Christoph Schlingensief über Michel Friedman: „Hauptsache Du hast Dich selber gern …“

Vorsicht: Diese Webseite steht den Reichsbürgern nahe – Sagt Michel Friedman, um Maaßen zu schaden

von Alexander Wallasch (Kommentare: 28)

Wie kommt Michel Friedman dazu, so einen Unsinn über meine Arbeit zu erzählen? Natürlich: Nur um einen noch größeren Unsinn über Hans-Georg Maaßen erzählen zu können!© Quelle: Youtube/ Arte, privat, Bildmontage Alexander Wallasch

Der Anwalt Michel Friedman gibt der Frankfurter Rundschau ein Interview, in welchem er Hans-Georg Maaßen als „Brandstifter“ bezeichnet und die Seite alexander-wallasch.de als ein „Publikationsorgan, das den 'Reichsbürgern' nahesteht“. Beides ist falsch.

Der bekannte TV-Moderator und CDU-Parteimitglied Michel Friedman wäre als blitzgescheiter Anwalt sicher ein weiterer exzellenter Kronzeuge gewesen, bestimmten schlingernden Leichtmatrosen in der CDU-Führung klar zu machen, wie wichtig es ist, den Parteifreund und Anwaltskollegen Hans-Georg Maaßen als herausragenden Analysten und potenziellen Postennehmer in der Partei zu halten.

Darüber haben bisher noch die wenigsten nachgedacht: Vielleicht hat Maaßen ja selbst bald die Nase voll von diesem Friendly Fire gegen ihn aus wenig berufenem Mund, von Hinterbänklern der CDU, die sich mit Maaßen-feindlichen, ehrabschneidenden Äußerungen an die Medien heranwanzen, die wiederum nach solchen charakterlich gescheiterten Figuren Ausschau halten.

Leider hat Michel Friedman seine Chance nicht genutzt, sich für Maaßen stark zu machen. Zwar ist er nicht dafür bekannt, immer den leichten Weg zu wählen, aber hier hat er sich den Medien-Claqueuren der CDU inhaltlich angepasst und wollte sie noch übertreffen.

Michel Friedman polarisiert als Typ. Hier ist es leicht zu sagen: Der nervt. Aber Anwälte sind oft schrill, das mag der Beruf mit sich bringen, der so ein rechthaberisches Durchbeißen geradezu herausfordert.

Wer Friedman als Typ kennenlernen will, dem empfehle ich diese wunderbare Folge „Durch die Nacht mit Schlingensief und Friedman“. Unvergessen jene Szene, als der prominente Anwalt dem bekannten – leider viel zu früh verstorbenen – Künstler und Regisseur bei Friedmans Hausitaliener Trüffelpasta bestellt und ihm unaufgefordert fürsorglich mit seiner Gabel auf dem Teller des Gegenüber die Nudeln umrührt (ab Minute 19:05).

Hier der selbstbewusst weltmännisch auftretende Friedman, dort der seine Umgebung achtsam scannende Schlingensief, beide in Hochform. Ich hatte Friedman über diese Nudelszene zeitwillig fast ins Herz geschlossen und sie mir mehrfach angeschaut.

Von der Trüffel-vergoldeten Nudel zurück zu Michel Friedman versus Hans-Georg Maaßen. Hier nämlich komme ich ins Spiel. Und es kommt mir bei Friedman so vor, als hätte er bei Alexander Wallasch nicht nur die Nudel umgerührt, sondern mich am Schlafittchen gepackt, über den Tisch gezogen und mit dem Kopf mitten in seine schon umgerührte lauwarme Pasta gedrückt.

Michel Friedman bezeichnete meine Webseite nämlich jetzt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau als „ein Publikationsorgan, das den 'Reichsbürgern' nahesteht“.

Mutmaßlich auch, um Neugierige davon abzuhalten, sich selbst zu informieren, dass diese Zuweisung nicht zutrifft, nannte Friedman meine Webadresse vorsorglich nicht. Die Rundschau hatte Friedman folgende Frage gestellt:

„Herr Friedman, der frühere Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, ein CDU-Mitglied, hat in einem rechtspopulistischen Portal gesagt: 'Nach grün-roter Rassenlehre sind Weiße eine minderwertige Rasse'. CDU-Chef Merz findet diese Äußerungen zwar 'inakzeptabel', ein mögliches Parteiausschlussverfahren hält er aber für offen. Wie finden Sie das?“

Nun ist das Maaßen-Zitat Teil einer Antwort einer Interview-Reihe, die ich seit Juni 2022 einmal die Woche mit Hans-Georg Maaßen führe.

Ich hatte Dr. Maaßen gefragt, warum die Ampel Merkels Migrationspolitik fortsetzt, obwohl jedermann sieht, was sie für einen Schaden anrichtet.

