Unsere journalistische Geheimoperation „Iran“ ist mit dem Angriff der Israelis und Amerikaner gegen den Iran der Mullahs sprichwörtlich in letzter Sekunde ins Wasser gefallen.
Am Samstagmorgen um 8:15 Uhr rief mich mein Kontaktmann aus Teheran an und sagte, dass wir die Reise erst mal abblasen sollten, weil der Krieg jetzt ausgebrochen sei. Da habe ich gesagt: Ja, alles gut, viel Glück. Ich melde mich wieder. Seitdem hat er sein WhatsApp noch nicht wieder abgerufen.
Ich wollte tatsächlich in den Iran, um einfach Stimmungen einzufangen, zu gucken, wie geht es den Leuten, was ist auf der Straße los? Was ein bisschen problematisch war, war das Erteilen des Visums, denn das ging, umgeschaltet auf Sicherheitsstufe, nur noch mit Einladung. Es brauchte dann etwas, bis ich diese Einladung hatte. Jetzt ist das Ganze erst einmal on hold. Das ist ja alles im Prozess. Man weiß heute noch nicht, was morgen ist. Ich bin auf jeden Fall weiter in Warteposition.
Das heißt konkret, es hat sich quasi um einen Tag überschnitten, dass wir dich auf die Reise schicken wollten und die Amerikaner die Idee hatten, den Iran anzugreifen und damit deine Reise zu canceln.
Genau. Also das hat nicht sollen sein. Es gibt Leute, die sagen: Gut, dass du nicht gefahren bist! Und ich sage: Ach, schade, dass ich sozusagen nicht live dabei gewesen bin. Denn ich für mich – und das ist natürlich Eigenverantwortung! – bin immer der Meinung, dass man, wenn man sich fernhält von irgendwelchen Zielen, nicht so schnell involviert ist in irgendwas.
Geplant war die Reise gemeinsam mit Tichys Einblick und meinem Portal. Auch Roland Tichy konnte sich spontan für die Idee begeistern, erinnerte aber auch an die Gefahren. Es ging also darum, Einblicke, Geschichten und bewegte Bilder aus dem Teheran von 2026 mitzubringen. Das wurde jetzt abrupt durch die israelisch-amerikanische Intervention unterbunden.
Am heutigen Nachmittag haben wir uns noch einmal zusammen telefoniert und etwas Neues beschlossen. Und du willst jetzt doch für uns auf Reisen gehen.
Ich hatte vorsichtshalber stufenweise Flüge in Richtung Teheran gebucht. Das heißt Istanbul, Jerewan und vielleicht auch über Baku. So wollte ich mich dann südwärts der Grenze nähern. Aus der ganzen Region fahren normalerweise preiswerte Busse in den Iran hinüber. Wenn ich noch ein Visum bekomme, möchte ich die nächste Gelegenheit wahrnehmen, um einen Bus in Richtung Iran zu nehmen. Jedenfalls dann, wenn sich der Rauch etwas verzogen hat.
Die Hauptnachrichten kommen aktuell aus der Golfregion, also eher dem südlichen Iran. Du würdest dich ab Mittwoch trotzdem auf den Weg machen für uns Richtung Armenien und dann versuchen, von Norden aus mal zu schauen, was da im Dreiländereck Türkei-Iran-Armenien gerade passiert.
Ich rechne damit, dass die Leute vor Ort auch darüber reden und in den Cafés vielleicht ein bisschen erzählen. Ich gucke mir mal an, wie es an der Grenze so aussieht, ob es ein Grenzverkehr gibt, wie viel in die eine und wie viel in die andere Richtung geht. Ich will mich einfach rein spüren. Ich bin da eher Mäuschen, das beobachtet und so Geschichten aufnimmt, die sich ergeben.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Du warst schon mehrfach in Jerewan.
Ich war schon dreimal in Jerewan und auch einmal in Richtung der iranischen Grenze. Aber ich habe es bisher immer aufgespart, irgendwann mal in den Iran rüberzufahren. Ich will mich jetzt dem gesamten Grenzgebiet nähern und damit auseinandersetzen.
Jetzt bist du nicht ausschließlich als Journalist unterwegs, sondern auch als Filmer und Fotograf. Was macht da für dich den Unterschied? Hast du einen anderen Fokus? Schaust du anders, gehst du anders an die Sachen heran?
Das sind für mich zwei Gleise. Ich bin ja sozusagen von Haus aus eher einer, der guckt und der von Motiven gefunden wird, der schnell mal eine Situation oder eine Begebenheit festhält. Da komme ich her. Aber mit dem Gedanken, mit den Eindrücken dann auch in Worten zu spielen, das ist meine zweite unabhängige Schiene.
Du bist vor wenigen Tagen oder Wochen für uns in Grönland gewesen. Du fährst jetzt für Tichy und Wallasch nach Jerewan. Das sind schon Welten, die dazwischen liegen.
(Lacht) Und davor war ich in Burkina Faso und Ghana. Ja, die Welt ist groß und rund.
Und du erkundest das. Aber die Heimat bleibt Deutschland? Oder löst sich das schon langsam auf?
Tatsächlich habe ich Diskussionen mit meiner Katze und habe auch das Gefühl, dass meine Hühner mich nicht mehr erkennen. Aber noch kann ich es ganz gut wegstecken. Ich brauche allerdings auch – und jetzt vor allem im Frühjahr – demnächst auch mal wieder ein bisschen Gartenarbeit. Das ist sozusagen das Braune, das aus dem Grünen wegkommt.
Das armenische Jerewan wird deine erste Station. Dein Basis-Camp, von dem aus du in die verschiedenen Richtungen schaust. Magst du noch ein paar Sätze zu Jerewan selbst sagen? Was ist das für eine Stadt?
Es ist eine Stadt, der man die sowjetische Geschichte noch ansieht und auch merkt, dass ganz viele Russen da Asyl gefunden haben und sich selbstständig gemacht haben, vor allem im IT-Bereich. Russisch ist sehr präsent. Das ist die eine Geschichte, die einem begegnet. Dann hat man den Einfluss aus dem Iran, weil viele gemeinsamen Volksgruppen angehören. Es ist eine schöne und eine spannende Ecke.
Ich war beispielsweise das letzte Mal bei einem rund 2000 Jahre alten Garni-Tempel. Der einzig erhaltene heidnisch-römische Säulentempel im Kaukasus. Die Kultur ist hier reich und vielfältig - zwischen eindeutig europäisch und schon einem Hauch orientalisch. Man sieht die Türkei von Jerewan aus. Ein spannendes Gebiet zwischen den Welten. Und die Gegenwart schreibt wieder ganze neue Geschichten, denen ich für euch nachspüren werde.
Gute Reise!
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung