Johann Wadephul hat ausgesprochen, was Ressorts monatelang umschrieben. Nicht in einem Hinterzimmer. Im Springer-Interview.
„Wir können schon Daten zur Verfügung stellen.“
„Wir wissen ja, wer hier lebt, wer hier Sozialleistungen zum Beispiel bezieht oder wer hier angemeldet ist, wer einen Aufenthaltsstatus hier hat. Da haben wir natürlich Daten zur Verfügung.“
Die ukrainische Regierung könne diese Männer anschreiben, „dass sie herangezogen werden sollen“.
Ronzheimer hakte nach: Bekäme Kiew Adressen vom Auswärtigen Amt oder über die Botschaft? Bekämen die Betroffenen Post von der Armee? Wadephul bestritt das nicht. Er sagte nur: ohne Zwang.
Ohne Zwang ist die Beschwörungsformel. Der Vorgang heißt anders. Wer Melde-, Aufenthalts- und Leistungsdaten eines Schutzsuchenden für einen Staat nutzbar macht, der an der Front Personal sucht, macht aus einem Aufenthalt eine Zustellungsadresse. Das ist der Skandal. Nicht die Tonlage. Die Datei.
Als Weg schob Wadephul das Berliner „Zentrum“ dazwischen. Genau jenen Unity Hub, über den diese Seite seit Monaten berichtet: öffentlich Sprachkurs, Jobberatung, Begegnungsstätte; zugleich ukrainische Hoheit auf Bundesliegenschaft, abgesichert durch eine Absichtserklärung vom Februar 2025. Der Minister sagt jetzt selbst, das Zentrum betreue Ukrainer und könne „natürlich auch“ genutzt werden, wehrfähige Männer zur Rückkehr aufzufordern. Die Entscheidung treffe Kiew.
Damit ist das Katz-und-Maus-Spiel zu Ende. BMI und Arbeitsministerium antworteten uns auf Fragen nach Datenflüssen, Adressen und Jobcentern ausweichend: keine Zwangsauslieferung, alles freiwillig, Fragen bitte an die Ukraine. Die Ukraine antwortete nicht. Wadephul hat die Leerstelle gefüllt. Der Hub ist der Anspracheweg. Offen bleibt nur, woher die Adressen stammen sollen. Aus deutschen Registern. Er hat es gesagt.
Rund 355.000 Männer zwischen 18 und 63, die im Zusammenhang mit dem Krieg nach Deutschland kamen, standen Ende Mai 2026 in den Zahlen. Der Außenminister spricht über sie, als lägen sie dem Auswärtigen Amt zur Verfügung. Das Gegenteil ist wahr. Sozialdaten unterliegen dem Sozialgeheimnis.
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Die Bundesregierung ist nicht Eigentümerin dieser Register. Eine ukrainische Wehrpflicht erzeugt keine deutsche Übermittlungsbefugnis. Die Ukraine hat keinen Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission. Wer nach Nationalität, Geschlecht, Alter und Leistungsbezug auswählt, damit ein anderer Staat „heranziehen“ kann, braucht ein Gesetz. Wadephul hat keines genannt. Er hat nur gesagt: Wir haben die Daten.
Im selben Interview verlangt er von Selenskyj mehr Aufträge für die deutsche Rüstungsindustrie, damit sich die Hilfe für den Steuerzahler „zurückzahlt“. Waffenwirtschaft hier, auffindbare Männer dort. Beides in einem Atemzug.
Deshalb gilt, was auf dieser Seite schon 2023 stand, als Kiew erstmals öffentlich über die Rückholung wehrfähiger Männer aus Deutschland sprach: Wer hier Schutz gefunden hat, darf nicht über deutsche Register an die Front beordert werden. Deutsche Behörden dürfen Sozial- und Meldedaten nicht als Zustellungsfalle an einen Drittstaat weiterreichen, nur weil dort Menschen gebraucht werden.
Rechtsanwalt Dirk Schmitz hat Strafanzeige und Strafantrag gegen Wadephul und bislang unbekannte Verantwortliche erstattet, nachrichtlich an den Generalbundesanwalt, die Bundesagentur für Arbeit und die Bundesdatenschutzbeauftragte. Der Schriftsatz nimmt den Minister beim Wort und verlangt die Sicherung der Übermittlungswege, Empfänger und Datenfelder. Er stützt sich auf die hier dokumentierte Behördenkommunikation: dementierte Zusammenarbeit, öffentlich beworbenes Zentrum, jetzt die ministerielle Beschreibung desselben Zentrums als Anspracheweg.
Ob am Ende § 203 StGB, das Sozialdatenstrafrecht oder andere Tatbestände tragen, entscheidet die Ermittlungsakte. Politisch ist der Fall gesetzt. Ein Bundesaußenminister hat erklärt, besonders geschützte Datenbestände für die Mobilisierung eines anderen Staates nutzbar zu machen. Das muss man nicht „thematisieren“. Das muss man gesetzlich begründen. Oder sofort beenden.