Hans-Georg Maaßen hatte unter anderem geantwortet:

„Sie sagen mittlerweile ganz offen, um was es geht. Die deutschen 'Weißbrote' oder 'Kartoffeln' – damit sind wir Deutschen gemeint – werden in fünfzig bis hundert Jahren gar nicht mehr existieren, und es sei gut, dass Migranten zu uns kommen, damit es diese 'Weißbrote' nicht mehr gebe.“

Damit bezog sich Maaßen explizit auf den Gründer einer von einem ihrer ehemaligen Kapitäne „linksextrem“ bezeichneten sogenannten Seenotretter-Organisation. Ulrich Reitz vom Focus hat dazu bereits umfangreich recherchiert.

Dort wird auch aufgeführt, was genau der Extremist der Antifa-zur-See geäußert hat – Axel Steier heißt der Mann:

„Alle hoffen auf Besserung, auf ein Ende von Rassismus und Abschottungspolitik. Ich fürchte, dass das nicht kommt, solange Deutschland existiert. Das ist alles so verfestigt und in den regelhaften Strukturen fest verankert, das ist mit Reformen nicht zu lösen.“

Aber damit noch nicht genug, Steier legte nach:

„Wir sitzen am längeren Hebel. Bald ist Schluss mit dem lustigen Leben als Weißbrot!“

Und weiter:

„…es wird irgendwann keine Weißbrote mehr geben, weil ihre Nachkommen in 50 bis 100 Jahren (offenbar anders als Sie) für ein´n Partner*in entscheidet, der nicht weiss ist. Die Enthomogenisierung der Gesellschaft schreitet voran. Ich unterstütze das mit meiner Arbeit.“

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Der Focus fasst es so zusammen:

„Die Gleichung, die der Seenotretter aufmacht, lautet: Deutsche sind 'Weißbrote'. Die Aufnahme von Flüchtlingen aus nicht-europäischen Staaten führt zu einer 'Enthomogenisierung' der Gesellschaft, womit gemeint ist, dass es in einem Zeitraum x keine weißen Deutschen mehr gibt.“

Hier muss man sich die Frage stellen, ob Michel Friedman diese für eine Beurteilung der Maaßen-Aussagen so ungemein wichtige Vorgeschichte überhaupt kennt oder wahrgenommen hat. Denn was Friedman im Verlauf des Interviews über Hans-Georg Maaßen sagt, lässt diesen Schluss leider nicht zu. Und es ist auf eine Weise scharf und diffamierend, dass man dafür schon gewichtige Gründe braucht.

Aber zurück zum Interview Wallasch/Maaßen. Der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes weiter:

„Das ist Rassismus, der gegen die einheimischen Deutschen betrieben wird. Vor einem solchen Rassismus würde uns in jedem anderen Land der Welt die Genfer Flüchtlingskonvention von 1953 schützen. Wenn hier nun von Politikern und Haltungsjournalisten behauptet wird, einen Rassismus gegen Weiße oder gegen Deutsche gebe es nicht, dann bedeutet dies, dass politische Verfolgung aus rassischen Gründen gegen Weiße erlaubt ist, und dies ist nichts anderes, als uns abzusprechen, dass wir gegenüber Migranten gleichwertige Menschen sind.“

Und dann die Maaßen-Aussage, die ins Zentrum der Inquisition gestellt wird, aber im Kontext schlicht überhaupt keinen Raum für irgendeinen der Vorwürfe gegen Maaßen bietet (wir kommen gleich dazu):

„Dieses Denken ist Ausdruck einer grün-roten Rassenlehre, nach der Weiße als minderwertige Rasse angesehen werden und man deshalb arabische und afrikanische Männer ins Land holen müsse. Diese grün-rote Rassenlehre ist in den Köpfen der so genannten Antideutschen entstanden, einer linksextremistischen politischen Sekte, der mittlerweile viele grüne und auch sozialdemokratische Politiker anhängen.“

Was macht Michel Friedman in besagtem Interview mit dem Tagesspiegel daraus? Die Schlagzeile lautet: „Michel Friedman im Interview: 'Maaßen ist ein Brandstifter'.“

Maaßen stehe, so Friedman, „nicht am Rand der CDU, sondern er steht außerhalb einer demokratischen Partei“. Aber natürlich: Das war Friedman noch nicht genug Ätzschaum gegen den CDU-Parteifreund:

„Es geht um das Fundament dieser Bundesrepublik Deutschland, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Diesen Anspruch erfüllt Herr Maaßen nicht. Er ist ein Antidemokrat. Er ist ein geistiger Brandstifter, der die Menschenwürde und Menschenrechte und damit das Grundgesetz mit Füßen tritt.“

Friedman fordert von der CDU gegenüber Dr. Maaßen „Wehrt den Anfängen“. Und Friedman behauptet, Dr. Maaßen tue so, „als sei die 'weiße Rasse', wie er sie nennt, mittlerweile in der Minderheit und müsse sich deshalb wehren.“

Es ist bekannt: Friedman ist ein schneller und kluger Denker. Er muss also genau wissen, dass das so nicht stimmt, der Focus hatte den Kontext ja recht sauber herausgearbeitet.

