Fernandes wirft Ulmen vor, Pornovideos unter ihrem Namen verschickt zu haben – aber keine selbst hergestellten KI-Deepfakes

Ulmen doch kein Deepfake-Täter – das behauptet nicht einmal Fernandes

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Eine Kampagne pünktlich zur neuen Gesetzeskampagne gegen „digitale Gewalt“© Quelle: Spiegel-Titel/ Screenshot

Wie der „Spiegel“ den Fall Fernandes-Ulmen zu einer politischen Kampagne umstrickte und andere Medien in die Falle liefen und berichteten, was der „Spiegel“ selbst nicht schrieb, aber offenbar geschrieben haben wollte.  


Das News-Portal „Nius“ begann den Tag heute mit der Schlagzeile: „Verschickte Christian Ulmen doch keine Deepfakes? Collien Fernandes spricht exklusiv bei NIUS“.

Tatsächlich ist nach der Berichterstattung der Eindruck entstanden, Christian Ulmen habe mit KI bestehendes Pornomaterial aus dem Netz mit dem Gesicht seiner Frau verfremdet und verschickt – klassische Deepfakes – bzw. konkreter Deepnudes – also.

Jetzt antwortete Collien Fernandes überraschend „Nius“. Das Portal fragt Fernandes unter anderem:

„In einer YouTube-Dokumentation von HateAid vom 04.03.2025 sagen Sie: ‚Da gibt es ein Bild, da habe ich Sex mit meinem Partner. Und da verstehe ich nicht, dass die sagen: Nee, können wir nicht feststellen, dass das ein Deepfake sein soll. Das ist Pornomaterial und das ist ganz klar nicht echt.‘“

Das ist deshalb interessant, weil offenbar („da habe ich Sex mit meinem Partner“) auch Christian Ulmen hier Opfer von Deepfakes geworden ist.

„Nius“ hat sich die Antworten sehr genau angeschaut, konnte aber nicht nachfragen, da es sich um schriftliche Fragen an Fernandes handelte.

Also: Hat Ulmen Deepfakes/Deepnudes hergestellt? Eine Antwort des mutmaßlichen Opfers Fernandes an „Nius“ lässt diesen Schluss tatsächlich nicht zu, denn da heißt es explizit:

„Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat. Hierüber haben uns Männer informiert, die die Echtheit dieses Profils anzweifelten.“

Hier der angezeigte „Täter“ Ulmen, dort „Menschen, die Deepnudes“ online gestellt haben. Letzteres ist ein kriminelles Phänomen, das im Internetzeitalter fast alle prominenten Frauen zu Opfern solcher Deepnudes macht.

Aber wie hat sich die Behauptung so schnell verbreiten können, Christian Ulmen habe solche Deepfakes/Deepnudes über seine Frau verbreitet?

Das ist für den Fall Fernandes-Ulmen selbst bedeutend. Aber auch mit Blick auf eine neue Gesetzesvorlage gegen Deepfakes bzw. der entsprechenden Ankündigung, die im Kontext zum Fall Fernandes-Ulmen in erstaunlicher Geschwindigkeit wie das Kaninchen aus dem Hut gezaubert wurden.

Alles basiert zunächst auf der Enthüllungsgeschichte des Spiegels und parallelen Veröffentlichungen von Collien Fernandes via Instagram. Hier hatten viele Medien reagiert und berichtet. Exemplarisch soll hier ein Beitrag der „Tagesschau“ vom 20. März 2026 zeigen, was die Redaktionen aus dem vorliegenden Material gemacht haben.

„Tagesschau“ titelte: „Fall Collien Fernandes: Deepfakes – eine Lücke im deutschen Recht?“ Und gleich im Intro heißt es dann:

„Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen wird auch über das deutsche Recht diskutiert: Hinkt es hinterher, wenn moderne KI-Technologie verwendet wird, um künstlich sexualisierende Videos herzustellen?“

Ulmen und KI-Technologie. Der Zusammenhang ist damit hergestellt. Und der Fall Prof. Vosgerau gegen Correctiv.org „Geheimtreffen“ zeigte eindrücklich, wie schwer solche Falschinformationen später wieder zurückgeholt werden können. Vosgerau hat allein 45 Verfahren führen müssen unter hohem Kostenaufwand.

