Tanz auf dem Vulkan oder Venceremos?

Unser Mann ist in Havanna angekommen

von Alexander Wallasch

Eine Zusammenarbeit zwischen Weltwoche und Alexander-Wallasch.de© Quelle: Christian Witt

Fotograf und Autor Christian Witt ist in Havanna angekommen. Hier die ersten Eindrücke seiner Ankunft und was die Leser in den kommenden Tagen erwarten dürfen. Russland will aktuell Trumps Blockade brechen. Ein Putin-Tanker nimmt Kurs auf Kuba. Und auch ein Aktivistenkonvoi aus linken Unterstützern soll Kurs auf Kuba genommen haben.

Christian Witt ist gestern Abend in Havanna angekommen. Die Reise führte von Istanbul über Zürich und eine Nacht in Madrid direkt nach Kuba. Am Flughafen José Martí landete die Maschine bei feucht-regnerischem, aber nicht unangenehmem Wetter. Der Flughafen wirkt etwas in die Jahre gekommen, doch die viele junge Mitarbeiter zeigte sich freundlich und aufmerksam. An Personal mangelt es auf der Insel nicht.

Vom Flughafen aus wird unser Mann in Havanna von einem großen, alten Chevy aus den 1950er Jahren abgeholt, den die Unterkunft organisiert hatte. Die Fahrt durch die nächtliche Stadt habe sich schon sehr karibisch angefühlt berichtet Witt am Morgen via WhatsApp-Telefonie. Irgendwelche Versatzstücke einer revolutionären Symbolik sind ihm nicht ins Auge gefallen: Che-Guevara-Bilder oder Ähnliches am Flughafen und auf der Strecke in die Altstadt: Fehlanzeige – zumindest nicht in den ersten Stunden.

Die Unterkunft in Havanna, gelegen zwischen Promenade und Hafen, kostet umgerechnet 15 Euro pro Nacht. Der Transfer vom Flughafen schlug mit dreißig Euro zu Buche, was teuer, aber ein echtes Abenteuer darstellt. Auf den Straßen fahren zwar auch moderne Autos und zunehmend Elektrofahrzeuge – China hat große Solarfelder errichtet –, doch insgesamt herrscht erschreckend wenig Verkehr. Benzin kostet hier auf dem freien Markt um die zehn Euro pro Liter, und die monatliche staatliche Zuteilung von zwanzig Litern pro Familie ist schwer zu bekommen und schnell verfahren.

Internet und Kommunikation funktionieren problemlos: WhatsApp, Facebook und andere Dienste sind weder gesperrt noch blockiert.

Die ersten Eindrücke von den Menschen – am Flughafen, an der Rezeption, beim Fahrer – wirken entspannt, berichtet Christian Witt, aber die Stimmung sei spürbar zwiespältig, sobald das Gespräch auf die Zukunft kommt.

Mit zwei Deutschen, mit denen Witt in einer Bar ins Gespräch kommt, drehte sich das Gespräch schnell um Donald Trump und die USA. Während es einigen Kubanern mit der Armut reiche – eine Übernahme durch die USA würde vielleicht endlich Wohlstand bringen –, stellen sich andere sich quer und wollen keinesfalls der 51. Bundesstaat werden.

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In den nächsten Tagen will Christian Witt sich in der Altstadt orientieren, durch die Gassen zwischen Malecón und Hafen streifen, Fotos machen und Eindrücke sammeln. Besonders im Blick hat er den anstehenden Nuestra América Convoy – auch als Convoy oder Flotilla bezeichnet – der in den kommenden Tagen in Havanna eintreffen soll.

Dieser Hilfskonvoi bringt Nahrungsmittel wie Reis, Medikamente und andere Hilfsgüter mit, um die US-Blockade symbolisch zu durchbrechen. Organisiert wird er von linken Gruppen wie Progressive International unter Beteiligung von Aktivisten, die bereits bei ähnlichen Aktionen für Gaza dabei waren – auch Greta Thunberg wird in dem Zusammenhang genannt. Er wird diesen Konvoi auf jeden Fall dokumentieren.

Zusätzlich steht auch eine kulturelle Geschichte auf Christians Programm: Nach vierzig Jahren Pause hat sich eine Gruppe um einen Musiker wieder zusammengefunden. Am 23. März treten sie in einem stilvollen Theater auf – ein Revival, das begleitet und dokumentiert werden soll.

Noch ausstehend ist eine Sicherheitseinweisung an der Rezeption, bei der Christian erklärt werden soll, was zu beachten ist und wo man sich aufhalten darf. Er hat angegeben, hauptsächlich in der Altstadt und Umgebung unterwegs zu sein.

Das Bauchgefühl sage ihm, so berichtet er uns via WhatsApp, dass hier in den nächsten Tagen oder Wochen etwas passieren könnte. Die Widerstandskraft der Kubaner gegen äußeren Druck – gerade unter Trump – ist schwer einzuschätzen, doch eine gewisse Spannung liegt in der Luft. Es fühlt sich nicht an wie unmittelbar vor einem Umsturz, aber die Veränderungen und die Diskussionen über die Zukunft sind schon nach wenigen Stunden Aufenthalt spürbar.

Heute Mittag wird sich erstmal zeigen, wie die Versorgung mit Lebensmitteln tatsächlich läuft. Was findet sich nicht in den Läden und was steht noch auf den Speisekarten der Restaurants? Kaffee gibt es jedenfalls – stark, lecker und für umgerechnet fünf Cent die Tasse. Milch ist seltener, aber purer kubanischer Kaffee funktioniert bestens, so Christian Witt, Fotograf und Autor aus Havanna für „Weltwoche“ und Alexander-Wallasch.de.

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