Und warum die nächste große Friedensbewegung vielleicht von rechts kommen könnte

Vom Klimaapokalypse zum Ukraine-Krieg: Wie die Linke ihren inneren Kompass und die Friedensbewegung verlor

von Alexander Wallasch

Die „taz“ auf der Suche nach einer neuen Front© Quelle: Ebay.com/Screenshot, taz.de/Screenshot, Montage: Wallasch

Wann hat die Linke aufgehört, Krieg vom Ende her zu denken? Statt Diplomatie und Frieden wird heute bedingungslose Unterstützung des Ukraine-Krieges propagiert – sogar in einst linken Medien. Ein ukrainischer Reporter beschreibt die wachsende Gewalt gegen Rekrutierer im Hinterland und die tiefe Kriegsmüdigkeit der Gesellschaft. Ein Kommentar über ideologische Selbstaufgabe.

Wann hat die „taz“ eigentlich ihren inneren Kompass verloren? Zunächst hatte sich der ehemalige Chefredakteur Peter Unfried von der Demokratie zugunsten der Klimarettung verabschiedet und damit sogar noch einen grünen Minister Habeck irritiert. Dann hatte „taz“-Frau Ulrike Hermann das Ende des Kapitalismus zugunsten der Weltrettung ausgerufen, aber gleichsam ein Ende der Demokratie gemeint, weil lästig und ja sowieso schon alle Fragen beantwortet sind, wozu noch debattieren? Ideologie versus Meinung.

Die treuen „taz“-Leser haben die Orientierung verloren und dann wurde ihnen auch noch die Papierversion als physisches Erkennungszeichen weggenommen, kein Zeitungsmüll mehr auf der WG-Toilette und auch nicht im Mehrgenerationenhaus auf dem Küchentisch.

Und weil das alles noch nicht schlimm genug war, verabschiedete sich die linke Zeitung auch noch von der Friedensbewegung und wurde zum Sprachrohr der Falken des Ukraine-Krieges. Nicht, dass es viele innerukrainische Argumente gegen eine Verteidigung gegen den Angreifer Russland gebe. Aber es gehört zur linken DNA zwangsläufig dazu, Krieg immer vom Ende her zu denken: Welche diplomatischen Wege sind nötig, um das Sterben so schnell wie möglich zu beenden?

Zwischenzeitlich hat die „taz“ einen in der Ukraine lebenden Journalisten eingestellt, der den Krieg und das Sterben direkt in das linke Blatt trägt. Aber wie kritisch und kriegsmüde darf man 2026 noch gefahrlos aus der Ukraine berichten? Und welche journalistischen Vorbilder soll so jemand haben, wenn die deutschen Kollegen wie der „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt im freien Westen Verdienstorden der Ukraine annahmen für Propaganda für Waffenlieferungen?

Juri Konkewitsch, so heißt der Reporter, der für die „taz“ aus der Ukraine berichtet, hat sich heute einem besonders düsteren Kapitel dieses Krieges gewidmet und berichtet Beunruhigendes. Der Autor schreibt erstaunlich freimütig darüber, dass die Menschen in der Ukraine mittlerweile nicht einmal mehr vor Mord zurückschrecken, wenn die Feldjäger kommen, um die jungen Männer an die Front zu holen:

„Im dreizehnten Kriegsjahr und im fünften seit der russischen Vollinvasion ist die Uniform der ukrainischen Armee zum Ziel geworden – nicht an der Front, sondern im Hinterland.“

Hellhörig macht der Satz auch dort, wo kein Hehl mehr daraus gemacht wird, dass dieser Krieg eben nicht erst mit dem Angriff Russlands begann. Aber wie dann? Die New York Times berichtete im Februar 2024 davon, dass die CIA seit 2014 ein Dutzend geheime Spionagebasen entlang der russischen Grenze finanziert und teilweise ausgestattet habe inklusive Trainings von Elite-Einheiten. Ebenso ABC News und die Washington Post.

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Der ukrainische Kriegsberichterstatter für die „taz“ berichtet von Morden an Militärs, die Männer für die Front einsammeln. Aber wie hoch ist die Überlebenschance für einen ukrainischen Soldaten an der Front? Wann wird eine Flucht etwa nach Deutschland zur Notwehr?

Konkewitsch schreibt für die „taz“, Politologen meinten, dass das Thema Mobilmachung in einer erschöpften Gesellschaft unbeliebt ist. Ein komischer Satz, denn daraus ließe sich ableiten, dass Mobilmachung zu einer anderen Zeit durchaus beliebt sein könnte. Aber in welcher Gesellschaft nach 1914 soll das so sein?

Der Hass sei gewachsen, so der Autor. Die Frage, ob man diesen Krieg nicht längst hätte beenden können, wird nicht erörtert. Hier und dort war zu lesen, die Ukrainer seien kriegsmüde geworden. Aber was bedeutet „kriegsmüde“? Was wäre das Gegenteil? Kriegsgeil?

Die „taz“ veröffentlicht auch den folgenden Absatz, der nicht wenige Leser ratlos zurücklassen wird:

„Während die einen nach Ausreden suchen, kämpfen die anderen schon seit Jahren an der Front. Selbst diejenigen, die die übelsten Kommentare schreiben, werden jeden Tag von Menschen in Uniform beschützt. Wenn man anfängt, gegen sie zu kämpfen, müssen sich die Russen nicht mal mehr anstrengen.“

Das ist so wahr, wie es zweifellos auch vollkommen falsch ist. Klar ist nur, dass Krieg das Ende jeder internen Debatte bedeutet. Ein „Waffengang“, wie es manchmal noch heute euphemistisch heißt, ist zunächst das Ergebnis einer gescheiterten Diplomatie. Kriege suchen Sieger, sei es, dass auf einer Seite niemand mehr da ist, der noch jemanden auf der anderen Seite totschießen kann, oder weil die andere Seite die feindlichen Linien überrollt und ihr Kriegsziel erreicht hat.

Erst die Erkenntnis, dass keine Seite den Sieg für sich erringen kann, ist der erste Schritt zur Diplomatie. So zumindest die Argumentation der Unterstützer der Ukraine. Für diese Idee haben Kanzler Scholz und Nachfolger Merz den Ukrainekrieg zur Schicksalsfrage auch für Deutschland gemacht. Wann werden in Deutschland die Tarnjacken aus den weißen Bussen springen und Jagd auf Kriegsdienstverweigerer machen?

Nein, es gibt in Deutschland keine Friedensbewegung mehr. Jedenfalls nicht im traditionellen Sinne, wenn linke Blätter wie die „taz“ ihre DNA geopfert haben und zum ukrainischen Propagandaorgan mutiert sind. Aber vielleicht erwächst daraus auch eine neue Chance: Warum soll die nächste große Friedensbewegung nicht von Rechts kommen, etwa mit einem Tino Chrupalla an ihrer Spitze?

Ich habe früher selbst regelmäßig für die "taz" geschrieben.

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