Und wie im Fall Correctiv lohnt auch hier der Blick in den Ursprungsartikel, der das alles ausgelöst hatte, die Enthüllungsgeschichte im „Spiegel“:

Vorweggenommen: Der „Spiegel“ hat sich offenbar juristisch abgesichert – zwischen dem Gespräch mit Fernandes und der Veröffentlichung liegt über ein Vierteljahr –, an keiner Stelle wird konkret behauptet, Ulmen habe mit KI Deepnudes von Collien Fernandes angefertigt. Aber es gibt dennoch ein großes „Aber…“:

Immer wieder und an diversen Stellen im „Spiegel“-Artikel werden Deepfakes/Deepnudes thematisiert. Und diese Bezüge werden gezielt in unmittelbare Nähe zur Berichterstattung über Ulmen gesetzt.

Zu Beginn heißt es etwa:

„Um eine neue Form digitaler Gewalt, auf die das deutsche Recht und die Behörden kaum vorbereitet sind – was den Fall weit über das Private hinaus relevant macht.“

Das ist entlang der Fakten schlicht unwahr. Denn was Ulmen laut Fernandes gegenüber dem „Spiegel“ und jetzt gegenüber „Nius“ gemacht haben soll, war auch im Vor-KI-Zeitalter jederzeit möglich: nämlich Videoschnipsel aus vorhandenem Material so zu schneiden oder mit dem Handy abzufilmen, dass man behaupten kann: Das ist Collien Fernandes.

Nicht zu vergessen, dass es auch privat angefertigte reale Nackt- und Sexaufnahmen von Prominenten weit jenseits von KI oder angetäuschten Ähnlichkeiten von prominenten Frauen gibt. Das IT-Girl Paris Hilton, die Schauspielerin Pamela Anderson und sogar Angela Merkel samt einer Reihe von DDR-FKK-Bildern sind hier zu einer gewissen Berühmtheit zum Nachteil der Gezeigten geworden.

Zurück zur Enthüllungsgeschichte des „Spiegel“. Besonders auffällig hier: Das Hamburger Magazin führt im Artikel augenscheinlich eine Kampagne fort, die Fernandes schon über Jahre gegen Deepfakes führt. Und gemessen an den bekannten Deepfakes gegen fast jede prominente Frau durchaus mit realem Hintergrund und Anliegen.

Und diese schon jahrealte Kampagne von Fernandes gegen Deepnudes ist eng verbunden mit einem politischen Anliegen, entsprechende Gesetze zu formulieren und zu verabschieden, die solche Deepnude-Schöpfer empfindlich bestrafen. Ein Teil der Kampagne ist auch die Klarnamen-Forderung.

Hier kommt jetzt ein mutmaßlicher Fall im Privaten der Familie Ulmen-Fernandes dazu, der bei Fernandes auf ein jahrelanges Engagement gegen Deepfakes trifft.

Eine häufige Unterstellung in den sozialen Medien lautet nun, Collien Fernandes habe diesen Fall erfunden, um ihre Kampagne voranzutreiben.
Das ist abwegig. Näherliegend ist, dass Fernandes selbst, HateAid und der „Spiegel“ hier das eine mit dem anderen vermischten, weil es Collien Fernandes und ihre Anzeige gegen Christian Ulmen stützt.

Und ja, diese Vermischung bietet sich an! Aber ist sie am Ende hilfreich für Fernandes gegen Ulmen? Sie ist auf jeden Fall hilfreich für die politische Kampagne für eine erweiterte neue Internetkontrolle und weitere Gesetzespakete wie jenes gegen KI-erzeugte Meme.

Der „Spiegel“ ist hier der Ausgangspunkt der unheiligen Vermischung, die bereits zu Falschbehauptungen führte, wie das obengenannte Beispiel „Tagesschau“ gezeigt hat.

