erstattet.“

In der Präambel zur Grundordnung in der Neufassung von März 2026 hat sich die Technische Universität Dresden im Übrigen selbst einen Bremsklotz gegen solche Forschung gesetzt, wenn es da heißt:

„Im Sinne von Wissenschaft in Verantwortung und Freiheit verpflichtet sich die Technische Universität Dresden in all ihren Handlungsfeldern zu hohen ethischen Standards, zur Gestaltung einer friedlichen Welt, zu den Menschenrechten und freiheitlich-demokratischen Werten.“

Sind Drohneneinsätze die Boten einer friedlichen Welt? Laut „taz“ möchte das Rektorat der TU Dresden diese Frage lieber nicht debattieren und erstattete stattdessen Anzeige wegen Geheimnisverrats gegen die universitäre Ethik-Kommission. Die soll aufgelöst und neu besetzt werden. Weil sie Bedenken wegen des Projekts geäußert hatte? Das Rektorat folgte diesen Bedenken nicht, die Sache wurde öffentlich.

Wie verhält sich die Politik dazu? Man kann Friedrich Merz zumindest nicht vorwerfen, er sei sich in der Sache untreu geworden. Schon Mitte 2023, als Olaf Scholz noch mit der Ampel regierte, forderte Merz den ungehinderten Zugang des Militärs an Universitäten – also die Ausdehnung der Drittmittelvergabe bei Abschaffung der Zivilklausel an Universitäten.

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Die Ukrainepolitik des Kanzlers ist demnach stringent und reicht zurück bis in seine Zeit als Oppositionsführer. Unter dem Eindruck des Ukrainekrieges erklärte Merz damals, wie der „Spiegel“ berichtete:

„Sogenannte Zivilklauseln, die militärische Forschung an den Hochschulen verbieten, sollten aufgehoben werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Auch Robert Habeck (Grüne) hatte sich Anfang 2025 als Kanzlerkandidat seiner Partei für die Aufhebung von Zivilklauseln an Universitäten ausgesprochen. Habeck fand damals, die strikte Trennung von militärischer und ziviler Nutzung und Entwicklung sei zu überdenken. Die Union versprach im Wahlkampf, „Einschränkungen für militärische Forschung“ aufzuheben und eine Drohnenarmee aufzubauen – inklusive Investitionen „in die Drohnenforschung“.

Der Druck zur Öffnung der Universitäten auch für militärische Forschung kommt auch von der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen. Im Januar 2024 hatte die Kommission vorgeschlagen, das europaweite Forschungsprogramm „Horizon Europe“, das Mittel an Universitäten vergibt, für Dual-Use-Projekte zu öffnen, deren Ergebnisse sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden können.

Der Studierendenrat (Stura) der Dresdner Universität empörte sich zunächst vor allem darüber, dass die mehrheitliche Empfehlung der Ethik-Kommission (Kommission Verantwortung in der Wissenschaft) gegen eine Forschungsarbeit für den Drohnenhersteller einfach ignoriert wurde. Unter dem Eindruck der Debatte um Elbit Systems forderte der Stura zudem, das Rektorat solle zum Drohnenprojekt öffentlich Stellung nehmen und alle laufenden Forschungsaufträge mit militärischem oder Dual-Use-Bezug veröffentlichen.

Der „taz“ liegen Unterlagen vor, die belegen, wie es überhaupt zum Forschungsprojekt kam. Die Zeitung schreibt:

„Der Rüstungskonzern Elbit hat demnach vor etwas mehr als einem Jahr angefragt, ob die TU Dresden einen Motor des Typs Rotax 914 untersuchen könnte. Mit so einem treibt Elbit seine Drohne „Hermes 900“ an. Es ist die größte Drohne, die das Unternehmen im Angebot hat.“

Die „Hermes 900“ sei in der Lage, Angriffe durchzuführen und Ziele auszuschalten, wirbt das Unternehmen. Aber was genau kann Dresden erforschen, was für den Drohnenhersteller von Bedeutung wäre? Im Mittelpunkt steht eine „Höhenkammer“ der TU Dresden, die Druck und die Kälte aus mehreren Kilometern Höhe simulieren kann. Hier kann live beobachtet werden, wie die Motoren der Drohnen unter extremen Bedingungen laufen.

Interessant ist zuletzt noch die Frage, warum ein israelischer privater Hersteller hier das deutsche universitäre Know-how nutzt. Wo bleiben die Anfragen der deutschen Drohnenhersteller? Oder haben die ihre eigenen Druckkammern?

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