Aber warum schert sich Friedman nicht darum? Das gesamte Interview erscheint wie eine Aneinanderreihung von Ressentiments gegen "Nazis", ausgekübelt zum Gaudi der regierungsnahen linksradikalen Frankfurter Rundschau.

Michel Friedman redet sich in Rage. Wer Hans-Georg Maaßen kennt, wer ihn jede Woche zu den Themen der Zeit interviewt, wer liest, was Dr. Maaßen gesagt oder geschrieben hat, der erkennt schnell den diffamierenden Unsinn, den Michel Friedman so hemmungslos über Hans-Georg Maaßen ausschüttet:

„Die politische Debatte, wann 'die dunkelbraune' Linie überschritten ist, ist unverzichtbar, umso mehr die Enthemmung und Schamlosigkeit der antidemokratischen Antisemiten gewachsen ist.“

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Das ist eine Eskalation der Begrifflichkeiten, die weit über jene Linie hinauskatapultiert, bis zu der man das gesprochene Wort noch ernst nehmen muss. Das ist die düstere Form einer Logorrhoe, ein Schrei nach Aufmerksamkeit, der nicht davor zurückschreckt, dem Gegenüber erheblichen Schaden zuzufügen. Friedman endet mit den Worten:

„Die Wölfe haben ihren Schafspelz längst ausgezogen, und auch Maaßen hat seinen Schafspelz längst ausgezogen.“

Damit kippt es dann endgültig ins Unsagbare. Was Friedman hier sagt, erinnert auf fatale Weise an eine der übelsten Karikaturen der Nachkriegszeit, als der Spiegel den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki als tollwütigen zähnefletschenden Pittbull auf sein Cover setzte mit der Überschrift „Der Verreißer“.

Man kann sich kaum vorstellen, wie sich der Holocaust-Überlebende Reich-Ranicki gefühlt haben muss, 1993 im gerade wiedervereinigten Deutschland, fünfzig Jahre nach Nazi-Propagandafilmen, in denen Juden mit Ratten verglichen wurden, auf dem Spiegel als bissiger Hund abgebildet zu werden. Ein gigantischer Tiefpunkt des deutschen Journalismus. Ein düsterer Moment.

Michel Friedman hat mutmaßlich Kenntnis auch von dieser scheußlichen Spiegel-Entgleisung. Wenn er also den Tiervergleich mit Maaßen vornimmt, dann macht er das mit Vorsatz. Maaßen ist der Wolf, der sich erst dumm stellt und dann sein wahres Gesicht zeigt? Hier ist es müßig, sich zu fragen, warum die Deutschen wieder als minderbemittelte Schlafschafe hingestellt werden.

Zum Schluss noch einmal kurz zurück zu alexander-wallasch.de: Michel Friedman behauptet in der Frankfurter Rundschau also, mein Portal stände den Reichsbürgern nahe: „Das Ganze auch noch in einem Publikationsorgan, das den 'Reichsbürgern' nahesteht.“

Das ist mehr als nur eine Dummheit, die Friedman im Eifer einer aufmerksamkeitsheischenden Interviewsituation geäußert hat. Es ist gelogen und eine üble Nachrede. Es widerstrebt mir zutiefst, diesen Friedman-Unsinn noch mit Belegstellen als Unsinn zu beweisen. Belegstellen müssten selbstverständlich von Friedman kommen, bevor er solche diffamierenden Aussagen tätigt.

Ich habe mich mehrfach in Artikeln auf meiner Seite zu Reichsbürgern eindeutig geäußert. Und ich habe das schon zuvor bei Tichys Einblick mehrfach getan. Wie kommt also Michel Friedman dazu, so einen Unsinn über meine Arbeit zu erzählen? Natürlich: Nur um einen noch größeren Unsinn über Hans-Georg Maaßen erzählen zu können!

„Jetzt musst Du eine Minute Geduld haben, damit es reinzieht“, sagt Friedman zu Schlingensief während er ihm die Trüffelpasta umrührt. Und gleich im nächsten Satz:

„Viele sagen mir auch, sag mal, wie gehst‘n damit um, dass so viele Leute dich nicht gern haben? Sage ich: Ich will überhaupt nicht, dass mich viele Leute gern haben. Was ist das für ein Erfolg?“

Schlingensief fragt daraufhin: „Hauptsache  Du hast Dich selber gern …“

Friedman: „Das ist der Beginn. Und zwar nicht im narzisstischen Sinne, sondern im authentischen Sinne.“

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