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Eine Bildunterschrift im „Spiegel“ lautet:

„Deepfake-Aufnahmen von Fernandes, die im Netz zugänglich sind (die Bilder wurden vom SPIEGEL verfremdet): Die Zahl der Betroffenen dürfte in Zukunft noch steigen.“

Und weiter heißt es da beispielsweise:

„Tatsächlich sind mehr als 90 Prozent der Deepfake-Videos im Internet Sexfilme.“

„Die KI-Revolution hat eine weitere Dimension der sexualisierten Gewalt geschaffen.“

„Die Flut an Deepfakes ist Teil einer Entwicklung, die weit über manipulierte Aufnahmen hinausgeht.“

Verlinkt zu einem anderen Spiegel-Artikel:

„(Lesen Sie hier mehr über das perfide Geschäft mit den Deepfakes.)“

So geht das absatzweise weiter. Aber nicht einmal Collien Fernandes hatte gegenüber dem „Spiegel“ erklärt, Ehemann Ulmen habe Deepfakes bzw. Deepnudes von ihr gefertigt.

Es fällt tatsächlich auf, dass der „Spiegel“ ein gesteigertes Interesse daran hatte, wenigstens zu suggerieren, dass es sich bei Fernandes gegen Ulmen um eine Deepfake/Deepnudes-Straftat handelt, auf die man nun entschieden gesetzlich reagieren müsse („was den Fall weit über das Private hinaus relevant macht.“).

Nun haben die Juristen des „Spiegels“ diesem Vorhaben offenbar an einer Stelle Einhalt geboten. Dort heißt es nämlich im hinteren Teil des Artikels explizit und klar einschränkend gegenüber Ulmen als Deepnude-Kreateur:

„Er habe den Gesprächspartnern Videos geschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten. Man muss das wohl so verstehen, dass er solche Videos aber nicht selbst erstellt habe.“

Und was bisher wohl noch niemandem aufgefallen ist: Dem „Spiegel“ unterläuft zudem ein Fehler. Die Autoren schreiben:

„Die Anzahl der Betroffenen dürfte in Zukunft noch steigen. Das hat auch mit Elon Musk zu tun. Vor einigen Wochen hat der Techmilliardär seiner KI namens Grok eine neue Funktion hinzugefügt (…) Es entstanden geschätzt drei Millionen Bilder in elf Tagen, inzwischen ist die Funktion eingeschränkt.“

Wieder zunächst die suggestive Zuweisung Ulmen und KI. Und dann der politische Angriff gegen den vom „Spiegel“ längst als „rechter Ideologe“ markierten Elon Musk, den man hier mit in den Deepfake-Anklage holen will. Warum? Um damit endlich auch die internationale Dimension dieser „Enthüllungsgeschichte Fernandes-Ulmen“ zu beweisen?

Problem nur – und der „Spiegel“ schreibt es ja selbst: „Vor einigen Wochen hat der Techmilliardär seiner KI namens Grok eine neue Funktion hinzugefügt“. Es kann also zu angeblichen Deepfakes von Ulmen überhaupt keinen Bezug haben. Wird hier aber bewusst eingesetzt, um was zu erreichen? Einer politischen Kampagne Vorschub zu leisten? Das erscheint naheliegend. Und im Journalismus gilt immer noch die Faustregel: Das Naheliegende ist meist die Wahrheit.

Bei Collien Fernandes ebenso wie für den „Spiegel“ wäre es mindestens üble Nachrede, wenn behauptet wird, Christian Ulmen habe Deepfakes mit KI gefertigt. Etwa die „Tagesschau“ und weitere berichtende Medien werden in den kommenden Tagen und Wochen möglicherweise Post von den Anwälten von Christian Ulmen bekommen. Und der Fall Vosgerau versus Correctiv hat gezeigt, dass sich die Beklagten warm anziehen müssen.

„Nius“ hatte den richtigen Riecher und die richtige Schlagzeile: „Verschickte Christian Ulmen doch keine Deepfakes?“

Alexander-Wallasch.de wird sich zeitnah die vom „Spiegel“ zitierte neue Studie der Bundesregierung und des Bundeskriminalamts genauer anschauen, die erklärt hat: „Jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren digitale Gewalt erlebt“. Mal sehen, was dabei herauskommt.

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