Gleichzeitig fordern wir betroffene Ukrainer auf, sich den Strafanträgen anzuschließen. Direkt bei Rechtsanwalt Schmitz, kostenfrei.
Anlage:
Strafanzeige und Strafantrag von Rechtsanwalt Dirk Schmitz M.A., Iserlohn, an die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Johann Wadephul und bislang unbekannte Verantwortliche.
Strafanzeige und Strafantrag wegen Verdachts systematischer rechtswidriger Übermittlung Personendaten ukrainischer Flüchtlinge auch durch die Bundesagentur für Arbeit
- 20260910strafanzeigewadephulaw.pdf [235,2 KiB]
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Kommentar von Palmström
Vielen Dank für die Srafanzeige.
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Kommentar von Malduror
Verstehe diesen Artikel nicht: Wir unterstützen die Ukraine bis zum_geht_nicht_ mit Geld und Waffen; wundern uns aber, daß sie Soldaten brauchen, um diesen Krieg zu führen, den sie ja auf keinen Fall verlieren dürfen. Das ist dieselbe Logik wie alles auf Strom umstellen, aber gleichzeitig die Kraftwerke sprengen. Sorry, aber hier haben einige Unverantwortliche Pech beim Denken. Übrigens bin ich gegen diesen Krieg, der nur wegen der Profite der Hochfinanz und der Rüstungsindustrie geführt wird.
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Kommentar von Ombudsmann Wohlgemut
Freiwillig, na klar.
Deshalb betreibt man auch so einen Aufwand und will extra Leute anschreiben, die absichtlich nicht in der Ukraine blieben, weil sie eben nicht an die Front wollen. Das gäbe eine Erfolgsquote von etwa 0%.
Das wird genauso freiwillig wie bei Corona, es finden sich schon Mittel und Wege, damit man "freiwillig" zur Schlachtbank läuft.
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Kommentar von stephan manus
Die Personalsituation der ukrainischen Armee ist am absoluten Kippunkt wegen der enormen Verluste auf Seiten der Ukraine. Das absolute Minimum sind 30.000 Einberufungen monatlich, besser 40-50000 (Budanov. Artikel Ukraine Pravda "Ukraine needs to mobilise at least 30,000 people every month – Head of President's Office").
Die deutsche Regierung (CDU/CSU/SPD) will unbedingt sicherstellen, dass ihr Stellvertreter, die Ukraine, in ihrem Krieg gegen Russland "wehrfähig" bleibt.
Es gibt nur 3 Möglichkeiten oder eine Kombination daraus:
1. Einberufung wehrfähiger ukrainischer Männer in D/EU
2. Einberufungsalter runter auf 20 oder 18 Jahre
3. Einberufung Frauen
1 oben halte ich wie im Artikel beschrieben für schwierig. Die Anzahl der monatlich benötigten Soldaten ist riesengross. Selbst Deutschland oder andere europäische Länder würden das nicht schaffen. Wie soll das bei der, was die Bevölkerung betrifft, mittlerweile kleinen Ukraine funktionieren? Unmöglich. Die Bevölkerung ist mittlerweile auf max 25 Mio geschrumpft. Davon die Hälfte Rentner und Kriegsversehrte.
Meine Empfehlung wäre Frieden. Die Bedingungen Russlands werden immer härter werden. Der Traum der deutschen Regierung Russland zu besiegen ist Fantasy. Genauso der Traum der baltischen Staaten Russland in 50 kleine Länder aufzuteilen.
Keine Waffen, kein Geld für die Ukraine. Humanitäre Hilfe und Diplomatie sollte die Position von Deutschland sein. Ein sofortiges Friedensabkommen (Parameter sind bekannt) sollte verhandelt werden. Forderungen nach Waffenstillstand oder weiterer Selbstgesprächsorgien sind aussichtslos. Dann bräuchte es weder Geld für Waffen noch Geld für die Kriegsfinanzierung.
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Kommentar von Manfred Sonntag
Das sollen Demokraten sein?
Ich denke, die CDU und ihre Politiker sind Abgesandte der ideologischen Hölle welche sich an den grauenhaftesten Beispielen in unserer Geschichte orientieren. So ließ Robert Koch vor ca.120 Jahren das erste KZ der Menschheitsgeschichte mitten in Afrika von den Briten errichten. Sie halfen ihm auch Indigene einzuliefern und zu bewachen (https://www.deutschlandfunk.de/menschenexperimente-robert-koch-und-die-verbrechen-von-100.html). Genauso wie heute Wadephul mit der Ukraine dem Sadismus Vorschub leistet. Aber auch die Straffreiheit des Dr. H. Hopp welcher in Chile schwerste Verbrechen beging ist ein Beispiel für die Verkommenheit unserer Politik (https://www.ecchr.eu/fall/colonia-dignidad-bleibt-dunkles-kapitel-deutscher-justizgeschichte/).
Über die DDR haben sie sich echauffiert und jetzt ist die CDU selbst Söldner in Draculas Folterkammer.