Heute ist Vatertag. Eigentlich sollte er ein Fest sein. Ein Tag, an dem Kinder ihren Vätern selbstgebastelte Karten schenken, an dem Familien gemeinsam durch den Wald spazieren, an dem gelacht und gegrillt wird. Stattdessen liegt über diesem Tag in diesem Jahr eine schwere, bleierne Stille.
Der Vatertag war schon immer das Stiefkind unter den Elternfesten. Muttertag wird in Kitas und Schulen zelebriert, mit Blumen und Liedern. Beim Vatertag zuckt mancher schon mit den Schultern. Zu kompliziert die Verhältnisse, zu viele geschiedene Eltern, zu viele Patchwork-Familien. Man will ja niemanden „brüskieren“.
Und so verkommt der Tag vielerorts zur Karikatur: Männer mit Bollerwagen, viel Bier, wenig Sinn. Dabei erzählen die stillen Väter in diesem Land ganz andere Geschichten – Geschichten von früh aufstehen, spät nach Hause kommen, von Verantwortung tragen, wenn niemand zusieht. Doch in diesem Jahr 2026 fühlt sich selbst diese abgenutzte Tradition wie Hohn an.
Denn während hierzulande manche noch überlegen, ob sie einen Ausflug machen oder einfach nur einen freien Tag genießen, liegen Tausende Väter in der Ukraine in kalten, schlammigen Gräben. Manche sind schon lange nicht mehr am Leben. Sie starben nicht heldenhaft, wie es in den Nachrichten manchmal klingen soll. Sie verreckten elendig. Manche auf der Stelle. Viele schreiend, stundenlang, bis der letzte Atemzug verklang und niemand kam, um sie zu holen. Ihre Söhne neben ihnen. Jungen, die selbst einmal Väter werden wollten.
Krieg ist eine hungrige Bestie. Und er frisst vor allem Väter und Söhne. Mütter sterben meist nicht auf dem Schlachtfeld – sie sterben, wenn Bomben Krankenhäuser, Schulen oder Wohnblocks treffen. Sie sterben mit dem Schmerz, ihre Männer und Kinder verloren zu haben. Die Familienfotos auf dem Nachttisch haben schwarzen Rahmen. Die Stimme des Vaters verstummt für immer in den Ohren seiner Kinder.
Und während das geschieht, boomt anderswo die Rüstungsindustrie. In Deutschland wird sie sogar als „Hoffnungsträger“ für die Wirtschaft gefeiert. Panzer, Raketen, Munition – Aktienkurse steigen, während in der Ukraine ganze Generationen ausgelöscht werden. Familien werden nicht nur getrennt, sie werden ausgelöscht. Für immer. Zurück bleiben Mütter, die ihre Söhne nie wieder in den Arm nehmen können, und Kinder, die nie wieder „Papa“ sagen werden.
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Dieser Vatertag sollte 2026 kein Feiertag sein. Er sollte ein Gedenktag sein. Ein Tag, an dem wir uns klarmachen, was Vatersein wirklich bedeutet: Schutz, Vorbild, Anker in stürmischer Zeit. Und ein Tag, an dem wir die ermorden lassen, die genau diese Rolle nie wieder ausfüllen dürfen.
Echte Väter machen echte Männer. Das klingt altmodisch, fast schon verboten in manchen Kreisen. Doch genau diese Männer werden gebraucht – jetzt mehr denn je. Jungs und Mädchen brauchen Leitsterne in einer Zeit, die zunehmend ideologisch verrückt, kriegstreiberisch und seelenlos wird.
Jungs und Mädchen brauchen Väter, die ihnen zeigen, dass Stärke nicht darin besteht, andere zu zerstören, sondern darin, für etwas einzustehen. Für das Leben. Für die Familie. Für die Zukunft. Viele Väter werden diesen Vatertag nicht mehr erleben. Viele Söhne werden nie Väter werden.
Deshalb: Umarmt eure Väter heute besonders fest. Sagt ihnen, was ihr sonst vielleicht aufschiebt. Und vergesst nicht diejenigen, deren Vatertag für immer in einem fremden Feld endete oder in der verteidigten Heimaterde – tot ist tot.
Ruht in Frieden, ihr gefallenen Väter. Eure Kinder werden euch nie vergessen. Und wir sollten es auch nicht.
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